Die Stiefmütter
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Verzweifelt und am Rande meiner Kräfte

Am Rande meiner Kräfte. Foto: Jordan McQueen, stocksnap

Mein Name ist Siegritt und ich habe durch Zufall den Stiefmutterblog gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar, weil ich wirklich verzweifelt und am Rande meiner Kräfte bin.
Ich bin seit 4 1/2 Jahren geschieden und habe einen 9 jährigen Sohn. Für uns gab es nach 17 jahren Ehe keinen anderen Ausweg mehr, die Differenzen waren zu groß. Doch eines war bei der Scheidung völlig klar, wir wollten das gemeinsame Sorgerecht und haben es auch. Manchmal gibt es zwar Differenzen, aber ich würde deswegen niemals vor meinem Kind über seinem Vater schimpfen.

Vor drei Jahren lernte ich meinen jetzigen Mann kennen – wir heirateten erst vor Kurzem. Er ist einfach wunderbar. Wir haben eine sehr gute Basis, Verständnis und Vertrauen, auf der unsere Liebe von Tag zu Tag wuchs. Als wir uns kennenlernten war er ca. ein dreiviertel Jahr geschieden. Seine Tochter ist ein wenig jünger als mein Sohn. Die ersten Monate wusste die Mutter nichts von unserer Beziehung, da funktionierte das vierzehntägige Besuchsrecht noch so halbwegs.

Aber auch damals schon wurde bei der Übergabe meinem Mann stets vorgegeben, was er mit ihr zu tun hätte. Leider war er nie stark genug um zu sagen, dass er über seine Umgangsaktivitäten selbst entscheiden dürfe. Die Situation war stets angespannt und die Tochter schwer instrumentalisiert. Monate später erfuhr die Mutter von meinem Mann, dass er wieder in einer Beziehung sei. Ich schwöre, sie ließ nichts aus, um ihren Ex Mann und mich bei der Kleinen schlecht zu machen. An ein gemeinsames Treffen mit der Tochter war somit lange nicht zu denken und wir wollten sie auch nicht überfordern.

Eines Abends kam eine Sms der Kindesmutter mit dem Inhalt  „Deine Tochter weint wegen dir. Ich habe ihr gesagt, dass du deine Freundin viel lieber hast als sie.“ Ich verstand die Welt nicht mehr, da die Kindesmutter es war, die seitdem sie wusste, dass es unsere Beziehung gab, die Besuchskontakte regelmäßig verhinderte. Sie ließ meinen Mann stets eine Stunde zwecks Abholung hinfahren und meinte dann vor der Tür, sie hätten schon was anderes vor. Wenn sich mein Mann dann dazu äußerte, fing die Mutter zu schreien an, um im Haus Aufmerksamkeit zu erregen und drohte die Polizei zu holen. Natürlich ging er dann und hörte das Kind noch im Stiegenhaus schreien.

Ich verstand nicht, warum eine Mutter ihr Kind mit Absicht psychisch so zerstören wollte. Nach ca. einem Jahr des ewigen Hin und Her und Nervenaufreiberei kam die Tochter das erste Mal zu Besuch, wenn auch nur für zwei Stunden. Die Mutter hatte das Besuchsrecht zeitlich derart eingeschränkt und berief sich dabei auf ein Schreiben des Jugendamtes, das es nicht gab, wie sich später herausstellte.

Mein Mann beschrieb mir seine Tochter bis dahin stets als sehr ruhig, extrem schüchtern und äußerst zurückgezogen. Vor ihrem Besuch wurde das Haus auf Hochglanz geputzt, ihre Lieblingsspeise gekocht und mein Sohn gebrieft, dass er sich von seiner allerliebsten Seite zeigen möge. Von ruhigem und schüchternen Verhalten konnte ich nichts bemerken. Liesbeth war von Anfang an bei allem dabei, spielte sofort, aß mit uns und wir glaubten, alles würde sich in Wohlgefallen auflösen. Weit gefehlt.

Die Besuche von Liesbeth bei uns zu Hause wurden häufiger, sofern die Mutter das nicht wieder vereitelte. Regelmäßigkeit war allerdings keine vorhanden und die verbalen Angriffe, mir und meinem Mann gegenüber, kamen immer noch – natürlich stets vor dem Kind. Mein Mann wurde immer verzweifelter, er wollte natürlich regelmäßig sein Kind sehen – verständlich. Ich überredete ihn, den Gerichtsweg zu beschreiten und wir nahmen uns einen Anwalt zur Vertretung. Vom Verfahren bis zum Gerichtsgutachten bezahlten wir an die 8.000 EURO dafür, wofür teilweise mein vorher Erspartes draufging, und den Rest bezahlten wir in hohen Raten.Der Richter gab meinem Mann recht, und die Kindesmutter schrie mit ihrem Anwalt so laut, dass ich es bis hinaus hören konnte. Ich freute mich für meinem Mann und unterstützte ihn mit all meiner Energie. Leider war ich so naiv und glaubte, dass sich die Mutter an diesen Gerichtsbeschluss halten würde. Wieder weit gefehlt.

