Die Väter, Partnerschaft & Zweite Familie
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Kontaktabbruch – Die Tragödie meines Lebens

Das Ende. Dan Edwards, free stocksnap

Ich bin ein geschiedener Vater und erlebte die größte Tragödie, die man als Vater erleben kann – den Kontaktabbruch meiner Tochter. 16 Jahre hatte meine Ehe gedauert, zwei Wunschkinder wurden in ihr geboren, ein Mädchen und ein Junge. Die letzten zehn Jahre gestalteten sich für mich immer schwerer, meine Ex-Frau wurde gewalttätig und ich hielt die Ehe nur aufrecht, um für meine Kinder, die ich beide über alles liebe, da sein zu können. Vor 13 Jahren stand ich dann entgültig vor den Scherben meines Lebens, als mir meine Gesundheit sehr klar aufzeigte, dass ich so nicht weiter machen dürfe, wenn ich vermeiden wollte, dass meine Kinder schon bald keinen Vater mehr haben werden.

Kontaktabbruch – Die Tragödie meines Lebens

Als Vater trennt man sich nie nur von einer Frau, sondern auch von seinen Kindern. Oder sollte ich sagen, dass man getrennt wird?  Die Mutter meiner Kinder ließ keinen Zweifel daran, dass sie alles dafür tun würde, mich zu vernichten und mir meine Kinder zu nehmen. Schon als ich aus unserem Haus auszog, waren alle Bilder und Negative aus der gemeinsamen Zeit verschwunden, bis heute besitze ich kein Bild meiner Kinder vor ihrem 10. bzw. 8. Geburtstag. Aber es ist nicht meine Geschichte die ich hier erzählen möchte.

Mitten in dem sich anschließenden Kampf um jede Minute, die ich mit meinen Kindern verbringen und die ihre Mutter verhindern wollte, traf ich auf meine spätere Partnerin. Sie war Mutter von vier Kindern und steckte selbst in einer Trennung. Keiner von uns war bereit für eine neue Beziehung, keiner suchte danach, aber dennoch geschah es und es war gut für uns beide. Nach wenigen Monaten zogen wir in eine gemeinsame Wohnung und trotz unserer Vorgeschichten zog das Glück mit ein. Wir unterstützen uns wo immer wir konnten, wobei sie, und ich gönne es ihr von Herzen, das leichtere Los gezogen hatte. Ihr Noch-Ehemann hatte begriffen, dass das Lachen eines Kindes wertvoller ist, als das Grinsen nach einer geglückten Racheaktion. Familienfeste wurden gemeinsam gefeiert, Grillabende gemeinsam begangen, Umgänge großzügig und flexibel gehandhabt, um den Kindern zu zeigen, dass sie sich nie für einen Elternteil entscheiden müssen.

Ich kämpfte um Umgang und Kontakt zu meinen Kindern

Um meine Kinder sehen zu können, musste ich Gerichte bemühen und nur all zu oft stand ich trotz bestehender Umgangsregelung nach stundenlanger Fahrt vor verschlossenen Türen. Meine Partnerin fing mich in meinem Schmerz tapfer auf. Wenn ein Umgangswochenende zu Stande kam, verstanden sich meine beiden Kinder gut mit meiner Partnerin und ihren Kindern.

Parallel zu den immer intensiver und perfider werdenden Bemühungen der Kindesmutter, die Bindung meiner Kinder zu mir zu vernichten, veränderte sich das Verhalten meiner Tochter. Sie wurde zunächst immer verschlossener und abweisender, dann zunehmend aggressiver und unbeherrschter. Gespräche auf Vernunftebene wurden unmöglich und ihren kleineren Bruder verprügelte sie zum Frustabbau nach Belieben.

Ich wollte, Du wärst tot

Vor ca. 11 Jahren flippte mein Kind an einem Umgangswochenende komplett aus. Damals rauchte ich noch, und als sie bei mir eine Stange Zigarette sah, explodierte sie förmlich. „Zahl endlich du Dreckskerl, Zigaretten gönnst du dir und deine Kinder müssen hungern. Ich wollte du würdest verrecken, dann bekäme ich wenigstens Waisenrente“ waren einige ihrer Worte. Zu diesem Zeitpunkt zahlte ich 720 Euro – mehr als die Hälfte meines Nettogehaltes. Ich versuchte meiner damals zwölfjährigen Tochter aufzuzeigen, dass sie Grenzen überschritt, dass sie sinnlos verletzt und zerstört, meine Partnerin, deren Kinder, ihren Bruder und auch mich.

Ich bin geschieden und erlebte die größte Tragödie, die man als Vater erleben kann. Klick um zu Tweeten

Sie war Worten nicht mehr zugänglich…. Sie schrie, zerstörte unentwegt Mobiliar im Haushalt meiner damaligen Partnerin und knallte Türen so heftig, dass der Rahmen zerbrach. Meine Partnerin saß heulend da und ihre kleine Tochter weinte unentwegt.

Ich beschloss diesen Umgang für meine Tochter zu beenden, und verfrachtete sie ins Auto, um sie zu ihrer Mutter zu fahren. Ich erklärte ihr, dass ich ein derartiges Verhalten nicht dulden könne, auch um andere zu schützen, dass es mich aber sehr traurig mache, diesen Schritt gehen zu müssen. Ich erklärte ihr auch, dass ich mich ganz dolle auf unser nächstes Wochenende freue, und wir dann über alles in Ruhe reden würden….

Vor elf Jahren sah ich meine Tochter zuletzt

Dazu kam es nie, vor elf Jahren, in diesem Auto, habe ich meine Tochter, die ich von ganzem Herzen liebe, zum letzten Mal gesehen. Diese Entscheidung und der darauf folgende Kontaktabbruch war und ist die größte Tragödie meines Lebens. Es vergeht bis heute kaum ein Tag, an dem ich sie nicht hinterfrage. Aber dennoch war diese Entscheidung die für mich in dieser Situation einzig mögliche. Mein Kind war der Aggressor und meine Loyalität gehörte den Menschen, die unter Ihrem Handeln zu leiden hatten.

Es folgten Anzeigen und falsche Verdächtigungen in ununterbrochener Folge. Meine Partnerin stand tapfer mir zur Seite…. sechs Jahre lang. Leider vergaßen wir dabei, das Glück, das am Anfang mit eingezogen war, zu pflegen und zu beschützen und so hat das Gift der Entfremdung seine Wirkung doch noch entfaltet. Wir trennten uns.

Ich hatte Glück und lernte noch einmal eine wunderbare Frau kennen. Wir haben dieses Jahr geheiratet. Mein Sohn lebt heute bei mir und meiner Frau. Er hat keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter und Schwester. Durch ihn bekam ich einen sehr intensiven Einblick in die Entfremdung meiner Tochter. Bis heute ist der Kontaktabbruch eine offene Wunde, ein Heilmittel allerdings kenne ich nicht.

Liebe Grüße, Andrè

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap, Dan Edwards

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