Die Gewissensfrage – Wie würden Sie entscheiden?

Die Gewissensfrage. Foto: Petermann

Mir geht es wie Sonny, Doris, Silke, Siegritt….Gut zu wissen, dass es mehrere von uns gibt. Heute möchte ich eine Frage stellen, für mich eine echte Gewissensfrage. Ich habe meinen Mann vor sechzehn Jahren kennengelernt. Er war damals verheiratet und gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Trotz aller Bedenken haben wir uns einfach verliebt. Zwei Monate später waren wir ein Paar, ein weiteres halbes Jahr darauf zog er zuhause aus und war so schnell wie möglich geschieden.

Einige Jahre später hat sich herausgestellt, dass beide Söhne aufgrund eines Gendefekts eine degenerative Nervenerkrankung haben und körperlich behindert sind. Beide sind auf einen Rollstuhl angewiesen, geistig aber gesund.

Große Probleme hat von Anfang an die Mutter gemacht. Sie lehnt trotz der langen Zeit seit der Trennung jegliches Gespräch mit meinem Mann ab. Kommunikation erfolgt von ihrer Seite nur schriftlich, über die Kinder oder über Email, in der Regel in Form von Anweisungen oder Forderungen.

Glücklicherweise verdient mein Mann ausreichend und so hat die Ex keine finanziellen Sorgen, sie braucht nicht weiter zu arbeiten. Zudem übernimmt mein Mann größere Ausgaben (Laptops, Nachhilfe, Brillen, Klassenfahrten, usw.) anstandslos. Er war nie in Zahlungsverzug, hat auch dann, als wir beide unsere Jobs verloren hatten oder er eine Lohnkürzung in Kauf nehmen musste, nie den Unterhalt kürzen lassen, sondern freiwillig immer mehr geleistet als er musste, notfalls aus Ersparnissen. Er ist extrem zuverlässig, versetzt sie nicht, hält Abmachungen ein und kommt nie nennenswert zu spät. Besuchswochenenden fallen nie aus, werden notfalls (Dienstreisen) nachgeholt, aber immer rechtzeitig angekündigt.

(Ja, er ist toll, ich weiss. Deswegen liebe ich ihn ja auch 🙂 )

Sie hingegen schikaniert ihn ganz gerne mal. Er kam einmal  (400km von der Arbeit, Schneegestöber) 15 Minuten zu spät, um die Kinder Freitag Abend zu holen. Da hat sie ihn wieder weggeschickt, er möge morgen wieder kommen, wenn er nicht pünktlich sein könne. Nur so ein Beispiel.

Die Kinder verbringen jedes zweite Wochenende von Freitag bis Sonntag bei uns, etwa vier Wochen der Ferien und jede Zeit, die die Mutter krank, allein oder mit nur einem Kind in Kur ist. So kommen wir im Schnitt auf etwa 100-130 Tage pro Jahr. Ärgerlich ist, wenn sie mal eben kurzfristig ausfällt, obwohl sie es schon länger wusste. Das sah dann zum Beispiel so aus: Zweizeiler per Email: „Ich bin krank, die Kinder kommen übermorgen zu Dir.“ Mehr Information gab es nicht. Dass es sich um eine Beinoperation mit anschliessender Reha handelte, durften wir nicht vorab erfahren. Es wurden 9 Wochen daraus. Für uns völlig unabsehbar.

Kein Problem generell, hilft ja nichts, es wäre aber schon einfacher gewesen, wenn wir so was hätten abschätzen oder planen können. Ich konnte zu der Zeit Gottseidank im Homeoffice arbeiten (denn es waren auch noch Ferien!) und mein Mann kurzfristig nur den halben Tag. Fehlzeiten mussten wir natürlich später einarbeiten. Ein grosser Dank hier mal an alle flexiblen Chefs!

Die Kinder besuchen seit der vierten Klasse eine Integrationsschule und werden täglich von einem speziellen Schulbus zuhause abgeholt (ca. 7 Uhr) und wieder gebracht (ca. 14:30 Uhr), wenn nötig beide zu unterschiedlichen Zeiten. Nachmittags kommen täglich zwei Hilfskräfte ins Haus, um ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen, anschliessend daran wöchentlich die Nachhilfe und die Physiotherapie.

