Erste Hilfe, Unterstützung, Ratgeber
Kommentare 4

Besondere Kinder

Besondere Kinder. Foto: Benjamin Combs, stocksnap

Hallo Susanne, ich möchte gerne einmal über mein Leben als klassische Stiefmutter, also Frau eines Witwers, erzählen. Das besondere an unserer Situation: Eines der Kinder meines Mannes hat eine geistige Behinderung. Vielleicht gibt es hier ja auch andere Frauen die besondere Kinder oder Stiefkinder haben.
Vor mehr als drei Jahren trennte ich mich in Einvernehmen von meinem Exmann. Ich blieb mit meinen beiden Kindern im gemeinsamen Haus. Ungefähr ein halbes Jahr später lernte meinen jetzigen Mann kennen. Auch er hatte zwei Kinder. Soweit so gut.

Meine Kinder haben meinen Mann gut angenommen und akzeptiert. Seine  achtzehnjährige grosse Tochter kommt auch ganz gut mit mir klar. Was mich schlaucht ist seine vierzehnjährige Tochter. Sie hat eine geistige Behinderung und agiert gegen mich. Ich habe sehr viel mit ihr arbeiten müssen, denn sie war vollkommen unselbstständig. Das Kind hat den Alltag der Familie bestimmt und stand ständig im Mittelpunkt.

Jetzt ist sie etwas selbstständiger, kann sich selber an und ausziehen, Brote schmieren. Ich leite sie dazu an, auch im Haushalt mitzuhelfen. Gut läuft es trotzdem nicht. Früher lief es alles besser für sie in ihrem kindlichen Denken. Ich bin einfach zu unbequem für sie. Aber ich meine es unendlich gut. Sie soll doch in dieser Welt zurecht kommen.

Mein Mann unterstützt mich und steht auch hinter mir. Doch das Kind spielt mich aus, wo es nur kann. Sie schubst mich zu Seite und sagt „weg“. Das kränkt und verletzt mich. Ich weiß, dass in ihrem Kopf ihre tote Mama ist. Darüber habe ich schon oft mit ihr gesprochen – auf ihre Art. Ich habe ihr auch oft Fotos gezeigt. Die Situation macht mich und meinen Mann müde. Wir renovieren nun das Haus meines Mannes, aber ich fühle mich noch nicht zuhause. Das Kind behauptet sein Revier. Auch wenn ich es vom Kopf her gut verstehe, tut es im Herzen weh. Danke fürs zuhören, vielleicht geht es ja anderen ähnlich.

Liebe Grüße, Sonny

Bitte E-Mail mit Stichwort „Sonny“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

4 Kommentare

  1. Sonny sagt

    Hallo,
    Noch ein paar Nachträge und Danke fürs zuhören.
    Ich habe selber ein autistisches Kind, das inzwischen sehr selbstständig zurecht kommt. Mein Bonuskind wurde nie so gehändelt. Ich habe mein Kind so erzogen, dass es in einem Orchester mitspielen kann. Mein Bk hat sein Leben lang ein Solo gespielt und es ist einfach schwer einem Kind in der Pubertät das beizubringen, was schon hätte 10 Jahre eher laufen müssen.
    Ich arbeite eng mit der Schule zusamme. Aber ich bin müde und habe keine Kraft mehr.
    Wir haben jetzt nach langer Zeit eine Frau vom Familienentlastenden Dienst gefunden und waren ein Wochenende weg.
    Ich arbeite selber mit Behinderten, Psychisch Veränderten Menschen zusammen.
    Weiß um die Trauerbewältigung, da ich selber Palliativfaxhkraft bin.
    Aber ich bin so müde und gestatte mir den Gedanken kaum, daß mein Bk mich schlaucht und erschoepft.
    Ich schäme mich für meine Schwäche. Weiß auch, dass ich über der Situation stehen muss, aber es ist sehr schwer.
    Danke fürs zuhören

    • Stefanie sagt

      Bitte schäme dich nicht für deine Gedanken oder deine Schwäche wie dus nennst, Sonny!!! Du bist erschöpft, ein besonderes Kind braucht viel mehr Zeit, Kraft und Energie und jeder von uns ist auch mal am Ende und kann nicht mehr. Du schreibst du arbeitest auch noch. Hast also nicht nur Kinder (und zwei davon sich besonders), einen Mann, ein Haus – nein, auch noch einen Job. Das ist sehr, sehr viel was du leistest, führ dir das vor Augen!

