Die Partnerschaft
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Komplimente – Balsam für die Seele

Kompliment

Heute schreibe ich nur für Dich! Ja, ich meine Dich, das verstehst Du schon ganz richtig. Du bist toll! Du bist eine schöne, kluge, fröhliche, humorvolle, liebevolle, Mut machende und kompetente Stiefmutter. Wirklich! Du bist gemeint, nicht die Dame, die im Bus gerade hinter Dir sitzt. Wunderst Du Dich gerade? Warum eigentlich? Warum fällt es uns oft so schwer, Komplimente anzunehmen?

DU BIST TOLL!

Manchmal kommen zwei Ereignisse zusammen, die einen nachdenklich machen. Ich habe gestern zwei Zuschriften von Vizemüttern bekommen, die einen ähnlichen Inhalt hatten. Beide schrieben, dass sie es leid wären, immer nur Vorwürfe zu bekommen, immer nur funktionieren zu müssen, immer für alles verantwortlich gemacht zu werden ohne mal ein nettes Wort, geschweige denn ein Kompliment zu bekommen. Heute Morgen las ich dann – noch im Bett liegend – einen Artikel in dem Magazin der Süddeutschen Zeitung „Ein Lob auf das Lob“.

Darin heißt es: „New York ist natürlich per se eine ­erhebende Stadt, aber ein wichtiger Grund dafür, dass man sich dort sehr oft glücklich bis euphorisch fühlt, hat damit zu tun, dass die Bewohner dieser Stadt das Komplimentieren zur Kunstform erhoben haben. Wohin man auch geht, was man auch tut, immer wieder sagt einem ein fremder Mensch etwas Nettes. Die Sneaker, die Tasche, die Tattoos, die Ausführung der Yoga­übung, die Meisterung der fremden Sprache, alles kann zum Grund für ein Kompliment werden. »Oh, I love your necklace!« – »Oh, thank you!« Es ist nur eine Meinung, aber sie verändert alles. Es ist, als würde einem aus heiterem Himmel ein Blumensträußchen überreicht. Einfach so. Weil’s Freude macht. Weil’s schön ist. Und es ist schön. Und es macht Freude. Die Schritte werden ein bisschen leichter, der Rest des Tages ein bisschen heller, die nächste Hürde ein bisschen kleiner, die Liebe ein bisschen größer.“

Die Welt wird schöner, wenn wir uns Komplimente machen

„Es ist, als würde einem aus heiterem Himmel ein Blumensträußchen überreicht.“ Meine Hände schmerzen bereits, weil ich dem Schreiber immer noch Applaus klatsche. Ja, es ist so wahr. Wir in Deutschland haben oftmals verlernt, uns Komplimente zu machen. Oft haben wir sogar verlernt, Komplimente anzunehmen. Der unbekannte Mann, der uns auf der Straße sagt, wir hätten ein schönes Lachen, wird misstrauisch beäugt – warum lachen wir ihn nicht freundlich an und bedanken uns für das Kompliment?

Ich kann mich erinnern, dass mir eine fremde Frau vor vielen Jahren einmal auf der Straße sagte, mein Kleid würde „hammermäßig toll“ aussehen (ich schwöre, das waren ihre Worte, lange bevor ich den Begriff bei Dieter Bohlen hörte). Was tat ich? Anstatt zu sagen: „Super. Danke für das Kompliment, es freut mich, dass es Ihnen gefällt. Ich finde es auch hammermäßig“, drückte ich ein verschwurbeltes „echt? Danke“ heraus. Es war mir irgendwie peinlich. Dabei war es mein erklärtes Lieblingskleid – nach diesem Kompliment gleich doppelt.

Komplimente sind Blumen

Ich war in den letzten Jahren viel in Amerika. Und meine Einstellung zu Komplimenten hat sich dadurch geändert. Heute spreche ich Menschen auch an und sage ihnen, wenn mir etwas gefällt. Sehe ich in einer Boutique eine Frau in einem neuen Kleidungsstück vor dem Spiegel stehen, sage ich ihr sofort, wenn ich es schön finde. Und wissen Sie was oft passiert? Ich bekomme ein freundliches Wort zurück. Seltsamerweise funktioniert das sogar bei Menschen, die man eigentlich gar nicht wirklich mag.

