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Gefühlschaos und ungewollte Schwangerschaft

Gefuehlschaos. Skitter Foto

Ich heiße Lara, bin heute 25 Jahre alt und würde sehr gerne einfach nur über meine derzeitige Beziehung und deren Probleme sprechen. Ich habe viele Beiträge auf dem Forum gelesen. Habe viele Gefühle versucht nach zu empfinden. Bei einigen war ich erstaunt wie diese Stiefmütter die richtigen Worte finden konnten. War aber auch oft überrascht, wenn Anfeindungen und Unverständnis Ihnen gegenüber geäußert wurde. Ich glaube, dass man die Situation und Gefühle evtl. besser verstehen kann, wenn man die ganze Geschichte erzählt. Denn würde ich jetzt nur über meine/unsere Situation sprechen, würde man eben auch unverständlich damit umgehen. Es kostet mich sehr viel Überwindung aber ich glaube dass ich erst dann Ratschläge annehmen kann ohne „aber“ sagen zu müssen. Es geht um ungewollte Schwangerschaft und mein Gefühlschaos damit.

Mit 19 war ich so extrem dumm und naiv, wollte meinen Spaß haben, hatte geglaubt dass mir sowas, wie eine ungeplante Schwangerschaft, nicht passieren kann. Ich wurde eines besseren belehrt. Ich wurde ungeplant schwanger, hatte zu dem Zeitpunkt grad mit der Ausbildung angefangen. Wie ich so naiv sein konnte, ist mir heute ein Rätsel. Ich bin behütet aufgewachsen hatte und habe ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern (seit 30 Jahren verheiratet) und doch brach für mich eine Welt zusammen. Ich wollte nicht so jung einen Mann (Jungen) zum Vater (Mann) erzwingen. Und selber wollte ich nicht Mutter werden ohne Zukunftsaussichten.

Ich entschied mich das Kind abzutreiben. Im ersten Moment war ich erleichtert, im nächsten zerbrach ich. Es war schließlich mein Kind. Im Laufe der Zeit lernte ich damit umzugehen und sie wurden besser, meine Schuldgefühle. Zwei Jahre später lernte ich einen Mann kennen. Dieser war 12 Jahre älter als ich somit brachte er ein großes Paket an Vergangenheit mit. Das Paket war sein Sohn 4 Jahre alt und  zuckersüß. Ich wusste von Anfang an, dass er Vater ist. Es war meine Entscheidung, ob ich mich darauf einlassen möchte oder nicht. Ich ließ mich drauf ein. Er wollte das alleinige Sorgerecht, da die Mutter nicht in der Lage war zu erziehen und da zu sein. Schnell wohnte sein Sohn bei Ihm und ich auch. Plötzlich waren wir eine Familie, irgendwie. Es war sehr schön – meistens. Ganz selten hat es mir oder uns Probleme gemacht. Ich stand damals einer solchen Situation sehr offen gegenüber und hab mir nicht viele Gedanken über die Zukunft gemacht.

Nach eineinhalb Jahren Beziehung  waren unsere Differenzen doch zu groß. Ich verstand seine Sorgen um seinen Sohn nicht und er verstand nicht, dass ich noch zu jung und selbstbezogen war und Zuneigung benötigte. Ich trennte mich von ihm, weil ich das Gefühl hatte, überflüssig zu sein bzw. sogar im Weg zu stehen. Der Sohn war mir sehr ans Herz gewachsen, ich verstand mich auch gut mit ihm. Die Trennung hinterließ Spuren und Schmerzen. Ich war mir sicher, keinen Mann mit Paket mehr mein Herz erobern lassen zu wollen.

Letztes Jahr im März traf ich dann einen alten Freund. Zwischen uns funkte es schon öfter, aber wir ließen uns nie aufeinander ein, da immer einer von uns grad vergeben war. Wir hatten auch nie Kontakt zu einander gehalten. Da stand er nun, und wir freuten uns einander zu sehen. Wir klärten erstmal ab, wie der Beziehungsstatus beim jeweils anderen war. Beide Single. „Super“ dachte ich. Ich wusste, dass es diesmal kein „Halt“ geben würde. Er erzählte mir, dass er im Januar 2014, also eben erst, seinen Vater verloren hatte. Ich versuchte ihn zu trösten, so gut ich konnte. Ich erzählte ihm von meiner Beziehung als „little Family“ und sagte, ich würde mich auf sowas nicht mehr einlassen wollen. Schnell kamen wir zusammen und waren überglücklich.

