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Ein Plädoyer für das Wechselmodell-von Pauline Dehler

Liebe Community,

heute möchte ich nur das Vorwort schreiben. Unsere Gastautorin Pauline Dehler hat einen sehr interessanten Blickwinkel auf das Wechselmodell. Viele Stiefmütter stehen dem Thema mit gemischten Gefühlen gegenüber. Pauline schildert sehr anschaulich, warum das Wechselmodell eine Patchworksituation vereinfachen kann. Ich finde den Ansatz sehr spannend. Was sind Eure Erfahrungen? Diskutiert mit uns und schreibt hier oder im Forum. Danke für Deinen tollen Beitrag Pauline.

 

Ein Plädoyer für das Wechselmodell

Von Pauline Dehler

Kaum haben sich Papi und Mami nicht mehr lieb, schon geht das Gezerre um die Kinder los. Manchmal aus grosser Liebe zum Nachwuchs, manchmal aber auch nur, weil man sie dem Ex-Partner nicht mehr gönnt. Weil man ihm gar nichts mehr gönnt.

Neben dem üblichen Residenzmodell, bei dem das Kind bei einem Elternteil wohnt und das andere besucht, setzt sich in Deutschland nun auch vermehrt das Wechselmodell mit paritätischer Aufteilung durch. Ich selbst bin die Lebensgefährtin eines Mannes mit zwei Kindern und nicht gerade ein Fan davon, meinen Haushalt mit fremden Menschen zu teilen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Trotzdem bin gerade ich ein Fan des Wechselmodells.

Früher waren die Welt und die Richter der Meinung, ein Kind gehöre zu seiner Mutter. Aber heute können Männer kochen, seltene Exemplare sogar den Müll rausbringen -und ihre Nachzucht eigenständig versorgen. Und diese hat trotz Trennung immer noch einen Vater und eine Mutter und braucht auch beide als Bezugsperson. Wenn eine Aufteilung allerdings den Vater für jedes zweite Wochenende und die halben Ferien vorsieht, verpasst dieser den Alltag seines Kindes und wird automatisch in die Rolle des „Spasspapas“ gedrängt. Am Wochenende ist Pause, keine Schule, da wird etwas ganz Besonderes unternommen. Also beginnt das Programm, sobald der Sprössling zur Tür reinkommt. Ab dem Moment dreht sich alles um das arme Trennungskind, das ja so selten da ist. Weitere Kinder und die anwesende Frau werden entweder komplett in den Hintergrund gedrängt oder sollen brav bei den flugs organisierten Aktivitäten mitspielen. In dieser Situation liegt ein gewisses Konfliktpotential und es dauert meist nicht lange, bis die Rebellion ausbricht und der Ruf nach Paarzeit bei der Dame des Hauses laut wird.

Im Wechselmodell sieht man das Kind oft genug. Es lebt das echte normale Leben mit und siehe da: Es würde am Wochenende gerne mal ausschlafen und nicht schon wieder in den Zoo gehen. Man kann auch gemeinsame Pläne machen. Oder einfach mal nichts tun. Ich sehe die Kinder heute, obwohl sie zeitlich gesehen mehr da sind, weniger. Einfach weil sie nicht mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, sondern ganz normal leben. Naja, auch weil sie in der Pubertät sind, aber das ist ein anderes Thema.

Wichtig finde ich eine Regelmässigkeit im Austausch, damit sich alle Beteiligten darauf einstellen und planen können. Ich habe im Forum von einem täglichen Wechsel gelesen, das stelle ich mir grauenhaft vor. Da kann doch keine Ruhe einkehren und das Kind niemals richtig ankommen, weil es gleich weiterhetzen muss. Mir würden 14 Tage gut gefallen, damit man auch einen Abschnitt begleiten kann. Vom Lernen für eine Klassenarbeit bis sie dann geschrieben wird und man besprechen kann, was dran kam. Vom Geschenk für einen Freund kaufen bis zur Geburtstagsparty und wie sie denn war. Wir haben wochenweise Wechsel, weil die Kindesmutter das so bestimmt, aber auch das ist ein anderes Thema.

Ja, eine Mutter muss loslassen können, um sich auf das Wechselmodell einzulassen. Aber da ja so gerne mit dem Kindeswohl argumentiert wird, muss sie so ehrlich sein zuzugeben, dass Kinder beide Eltern brauchen. Auch wenn Mami und Papi sich eben nicht mehr lieb haben.

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