      Gut das ihr mal alleine weg ward! Und super das ihr euch Hilfe geholt habt! Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit für dich zu einem Heilpraktiker zu gehen und dich homöopathisch/pflanzlich etwas unterstützen zu lassen?

  2. Angela sagt

    Behinderte Kinder sind immer etwas ganz besonderes obwohl ich mir eingestehen muss. Ich arbeite auf Grund meiner Arbeit in der Kinderklinik mit vielen Geistig und körperlich Behinderten Kindern zusammen und ich erlebe gerade bei diesen Kindern unendliche Dankbarkeit und Zuneigung: Vielleicht auch weil ich diese Kinder nicht wie Babys behandle oder über Ihren Kopf hinweg sondern sie als Mensch betrachte wie Du und ich auch   denn viele machen diese Fehler das sie in Babysprache sprechen oder kindisch. Diese Menschen sind sehr sensibel und brauchen ganz viel Förderung, Liebe und Unterstützung und sie können sehr sehr viel. Gehe doch mal mit BK in den Zoo und beschäftige Dich nur mit BK gehe in seine/Ihre Welt hinein oder bastel einfach mit Ihr /ihm Du wirst sehen du wirst hinterher einen großen dicken drücker bekommen  

  3. Stefanie sagt

    Liebe Sonny,

    da hast du ein großes Päckchen zu tragen. Nicht nur einen Mann und zwei Teenis die ihre Mutter verloren haben und mit dem Verlust umgehen lernen müssen, sondern auch noch ein besonderes Kind dessen Welt nicht so einfach zu verstehen ist für uns Aussenstehende.
    Was wurde getan als die Mama verstarb? Gabs Hilfe, waren Verwandte da, verstarb die Mama plötzlich usw.?
    Das Mädchen ist doch sicher in einer Förderschule mit Therapeutenbegleitung. Habt ihr mal mit denen gesprochen? Oder wart ihr mal bei einer Beratungsstelle?

    Das Mädchen weiß sich wohl nicht anders zu helfen als dich weg zu schubsen. Das dich das verletzt kann ich verstehen. Aber da wirst du in gewisser Weise drüber stehen müssen und es nicht so an dich ran lassen.
    Ich würde dir bzw. euch raten, einen systemisch arbeitenden Therapeuten zu suchen und das mal durchzusprechen und zu schauen wie es für jeden von euch laufen kann. Gerade auch in Hinsicht auf die Behinderung. Besondere Kinder brauchen unendlich viel Geduld, Liebe, Verständnis und Kraft. Habt ihr in dieser Richtung etwas Entlastung? Es gibt bei der Lebenshilfe auch Angebote für Teenis mit Behinderung.
    Und gibts auch Zeiten die nur für euch als Paar da sind? Gibts Omas, Verwandte, Freunde die die Kinder mal nehmen können damit ihr euch als Paar erholen könnt?

    Vielleicht noch ein kleiner Tipp: du hast schon ganz viel erreicht. Sie ist selbstständiger geworden, hilft mit usw. Das ist super, darauf kannst du stolz sein! Auf deine Leistung aber auch auf ihre 🙂 Freu dich über kleine Schritte die sie macht, lobe sie, fördere nicht nur sondern erfreu dich auch an den kleinen Dingen im Alltag die gut laufen mit ihr. Ein besonderes Kind wird immer besonders bleiben, egal wie alt es wird. Aber es kann durch seine Besonderheit auch sehr viel Freude machen 🙂

    Viel Kraft für euch, Sonny.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.