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Corona – und die Zündschnur wird kürzer

Liebe Community,

seit dem 16.03 befinden wir uns alle im Ausnahmezustand. Die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind hart und bedeuten einen schlimmen Einschnitt in unseren Alltag.

Jetzt wird es schon für harmonische Kernfamilien grenzwertig, wie ist es erst im Patchwork? Ich spüre nur eins: Die Zündschnur wird bei allen kürzer! Das ist auch kein Wunder. Ist es ja schon ohnehin schwierig genug, kommt nun bei etlichen dazu, dass man 24Stunden aufeinander hockt, manche in beengten Wohnverhältnissen leben und eine grosse Zukunftsangst oder pure Existenznöte dazukommen.

Es gibt durchaus geteilte Meinungen, ob der Umgang nun weiter stattfinden sollte oder nicht. Das ist auch ganz von den Voraussetzungen abhängig. Schwer ist es, wenn die Lebenspartner nicht in die Entscheidung mit eingebunden werden. Sondern einfach mit einem Ergebnis konfrontiert werden. Das Kind kommt jetzt. Da fühlt man sich ohnmächtig, hilflos und übergangen. Zurecht.
Wir haben den Umgang ausgesetzt. Da hatten wir auch gar keine andere Wahl, weil das Kind in einem anderen Land lebt und die Grenzen zu sind. Selbst das wollte die Kindesmutter allerdings nicht gelten lassen.

Manche setzen ihn aus Vernunft aus, weil Beteiligte Risikogruppen angehören, manche wechseln, als ob nichts wäre und wieder andere versuchen mit Augenmass eine gute Lösung zu finden.

Erschwerend kommt jetzt noch ein Thema dazu. In dieser Zeit zeigen sich Erziehungsdefizite so deutlich wie nie. Da wundern sich helikopternde Elternteile, warum sie keine 10 Minuten in Ruhe an einer Telefonkonferenz teilnehmen können, ohne dass das Kind nach Beschäftigung schreit. Und ich rede hier nicht von Kleinkindern. Sorry, aber wenn Grundschulkinder nicht in der Lage sind, sich mal 60 Minuten selber zu beschäftigen oder Schulaufgaben eigenständig zu lösen, dann ist vorher einfach gehörig etwas schief gelaufen.

Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, warum man aus falsch verstandener Liebe die Kinder so unselbstständig hält. Kinder wollen Dinge alleine machen. Und können das auch. Aber wenn ich 10 Jahre um sie herumgetanzt bin wie um das goldene Kalb, muss ich mich jetzt nicht wundern. Und dann platzt Papillii doch ganz plötzlich der Kragen. Und im Patchwork ist dann noch die Stiefmutter mittendrin.

Jetzt ist es wichtiger denn je, behutsam miteinander umzugehen. Auch wenn die Zündschnur bei uns allen kürzer wird.

Ich wünsche allen Vätern, Müttern und Stiefeltern gute Nerven. Tief durchatmen und manchmal auch Dampf ablassen.

Bleibt alle gesund!

Eure Regina

4 Kommentare

  1. Katrin sagt

    Bei mir als erst 1 jährige „Stiefmutter/Freundin“ ist die Zündschnur sehr kurz geworden, denn mein Freund kann sich von der ach so überforderten Ex, die ihn die Kinder den ganzen April aufs Auge gedrückt hatte und den Mai auch noch mehr als ausgemacht, nicht abgrenzen. Jetzt ist ihm die Belastung mit ununterbrochener Kinderbetreuung und Besaßung des 11 jährigen bei 1 Tag Kurzarbeit zu viel geworden. Und die erste, die er jetzt aus seinem Leben vielleicht rauskickt, bin ich. Meine Argumente, daß es alles an der C Krise liegt, will er nicht wirklich sehen. Er muss über alles nachdenken..

  2. Steffi sagt

    Ja, da kommt der 12jährige zum Besuchswochenende, muss noch Mathe machen weil er es nicht verstanden hat. Kommt ohne Mathebuch, Geodreieck und Zirkel, stellt das aber nicht gleichzeitig fest. Und ist nicht in der Lage mal selber im Buch zu lesen. Ja, die Kinder brauchen Hilfe und Anleitung aber nicht pausenlos. Mal selber um Hilfe bitten? Nein, ich bin doch hier, Papa weiß doch, dass ich Hilfe brauche. Arbeitsblätte zu Papa bringen? Ja klar, aber jetzt bin ich erst ne Stunde am Handy. Das hat mir bisher 4 Tage Urlaub und 3 Wochenenden versaut.

  3. martha sagt

    „Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, warum man aus falsch verstandener Liebe die Kinder so unselbstständig hält. Kinder wollen Dinge alleine machen. Und können das auch. Aber wenn ich 10 Jahre um sie herumgetanzt bin wie um das goldene Kalb, muss ich mich jetzt nicht wundern. Und dann platzt Papillii doch ganz plötzlich der Kragen. Und im Patchwork ist dann noch die Stiefmutter mittendrin.“

    Oh mein Gott. Endlich spricht mir jemand aus der Seele. Und dazu passt, dass in diesem Moment eines der beiden Stiefkinder vor der Tür steht, weil es wieder irgendwelche Schulsachen nicht zusammen gesucht hat. Heute ist KINDFREI, verdammt, und ich brauche das auch!!!! Papili rennt aber natürlich gleich los, quer durch die Bude und sucht Arbeitsblätter, die es hier nicht gibt. Weil? Sie im Schulranzen sind. Bei der Mutter. Aber fördern wir noch ein bisschen die Unselbstständigkeit und schmieren den Kinderlein die Butterbrotis und räumen hinter ihnen her. Top.

  4. Hallo,
    schöne, ehrliche Worte in dieser schwierigen Zeit. Danke dafür. Ich drücke die Daumen, dass die Zündschnur nicht noch kürzer wird. 🙂

    Grüße
    Andrea

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