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Trennung ja oder nein – Wo ist mein Platz?

Wo ist der Platz der Stiefmutter. Foto: Skitter Photo,stocksnap

Eine Patchworkbeziehung ist anstrengend. Soviel ist klar. Aber manche Beziehungen scheinen deutlich anstrengender zu sein als andere. Viele Stiefmütter schreiben mir von Situationen, bei denen ich als Außenstehende nur den Kopf schütteln kann. Oft geht es um Eifersucht, überwiegend aber schlicht und einfach um mangelnde Wertschätzung. Einige Frauen fragen mich dann um Rat, ob sie sich trennen sollen oder nicht. Die Frage „Trennung ja oder nein?“ kann ich nicht beantworten, aber ich kann eine kleine Hilfestellung bei der eigenen, ehrlichen Antwortfindung geben.

Trennung ja oder nein – Die 50/50 Regel

Ich habe Sie ja hier schon einmal gefragt, wo und wie Sie Ihre eigene Wertigkeit in der Beziehung sehen. Wenn Sie denn wollen… Eine gute Unterstützung dabei ist die 50/50=100 Regel. Als ich noch jung und naiv war, dachte ich, dass eine Beziehung auch dann hundertprozentig wäre, wenn einer 80% und der andere 20% investiert. Raten Sie mal, welche Investition ich damals oft tätigte? Richtig: Ich war die dumme Trine, die alles reingab, auch wenn nur wenig zurück kam. Warum ich das tat? Weil ich doch liebte und dachte, wer liebt, muss auch geben. Ganz selbstlos. Wie furchtbar enttäuscht und verletzt war ich dann, wenn ich merkte, dass es noch eine andere Frau gab, oder er eben doch nicht so richtig an mir interessiert war. Es hatte nämlich durchaus seinen Grund, warum er nur 20% investierte. Er war auch nur 20%ig interessiert.

Einen Vorteil hat es wirklich, älter zu werden. Man wird in Liebesdingen schlauer. Heute kenne ich die 50/50=100 Regel. Eine Beziehung ist nur dann 100%ig, wenn beide jeweils 50% einbringen. Das bedeutet nicht, dass man alle Aufgaben teilen muss. Einer kann durchaus immer den Abwasch machen, während der andere immer den Garten in Schuß hält. Oder einer verdient das Geld, der andere kümmert sich um die Kinder. Aber beide Partner müssen gleich viel einbringen und sich vor allem gleich viel wert sein. Nur 50 plus 50 ergeben in einer Beziehung wirklich 100. Wenn ein Partner generell nur 20% einbringt, kann ich das nicht durch 80% ausgleichen. Nie. Nein! Wirklich nie.

Wo ist mein Platz in der Beziehung?

Wenn Sie unsicher sind, wo Sie in der Partnerschaft überhaupt stehen, vielleicht sogar über Trennung nachdenken, ist folgende Frage immer hilfreich: „Wo ist mein Platz?“ In einigen Beziehungen, von denen mir berichtet wird, habe ich das Gefühl, die Stiefmutter hat gar keinen eigenen Platz. Sie schwirrt, wie eine Kellnerin im Restaurant, zwischen allen Parteien hin und her, probiert es allen Recht zu machen, hört sich alles an, versucht alles zu richten, hat selbst aber nie einen Platz eingenommen. Sie bleibt immer irgendwie außen vor und fühlt sich herumdirigiert.

Auch hier ist wieder die Frage wichtig: Warum mache ich das mit? Kann es sein, dass einige Frauen keinen eigenen Platz für sich in Anspruch nehmen, sondern noch darauf warten, dass man ihnen einen Platz zuweist? Ganz ehrlich – so läuft das nicht. Für mein Leben bin ich verantwortlich. Wenn ich einen bestimmten Platz haben möchte, muss ich ihn auch fordern und einnehmen. Sogar als Königin oder Prinzessin.

Es ist Ihr Leben, leben Sie es, wie Sie wollen!

Als Silvia von Schweden nach ihrer Hochzeit in den Palast einzog, verlangte sie eine Schreibmaschine (damals gab es eben noch keine Computer). Sie wollte ein eigenes Büro, sogar selbst Korrespondenz beantworten. Unerhört! Ihre Hofdamen meinten, dass es noch nie eine Königin gegeben hätte, die ein Büro führte. Das sei doch gar nicht ihre Aufgabe. Man wollte der jungen Königin erklären, was sie zu tun oder zu lassen hätte, versuchte, sie in die „richtige“ Richtung zu lenken. Viele Frauen hätten sich davon verunsichern lassen und getan, was erwartet wurde. Silvia tat das nicht. Sie hörte sich die Vorschläge der Hofdamen an, lächelte, und verlangte erneut nach einer Schreibmaschine. Sie wollte nicht den Platz einnehmen, von dem andere dachten, er wäre angemessen für sie. Sie wollte sich einen eigenen Platz schaffen und besetzten.

War das leicht? Ganz bestimmt nicht. Hatte sie Vorbilder? Als bürgerlich geborene Frau in einem königlichen Palast wahrscheinlich noch weniger. Aber sie hat getan, wovon sie dachte, dass es gut und richtig für sie wäre. Sie hat ihren eigenen Platz gewählt und eingenommen. Jede Stiefmutter muss ihren Platz für sich selbst finden, auch wenn das nicht immer leicht ist. Aber eines ist klar: Nur wenige Frauen werden auf einem Platz glücklich, der eigentlich für eine andere Frau reserviert war und auf dem sie gar nicht sein wollen.

Herzlich, Susanne

Foto: Skitter Photo, stocksnap

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