Genauso schnell war das aber auch wieder vorbei. Er erfuhr, dass er Vater wird. Als er seinen Vater beerdigte, hatte eine gute Freundin, die schon lange in ihn verliebt war, „Trost gespendet“ und dabei nachlässig oder gar nicht verhütet. Nun würde sie ihn ungewollt zum Vater machen. Er hat sie gebeten, das Kind abzutreiben, ihn nicht zum Vater zu machen, so kurz nachdem er erstmal selber ohne Vater klar kommen muss.

An dieser Stelle weiß ich dass es sicherlich viele Menschen bzw. Frauen geben wird, die ihm dieses Recht nicht geben würden, sich in diese Entscheidung einmischen zu wollen.

Dazu möchte ich aber sagen, dass ein Mann genau das selbe Recht hat, zu entscheiden, ob er nun Vater werden will, wie eine Frau (auch ich) entscheiden darf ob sie bereit ist, Mutter zu sein. Letztendlich sind es wir Frauen, die schwanger werden können, und daher ist es auch hauptsächlich unsere Aufgabe, aufzupassen. Der Mann kann nicht wissen, wann wir unseren Eisprung haben, ob wir nun die Pille nehmen oder nicht. Hier nehme ich mit absoluter Sicherheit meinen Partner in Schutz.

Sie entschied sich, das Kind zu behalten. Sie hat ihm die Entscheidung überlassen ob er dann für das Kind da sein will oder nicht. Sie zog in seine Nähe, damit er sie während der Schwangerschaft sieht. und damit er sieht was auf ihn zu kommt.

Alles schön und gut bis hierher.

Als ich erfahren habe dass er Vater wird, war ich am Boden zerstört. Wie sollte ich mit einem Vater zusammen sein, wo ich mich in einen Nichtvater gerade verliebt hatte? Ich entschied mich, bei ihm zu bleiben, so lange wie ich es kann. Es gab in den kommenden Monaten dann einen Moment, in dem ich erfahren habe, dass er nicht für seinen kommenden Sohn als Vater greifbar sein möchte. Das wollte er so, damit unsere Beziehung existieren könne. Ich habe aber von ihm erwartet, dass er da sein soll. „Denn ich möchte nicht mit einem Mann zusammen sein, der den Schwanz einzieht“. Das waren meine Worte. Aus Angst, dass, wenn wir zusammen Kinder haben werden, er sich dann einfach aus der Verantwortung zieht.

Absolut dumm von mir, wenn ich jetzt daran denke.

Als letztes Jahr dann ein Anruf kam, dass die Wehen los gingen, war er sofort da. Ich bat ihn, nicht zur Geburt zu gehen, denn es würde Emotionen erwecken die ich nicht für gut halte. Er ging trotzdem, war an Ihrer Seite. Mich verletzte es, aber ich blieb bei ihm.

Uns war schnell klar, dass wir zusammen Kinder haben möchten. Somit versuchten wir es einfach. Er wurde von meiner Seite immer informiert, ob wir aufpassen müssten oder nicht. Und wir entschieden uns, ein Baby zu machen. Silvester haben wir erfahren dass wir schwanger waren. Wir waren überglücklich. Ich machte mich aber sehr verrückt, was das Verhältnis zur Mutter seines ersten Kindes anging.

Nach dessen Geburt waren tatsächlich Emotionen da, die er nicht leugnen oder bei Seite schieben konnte. Zunächst hielt er auch regelmäßigen Kontakt zu seinem Sohn und zwangsweise auch zum Ex-Techtelmechtel.

Gegen Ende Januar fingen bei mir Blutungen an und es wurde eine Tortur für unser Baby. Ich war immer wieder beim Arzt, bekam Medikamente und war immer wieder im Krankenhaus. In dieser Zeit war seine Sorge um unser gemeinsames Kind so groß, dass er zwangsläufig nur noch spärlich Kontakt zu seinem Erstgeborenen hatte. Leider habe ich es nicht geschafft, unser Baby durchzubringen. In der 13 SSW hatte ich einen Blasensprung und verlor unter Wehen den Kleinen.

