Die Kinder, Die neue Familie
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So geht es nicht weiter

so geht es nicht weiter-Foto Stocksnap

Liebe Susanne, ich bin nun mit einem Mann zusammen, der bereits eine Tochter aus einem One-Night Stand hat. Sie ist vier Jahre alt. Ich habe von ihr erfahren, als wir bereits zusammen waren. Unsere gemeinsame Tochter ist 9 Monate alt, darüber hinaus habe ich noch einen fast siebenjährigen Sohn aus erster Ehe. Das Besucherkind war bis Ende April alle zwei Wochen bei uns, der Kontakt wurde mittels mehrerer Gerichtsverfahren erstritten. Ende April hat’s geknallt. Und zwar heftig. So geht es nicht weiter!

Ich dachte einmal, unser Patchwork hätte Zukunft

Aber erstmal von Anfang an: Ich habe meine Stieftochter kennen lernen dürfen, als sie bereits zwei Jahre alt war. Ich mochte sie sehr, von Anfang an hatten wir einen sehr guten Draht zueinander. Auch wenn ich erst später von ihr erfahren habe, fand ich, unsere Patchworkfamilie hätte Zukunft. Mein Sohn verstand sich immerhin auch von Beginn an mit ihr. Dieses gute Verhältnis änderte sich zusehends. Mein Mann hatte plötzlich den Anspruch an sich, allen, vor allem seiner Tochter, die eigentlich gar nichts verlangte, gerecht zu werden. Ich denke, hier hat seine Ex Affaire ganze Arbeit im Sinne von ’schlechtes Gewissen einreden‘ geleistet.

So wurde Umgang verschoben, abgesagt, gekürzt… das “übliche eben“ wie man mir im Jugendamt mitteilte. Anstatt, dass jemand der Mutter sagt: So geht es nicht, wurde mein Mann zum Spielball. Und ich hatte zu verstehen und zu respektieren. Es ginge ja um seine Tochter, um die er ja so lange gekämpft hat. Ich machte das Spiel also mit. Bedingungslos, ohne eine Miene zu verziehen, fing meinen Partner auf und tröstete ihn, als mal wieder “ das übliche“ geschah. Bis ich schwanger wurde, war seine Tochter trotz liebevollen und respektvollen Umgang, sehr abgeneigt, überhaupt noch zu uns zu kommen.

Der Wendepunkt

Woran es lag , kann ich nur vermuten. Fakt ist, die Kleine erzählte uns beim Frühstück beiläufig, dass die Mama mich, meine Mutter und den Bruder meines Partners nicht mag. Wir hätten angeblich alle kleine Kinder geschlagen. Mir blieb der Mund offen stehen. Mein Sohn schaute genauso entgeistert und wurde wütend, weil das gelogen ist. Mein Mann sagte dazu nichts – er wollte das Wort ihrer Mutter nicht in Frage stellen. Das war der Wendepunkt.

Ich weiß bis heute nicht, ob die Dinge tatsächlich so von der Mutter gesagt wurden. Die Kleine erzählte gerne mal Geschichten (was wohl auch dem Alter geschuldet sei). Wir entfremdeten uns immer mehr, ich hielt mich raus aus Diskussionen, ging nicht mehr mit zu Unternehmungen, schlussendlich, sagte ich gar nichts mehr, aus Angst, die Tochter würde der Mutter erzählen ich hätte geschimpft und die Mutter würde den Kontakt wieder absagen.

Mir wurden die Worte im Munde verdreht

Ich forderte von meinem Mann ein, mehr zu mir zu stehen, sich stark zu machen und nicht zur Marionette der Kindsmutter zu werden. Er traute sich mehr und mehr und nahm sogar in Kauf, den Umgang abgesagt zu bekommen. Das rechne ich ihm bis heute hoch an. Als unsere gemeinsame Tochter geboren wurde, wurde mir das Drama mit dem Besucherkind zu viel. So erzählte sie beispielsweise, ich würde sagen sie sei hässlich und mache alles kaputt. Tatsächlich habe ich gesagt, die Jacke die sie tragen würde sei nicht schön und mein Sohn solle doch bitte das Lego verräumen, da sie noch zu klein dafür ist und es kaputt machen würde. Das ist nur ein Beispiel, es verging kein Besuch ohne das mir meine Worte im Mund verdreht wurden. So geht es nicht, wirklich nicht.

