Die neue Familie, Die Partnerschaft
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Das Kind geht vor – Ich stecke immer zurück

Kind geht vor. Foto: Mopho

Ich bin seit einem Jahr Stiefmutter. Unsere Beziehung hat schon mit vielen Hürden angefangen und es wird schwieriger. Mein Freund hat sich, als seine damalige Freundin schwanger war, für eine andere von ihr getrennt. Nicht gerade die feine Art! Die Kleine ist jetzt vier Jahre alt und kennt Mama und Papa gar nicht als Paar. Wir haben uns kennengelernt, nachdem diese Freundin sich von ihm getrennt hat. Am Anfang war es gar nicht leicht, erst sein verletzter Stolz und dann seine Schuldgefühle der Kleinen gegenüber. Und er ist der Meinung, sein Kind geht vor. Also stecke ich immer zurück

Das Kind geht vor und ich steck zurück

Ich habe mir Dinge angehört wie, ich werde niemals mehr jemanden so lieben wie meine Ex…was leider bei mir immer wieder hoch kommt. Am Anfang war mit mir und der Kleinen alles super, bis ich zu meinem Freund gezogen bin und sie gemerkt hat, dass ich nun immer da bin! Dann hat sie auch plötzlich damit angefangen, dass sie möchte das Mama und Papa zusammen sind – obwohl sie das ja nie so erlebt hatte.

Sie war sehr eifersüchtig und hat mich nicht gewollt. Auch wollte sie eine Zeitlang nicht zum Papa, woran er mir die Schuld gegeben hat und mir tagelang keine Beachtung geschenkt hat! Ich habe mich von Anfang immer lieb um die Kleine gekümmert und mehr mit ihr gemacht als er! Was mich manchmal sehr wütend macht: er will nur kuscheln und Fernsehen, ich bin für den Rest gut, kann es aber niemandem Recht machen.

Ich schäme mich für meine Gefühle, kann aber nichts dagegen machen

Mittlerweile haben wir wenigstens geklärt dass sie nicht mehr bei uns im Bett schläft. Ich habe aber das Gefühl dass ihn diese Regelung stört und immer Angst vor der Nacht, in der sie doch wieder kommt und es von vorne anfängt. Wenn ich dann was sage rastet er aus. Leider kann ich mit ihm gar nicht reden und er versteht mich Null. Ich ertrag es einfach nicht mit der Kleinen in einem Bett zu liegen und ihr kommen morgens ist für mich schon sehr schwer. Dafür schäme ich mich auch, aber ich kann nix gegen dieses Gefühl machen. Ich darf es ja nicht mal äußern, dann wird gesagt, dass Kind geht vor.

Nachdem mein Freund der Kleinen endlich mal erklärt hat, wer ich bin und dass er mich lieb hat, ist das Verhältnis zwischen uns wieder super und sie ist super lieb und anhänglich. Und ich genieße auch unsere gemeinsame Zeit.

Mit der Ex komme ich gut klar

Mit seiner Ex Freundin verstehe ich mich gut. Schätze Ihre Größe und ihre Kraft wie sie alles gemeistert hat. Jedoch traue ich ihr nicht. Sie hat zwar auch wieder einen Partner aber ich habe manchmal ein komisches Gefühl. Auch kann sie immer alles bestimmen, welche Tage, Uhrzeiten etc. Er sagt auch nix aus Angst und wegen seinem schlechten Gewissen. Das macht mich manchmal wirklich wütend…sie ist immer die Tolle und macht alles richtig und ich mache alles falsch. Nicht nur das Kind geht vor, auch die Regelungen rund ums Kind.

Die Tochter ist jede Woche einmal bei uns und jedes zweite Wochenende Samstag und Sonntag! Jetzt haben wir öfters mal über eigene Kinder gesprochen und da fallen bei ihm oft komische Bemerkungen. Er wird seine Erstgeborene immer mehr lieben und sie wird immer mehr bekommen, weil er ja nicht bei ihr sein kann. Sie wird immer ein eigenes Zimmer haben, sollten wir zwei Kinder haben, müssten die sich eben eins teilen und warum sollten sie mehr bekommen als die Tochter.

Ebenso ein Punkt ist, dass ich 40 km von dort, wo wir jetzt wohnen und wo auch meine Stieftochter lebt, ein Haus habe. Im Moment habe ich es für unsere Beziehung vermietet. Ich möchte aber schon gerne mit meiner Familie einmal dort leben! Jedoch findet er, er wäre dann zu weit von seiner Tochter weg und seine Ex findet das auch blöd! Das ist alles sehr schwer!

Es sind alles Kompromisse auf meine Kosten

Ich liebe diesen Menschen über alles, aber bin manchmal echt unglücklich! Ich hab das Gefühl, ich muss alles akzeptieren! Das erste Kind geht vor. Immer. Er sagt selber, take it or leave it! Du wusstest, worauf du dich einlässt.

Ja, ich wusste es, hätte aber nie gedacht dass es so schwer ist. Alle sagen zu mir, so ist das eben, seine Tochter steht immer über dir und mit euren Kindern musst du dann gucken. Aber mir fällt es einfach nur schwer, und ich möchte glücklich sein und nicht immer Verlustangst oder Zukunftsangst haben. Es ist irgendwie egal, wie ich mich fühle, wie viel Mühe ich mir gebe. Ich nehme mich viel zurück, nehme mir immer frei und lege meine Termine um seine Tochter herum. Aber niemand sieht es oder schätzt es. Nur wenn ich mich beschwere oder traurig bin, bekomme ich direkt böse Worte.

Ist es normal? Bin ich vielleicht zu kompliziert und anstrengend? Ich habe wirklich Angst und wünsche mir wirklich so sehr ein Kind und eine schöne Familie. Ist das normal dass man sich so fühlt? Und nehme ich mich selber vielleicht zu wichtig dass ich mich so fühle?

Ganz liebe Grüße an alle, Rena


Vom 8. bis 10. Juli 2016 findet der erste PatchWorkshop für zweite Familien, Stiefmütter und Trennungsväter statt. Gastgeber sind Christine Tietz und ich. Wir bieten: Konkrete Hilfestellung in Form eines Wochenendseminars mit Familienaufstellungen, Vorträgen und Einzelgesprächen. Mehr über den PatchWorkshop, die Inhalte und die Kosten erfahrt Ihr hier. Wir freuen uns auf Euch!


 

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Mopho

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