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Patchwork wäre Flickschusterei – Dieses Paar stellt die Kinder über ihre Liebe

München im englischen Garten. Foto: Stiefmutterblog.com

Ein Leben in einer Patchwork-Konstellation wäre für sie Flickschusterei, das wollten Katrin und Lars den insgesamt fünf Kindern nie zumuten. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar, leben aber bis heute in zwei verschiedenen Städten. „Nur damit wir beide es bequemer haben, müssen unsere Kinder doch keine Opfer bringen. Wir wollten keine Patchwork Familie basteln, sondern ein verliebtes Paar sein, mit jeweils eigenen Kindern. Von Anfang an war für uns beide klar, die Kinder stehen an aller erster Stelle stehen. Und wir haben uns auch ganz klar gesagt, dass, wenn unsere Beziehung das aushält, wir alles miteinander schaffen werden.“

„Wir hatten beide, unabhängig voneinander, immer das Gefühl, dass wir niemanden kennen lernen möchten, der sich noch Kinder wünscht, aber auch niemanden, der keine eigenen Kinder hat. Es verbindet uns bis heute, dass wir über alle Kinder miteinander reden können und uns sehr austauschen können.“

Foto: Stiefmutterblog.com

München. Foto: Stiefmutterblog.com

 

Von Anfang an war klar, dass Lars an Augsburg beruflich gebunden ist und Katrin an München. Er ist in der Verwaltung tätig, sie arbeitet als Kunst- und Musiklehrerin. Für uns beide stand von Anfang an fest, dass die Kinder an erster Stelle kommen. Wir sind ja nicht als ganz junges Paar zusammengekommen, er hat zwei Kinder, ich hab drei Kinder, und wir hatten uns beide unsere Gedanken gemacht, wie wir mit einem eventuellen neuen Partner umgehen wollten. Und beide waren wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir gerne einen neuen Partner in unserem Leben hätten, die Kinder jedoch immer an erster Stelle kommen würden.

Wir sind zum Beispiel auch nie auf die Idee gekommen, in eine gemeinsame Wohnung entweder in München oder in Augsburg zu ziehen. Wir wollten niemals eine Patchwork Familie basteln, sondern ein verliebtes Paar sein, mit jeweils eigenen Kindern. Denn für eine Patchwork Familie hätte einer von uns beiden sein gewohntes Umfeld verlassen müssen, und das hätte vor allem für die Kinder eine große Belastung bedeutet. Sie hätten zum Beispiel einen größeren Radius schlagen müssen, um zwischen den jeweiligen Eltern hin und her pendeln zu können. Und das alles nur, damit Lars und ich bequemer zusammen sein können. Der Preis war uns für unsere Kinder zu hoch.

Minizoo im englischen Garten. Foto: Stiefmutterblog.com

Minizoo im englischen Garten. Foto: Stiefmutterblog.com

Wir haben über ein Jahr damit gewartet, die Kinder einander vorzustellen. Seine Kinder haben von unserer Beziehung erst sehr spät erfahren, weil er große Angst davor hatte, es Ihnen zu sagen. Er hat meine Kinder schon eher kennen gelernt. Das war so eine Art Probelauf. Wir sind gemeinsam zu einer Veranstaltung im Zoo gegangen, auf der sehr viele Kinder waren.

Und dort habe ich meinen Kindern Lars als meinen neuen Freund vorgestellt. Und da die wirklich cool damit umgegangen sind, hat er sich dann getraut, seinen Kindern ebenfalls von mir zu erzählen. Die waren dann übrigens genauso cool wie meine Kinder. Zu seinem Sohn habe ich heute ein wirklich gutes Verhältnis, allerdings mit einem leichten Abstand, ein Junge eben. Und seine Tochter mag mich wirklich sehr, die drückt mich jedes Mal, wenn wir uns sehen. Und meine beiden Töchter, die ja noch bei mir leben, lieben Lars.

Seit zwei Jahren ist Lars komplett alleinerziehend. die Mutter hatte keine Lust mehr auf den Trubel mit den Kindern. Sie hat einen neuen Partner gefunden dachte, dass die Beziehung an den Kindern zerbrechen könnte. Das hätten die viel früher machen sollen, weil es für die Kinder besser ist. Aber er hatte sich da wohl nicht so richtig ran getraut. Er ist mit seinem Sohn wirklich sehr verbunden, das ist ein sehr inniges Vater-Sohn-Verhältnis.

