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Alles hat seine Zeit

Ein Grusswort von Susanne Petermann.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich den Stiefmutterblog gegründet habe. Ein ganz neues Forum wollte ich bauen, einen sogenannten „Safe Place“ schaffen, auf dem Stiefmütter ihren Emotionen, die sie im Alltag oft genug unterdrücken müssen, freien Lauf lassen können. Kaum zu glauben, aber 2014, als ich anfing, gab es gar nichts für Stiefmütter. Das wollte ich ändern. Ich wollte Stiefmüttern eine Stimme geben.

Hätte ich damals gewusst, was alles an Arbeit, Aufgaben, Anfeindungen und Kritik auf mich zukommt, hätte ich es wahrscheinlich ….

… trotzdem gemacht.

Ich bin und war ein Kämpfer, ich habe mich nie vor einer Aufgabe gedrückt. Vier Jahre lang habe ich den Stiefmutterblog mit viel Herzblut betrieben. Vier Stunden am Tag habe ich eigentlich immer mit meinem „Baby“ verbracht, was langsam zum Teenager reifte. Ich habe mich politisch für Stiefmütter engagiert, ich habe ein Buch zu dem Thema verfasst, ich habe hier auf dem Blog geschrieben und mich mit weit über 1000 Frauen ausgetauscht.

Ich habe Interviews in Zeitungen, im Radio und dem Fernsehen gegeben, um auf die Situation der Stiefmutter aufmerksam zu machen. Ich habe Rechtsanwälte akquiriert, die beratende Artikel geschrieben haben und für Fragen der Stiefmütter zur Verfügung standen. In vielen Städten habe ich Selbsthilfegruppen initiiert, in denen sich Frauen austauschen können. Und ich habe das Forum hier auf dem Blog geschaffen, in dem bis heute ein reger, und was mich am meisten freut, überaus freundlicher Austausch läuft.

Vor eineinhalb Jahren dann habe ich gemerkt, dass ich die Notbremse ziehen muss. Es wurde tatsächlich für mich zu viel. Markus, der seither den Blog betrieb, kümmerte sich zwar prima um den technischen Teil des Blogs, für das Schreiben fehlte ihm allerdings die Zeit. Der Stiefmutterblog verwaiste ein wenig. Ich habe das mit einem weinenden Auge beobachtet, mich allerdings damit getröstet, dass das Forum lebt und diese virtuelle Selbsthilfe extrem wichtig ist.

Jetzt allerdings fehlen Markus die Zeit und auch die finanziellen Mittel, den Stiefmutterblog weiter zu betreiben. Ich habe überlegt, ob ich wieder einsteige. Aber alles hat seine Zeit. Ich hatte im Prinzip in den vier Jahren alles gesagt, was mir zu dem Thema am Herzen liegt. Ich habe den Ball ins Rollen gebracht, ich habe das Baby durch die Pubertät gebracht. Jetzt ist es doch Zeit, dass andere weitermachen.

Insofern bin ich sehr dankbar, dass Regina sich gemeldet hat und den Blog weiter führen möchte. Nach einem langen Telefonat mit ihr bin ich mir sicher, dass sie genau die Richtige für den Blog ist. Sie ist zweifache Stiefmutter, kennt Probleme, hat keine Angst vor Kritik und ist dabei unglaublich freundlich und gleichzeitig energisch. Vielleicht hat sie als Wahl-Schweizerin auch etwas mehr Diplomatie, als ich. Kann hier nicht schaden 🙂

Ich freue mich auf das neue Leben, was Regina dem Blog einhauchen möchte. Ich freue mich auf ihre Sicht auf die Dinge und ich freue mich darauf, dass der Stiefmutterblog wieder eine neue (Stief) Mama hat. Und keine Sorge Regina, ich kann loslassen und mische mich nicht ein. Ich bin fest davon überzeugt, dass du dich gut kümmern wirst. Sicherlich anders als ich es tat – ich bin sehr gespannt. Die Leser sicherlich auch.

Liebe Regina, ich wünsche dir jedenfalls viel Freude, viel Erfolg, viel Zuspruch, wenig Kritik, viele Unterstützer und dem Blog, unserem Baby, dass er sich gut entwickelt und wächst.

Von Herzen Alles Gute!

Susanne

 

1 Kommentare

  1. Regina sagt

    Liebe Susanne,

    hier möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen, Dir ein ganz grosses Dankeschön zukommen zu lassen.
    Danke für Deine lieben, guten Wünsche, aber noch ein viel grösseres Dankeschön für Deinen Mut, dieses Tabuthema anzufassen. Danke, dass Du die Notwendigkeit erkannt hast, Stiefmüttern, Bonusmütter und einfach allen Frauen in Patchworksituationen einen Raum zu geben.
    Diese Frauen finden sich oft als Zaungäste in ihrem eigenen Leben wieder und haben keinen Raum und keine Anlaufstelle, um ihre Sorgen und Nöte zu besprechen. Zudem findet die Rolle „Stiefmutter“ erstmal wenig Sympathie, auch gesellschaftlich ist diese immer eher kritisch belegt. Nicht wenige Stiefmütter reiben sich völlig auf in dem Spagat, allen gerecht werden zu wollen und finden sich von jetzt auf gleich in einer Familiensituation wieder, die Sie so nicht geplant hatten und auf die Sie sich nicht vorbereiten konnten.
    Ich freue mich darauf, den Staffelstab an dieser Stelle von Dir übernehmen zu dürfen und hoffe mit dem Stiefmutterblog weiterhin eine wertschätzende und hilfreiche Anlaufstelle für Frauen in Patchworksituationen sein zu dürfen.
    Und natürlich hoffe ich, dass Du immer wieder gerne vorbeischaust und Dich an dem erfreust, was hier so wächst und gedeiht.

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