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Mini-Wife-Syndrom. Wenn Kinder zu Partnern werden

Skitter Photo, Stocksnap

Es gibt Stiefmütter, die fühlen sich auf seltsame Weise ausgeschlossen, wenn ihr Mann und ihre Stieftochter zusammen sind. Oft schämen sie sich für ihre Gedanken, halten sich selbst für übersteigert oder hysterisch, weil sich ihnen das Gefühl aufdrängt, es hier eher mit einer „Geliebten“ als mit einem Kind zu tun zu haben. Sie haben es mit einer Mini-Wife an Papas Seite zu tun.

Papas Nr. 1 – Das Mini-Wife Syndrom

Wenn Sie so eine Mini-Wife als „Nebenbuhlerin“ in Ihrer Beziehung haben, liegt es fast immer daran, dass Ihr Partner es nicht geschafft hat, Vaterrolle und Partnerrolle voneinander zu trennen. Da er seiner Tochter erlaubt hat, Bezugsperson, Vertraute oder Stütze zu sein, fühlt sie sich als legitime Gefährtin ihres Vaters. Die Folge: Jede andere Frau in Papas Leben wird zur Konkurrenz und muss eifersüchtig bekämpft werden. Teres erlebt das gerade.

In meinem Buch „Du hast mir gar nichts zu sagen“ habe ich einige dieser „Mini-Wifes“ und die Auswirkungen derartiger Papa-Tochter-Beziehungen auf die neue Partnerschaft beschrieben. Das „Mini-Wife-Syndrom“ kommt übrigens häufiger vor, als man denkt. Wobei die Beziehung der Mini-Wifes zu ihren Vätern nichts mit Sex (oder sexuellem Missbrauch) zu tun haben.

Patchwork ist extrem anspruchsvoll!

Teres hat mir einen Brief geschrieben, der die Situation ganz gut beschreibt. „Hallo zusammen. Ich bin 36, erziehe meinen zehnjährigen Sohn alleine und bin jetzt zum zweiten Mal in einer Beziehung mit einem Partner mit Kind. Mit dem ersten Partner, er hat einen sechsjährigen Sohn, habe ich zusammen gewohnt. Das Ganze hat leider nicht funktioniert. Seine Ex hat immer Theater gemacht seit dem Moment, als wir zusammen kamen. Das, obwohl sie schon über ein Jahr getrennt waren und sie es war, die ihn rausgeschmissen hatte. Außerdem hat sie das Kind als Waffe gegen ihn eingesetzt. Wenn er nicht gespurt hat drohte sie sogar, sich oder dem Kind etwas anzutun. Nach jedem Wochenende kamen Terror-SMS, Urlaube fielen ins Wasser, Kinobesuche, Essen mussten abgesagt werden usw. Es war schlicht nicht möglich, so eine Beziehung zu führen. Patchwork ist extrem anspruchsvoll meiner Meinung nach, und wenn die Fronten zwischen den Expartnern nicht geklärt sind, ist es nahe zu unmöglich.

Wenn Töchter den Platz als Partnerin eingenommen haben. #Mini-Wife Klick um zu Tweeten

Nun habe ich seit einem halben Jahr einen neuen Partner, der eine zehnjährige Tochter hat. Hier sind die Fronten zwischen den Ex-Partnern glücklicherweise geklärt. Mit seiner Tochter verstehe ich mich sehr gut. An sich perfekt. Was ich hier jetzt aber erlebe, ist eine sehr symbiotische Beziehung zwischen Tochter und Vater. Die Tochter ist eine Mini-Wife. Sie schläft neben ihm im Bett, sie kuscheln und umarmen sich viel, sie schaut im Haushalt und kümmert sich um Papi.

Zuviel des Guten

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Eigentlich herzig, nur fängt das an mich langsam zu nerven, weil ich es übertrieben finde. Wenn wir mit den Kindern zusammen sind, sitzt sie jeweils zwischen mir und meinem Partner. Wenn wir spazieren gehen, hängt sie an seinem Bein wie ein Klotz. Wenn wir etwas besprechen, kommt sie und unterbricht uns, um wieder im Mittelpunkt zu stehen.

Mir kommt es teilweise so vor, als hätte mein Partner eine kleine Ehefrau und nicht eine Tochter. Das beunruhigt mich etwas. Kennt sich jemand hier damit aus? Im Englischen gibt s ein Buch, das heisst „The Mini-Wife Syndrom“. Da geht es eben um getrennte Väter mit Töchtern, die den Platz als Partnerin eingenommen haben und es scheint, es kann dann enorme Probleme geben, wenn die Tochter das Gefühl hat, sie muss ihren Platz für Papas neue Freundin räumen.

Zum Glück wohnen wir noch nicht zusammen, wir wollen uns Zeit lassen. Nach meinem letzten Fehlversuch mit Patchwork bin ich auch vorsichtiger geworden. Mich würde es aber freuen, mich mit einer Stiefmutter auszutauschen, die es ebenfalls mit dem Mini-Wife-Syndrom zu tun hat.

Teres

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

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