Lars hat seine Ex finanziell immer sehr unterstützt. Sie hat eigentlich nie richtig gearbeitet, sondern immer nur irgendwelche Ausbildungen gemacht, die er ihr finanziert hat. Das ging auch nach der Scheidung noch weiter und selbst als sie ihren jetzigen Mann geheiratet hatte, wollte sie noch Geld von Lars. Ihre Begründung war, dass sie ihrem neuen Mann doch nicht zumuten könne für sie zu zahlen, dass sei die Aufgabe von Lars. Mir fällt da eigentlich nichts zu ein, solche Sachen würden mir nie in den Kopf kommen. Ich habe immer mein eigenes Geld verdient und meine Kinder auch ohne Hilfe meines geschiedenen Mannes aufgezogen. Der hatte besseres zu tun, als Unterhalt zu zahlen.

Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass Mutter sein in Deutschland fast als eine Art Berufsstand angesehen wird. Es gibt Müttertiere, die mit der Entbindung quasi eine Art Heiligenschein bekommen. Der berechtigt sie dann, vom Erzeuger zu fordern und die Kinder als eine Art Daseinsberechtigung zu sehen. Jede Bewegung, jeder Schritt, jede Trennungsminute wird „gespürt“ und „emotional aufgearbeitet“. Ich komme gebürtig aus dem Osten, war dagegen eher eine Art „Rabenmutter“. Ich habe immer gearbeitet und meinen Kindern auch viel Freiraum gegeben. Ich habe nie als Übermutter über ihnen gehockt.

Das heißt nicht, dass ich keinen Fehler in der Erziehung gemacht habe, ich bin ein Mensch, ich mache Fehler, aber ich glaube, dass ich mit meinen Kindern relativ locker war. Ich glaube auch, dass Kinder akzeptieren, dass man Fehler macht, dass man manchmal selbst nicht weiter weiß, dass man manchmal keine Kraft mehr hat, dass man manchmal auch ungehalten oder ungerecht reagiert. Sie verlangen nur, dass die Waage insgesamt stimmt.

Wir wollten auf gar keinen Fall unsere Familien auf Teufel komm raus zu einer Großfamilie zusammen kloppen. Wir hatten das Gefühl, das könnte grandios schief gehen. Uns ging es in aller erster Linie um unser Verliebt sein. Das wollten wir pflegen und nicht sofort wieder eine Familie haben.

Straßenmaler in München. Foto: Stiefmutterblog.com

Straßenmaler in München. Foto: Stiefmutterblog.com

Das funktioniert bis heute wirklich gut. Wir unternehmen viel, sind mal zusammen in München unterwegs, mal in Augsburg. Wir waren beide der Überzeugung, dass die Kinder unter dem Modell „wir ziehen zusammen und packen alle Kinder in eine Wohnung“ leiden würden.

Irgendwann einmal haben wir herausgefunden, dass unsere Kinder über Facebook und Skype regen Kontakt miteinander haben. Sie sehen sich zwar nicht als Stiefgeschwister, aber ich glaube mittlerweile sehen sich unsere Kinder als eine Art Gemeinschaft. Das finden wir natürlich sehr schön.

Vor einigen Jahren hat die Tochter von Lars einmal etwas sehr schönes zu mir gesagt. Wir waren im Urlaub und haben Spiele gespielt, wer wen heiraten und sich von wem trennen müsse. Das war irgend so ein Kartenspiel. Heraus kam jedenfalls, dass Lars und ich uns trennen und wieder zu unseren alten Partnern zurückgehen müssten. Da war sie ganz traurig und hat gesagt: Aber was wird denn dann aus Katrin und aus Kai. Das heißt, sie hat wirklich bedauert, dass die neuen Partner ihrer Eltern dann im Regen stehen würden. Das hat mich sehr gerührt.

