Ex & Next
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Krieg der Frauen – Die Kriegserklärung

Führen Frauen Krieg, wird es meist schmutzig. Schlammcatchen fällt mir hier als erstes Bild ein, oder die berühmte Giftmischerin. Spielregeln, Genfer Konventionen oder einen Code of Conduct gibt es nicht. Je böser, desto besser. Besonders schlimm kann es werden, wenn es sich bei den Kämpferinnen um Ex und Next handelt. Diese Kriegserklärung will gelernt sein und wer bereits lange auf dem Gebiet kämpft ist einem Neueinsteiger immer überlegen.

Der Krieg der Frauen – Die Kriegserklärung

Wie beginnt dieser Krieg eigentlich? Ganz unterschiedlich. Manchmal bestehen die Auseinandersetzungen zwischen dem Ex-Partnern seit Jahren, und die Stiefmutter wird einfach mit hinein gezogen. Vielleicht versucht sie zunächst noch, zu schlichten, oder zu vermitteln. Neu auf dem Gebiet der subtilen Kriegsführung kann es sein, dass sie dann bereits beim Erstschlag der Ex K.O. geht. Quasi noch bevor sie merkt, dass es überhaupt eine Kriegserklärung gab.

Wie sieht es aber mit der Stiefmutter aus, die als Kriegstreiberin dargestellt wird? Von der gesagt wird, alles sei doch prima gelaufen, bevor sie auf der Bildfläche erschien? Mutter und Vater hätten eine Regelung gehabt, mit der alles gut funktionierte und Probleme tauchten erst auf, als sie ins Spiel kam. Der Fall scheint klar, diese neue Frau ist die Kriegstreiberin wie aus dem Bilderbuch.

Schauen wir uns doch einmal an, was die Motive der Stiefmutter sein könnten, einen Streit mit der Ex anzuzetteln. Die Antwort der meisten Stiefmütter auf diese Frage lautet: Da gab es doch auch vorher gar kein wirkliches Miteinander, keine gemeinsamen Entscheidungen. Die Ex hat angeordnet, mein Mann ist gesprungen. Das hatte sich bei den beiden so eingespielt. Als ich dann ins Spiel kam, wollte ich einige Dinge nicht mehr so mitmachen. Ich habe dann einfach mal „Nein“ gesagt. Daraufhin ist seine Ex ausgerastet und unterstellt mir, eine Kriegserklärung abgegeben zu haben.

Moment einmal, ein einfaches „Nein“ kann einen Krieg auslösen? Ja, das geht, wenn dieses Wort vorher niemals benutzt wurde und die Mutter bei keiner Forderung auf Widerstand stieß. Dann ist ein schlichtes „Nein“ eine echte Kriegserklärung.

Herrschte denn vorher wirklich eitel Sonnenschein?

Ich versuche das anhand eines Beispiels zu erklären. Die Kinder leben bei der Mutter, der Vater sieht sie jedes zweite Wochenende und einmal in der Woche. Er zahlt Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle. Alles ist eingespielt. Nun agiert die Mutter vielleicht etwas spontan bei ihrer Freizeitplanung, fragt gerne freitags um halb sieben am Nicht-Besuchswochenende, ob Papa die Kinder nehmen könnte. Klar geht das, Papa ändert seine Pläne. Man will ja nicht ein stundenweise vom Gericht angeordneter Vater sein. Umgekehrt allerdings kam es noch nicht einmal vor, dass die Mutter einsprang, aber das hat der Vater gerne verdrängt.

Auch die Kinder kommen mit Forderungen oder Wünschen, die Papa erfüllen soll. „Mama hat gesagt, du sollst mit uns den neuen Ranzen kaufen“. Oder die neue Winterjacke, das neue Fahrrad, das neue Handy, das neue Computerspiel. Papa sieht gerne die glücklichen Augen seiner Kinder, wenn sie etwas auspacken. Er besteht also nicht darauf, dass diese Dinge vom Unterhalt gekauft werden müssten, den er doch regelmäßig zahlt. Er will ein guter Vater sein, verdient zwar nicht die Welt, aber dann spart er eben bei Ausgaben für sich noch etwas ein. Außerdem hat er schon einige Male erlebt, dass es Streit gab, wenn er nicht zusätzlich zahlen wollte.

