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Stiefmutter oder Stiefvater – wer hat es leichter?

Stiefvater oder Stiefmutter. Foto: Stocksnap, Ismael Nieto

Wer hat es leichter, Stiefmutter oder Stiefvater? Oder gibt es keine Unterschiede? Der Gesetzgeber fasst beide unter dem Begriff „Stiefelternteil“ zusammen. Außenstehende, also nicht in einer Patchwork-Konstellation lebende Personen, denken daher oft, die Umstände beider Stiefelternteile seien gleich. Weit gefehlt.

Stiefmutter oder Stiefvater – wer hat die bessere Situation?

Nach einer Trennung oder Scheidung leben die Kinder in neun von zehn Fällen bei der Mutter. Hat die einen neuen Partner bekommen die Kinder also einen Vizevater, der im Alltag mit ihnen zusammen lebt. Die Mutter gewährt ihm oft nicht nur ein Mitspracherecht in der Erziehung, sie fördert die Beziehung der Kinder zum Neuen, wünscht sich, dass die Kinder ihn als Vater ansehen.

Dahinter steckt der Wunsch nach einer intakten Familie – mit neuer Besetzung in der männlichen Hauptrolle. Die Beziehung zum Vater ist gescheitert, Vergangenheit. Der neue Mann ist in ihren Augen Zukunft, sowohl für sie als auch für ihre Kinder. Sie schaut also vorwärts, lobt den neuen Mann, wenn er sich um das Kind kümmert, animiert die Kinder sich gut mit ihm zu verstehen.

Nicht selten übrigens auf Kosten des leiblichen Vaters. Da sie den Kindern den neuen Mann nahe bringen will, ist es vorteilhaft, den Ex nicht auf einem zu großen Podest stehen zu lassen. Es gibt Mütter, die greifen in dieser Situation zu sehr subtilen, meist unbewusst eingesetzten Mitteln. Erzählen den Kindern, der Neue würde nach dem (ach so bösen) Papa endlich wieder Liebe in das Leben von Mama bringen, und sei sowieso ein viel besserer Kerl als Papa.

Der Stiefvater ist der Ritter auf dem weißen Pferd

Manche Frauen gehen sogar so weit, den Kindern zu vermitteln, der Vater sei schon immer ein Nichtsnutz (wahlweise auch ein Alkoholiker oder Schläger) gewesen, der sich nie gekümmert hätte (wahlweise keinen Unterhalt zahlt) nur um den neuen Mann in ein besseres Licht zu rücken. Er wird als „der Retter“ für Mama und Kind verkauft. Gott sei Dank ist das nicht die Regel, schwierig macht es die Situation aber für beide „Väter“. Der eine muss gegen die Lüge (wenn es denn eine ist) ankämpfen, der andere muss mit der Lüge leben, was gerade bei Kindern oft schwierig ist, da sie die Wahrheit tief im Herzen spüren und den Neuen für die Lüge erantwortlich machen.

Was ist die Intention dahinter? Wahrscheinlich nicht nur Rache am Ex, was oftmals die erste Erklärung ist. Ich vermute, es steckt auch der Gedanke dahinter, dem neuen Mann ein „gesäubertes Revier“ liefern zu können. Dem ist nämlich schnell klar, dass er seinen zukünftigen Alltag zu einem überwiegenden Teil nicht nur mit der Frau, sondern AUCH mit ihren Kindern verbringen wird. Daher fällt er eine endgültige Entscheidung pro Beziehung erst dann, wenn sich dieser Alltag für ihn als positiv darstellt.

Der Stiefvater lebt mit den Kindern

Wären nur die zwei Tage kinderfreier Paar-Zeit an den Papa-Besuchswochenenden in seinen Augen positiv, die zwölf Tage Alltag dazwischen aber purer Nervenkrieg, würde er schnell die Flucht ergreifen. Der Mutter ist das klar. Sie wird daher nicht nur versuchen, ihren Kindern den neuen Partner schmackhaft zu machen, sondern umgekehrt auch ihren Kindern sagen, dass die sich gut benehmen, den Neuen wie einen Vater respektieren und schätzen sollen.

Ein Vizevater wird also oft positiv in das Leben der Kinder eingeführt, lebt mit ihnen im Alltag, hat dadurch meist auch Einfluss, Erziehungsgewalt und Rückendeckung durch die Mutter. Ob er den Alltag mit den Kindern gut leben kann, hängt natürlich auch davon ab, wie die ihn aufnehmen, wie offen die gesamte Kommunikation in der Patchworkfamilie ist und wie offen er selbst für das neue Leben als Stiefvater ist. Und davon, genauso wie bei den Stiefmüttern, wie gut die leiblichen Eltern ihn integieren. Wie sich der Alltag für viele Wochenend-Stiefmütter darstellt, können Sie hier lesen.

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden

Foto: Stocksnap, Ismael Nieto

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