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2015 – Das Jahr der Stiefmütter

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Haben Sie schon einmal erlebt, dass einer Mutter verständislos gesagt wird: „Du hättest doch die Pille nehmen können“, wenn sie über ein Problem mit ihrem Kind berichtet? Wahrscheinlich nicht. Und das ist auch gut so. Jeder sollte sein Herz ausschütten können, ohne Vorhaltungen zu bekommen.

Stiefmütter werden anders behandelt. Der Standardkommentar, unter dem sie leiden, lautet: „Du wusstest doch, dass er Kinder hat! Jetzt beschwer Dich nicht“. Ob es um ein Problem mit der Ex, dem Mann oder den Kindern geht. Dieser Satz bringt Stiefmütter regelmäßig auf die Palme.

Das sieht dann folgendermaßen aus:

Stiefmutter: „Sein Kind darf bei der Mutter bis in die Nacht am Computer spielen. Wenn ich bei uns Grenzen setzen will, gibt es großes Geschrei.“ Kommentar der Freundin: „Wenn die Mutter das erlaubt, hast du dich nicht einzumischen. Reg dich nicht auf, du wusstest doch, dass er Kinder hat!“

Oder: „Seine Ex ist mit den Kindern 300 Kilometer weit weggezogen, jetzt ist mein Mann jedes zweite Wochenende stundenlang auf der Autobahn unterwegs, um die Kinder zu holen. Das nervt total und kostet viel Geld.“ Kommentar der Freundin: „So ist das nun mal mit einem gebrauchten Mann. Warum hast du nicht einen Mann ohne Kinder genommen?“

Würde man einer Mutter etwa sagen: „Warum hast du nicht abgetrieben?“ Zu Recht wäre die dann entsetzt.

Von Stiefmüttern erwartet man, dass sie eigene Vorstellungen, eigene Wünsche und eigene Regeln über den Haufen werfen, sobald es um die erste Familie geht. Die Reaktion der Umwelt zeigt einer Stiefmutter, wo die Gesellschaft ihren Platz sieht. Irgendwo zwischen Aschenputtel und Mutter Theresa. Aufopfernd und duldend soll sie alles mitmachen, und nicht aufbegehren. Sie hatte schließlich die Wahl – und sich für einen Mann mit Kindern entschieden. Nun soll sie die Suppe -möglichst schweigend- auch auslöffeln.

Äußert sie ihren Unmut trotzdem, kommt der Killersatz: „Wenn es soooo schlimm ist, musst Du Dich eben trennen.“ Peng! Raten diese gutmeinenden Menschen einer Mutter auch, das Kind, mit dem es Probleme gibt, zur Adoption frei zu geben? Wohl eher nicht.

Warum wird von Stiefmüttern nicht nur stilles Erdulden ihrer Situation abverlangt, sondern zudem eine geradezu hellseherische Vorausschau aller zukünftigen Eventualitäten? „Du wusstest doch, dass er Kinder hat“ bedeutet ja nichts anderes, als dass jede Frau alle Probleme kennen muss, die mit einem gebrauchten Mann auf sie zukommen.Gleichzeitig sollen Stiefmütter aber schweigen, und niemanden mit ihren Problemen behelligen. Ja was denn nun? Entweder oder.

Müttern können sich täglich austauschen. In der Krabbelgruppe, im Kindergarten, in der Schule – überall treffen sie andere Frauen mit ähnlichen Problemen. Zudem haben sie Unterstützung durch Ämter und Politik. Mütter stehen in der Gesellschaft nicht allein.

Im Gegensatz zu Stiefmüttern. Es gibt keine Stiefmutterverbände, keine Stiefmüttervertretungen, keinen Stiefmutterschutz. Wofür auch? Die haben sich ja sowieso nicht einzumischen, sondern still zu halten und sich nicht zu beschweren.

Wenn Stiefmütter erst einmal gelernt haben, dass ihr Umfeld kaum Verständnis für sie und ihre Probleme aufbringt, schweigen sie irgendwann. Oder sie leugnen gar, Probleme zu haben. Als mein Buch von meiner Agentin  angeboten wurde, kam als Reaktion aus einigen Verlagen: „In meinem Bekanntenkreis gibt es auch eine Patchworkfamilie, da läuft es total gut. Die haben keine Probleme. Für ein Stiefmutter-Buch besteht kein Bedarf.“ Ich habe dann nur geschmunzelt und mir gedacht, dass ich gerne einmal unter vier Augen mit dieser Frau aus dem Bekanntenkreis sprechen würde…Umso mutiger vom Diana Verlag, auf ein Buch zu setzen, was es gar nicht geben müsste…

Für 2015 würde ich mir wünschen, dass Stiefmütter offener mit ihren Problemen umgehen, dass sie nicht länger schweigen oder die Situation schönreden, sondern aufbegehren. Dass sie sich organisieren, zusammentun und gemeinsam für zweite Familien einstehen. Ich habe Ihnen hier ja schon verraten, dass ich dieses Jahr neben meiner persönlichen Wunsch-Rakete auch einige Stiefmutter-Raketen um Mitternacht in den Himmel steigen lassen werde und mich freuen würde, wenn Sie mitmachen.