Mein Mann und ich stritten sehr viel, jedes Mal betonte er , es sei seine Tochter und er wolle, dass hier Frieden herrscht. Aber einfach so geht das nicht, dafür müssen alle etwas tun. Er beschimpfte mich als böse Stiefmutter und mit anderen Nettigkeiten. Ende April dann der Knall – seine Tochter brüllte beim Abholen wie am Spieß und wollte nicht mehr mit. Seitdem sehen sie sich alle zwei Wochen und verbringen einen Tag zusammen. Mir ist es peinlich und ich schäme mich, es zu sagen: Aber seitdem geht es mir gut. Unendlich gut. Wir streiten nicht mehr. Alles wendete sich zum besseren. So leid es mir tut.

Einmal soll es auch um mich und unsere Familie gehen

Nun kam mein Partner am Wochenende wieder von seinem Papa-Tochter-Tag und eröffnete mir, seine Tochter könne sich nun wieder vorstellen, bei uns zu übernachten. In zwei Wochen will er das also wieder versuchen und dann einmal im Monat so beibehalten. ….und kann ich mir das wieder vorstellen???!!! Nein! Ich will das nicht. Ich finde die Lösung so optimal und auch mein Partner genießt die Zeit mit ihr allein. Warum also ändern? Nun, es sei der Wunsch der Kindsmutter. Sie braucht Erholung. Mein Partner hat demnächst Elternzeit und da solle er seine Tochter nehmen – damit die Kindsmutter entlastet ist. Das wünsche sie sich so sehr.

Entschuldigung?! Die Elternzeit ist für unsere Tochter gedacht. Das ICH mal entlastet werde. Was wünsche ich mir denn?? Ich wäre egoistisch und unfair, hätte mich ja auch nie um ein gutes Verhältnis mit seiner Tochter bemüht. Ich stehe kurz vor der Trennung. Ich will das ganze Drama nicht mehr, so geht es nicht. Und ich möchte dieses Kind nicht mehr hier haben. Ich möchte mich frei bewegen können und sagen dürfen was ich will, möchte schimpfen dürfen und meine Meinung äußern dürfen. Ich möchte geplantes durchführen. Ich möchte nicht das sie kommt. Gleichzeitig schäme ich mich so dafür.

So geht es nicht weiter!

Zwischen meinem Partner und mir herrscht seit dem Wochenende Schweigen. Ich habe das zu tolerieren, es gehe schließlich um seine Tochter. Es geht immer um seine Tochter. Ich kann nicht mehr. Ich möchte meine Ruhe. Vor der Mutter und dem Kind. Ich möchte, das unsere gemeinsame Tochter auch mal an erster Stelle steht. Das ICH mal an erster Stelle stehe. Nur einmal. Mag sein das ich egoistisch bin. Oder eifersüchtig. Oder beides.

Eine Erziehungsberatung wurde abgebrochen. Einmal, weil die Kindsmutter nicht kooperieren wollte und einmal, weil mein Partner meinte, es wäre nicht mehr nötig. Ich weiß, liebe Susanne, Sie werden sicherlich nicht sagen “Lauf weg so schnell du kannst!“ aber sehen Sie hier noch irgendwo eine Lösung? Einen Ansatz? Sie dürfen diese Zeilen auch veröffentlichen, auch wenn ich schon weiß, wie manche Reaktionen ausfallen werden…

Herzliche Grüße sendet Ihnen Nina

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap, Bethany Legg

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