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Fremdbestimmung – Wo bleibt mein Leben?

Fremdbestimmung

Wenn ich Hundert Stiefmütter frage, was ihr größtes, individuelles Problem ist, bekomme  ich wahrscheinlich Hundert unterschiedliche Antworten. Auf die Frage, welches ihr jeweils zweitgrößtes Problem ist, antworten dann fast alle das Gleiche: Die Fremdbestimmung.

Kaum jemand kann sich vorstellen, wie übermächtig die Fremdbestimmung im Leben einer Vizemutter ist, wie sehr ihr Leben oft von Anderen abhängen kann. Übrigens nicht nur von den Launen einer Ex-Frau oder pubertierender Stiefkinder. Ganz andere Abgründe der Fremdbestimmung können sich auftun.

Fremdbestimmung im Alltag

Ich weiß, ich weiß, gleich wird wieder der berühmte Satz kommen: „Aber sie wusste doch, dass er Kinder hat und es dazu auch eine Mutter gibt.“ Klar wusste sie das, aber keine Vizemutter kann sich anfangs vorstellen, was das wirklich bedeuten wird. Keine ahnt bereits in den ersten verliebten Tagen oder Wochen, wie oft sie ihre Zähne noch zusammenbeißen wird. Gerade dann nicht, wenn sie selbst bisher noch keine Kinder hat und dem Thema Familie etwas romantisierend gegenüber steht. Aber was bedeutet Fremdbestimmung eigentlich in ihrem Alltag? Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Und hängt zum Beispiel auch davon ab, wie das Verhältnis zwischen ihrem Mann und der Ex aussieht. Daran kann ein ganzer Rattenschwanz hängen.

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Zum einen gibt es die Fremdbestimmung auf der privaten Ebene. Die Wochenendplanung einer Vizemutter wird gerne man von seiner ExFrau bestimmt, ihr finanzieller Rahmen oft von seinen Kindern, und wenn es um das Thema Urlaub geht, ist sie nicht selten das letzte Glied in der Kette derer, deren Wünsche gehört werden. Der Zeitrahmen wird zum Beispiel von der Mutter gesetzt, die sagt, wann sie Urlaub nimmt und welche Wochen dann also für den Vater übrig bleiben. Auch wenn die Vizemutter vielleicht gerne einmal in die Karibik fliegen würde – mit kleinen Kindern geht es nun mal eher nach Bayern oder Dänemark – oder man bleibt im eigenen Garten. Und zwei Urlaube, einmal mit und einmal ohne Kindern, sind finanziell selten drin. Wobei das tatsächlich oft vorhersehbare Dinge sind, auf die man sich tatsächlich in einer Beziehung mit einem Mann mit Kind einstellen sollte.

Vater+Kind / Stiefmutter

Viele Stiefmütter erzählen mir, dass sie an den Kinderwochenende zwar prima einkaufen dürfen, und putzen, und Wäsche waschen, und Ausflüge organisieren … aber sich nicht bei der Erziehung einmischen sollen. Egal ob die Kinder rotzfrech sind, sie ignorieren oder einfach randalieren – sie geht das nicht an. Es passiert zwar direkt neben ihr, vielleicht wird sie sogar körperlich angegriffen oder gezielt gemobbt, aber der Vater (und auch viele Mütter) sind der Meinung, sie solle sich raushalten.

Nicht selten ergreift der Vater sogar die „erzieherische Maßnahme“, mit dem Kind nach einer Attacke auf die Stiefmutter Eis essen zu gehen. Oder macht einen kleinen Papa-Kind-Ausflug. Für sie stellt sich das als Belohnung für das Kind dar, der Vater denkt, es sei eine gute Methode, die Situation zu beruhigen. Räusper.

Wer mischt sich im Leben der Vizemom ein?

Sind sich ihr Mann und seine Ex auch noch spinnefeind, kann es der Vizemom passieren, dass ihre Wohnung oder gar ihr Leben vom Jugendamt oder Verfahrensbeiständen kontrolliert wird. Unangemeldet, versteht sich. Monieren die etwas, sollte sie dem besser sofort nachgeben und für Änderung sorgen. Ist ihr Sachbearbeiter im Jugendamt besonders prinzipientreu, wird er nicht mit ihr reden – auch dann nicht, wenn die Kinder bei ihr leben. Vor dem Familiengericht wartet sie draußen auf dem Flur, wie eine Unbeteiligte. Ein Mitspracherecht hat sie nur in sehr geringem Ausmaß, aber die Entscheidungen, die von Behörden getroffen werden, muss sie mittragen.

Sogar auf das Berufsleben einer Vizemutter kann die erste Familie Einfluss nehmen. Ein Punkt, bei dem das Familienrecht erneut ins Spiel kommt, und von dem wirklich kaum eine Stiefmutter vor ihrer Beziehung gehört hatte. Kann ein Mann den Mindestunterhalt für seine Kinder nicht zahlen, muss seine neue Frau ihm gegebenenfalls „Taschengeld“ zahlen, welches dann direkt an die erste Familie geht. Falls die aber von Hartz vier lebt, kommt dieses „Taschengeld“ gar nicht bei Ex und Kindern an. Der Staat steckt sich das Geld, indirekt, in die Tasche. Ich kenne Frauen, die nur halbtags arbeiten, da das Geld, welches sie mit einem Vollzeit Job verdienen würden, ansonsten an die Jobcenter der jeweiligen Mütter ginge. Und ich kenne Frauen, die ständig Überstunden schieben, damit erste und zweite Familie versorgt werden können.

Hätte die Stiefmutter das vorher wissen müssen?

Das sind extreme Spitzen, zugegeben. Aber würden Sie auch so einer Vizemutter sagen, das hätte sie doch vorher wissen müssen? Ich habe Patchworkerinnen erlebt, die sind freiwillig in die Psychiatrie gegangen, weil sie ihren fremdbestimmten Alltag nicht mehr ertragen haben. Andere stehen kurz vor dem Burn-Out. Viele gehen zu Psychologen, weil sie hier ihre Probleme schildern können, ohne angegriffen und beschimpft zu werden. Respekt für ihren Job als Vizemutter ernten nur sehr wenig Frauen.

Wer jetzt meint, eine Mutter hat es als Vizemutter einfacher, der irrt. Deren Probleme sind anders, aber nicht weniger belastend. Darüber werde ich demnächst schreiben. Wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel und ich freue mich über Input.


Wo empfindet Ihr Fremdbestimmung in Eurem Leben? Wie habt Ihr das Problem in den Griff bekommen? Bitte E-Mail mit Stichwort „Frenmdbestimmung“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

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