Starten Sie Ihre persönliche Stiefmutterrakte. Möglichst laut übrigens, damit man sie auch hört. Machen wir 2015 zum Jahr der Stiefmütter. Wenn Stiefmütter sich zusammen schließen, sind sie stark. Worauf sollten sie warten? Teilen Sie Ihren Stiefmutterwunsch auf Facebook oder Twitter, mailen Sie Ihren Freunden zum Neujahr Ihren persönlichen Stiefmutterwunsch. Oder teilen Sie diesen Blog.

Wenn Stiefmütter gemeinsam ins Licht treten, sich gegenseitig stärken und stützen, kann sie niemand mehr ins Abseits stellen. Lassen Sie es krachen! Ein frohes Neues 2015!

8 Kommentare

  1. jemand sagt

    Hallo, ich bin keine Stiefmutter sondern eine Stieftochter 🙂 aber ich probiere nur meine Sichtweise zu schikdern und möchte auf keinen Fall Stiefmütter beleidigen, da ich weiß, dass es auch ganz tolle Stiefmütter gibt.

    Ich muss zugeben, dass Stiefmütter wahrscheinlich oft unfair behandelt werden aber teilweise stimmt es auch, was die Gesellschaft denkt. Mütter wussten nämlich nicht wie die Kinder werden würden und ob sie mit ihnen zurechtkommen würden. Stiefmütter dagegen können den Charakter und das Umfeld der Kinder meist schon abschätzen. Leider war es bei meiner Stiefmutter so, dass sie immer gedacht hat, dass sie mit strenger Erziehung und etwas Verständnis von meinem Vater schon damit zurechtkommen würde, dass ich und meine Stiefmutter so unterschiedlich sind. Da mein Vater jedoch ein intoleranter Egoist ist und ich erst 4 war (damals dachte ich noch, dass mein Vater immer recht hat), verstanden wir uns einfach nicht. Sie brachte mich oft zum weinen, weil ich anscheinend gelogen habe (obwohl ich eigentlich die Wahrheit gesagt habe oder meine Mutter mir gesagt hat, dass ich ihr nicht die ganze Wahrheit sagen muss) und das führte dazu, dass ich Angst vor ihr hatte und ich immer öfter gelogen habe, damit meine Stiefmutter nicht die Wahrheit erfährt. Irgendwann hat meine Stiefmutter gedacht, dass ich sie akzeptiert hatte und fing an mich wie ein Gefäß mit ihren Problem aufzufüllen z.B. Beziehungsprobleme zwischen ihr und meinem Vater, dass meine Mutter immer so gemein zu ihr war und dass ihr Leben doch so schwer sei. Ich hörte zu, weil ich immernoch Angst hatte, was sie tun würde wenn ich ihr meine Meinung sagen würde. Inzwischen bin ich praktisch eine perfekte Lügnerin und ich bin nicht stolz darauf. Jetzt nach 12 Jahren trennen mein Vater und meine Stiefmutter endlich und ich kann mich endlich wieder darauf konzentrieren in der Schule aufzupassen, die Wahrheit zu sagen und insgesamt nicht mehr so resigniert zu wirken.

    Was ich sagen will ist, dass es zwar auch um Stiefmütter geht aber sie sich bewusst machen müssen, dass sie eine sehr große Verantwortung tragen, besonders wenn die Kinder sehr jung sind. Es ist nämlich sehr kompliziert, wenn die Mutter und die Stiefmutter verschiedene Ansichten vertreten, denn dann muss das Kind die eine oder andere Person belügen (ich schätze ihr könnt euch vorstellen für wen sich das Kind wahrscheinlich entscheidet) und wenn die Kinder nicht verstanden werden möglicherweise sogar traumatisiert werden. Versucht euch am Besten mit der Mutter abzusprechen oder den Vater fragen, wie das Kind so ist (ob es viel Privatsphäre braucht, ob es gerne sport macht, ob das Kind gerne Hilfe annimmt oder Dinge gerne selbst macht). Ihr solltet euch zu keiner Aktivität zwingen müssen aber man findet bestimmt ein Hobby, dass man zusammen machen kann (Bitte NUR wenn das Kind es wirklich machen will). Keine Angst ich glaube wenn man ein gutes Verhältnis aufgebaut hat, muss man nicht mehr ganz so nachsichtig sein und wenn man nach 1-2 Jahren kein gutes Verhältnis hat, dann verändert sich das wahrscheinlich nicht mehr (meckert nicht 1-2 Jahre sind nicht im Vergleich zu den 12 Jahren, die ich es ausgehalten habe).
    Jetzt kann ich zwar nicht aus Erfahrung sprechen aber ich glaube, dass es auch ganz gut ist, wenn ihr ein paar Prinzipien habt, die ihr dem Kind vermittelt und dann kann sich das Kind seine eigene Meinung formen.