Kommt jetzt eine neue Frau ins Spiel, kann es sein, dass sie diese Regelungen zwischen Mama und Papa nicht ganz so glücklich findet. Sie fragt sich vielleicht, warum immer nur einer einspringt. Oder warum immer nur einer für alle finanziellen Belange zuständig ist. Vor allem dann, wenn die Mutter vielleicht selbst einen guten Job hat. Aber die Stiefmutter sagt erst einmal nichts. Typischerweise ist ihre Einstellung zunächst: Sein Geld, seine Entscheidung.

Frieden herrscht nur, solange alle nach meiner Pfeife tanzen!

Dann kommt das erste Wochenende, an dem sie einen romantischen Ausflug mit ihrem Liebsten geplant hat und die Mutter mal wieder anruft, dass sie die Kinder außer der Reihe vorbei bringen möchte. Sie hätte etwas vor. Die Stiefmutter sieht, wie ihr Liebster wankelmütig wird. Kurz bevor er „ja“ sagt, schaltet sie sich aus dem Hintergrund ein, schaut ihn fragend an und sagt so etwas wie: „Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, dass du unseren Ausflug absagen willst“. Peng, das war sie. Die Kriegserklärung.

Fortan ist alles anders. Die Ex hat zum ersten Mal ihr Ziel nicht erreicht, klar gibt es da nur eine Schuldige – die böse Stiefmutter. Gehört die Mutter nicht zu den verständnisvollen, einsichtigen Frauen, die sich sowieso schon gewundert hatten, dass all ihre Ansprüche und Forderungen immer erfüllt werden, wird sie diese Absage nicht einfach auf sich sitzen lassen. Vielleicht wird sie vor lauter Wut sogar den Kindern sagen: „Euer Vater will euch nicht sehen, der hat jetzt nur noch Augen für seine Neue.“

Was würde die Gewerkschaft sagen?

Spielen wir die Details einmal in einer anderen Besetzung durch. Ein Arbeiter fährt Überstunden, unbezahlt natürlich. Dazu verzichtet er auf Lohn, da der Chef behauptet, der Firma würde es schlecht gehen. Der Chef ist zufrieden, alles läuft nach seinen Vorstellungen. Dann kommt ein neuer Mitarbeiter in die Abteilung, der in der Gewerkschaft engagiert ist und dem Arbeiter vermittelt, dass er nicht alles hinnehmen müsse, was der Chef sich so vorstellt. Vielleicht folgt sogar ein Streik. Logisch, dass dieser neuer Mitarbeiter beim Chef schlecht angesehen wäre.

Wahrscheinlich wäre die Mehrheit der Deutschen spontan auf der Seite des Gewerkschafts-Kollegen. Ausbeutung von Arbeitern geht ja gar nicht. Aber kaum jemand wäre bei dem von mir geschilderten Familienbeispiel sofort auf der Seite der Stiefmutter. Ausbeutung von Vätern ist nämlich legitim. In unseren Köpfen herrscht die Meinung vor, die erste Familie kommt zuerst, der Vater muss sich in erster Linie um die Kinder und die getrennte Frau kümmern und eine Stiefmutter, als letztes Glied in der Kette, hätte sich dem zu beugen. Ohne eigene Ansprüche zu stellen.

Natürlich ist das unrealistisch, jeder Mensch hat das Recht, Ansprüche an sein eigenes Leben zu stellen. Wenn das zu einer Kriegserklärung führt und eine Schlammschlacht nach sich zieht, sollten sich alle an die Nase fassen und überlegen, wo sie Abstriche machen müssten, damit wieder Frieden herrscht. Aber es ist einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen.

Susanne


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Foto: stocksnap

6 Kommentare

  1. annette sagt

    Exakt so lief es bei uns ab: Jahrelang alles halbwegs „harmonisch“ – und ich habe mitgespielt. Bis ich irgendwann mal „nein“ sagte bei einer Aktion. Danach war nichts mehr wie vorher…..Drama, Krieg, Feindbilder wurden von seiner Ex heraufbeschworen. Die Kinder in Loyalitätskonflikte gestürzt…bis heute, ca. 10 Jahre nach meinem ersten „nein“.
    Es gibt immer noch manchmal einen kleinen Augenblick, in dem ich mich fassunglos erinnere….