Ich weiß, dass mir viele Leute sagen, unser Arrangement wäre sehr seltsam. Aber ich persönlich glaube, dass wir unserer Liebe damit einen großen Gefallen getan haben. Wir haben uns komplett aus den Konflikten und Streitigkeiten herausgezogen, die zusammen lebende Patchwork Familien normalerweise haben. Und damit haben wir unserer Liebe die Chance gegeben, einfach nur Liebe zu bleiben Wir haben auch einen Weg gefunden, zwar über die Kinder miteinander zu sprechen und uns auch wirklich rege auszutauschen, aber nie einzumischen. Wir halten uns raus, wenn wir irgendetwas an der Erziehung des Partners bei seinen Kindern seltsam finden. Das ist schwierig, das ist schon klar, aber für uns hat sich diese Methode sehr bewährt.

Das Problem ist ja meist, dass man den Partner verletzt, wenn man ihn in seiner Erziehungsmethode kritisiert. Und gleichzeitig würde man sich selbst verletzen, wenn man immer mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Da muss man wirklich sehr vorsichtig miteinander umgehen und darauf achten, ausgewogen zu bleiben. Also wir sprechen über solche Dinge, aber es gibt wirkliche Grenzbereiche in denen für uns beide klar ist: Stopp, ab hier mische ich mich nicht mehr ein.

Was denken Sie? Käme so ein Modell „Patchwork ohne Patchwork“ für Sie in Frage? Für Katrin und Lars scheint es ein echtes Erfolgsmodell zu sein, die beiden wirken verliebt wie am ersten Tag. Wie immer gilt: Ich freue mich über Input.

6 Kommentare

  1. Gerhard sagt

    Respekt sollte für jedes Lebensmodell gelten, nicht nur (aber auch!) für die staatlich und feministisch besonders gemochten.

    Auch mir liegt eine Wochenendbeziehung nicht. Allerdings wäre ich vielleicht noch mit meiner Ex zusammen, hätten wir dieses Modell gewählt. Ich kann es also gut nachvollziehen.

  2. Für mich und meinen Freund war nach ca. 1,5 Jahren klar: Ganz oder gar nicht. Allerdings lebten wir in der gleichen Stadt und auch innerhalb der Stadt nicht weit voneinander entfernt. Wir haben insgsamt drei Kinder, die mit unserer Situation durchaus unterschiedlich umgegangen sind…

    Das Ganze ist jetzt 5 Jahre her. Es ist auf alle Fälle ein Buch wert! Wir haben viel erlebt, hatten und haben Höhen und Tiefen und schon manchmal habe ich mich gefragt, ob es die richtige Entscheidung war. Was uns sehr geholfen hat, war und ist die Tatsache, dass in unserer Konstellation auch Zeiten für Zweisamkeit abfallen.

    Liebe Grüße
    Tine

  3. Ich finde das Beziehungs- und Familien-Modell der Beiden sehr nachvollziehbar und bin mir sicher, dass es auch der Liebe sehr zuträglich ist. Liebe Grüße

    • Susanne Petermann sagt

      Die Beiden fühlen sich nach wie vor wie frisch verliebt. Liebe Grüße, Susanne

  4. Für meinen Mann und mir war damals klar, wir wollen keine Wochenendbeziehung führen. Also zogen wir schnell zusammen und gründeten unsere neue Familie und bekamen eine gemeinsame Tochter.
    Katrin und Lars führen aber dann keine Familie in dem Sinne. Sie sind einfach nur ein Paar. Das kommt mir so jugendlich vor.
    Wenn ich genauer darüber nachdenke, gefällt mir der Gedanke aber auch.
    Aber für und war damals klar, dass wir noch ein gemeinsames Kind wollten, das wäre mit getrennten Wohnorten nicht machbar gewesen.
    Wir sind erst seit 4 Jahren zusammen, lieben uns sehr, trotz der vielen Anstrengungen, die ein Patchworkleben so mit sich bringt.

    • Susanne Petermann sagt

      Ich persönlich könnte mir auch nicht vorstellen, so lange Zeit eine Fernbeziehung zu führen. Aber die beiden sind wirklich rundum zufrieden. Und das ist prima.
      Toll, dass es bei Euch so gut klappt. Ich freue mich immer, von glücklichen Patchwork-Paaren zu hören.
      Liebe Grüße, Susanne

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