Der Psychoterror ging weiter. Liesbeth veränderte sich zunehmend. Je mehr wir mit ihr spassten, umso frecher und respektloser wurde sie. Immer wieder forderte ich sie freundlich auf, das zu unterlassen. Antworten zu mir und meinem Sohn wie z.b. „Na und, du hast mir nichts zu sagen“ waren mittlerweile Standard. Wenn irgendetwas im Haus beim Spielen kaputt ging, oder sie sich verletzte, schob sie gleich die Schuld auf meinen Sohn. Auch dann, als ich sie selbst dabei erwischte, war wieder die Antwort „das war ich nicht“. Mein Mann schimpfte mit meinem Sohn und duldete wortlos, wenn Liesbeth zu mir frech war. Ich verstand die Welt nicht mehr. Als ich meinen Mann dann alleine darauf ansprach, zeigte er von einem zum anderen Mal unterschiedliche Sichtweisen. Einmal verstand er, dass Liesbeth meinen Sohn und mich mit Respekt behandeln müsse, das andere Mal schleuderte er mir ins Gesicht, ich würde seine Tochter ohnehin nicht mögen und hätte kein Interesse an ihr.

Diese Antworten verletzten mich zu tiefst. Genauso gut hätte ich auch damals sagen können, dass er dieses Problem allein klären muss. Aus heutiger Sicht, und all den Erlebnissen bis zum heutigen Tag, muss ich sagen, wäre dass gewiss besser gewesen. Der Hass seiner Ex Frau wuchs täglich und sie schwor ja angeblich bei der Scheidung dass sie ihn zerstören würde. Nach einem weiteren Jahr stellte sich für meinem Sohn und mich ganz klar heraus, dass Liesbeth nur noch kommen wollte, wenn es entweder Geschenke zu den üblichen Anlässen gab, oder wir teure Unternehmungen machten.

Eines Tages sprach ich Liesbeth darauf alleine und ohne Beisein meines Mannes an. Sie meinte frech und wirklich eiskalt, sie käme ohnehin nur deswegen. Ihre Mutter würde die teuren Unternehmungen nicht machen, so solle der Papa das tun. Ich traute meinen Ohren nicht. Mein Mann glaubt bis heute nicht, dass das ihre einzige Absicht ist. Natürlich ist mir klar, dass dies von ihrer Mutter suggeriert wurde, aber diese Unverfrorenheit war unfassbar.

Die Situation spitzte sich dann zu, als eines Tages Liesbeth mit meinem Sohn alleine spielte und plötzlich schreiend bei der Tür herein kam. Sie beschuldigte meinen Sohn, dass er sie beschimpft und ihr einen Stoß gegeben hatte. Mein Mann ergriff sofort Partei und schimpfte meinen Sohn. Ich sah dass Liesbeth insgeheim lachte. Ich war schockiert. Trotzdem trennte ich vorerst die Kinder voneinander und sprach mit beiden getrennt. Jedes erzählte mir seine Version und ich verstand, dass wohl die Wahrheit in der Mitte lag. Das wollte Liesbeth nicht akzeptieren, obwohl ich ruhig und einfühlsam ihr zusprach. Obwohl sie sich bereits beruhigt hatte, drückte sie ihren Kopf in die Schulter meines Mannes, weinte, sprang auf und trommelte wie von Sinnen mit den Füssen am Boden und schrie.

Mein Mann, der natürlich noch immer für sie Partei ergriff, zog Liesbeth an und brachte sie zu ihrer Mutter. Verletzende Worte mir und meinem Sohn gegenüber folgten. Ich nahm meinen Sohn nochmals und drückte ihn ganz fest, bat ihn, meinem Mann das zu verzeihen. Am Tag danach erfuhr ich durch die schreiende Stimme der Ex meines Mannes, ich hätte angeblich Liesbeth bedroht und sie dürfe nun nicht mehr kommen. Mein Mann, der ja selbst dabei war, stammelte nur am Telefon und das wars.

Seither begann es dass Liesbeth immer öfter meinen Mann erpresste, wenn er mit ihr nicht etwas alleine unternehmen würde, dann würde sie auch nicht mitkommen. Ich habe mich bei ihren sporadischen Besuchen bei uns verbal komplett zurückgezogen, damit sie nicht wieder etwas behaupten könnte, was ich nicht gesagt habe. Liesbeth grüsst mich nur auf Aufforderung durch meinen Mann und das widerwillig. Sie provozierte andauernd. Ein einfaches Bitte, Danke, Grüßen waren ihr stets fremd. Mittlerweile sage ich auch nichts mehr, wenn sie wieder mal mit den Händen in das Essen greift. Mir geht es schon schlecht, wenn ich heute weiß, dass sie morgen vielleicht wieder kommt.

Meinen Mann liebe ich wirklich sehr, doch ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Sage ich etwas, ist es falsch. Sage ich nichts, kann ich mir wieder anhören, ich will nicht dass sie kommt. Natürlich will ich, dass auch mein Mann Liesbeth regelmäßig bei uns hat. Aber leider ist er zu feig, ihr zu sagen dass ihr Verhalten nicht okay ist, aus Angst sie würde nicht mehr kommen. Ihr Verhalten hat leider nie Konsequenzen und das weiß sie.

Ganz Liebe Grüsse an alle denen es ähnlich geht.
Siegritt

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