    Kleiner Tipp am Rande: wenn ein Kind gerade seeeeehr schlechte Laune hat, solltet ihr euch vielleicht etwas zurückhalten, damit das Kind euch nicht mit dieser schlechten Emotion verbindet (also sagt dem Kind nicht gerade in dem Moment dass es das Zimmer aufräumen soll/ den Tisch decken/sonst etwas tun soll, damit die Laune noch schlechter wird).

    Vielleicht hat es sich ja jemand durchgelesen. Ich hoffe ihr versteht mich ein bisschen und versucht dieses Thema von ALLEN Seiten zu betrachten. Danke 🙂
    PS: ich habe nicht gelogen 😉

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Jemand,
      sehr schade für Dich und Deine Stiefmutter, dass ihr offensichtlich nie eine wirkliche Chance hattet, zusammen zu kommen.
      Eure Situation klingt sehr schwierig für mich. Du lügst, weil Deine Mutter Dich dazu animiert. Sie erzieht und versucht Eure Unterschiedlichkeit zu überwinden und Dein Vater ist ein intoleranter Egoist, der sich…ja was eigentlich? Eigentlich hätte er Brücken bauen müssen zwischen Dir und Deiner Stiefmutter.
      Was hättest Du Dir von einer Stiefmutter denn gewünscht? Wie hätte sie sein sollen?
      Liebe Grüße, Susanne

  2. Maya sagt

    Super Text und ganz toller Vergleich mit der Pille. Als Erzieherin wurde von mir natürlich erst recht bedingungslose Liebe zum Kind erwartet.. Ich hatte nur meine Mutter, um von meinem Problem zu erzählen. Irgendwann merkte ich, dass es sie zu sehr belastete und vorallem dass mein Partner sie anzufeinden begann. Meine Mutter, die so lieb ist, die immer beide Seiten beleuchtete und die nur ihrer Tochter in der Not helfen wollte. Ab da ging ich zu einer Therapeutin, aber der konnte ich ja nicht Sylvesterabend heulend anrufen, weil der gute Papa noch nicht von Kindermodus auf Paarabend umgeschaltet hatte und nach Abgabe der Kinder um 19.00 plötzlich fand, er habe keine Lust auf Gesellschaft und überhaupt: Sylvester sei doch nicht so wichtig..
    Ein Sorgetelefon für Stiefmütter fänd ich eine gute Sache-so rund um die Uhr, vorallem an Wochenenden und Ferienzeiten..
    Danke für den Text!

    • Danke sehr für das Lob. Ich arbeite gerade an den ersten bundesweiten Stiefmutterseminaren. Ein Sorgentelefon wäre eine sehr gute Ergänzung.
      Liebe Grüße, Susanne

  3. Meine Schwester sagt immer zu mir, das hast du doch vorher gewusst. Dabei hat sie gar keine Ahnung, was es überhaupt bedeutet, sie hat nicht einmal selber Kinder, geschweige denn Stiefkinder. Und nein, ich kann nicht hellsehen und habe es nicht vorher gewusst, was auf mich zu kommt. Letztens habe ich zu ihr gesagt, du musst nicht antworten, wenn ich dir wieder einmal mein Herz ausschütte, du sollst einfach nur zuhören. Da war sie sprachlos. Ich habe nur meine Familie oder das ein oder andere Forum, wo ich mal meckern darf oder mich ausschreiben kann, was in mir vorgeht. Mein Mann weiß nicht alles, was in mir vorgeht, aber schon sehr viel.

    Guten Rutsch und ein schönes neues Jahr!

  4. Tanja sagt

    Genauso ist es. Du sprichst mir aus der Seele. Stiefmütter müssen alles billigend hinnehmen und dabei auch noch glücklich aussehen. Aber im inneren verkümmern wir und sind nicht mehr wir selbst.

    • Darum wird es ja Zeit, daran etwas zu ändern. Stiefmütter, die ihre Stimme erheben, können nicht mehr ignoriert werden. Ich wünsche Dir ein schönes 2015. Liebe Grüße, Susanne

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