Die neue Familie, Partnerschaft & Zweite Familie
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Familienplanung – Stolperfallen für die Stiefmutter

Schwangerschaft Stiefmutter. Foto: Juan Galafa

Eines vorweg: Jede erste Schwangerschaft verläuft anders, das ist klar. Aber die Chancen sind hoch, dass die erste Schwangerschaft einer Stiefmutter noch einmal anders läuft, als die anderer Frauen. Inklusive ungeahnter Stolperfallen.

Warum? Weil sie nicht nur an ihr eigenes (erstes) Kind denken, sondern auch die ersten Kinder ihres Mannes berücksichtigen muss. Ich habe darum auf dem Stiefmutterblog eine Rubrik ins Leben gerufen mit dem Titel „Die zweite Familie“. Hier werde ich mich mit den Stolperfallen der Familiengründung einer Stiefmutter beschäftigen. Heute geht es um die Frage, was die erste Schwangerschaft anders macht , wenn die Schwangere bereits Stiefmutter ist.

Die erste Schwangerschaft

Die erste Schwangerschaft ist für jede Frau eine unglaubliche Sache (ok, jede weitere Schwangerschaft ebenfalls). Das ganze Leben wird sich ändern, soviel ist klar. Jedem Termin beim Gynäkologen wird mit einer Mischung aus Vorfreude und Anspannung entgegen geschaut. Ist mit meinem Baby alles in Ordnung? Wie wird mein Körper sich verändern? Rauchen und Alkohol sind jetzt tabu, Ernährungstipps werden ausgetauscht – schließlich ist man ja nicht mehr nur für seinen eigenen Körper verantwortlich. Statt nach einem coolen Ausgehdress schaut man plötzlich nach niedlichen Babysachen und Umstandsmode, Babywagen werden fachmännisch begutachtet und Dekoartikel und Möbel für das Kinderzimmer ausgesucht. Eigentlich eine tolle Zeit.

Eigentlich. Kugelt eine Stiefmutter, kann es nämlich sein, dass es plötzlich Streitpunkte mit dem werdenden Vater gibt, die normalerweise nicht zu einer ersten Schwangerschaft gehören. Worauf ich hinaus will? Sie ahnen es sicher. Der Partner ist bereits Vater, und im Zweifel hat er Angst, dass seine ersten Kinder sich zurückgesetzt fühlen. Das kann zu wirklich seltsamen und kuriosen Streitpunkten führen. Bei kugelnden Stiefmüttern stellt sich da zum Beispiel die Frage der Zimmerneuaufteilung der Wohnung.

Die ersten Stolperfallen lauern in der Wohnung

Als Julia schwanger wurde, freute sie sich riesig auf das Baby. »Ich bin neununddreißig, mit einer Schwangerschaft hatte ich kaum noch gerechnet. Auch Jans Kinder nahmen es positiv auf. Sie waren ein Wochenende später bei uns, und wir haben es ihnen gleich erzählt.« Julia und Jan wohnen in einer Fünfzimmerwohnung, Platz gibt es also reichlich. Bislang war die Aufteilung so: Es gibt ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Büro für Julia, die von zu Hause aus arbeitet, und je einen Raum für Jans Kinder. »Ich bin davon ausgegangen, dass seine Kinder sich jetzt ein Zimmer teilten und unser Baby das andere Zimmer erhält.

Aber Jan wollte davon nichts wissen. Er hatte Angst, seine Kinder würden dann nicht mehr zu uns kommen wollen, und meinte, es wäre doch völlig okay, wenn das Baby bei uns im Zimmer schlafen würde. Für die Anfangszeit ist das ja noch ok. Aber doch nicht achtzehn Jahre lang.«

Erste Familie contra zweite Familie? Ist doch Quatsch, oder?

Julias Bauch wuchs, sie kaufte alle notwendigen Babysachen, auch eine Wickelkommode und einen Schrank. Die Möbel stellte sie in das kleinere Kinderzimmer. »Als Jan das abends sah, brach er einen Riesenstreit vom Zaun. Sofort wollte er alle Sachen aus dem Zimmer räumen.“ Julia konnte überhaupt nicht verstehen, dass Jan der Meinung war, man könne seinen Kindern nicht zumuten, ihre Zimmer zu teilen. Auf einer Wut-Skala von null bis zehn war sie bei fünfundzwanzig angelangt, als Jan die Babysachen kurz vor dem Besuchswochenende in ihr Büro trug.

»Er war doch tatsächlich der Meinung, dass die Wickelkommode hinter dem Drucker und neben dem Aktenregal einen guten Platz hätte. Von dem BüroSmog einmal ganz abgesehen, ich hätte mich in dem kleinen Raum nicht einmal mehr umdrehen können. Und alles nur, damit zwei Zimmer frei bleiben, die maximal jedes zweite Wochenende genutzt werden. Wenn es nach ihm ginge, würde unser Kind wohl ewig in unserem Schlafzimmer bleiben.«

Parenting out of Guilt

Die Neuaufteilung der Wohnung wirft beim Patchwork  andere Fragen auf, als bei anderen Familien. Gerade für den Vater entsteht jetzt der große Konflikt, seinen ersten Kindern nicht das Gefühl zu geben, an zweiter Stelle zu stehen. Während es in einer Kernfamilie relativ normal wäre, dass alle zusammen rücken wenn die Familie größer wird, stößt die Stiefmutter mit ihren Änderungsvorschlägen oft auf Widerstand. Julia hat durchaus Verständnis für ihren Mann und seine Gefühle für seine beiden älteren Kinder, sie hat die beiden ja selbst in ihr Herz geschlossen. Aber es macht sie auch ärgerlich, dass Jan ihrem gemeinsamen Kind nicht das Recht auf ein Reich ohne Computer und Drucker um sich herum zusteht.

Für die amerikanische Patchworkexpertin Christina Roach ist einer der häufigsten Fehler den Väter machen, das „Parenting out of guilt“, was soviel bedeutet, wie aus einem Schuldgefühl heraus zu agieren. Der Vater fühlt sich schuldig, weil seine ersten Kinder kein „heiles Familienleben“ haben und kann dann eine Situation nicht mehr objektiv beurteilen. Ein Konflikt, für den es nach Meinung von Christina Roach nur eine Lösung gibt. Reden, reden, reden. Und zwar möglichst schon vor der Schwangerschaft.

Lösungsmöglichkeit Zimmeraufteilung:

Alle Beteiligten, Vater, Stiefmutter, und auch die Kinder aus erster Ehe könnten zum Beispiel gemeinsam auf einer Art Reißbrett planen, überlegen und Möglichkeiten abwägen. Oft sehen die Kinder dann selbst Lösungen, auf die Erwachsene nicht gekommen wären. Wobei eines ganz wichtig ist: mit den Kindern sollte man offen reden, die Entscheidungen fällen aber die Erwachsenen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Welche Stolperfallen gab es während Ihrer ersten Schwangerschaft? Wie haben Sie die Probleme gelöst? Ich freue mich auf Ihren Input. Falls Sie selbst gerade schwanger sind – hier finden Sie allgemeine Informationen für die „Kugelzeit“. Ich würde mich freuen, wenn auf diesen Ratgeberseiten demnächst auch Tipps für die erste Schwangerschaft mit der zweiten Familie kämen, oder?

Eine gute Zeit wünsche ich allen Müttern in spe, Susanne vom Stiefmutterblog


Wie geht Ihr mit dem Thema „Familienplanung“  und den dazugehörigen Stolperfallen um? Bitte E-Mail an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap, Juan Galafa

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