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Die Bonus-Lüge

Liebe Community,

wer normalerweise an Bonus denkt, versteht darunter etwas Positives, bei Bankern vielleicht sogar etwas Gieriges, man bekommt etwas dazu, über das man sich freut. Der Begriff Bonus ist positiv belegt.

Vermutlich ist deshalb auch irgendwann die Begrifflichkeit Bonuskind entstanden. Um es positiv zu belegen, dem verstaubten Begriff Stiefkind einen poppigen Patchwork-Anstrich gebend. Aber ist das Besuchskind ein Bonus? Mit der Frage tangieren wir den nach meinem Verständnis ureigensten Grundkonflikt in Folgebeziehungen. Und um dieses Missverständnis ein für allemal aufzuklären: Nein, in den meisten Fällen ist es kein Bonus für eine neue Partnerin.

Vielmehr handelt es sich um einen grundsätzlichen Interessenskonflikt, der von allen Seiten viel Empathie, Kompromissbereitschaft, Respekt und Achtung erfordert. In genau dieser Achterbahnfahrt verlieren sich viele Paare, auch ein Grund, warum Patchworkkonstellationen häufiger scheitern, als andere Beziehungen.

Der Kindsvater ist hier nämlich als Hauptakteur mittendrin. Und ganz zu Beginn steht das erste grosse Missverständnis.

Sie stören doch gar nicht!

Einer meiner Lieblingssätze, den Partnerinnen immer wieder gerne hören, wenn der KV die frohe Botschaft verkündet, dass die Kinder zu einem Extrawochenende kommen dürfen und alles schon ausgemacht ist und er sie jetzt gleich holt. Dabei geht er natürlich davon aus, dass auch die neue Partnerin soviel Bonus wie möglich bekommen möchte und sich sehr freuen wird oder es zumindest klaglos akzeptiert, denn die Kinder stören doch gar nicht. Der Trennungsvater möchte seine Kinder so oft wie möglich sehen und geht selbstverständlich davon aus, dass es seiner Partnerin genauso geht. Und ist wie vor den Kopf gestossen, wenn die Dame des Hauses mit Verstimmung reagiert. Das interpretiert er natürlich  als zickigen Affront gegen seine geliebten Kinder und schon ist Streit vorprogrammiert. Wie sieht hier ein Lösungsansatz aus?
Meine Herren, die Dosis macht das Gift und der Ton macht die Musik!
Grundsätzlich gilt es zu verinnerlichen, dass eine neue Partnerin versucht, die Situation so gut wie möglich zu managen, denn sie liebt ja ihren Partner und möchte ihn unterstützen. Aber sie liebt den Partner TROTZ der Kinder und nicht DESWEGEN. Keine Frau der Welt wünscht sich grundsätzlich einen Partner der schon Kinder hat, damit sie sich darum kümmern darf.

Daher sind klare Absprachen das A und O. Es gilt ganz klare Vereinbarungen über den Umgang mit der Kindesmutter zu erzielen und an die wird sich dann auch gehalten. Wenn es davon Abweichungen gibt, müssen diese im Vorfeld mit der Partnerin besprochen werden. Einfach vor vollendete Tatsachen stellen geht nicht.

 

Angst ist ein schlechter Berater

Eine der Hauptursachen, warum Trennungsväter sich von den Expartnerinnen rumschubsen lassen ist die Angst, seine Kinder nicht mehr sehen zu können. Diese schwebt wie ein Damokles Schwert ständig über der neuen Beziehung und so manch tougher Mann wird zum Hampelmann seiner Exfrau, nur um nicht Gefahr zu laufen, die Kinder nicht mehr sehen zu können. Es wird wirklich alles akzeptiert und lieber ein Konflikt mit der neuen Partnerin in Kauf genommen, als klare Regeln zu positionieren. Das kann ein ständiger Schwelbrand in der neuen Beziehung sein, denn niemand findet es lustig, wenn dauernd geplante Wochenenden abgesagt, umgeplant und spontan als Kinderwochenenden neu geplant werden müssen. Da zeigt irgendwann die toleranteste Partnerin die rote Karte. Hier ist von allen Seiten Fingerspitzengefühl gefragt. Als neue Partnerin muss man diese Angst ernst nehmen, intensive Gespräche helfen oft. Der KV muss einen gesunden Weg finden, mit dieser Angst umzugehen und sich klar positionieren. Auch hier gilt es mit Augenmass vorzugehen, die meisten Stiefmütter, denen ich begegnet bin unterstützen den Umgang, aber lassen es nach langer Lernkurve auch nicht mehr zu, dass Konflikte mit der KM auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Und das ist gut so, nur so kann man ein gesundes Verhältnis zum Patchwork entwickeln. Da müssen Kindesväter auch mal lernen nein zu sagen und sich klar zur neuen Partnerschaft bekennen.

 

Überengagement-der Anfängerfehler 

Aber auch neue Partnerinnen machen häufig Fehler, meist aus Unwissenheit und mangelnder Kenntnis der Gesamtsituation und deren weitreichende Folgen. Sie legen Überengagement an den Tag. Der geliebte Partner soll sich unterstützt fühlen, schliesslich sind die Kinder ja ein Teil von ihm und man wusste ja, dass er Kinder hat (Auch so eine nette Killer-Phrase). Die Kinder sollen sich wohlfühlen, die Kindesmutter soll bloss keinen Anlass bekommen schlecht über die neue Partnerin zu denken. Es wird geputzt, gekocht und Aktivitäten geplant und nebenbei noch der Fachanwalt gegoogelt, denn Unterhaltsstreitigkeiten hat der Arme ja auch noch. Und ruck-zuck ist die neue Partnerin in der Patchworkfalle. Putzfrau, Nanny, Animateurin und Beraterin. Das nehmen viele Männer natürlich sehr gerne an und verstehen dann später die Welt nicht mehr, wenn die neue Partnerin diese Rolle dauerhaft dann doch nicht so spannend findet. Es ist auf Dauer dann halt nicht so toll, den ganzen Dreck wegräumen zu müssen, das gekochte Essen finden die Kinder vielleicht „eklig“ und die Kindesmutter stänkert trotzdem, selbst wenn man die Aufopferungsbereitschaft von Mutter Theresa hat. Es ist dann sehr schwer, aus dieser Falle wieder herauszukommen.

Besser ist es, sich von Beginn an zurückzunehmen. Sein Zirkus, seine Affen. Er will den Umgang, ergo muss der KV alles organisieren und tun. Putzen, Kochen, Spielen und die geplante Radtour mit dem Kumpel halt verschieben. Er ist für seine Kinder zuständig, die kommen nämlich, um Zeit mit dem Vater zu verbringen. Deshalb findet man als neue Partnerin zwar trotzdem statt, aber man ist keinesfalls Hauptakteurin in dem Konstrukt. Dabei sollte die neue Partnerin von Beginn an klare Grenzen definieren (die Kinder des Partners im Ehebett ist so ein beliebtes Thema), aber auch eigene Lösungsansätze leben. So sollte man sich als neue Partnerin stets klar machen, dass man keinen Einfluss auf die Erziehung hat. Man kann auf Einhaltung von Regeln bestehen, aber mehr nicht. Für die Erziehung gibt es die Eltern, da muss man auch mal lernen die Faust in der Tasche zu machen.

Sind ja nicht meine Kinder, denke ich mir dann immer. Dann kann PW auch klappen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch weiterhin gute Nerven!

Eure Regina

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