  2. Kerstin sagt

    Eine lustige Geschichte…. Ich habe ja Zwillinge, bereits reichlich lange vor der Geburt trennten der Erzeuger der Kinder und ich uns. Es war in sofern auch absehbar, dass von diesem Mann keine Reichtümer zu erwarten sind. Mit dem Erreichen seiner Erwerbsunfähigkeits-Rente war der Unterhaltsanspruch gegenüber seinen Kindern dann auch vollkommen vom Tisch.
    Für mich war das auch kein Drama. Ich hatte vor wieder zumindest 1/2 bis 3/4 zu Arbeiten, bis die Jungs in die Schule kommen und war mir sicher, dass wir entspannt durchs Leben kommen. Es mangelte an nichts, ich fühlte mich weder verarmt, noch als furchtbares Opferlamm.

    Und dann lernte ich eine Lektion. Als der künftige Gatte in mein Leben trat, da lernte ich sehr schnell, dass 800 Euro Unterhalt + Kindergeld nicht genügen um 2 Kinder satt zu bekommen. Das ist ja eine ZUMUTUNG. Verarmte Frau, das Leben ist gelaufen……..Logisch, dass Mann mit den armen Kindern noch zum Friseur musste, Klamotten kaufen und sonst jeden Wunsch erfüllen (Computerspiele, neue Möbel für ihr heimisches Kinderzimmer und auch hier musste ihnen alles geboten werden inkl. eigenen Fernseher).

    Ich fühlte mich schlecht. Ich versuchte mich zu erinnern, wann genau der Monat war, wo ich mal 1400 Euro nur für meine Kinder hätte ausgeben KÖNNEN und diese nicht mal gereicht hätten…. (nicht das ich das Gefühl hatte, dass meine Kinder auf irgendwas verzichten würden in ihrem Dasein). Natürlich musste gewartet werden und nicht jeder Wunsch wurde spontan von den Augen abgelesen. Aber es war für uns immer alles okay, wie es war.

    Und dann kam der Tag – ich werde es nie vergessen – einer meiner Jungs war mit dem Hund gegangen und hatte somit lediglich eine Aufgabe erfüllt. Da der Hund nicht ganz klein ist, stürzte der Junge irgendwo in der Matsche, als der Hund los laufen wollte. Die Hose war kaputt, als er Heim kam.
    Alles kein Drama, bis der Mann sagte: „Jetzt MUSS deine Mutter schon wieder neue Hosen besorgen!“ in einem Tonfall, dass ich fast fürchtete, dass mich dies finanziell endgültig ruinieren müsste.
    Es war der Tag, wo sämtliche Ungerechtigkeit über mich hereinprasselte und ich nur noch erwidern konnte, dass wenn andere Leute für 1400 Euro jeden Monat Hosen ohne Ende zumindest theoretisch kaufen KÖNNTEN, dann werde ich es auch noch schaffen für eine neue Hose Geld aufzutreiben – so mit letzter Kraft und ich empfinde das auch nicht als ZUMUTUNG, wenn das passiert *Ironie off*.

    Ich bin nicht neidisch – uns fehlte es nie an etwas. Ich habe immer für meine Kinder gesorgt. Nur manchmal tut es einfach weh, wenn man sich im Leben somit doppelt bestraft sehen soll. Einmal, weil man nie einen Cent gesehen hat vom Vater der Kinder – zum zweiten Mal, weil einem vor Augen geführt wird, was einem Kind so „zu zu stehen hat“, damit es vermeintlich „halbwegs gut“ durchs Leben kommen kann und diese „Trennungs-Misere“ irgendwie überwinden kann….
    (diese Misere hatten diese Kinder genau so wenig, wie meine, die einzige Gemeinsamkeit – keiner dieser Kinder erinnert ein „Familienleben“ in einer sog. Ursprungsfamilie).