In der ganzen Zeit spielte „Sie“ mit unfairen Karten. Sie habe ja seinen Sohn neun Monate ausgetragen – solche Sachen durfte ich mir sagen lassen. Im Sommer dieses Jahr platzte mir der Kragen, nachdem sie verboten hatte, dass ich seinen Sohn sehe und mich auch noch anrempelte. Ich habe eine Stellungnahme von meinem Freund erwartet. Er entschied sich, ihr nicht alles zu erlauben, und meinte, dass er dann eben seinen Sohn erst dann wieder sähe, wenn sein Sohn selbst entscheiden könne. Diese Entscheidung war für mich sehr erleichternd, denn wir konnten uns in erster Linie darauf konzentrieren unseren Verlust zu verarbeiten und unsere Beziehung zu festigen. Und wenn sein Sohn alt genug ist selber entscheiden können, bin ich auch bereit dazu.

So herrschte erst mal wieder Funkstille. Unsere Beziehung erholte sich, wir redeten sehr viel und er äußerte, er würde seinen Sohn sehr vermissen, wisse aber nicht, ob er sein Vater sein will und kann oder nicht. Ich garantierte ihm, dass ich ihn unterstützen würde wenn es um Jugendamt oder Anwalt ginge. Aber all das wollte er nicht. Ich glaubte, das wäre nun die Entscheidung. Im Oktober diesen Jahres schrieb sie ihm, sie hätte sich beim Jugendamt über ihn beschwert und er soll doch einen Termin ausmachen. Im gleichen Zug aber fragte sie ihn, ob er zum Geburtstag des Kleinen kommen möchte. Er ging natürlich hin und durfte feststellen dass sein Sohn sich nicht mehr an ihn erinnert und diese Tatsache verletzte ihn so sehr, dass das Chaos wieder von vorne los ging.

Das sind erstmal die Fakten. Aber dass ich dieses Kind nicht mag, habe ich bisher noch nicht geschrieben. Man sollte mich nicht falsch verstehen. Ich liebe Kinder aber ich darf seinen Sohn nicht kennenlernen. Er darf ihn nur bei ihr sehen oder er geht mit ihm spazieren. Voraussetzung ist aber, dass ich nicht dabei bin, dass ich ihn nicht sehe.

Solange ich meinen Partner nicht erlebe wie er Vater ist, kann ich es nicht akzeptieren, dass er es ist. Solange ich diesen kleinen unschuldigen Jungen nicht sehe, kann ich ihn nicht mögen und habe das Gefühl, dass das Kind mir und unserem Glück im Weg steht.

Ich verstehe viele Stiefmütter hier und bin voller Achtung vor denen die es besser geschafft haben.

Ich bin jetzt an einem Punkt an dem ich nicht mehr weiter weiß. Ich stehe zwischen Wut, Trauer und Angst. All diese Gefühle sollten mich eigentlich dazu bewegen jetzt zu sagen „Jetzt kann ich nicht mehr“. Aber die vielen Erlebnisse mit ihm und auch schon vor ihm wollen mich einfach nicht aufgeben lassen. Ich liebe ihn von ganzen Herzen, ich will mit ihm alt werden und diese schwierige Situation schaffen. Aber leider weiß ich nicht wirklich wie. Deshalb schreib ich hier.  Vielleicht sind noch einige Fragen offen. Ich habe zwar sehr weit ausgeholt aber ich glaube, das musste ich auch. Damit man die Komplikation in meinem Kopf überhaupt erst verstehen kann.

Was ich möchte sind Ratschläge, keine Aussagen wie „kindisch“ oder „egoistisch“  ich doch bin. Gefühle kennen kein Alter und egoistisch ist jeder von uns. Ich habe auch viel nachgedacht über mich selber, ob es denn moralisch ok ist, mich so zu fühlen. Ich brauche einen Lösungsweg und Ansätze für emotionalen Frieden.

Vorab schon mal Danke dafür, dass ich mich hier öffnen konnte und endlich mal meine Gedanken aufgeschrieben haben konnte.

Liebe Grüße, Lara

Foto: Skitter Foto, Stocksnap

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