Ich habe einmal auf dem Flur eines Verlagsgebäudes den mir eigentlich extrem unsympathischen Controller getroffen (er vermerkte auf Rechnungen  in sehr unfreundlicher Weise Änderungswünsche) und ihm ganz spontan gesagt, er hätte super chice Schuhe an. Im Vorbeigehen sozusagen. Dieser Mann, abgesehen von seinen großartigen Schuhen war er ein unscheinbarer Wicht, grau in grau mit zusammen gekniffenen Hintern und schmalen Lippen, stoppte spontan und blühte geradezu auf. Er erzählte mir, Schuhe seien seine Leidenschaft. Er würde jedes Jahr drei Mal nach England fahren, hätte dort einen Schuhmacher, der die Schuhe eigens für ihn anfertige. Aus speziellem Leder, mit einer speziellen Technik. Eine knappe halbe Stunden standen wir auf diesem langen Flur, unterhielten uns und fortan bekam ich auf jeder Rechnung, bei der er einen Änderungswunsch hatte, einen persönlichen Gruß dazu geschrieben und die Änderung machte mir nichts mehr aus.

In jedem Menschen steckt etwas wunderbares

Komplimente können vieles bewirken und vieles ändern. Jeder Mensch freut sich über ein nettes Wort. Sie etwa nicht?  Ich habe da eine Idee. Wir haben Ferienzeit. Wie wäre es denn, wenn Sie bei der Abholung/ dem Bringen der Kinder ein nettes Wort für die Mutter finden? Ja, ich weiß, das ist manchmal schwierig. Aber an dem Controller hätte ich vor unserem Flur-Gespräch auch kein gutes Haar gelassen. Machen Sie ihr ein Kompliment. Und wenn Sie ihr nur sagen, sie hätte wirklich tolle Kinder.Komplimente.jpg

Falls Sie ein Mann sind – Sie sind übrigens wirklich ein guter Vater und Partner, sonst würden Sie nicht auf dem Stiefmutterblog lesen – verwöhnen Sie Ihre Partnerin in dieser Woche doch einmal nach Strich und Faden mit Komplimenten. Sagen Sie ihrer Frau, dass Sie sie lieben. Nicht nur einmal, nein. Sagen Sie es ihr von Montag bis Sonntag jeden Tag 13 Mal. Das geht, wirklich. Auch wenn es anfänglich schwer fällt. Ich schwöre Ihnen: Ihre Frau wird Sie nicht auslachen, sie wird Sie auch nicht für verrückt erklären. Sie wird strahlen und glücklich sein. Probieren Sie es aus!

Wir brauchen mehr Sonne im Herzen!

Machen Sie sich das Leben sonnig, auch wenn es regnen sollte. In diesem Sinne wünsche ich allen tollen Stiefmüttern, allen tollen Vätern, allen tollen Müttern und allen tollen Kindern eine schöne Woche mit viel Liebe und vielen Komplimenten. Ihr habt es verdient!

Susanne vom Stiefmutterblog

P.S. Wie ich auf die Zahl 13 komme? Roger Whittaker sagte mir einmal in einem Interview, er würde seiner Frau jeden Tag mindestens 13 Mal sagen, dass er sie liebt. Das wäre in den Anfängen ihrer Ehe entstanden. Sie hatten sich gestritten hatten, da er ihr nie sagte, was er fühlte. Er war der Meinung, er hätte es einmal gesagt, eine Wiederholung wäre überflüssig. Natalie Whittaker wollte den Satz „I love you“ aber hören. Aus Trotz versprach er, es ihr jeden Tag 13 Mal zu sagen, bis sie es begriffen hätte und nicht mehr hören wolle. Bis heute kann sie nicht genug davon bekommen – sie sind seit 1964 verheiratet, feierten schon goldene Hochzeit.

Foto: Stocksnap, Evan Kirby

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