    • Stiefmama sagt

      Ich persönlich finde es mittlerweile merkwürdig,dass IMMER die bösen Männer Schuld sind und alle keinen Unterhalt zahlen und sich dazu nicht oder mindestens zu wenig um die Kinder kümmern.
      Du schreibst,dass ihr euch lange vor der Geburt getrennt habt…wann denn eigentlich genau und wie lange wart ihr vorher zusammen?War es eine geplante Schwangerschaft? Wir Frauen werden auf jeden Fall schwanger,wenn wir es wirklich wollen,es sei denn eine körperliche Erkrankung oder ähnliches liegt vor.Wenn wir wirklich nicht schwanger werden möchten,sorgt jede Frau dafür es auch nicht zu werden und wenn wir Frauen doch ungewollt schwanger werden,dürfen wir immer noch drei Monate entscheiden wie unser Leben weiter geht. Ein Mann darf diesen Fehler nicht machen. Einmal nicht verhütet,vielleicht mit einer Frau,mit der er nur mal ein paar nette Stunden haben wollte, vielleicht auch mehr, aber auf jeden Fall noch kein Kind, aus welchem Grund auch immer. Aber peng,einmal nicht verhütet,die Frau will das Kind und ab jetzt muss der Mann plötzlich Vater sein. Sein Geld, seine Zeit, sein ganzes Leben mit Kindern und bis zu einer gewissen Grenze auch mit einer Frau teilen, die er vielleicht nie haben wollte. Beruflich habe ich mit Psychologen zu tun und eine sagte mir mal, wie soll ein Mann seine Kinder lieben von einer Frau, die er nie geliebt hat? Das ist für die meisten ein schwerer, langer Weg, einige schaffen es nie. Vielleicht sollten wir uns als Frauen mehr darüber bewusst werden, dass wir als Frau eben doch mehr Verantwortung für eine (un-) gewollte Schwangerschaft tragen als Männer (Ausnahmefällen sind natürlich Schwangerschaft durch Vergewaltigung).Ungerecht wie es im ersten Moment auch scheinen mag.
      Mein Mann ist auch Vater eines Kindes von einer Frau, die er nie geliebt hat. Er zahlt, er kümmert sich, mittlerweile liebt er sein Kind auch. Aber er liebt dieses Kind nicht so sehr wie die Kinder aus seiner ersten Ehe,die er vergöttert. Mein Mann sagte einmal,er weiß nicht wie es ist missbraucht und vergewaltigt zu werden,aber die ersten Jahre nach der Erzeugung des ungewollten Kindes haben sich so angefühlt,zumindest stellt er sich das so vor. Das Kind soll nie erfahren,dass es nicht so geliebt wird, nach außen hin sieht es wahrscheinlich auch niemand,aber ich sehe es und der Kleine tut mir nur leid. Und mit seinen 9 Jahren weiß er,dass irgendwas anders ist,auch wenn wir mittlerweile ein ganz normales Patchworkfamilienleben führen. Mein Mann sagt,dass ich es bin, warum heute alles so gut funktioniert. Anfänglich wollte ich das gar nicht hören,heute bin ich der Meinung,dass Stiefmütter und – väter mehr Respekt von der Gesellschaft zusteht. Wir sehen „unsere Kinder“ nämlich oft viel objektiver als die leiblichen Eltern es tun, gerade wenn sie mal wieder dabei sind sich gegenseitig zu zerfleischen,bin z.B. ich es der meinen weinenden Stiefsohn tröstet und ihm sagt,dass Mama und Papa mal wieder BEIDE blöd sind (obwohl es meiner Meinung nach vor allem die Mutter ist),jedoch.ist es für Kinder wichtig,dass weder Mama noch Papa „Schuld haben“…

      Eine Stiefmama

      • Susanne Petermann sagt

        Liebe Stiefmama, ich stimme dir absolut zu, dass eine Frau die Entscheiderin über die Frage Kind ja oder nein ist. Will sie es unbedingt, womöglich noch egal von wem oder um genau diesen Mann zu halten, ist der Vater nicht nur ausgeliefert sondern komplett hilflos. Sie kann abtreiben oder das Kind austragen, sie kann es betreuen, zur Adoption frei geben oder in die Babyklappe stecken. Sie hat die Wahl. Er nicht (mehr). Susanne

  3. > In unseren Köpfen herrscht die Meinung vor, die erste Familie kommt zuerst, der Vater muss sich in erster Linie um die Kinder und die getrennte Frau kümmern und eine Stiefmutter, als letztes Glied in der Kette, hätte sich dem zu beugen.

    Das ist sogar geltendes Recht. Hat der Vater eine neue Partnerin, wird ihm daraufhin gleich mal der Selbstbehalt heruntergesetzt, weil ihm durch diese neue Partnerin gleich mal eine Ersparnis unterstellt wird. Er hat auch von ihrem Geld zu leben, um möglichst viel Unterhalt zu bezahlen.

    Umgekehrt gilt das natürlich nicht. Die Mutter mit den Kindern kann auch zu einem Millionär ziehen, deswegen hat der Vater trotzdem voll zu bezahlen. Da können die Kinder mit dem Zweitjaguar des neuen Lovers zu Schule gefahren werden, eine unterhaltsrelevante Ersparnis wird im Gegensatz zum pflichtigen Vater von der Rechtspflege strikt verweigert.

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