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Lieben Sie Ihre Stiefkinder? Und was hat das mit Ihrer Schwiegermutter zu tun?

Stiefkinder und Schwiegermuetter Stiefmutterblog

Heute bin ich mal böse – wie es sich für eine Stiefmutter gehört. Kennen Sie den? „Warum war Adam der glücklichste Mensch der Welt? Er hatte keine Schwiegermutter.“ Sie lachen, stimmt´s? Oder schmunzeln wenigstens, nicken zustimmend. Aber was passiert, wenn ich den Witz umformuliere und sage: „Warum war Eva die glücklichste Frau der Welt? Sie hatte keine Stiefkinder.“?

Glücklich ohne Stiefkinder?

Ooops, betretenes Schweigen. Das ist jetzt aber politisch unkorrekt. Die armen, unschuldigen Trennungs-Kinder. Darüber macht man doch keine Witze! Warum eigentlich nicht? Lachen befreit, Humor hilft auch in dunklen Lebenslagen weiter. Für Stiefmütter gilt eben nicht, dass sie mit dem Mann ihres Lebens alles auf Anfang stellen können, wie weiland Adam und Eva.

Als junges Mädchen hat sie vielleicht davon geträumt, einmal im weißen Prinzessinnen-Kleid vor den Altar zu treten und mit dem Mann ihrer Träume eine Familie zu gründen. Stiefkinder und Ex-Frauen kamen in diesen Phantasien wahrscheinlich eher nicht vor. Eine Stiefmutter macht also per se Abstriche vom Traum ihrer Teenagertage. Dazu  erwartet man von ihr, dass sie mit Begeisterung in ihrer neuen Familienkonstellation aufgeht. Wehe, sie ist nicht überglücklich mit den Kindern, oder es tauchen gar massive Probleme auf. Laut sagen oder gar öffentlich machen, dürfte sie das nicht.

Schuld ist immer die Stiefmutter

Warum nicht? Zum einen liebt ihr Göttergatte diese Kinder abgöttisch und wäre entsetzt, und zum anderen weiß eine Stiefmutter mittlerweile, dass Patchwork wunderbar funktionieren kann und sie mit den Stiefkindern und die mit ihr etwas Wunderbares dazu gewonnen haben. Stiefmütter lesen ja Erziehungsratgeber. Sie wissen: Stiefkinder sind Bonuskinder.

Empfindet sie die Kinder nicht als Bonus macht sie also etwas falsch. Das „Warum“ interessiert niemanden. Das Paradoxe ist: Stiefmütter selbst glauben das auch. Die Frau, die offen zugibt, als Stiefmutter nicht klar zu kommen, gesteht sich gleichzeitig ein, an ihrem eigenen Anspruch gescheitert zu sein.

Scheitern am eigenen Anspruch

Auch, wenn Männer das wohl nie verstehen werden: Frauen denken, sie wuppen alles, bekommen alles schon irgendwie hin. Gerade, wenn sie sich verlieben. Ein Mann möchte, dass seine Auserwählte genau so bleibt, wie er sie kennen gelernt hat. Frauen möchten aus dem einsamen Wolf einen zuverlässigen Familienvater machen. Aus dem schlunzigen Karohemd- und Bollerjeansträger hoffen sie, mit etwas Einkaufs-und Friseurgeschick ein smartes Male-Model zu zaubern. Und hat er Kinder, wird daraus das Patchwork Idyll aus dem ZDF Liebesfilm. Frauen glauben wirklich, dass sie das schaffen! Auch wenn das irreal ist. Und ihre Freundinnen reden ihr auch noch gut zu. Sind doch Kinder, das funktioniert ganz sicher.

Würde sie planen zu ihrem neuen Freund ins Haus seiner Mutter zu ziehen, wäre Alarm bei den gleichen Freundinnen. „Wie kannst Du nur? Mit der Schwiegermutter unter einem Dach? Die kontrolliert Dich bestimmt!“ Dabei haben die meisten Frauen heute ganz nette Schwiegermütter, die gar keine Zeit dafür haben, ihrem Sohn auf dem Kopf herum zu tanzen oder sein Leben zu kontrollieren. Die sind mit Arbeit, Volkshochschule oder Reisen so beschäftigt, dass sie oftmals noch nicht einmal als Babysitter einsetzbar sind. Geschweige denn die Zeit finden, die Schwiegertochter zu terrorisieren.

Kinder und Ex können Terror machen!

Wer für Terror und Knechtschaft allerdings jede Menge Zeit und Energie aufbringen kann – wenn sie will – ist seine Ex-Frau. Will die den Ex-Mann leiden sehen, geht das am besten über die Kinder. Richtig instrumentalisiert, können die wahre Folterknechte werden. So manche Stiefmutter erkennt dann erst, dass ihr Einfluss sich in äußerst geringen Grenzen hält. Statt einer perfekten Patchwork-Idylle lebt sie plötzlich einen Aschenputtel-Alptraum.

Erklären kann sie das niemandem. Sie hört dann maximal ein verständnisloses: „Es sind doch Kinder, das kann doch nicht so schlimm sein“ oder den Satz, den Stiefmütter am meisten hassen: „Du hast doch gewusst, dass er Kinder hat. Jetzt beschwer dich nicht.“

Schwiegermütter und Stiefkinder

Warum unterscheiden wir eigentlich zwischen Schwiegermüttern und Stiefkindern? So wie Schwiegermütter früher mit der Ehefrau um die Gunst des Sohnes buhlten, ihre angestammten Rechte verteidigten und dabei zum Teil mit harten Waffen kämpften, machen es heute etliche Kinder mit dem Vater. Alles soll nach ihren Regeln laufen, also nach den Regeln der alten Familie. So wie Schwiegermama damals auch wollte, dass die neue Frau nach ihren Rezepten kocht. Die Interessen der neuen Frau interessieren nicht.

Es ist nicht einfach, unter diesen Bedingungen seine Stiefkinder „über alles“ zu lieben. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Erwartungshaltung einfach zurückzuschrauben. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Sie sind nicht die Mutter, es sind nicht Ihre Kinder, Sie MÜSSEN sie nicht lieben. Ein freundliches Miteinander, Sympathie, Wertschätzung und gegenseitige Akzeptanz sind durchaus ausreichend. Gestehen Sie den Kindern zu, Kinder zu sein. Nehmen Sie nicht alles persönlich. Kinder können verletzen ohne es zu bemerken. Erwachsene übrigens auch.

Natürlich sind längst nicht alle Kinder Monster – es waren früher ja auch nicht alle Schwiegermütter böse. Aber eine Vizemutter, die es mit einer gehässigen Ex zu tun hat oder mit besitzergreifenden Bestimmer-Kindern, sollte taff sein. Ihr Leben wird nicht einfach. Aber sie kann sich aus den größten Konflikten herausnehmen. Das ist nicht leicht. Stiefmutter sein ist eben nichts für Feiglinge.


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