Ich denke, die Mutter hätte wirklich alle Mittel und Zeit der Welt, ihren Mutter-Job gut zu machen, oder? Aber was ist passiert in all den Jahren? Die Kinder haben keine Interessen, keine Freunde, keine Hobbies und leider auch keinerlei Wissen oder Bildung, das über Schulwissen hinausgeht. Ihre Freizeit verbringen sie nur vor Bildschirmen.  Geistiger Horizont gleich 40 Zoll. Sorry, das war gemein.

Ihr Sozialverhalten ist ….    mangelhaft. Sie kennen weder die einfachsten höflichen Umgangsformen, noch sind sie in der Lage einem Gespräch zu folgen, das nicht sie selbst zum Inhalt hat. Sie haben es in 16 Jahren nicht geschafft, mir unaufgefordert guten Tag zu sagen oder ihrem Vater zum Geburtstag zu gratulieren. Vatertag, das Wort haben sie nie gehört. Er wird auch schon mal als „Vollidiot“ oder „fette Sau“ tituliert.     Solche Worte sind bei uns tabu, da haben sie solche Umgangsformen also nicht gelernt.

Im Alter von 17 Jahren war der Ältere der beiden noch immer nicht in der Lage, seine Kleidergröße oder seine vollständige, langjährige Adresse anzugeben. Sie sind nicht in der Lage, ihre Schulsachen alleine zu packen, ihr zuhause allein zu betreten (obwohl natürlich rollstuhlgerecht) oder bei kaltem Wetter eine Jacke mitzubringen.

Letztes Jahr hat ein Sohn die Zulassung für eine weiterführende Schule verpasst und musste drei mündliche Nachprüfungen ablegen. Die Englischprüfung – Hand aufs Herz – hätte er ohne meine Nachhilfe wirklich nicht geschafft. Aber es hat geklappt, das allein zählt. Nur: zur tollen Abschlussfeier /Party hat er nicht mal seinen Vater eingeladen, weil „die Mama hat schon ein bisschen mehr für mich getan als Du“.

Ich bitte immer wieder um ein kleines bisschen Kooperation und Rücksichtnahme an den Wochenenden. („Denkt dran den Behinderten-Parkausweis mitzubringen“. „Bitte sagt Bescheid, wenn Ihr Saft verschüttet, damit ich das gleich wegputzen kann“. „Sag Bescheid, wenn Dir schlecht ist, dann stellen wir einen Eimer parat.“) Völlig erfolglos. Parkgebühren immer wieder, eingesiffte Böden, zigfach nachgekaufte Ladekabel, vollgebrochene und gekotete Wäsche und Betten. Hunderte Euros Flugstorno wegen angeblicher Kopfschmerzen.

An den Wochenenden trauen wir beide uns maximal mal ne Stunde zum Joggen weg (sofern meine Eltern dann im Nebenhaus telefonisch erreichbar sind).

Positive Erlebnisse? Schon seit Jahren nicht mehr. Auch das Wort „schön“ oder „super“ hab ich aus Kindermund eigentlich nie gehört. Trotz vieler Versuche (Erlebnisparks, tolle Urlaube, super Sportevents, besondere Leckereien, immer das Neueste an Unterhaltungselektronik) bestenfalls gnädiges Akzeptieren. „Generation Anspruch“ eben. Und ich denke, BEIDE Eltern haben versäumt, den Kindern Freude und Empathie beizubringen. Das ist wohl ihre eigentliche Behinderung.

Die Kinder tun mir schon leid, es ist alles wirklich traurig und echt nicht einfach. Aber es könnte noch schlimmer sein, wie sie eigentlich jeden Tag an Klassenkameraden sehen könnten, die mit Beatmungsgerät zur Schule kommen. Oder gar nicht mehr kommen können. Ich bin selbst mit einem körperbehinderten Bruder aufgewachsen und weiss noch gut, wie sehr er sich für vieles anstrengen, ja quälen musste. Aber es ist ein so toller, liebenswerter und vor allem zufriedener Mensch aus ihm geworden, ich bin nur noch stolz auf ihn. Aber er musste sich eben MEHR anstrengen als andere, nicht weniger. Und heute sehe ich 2 Kinder, denen man alles abnehmen will, die sich für nichts in der Welt Mühe geben. Und die an nichts Freude haben. Nur Selbstmitleid.

Die Gewissensfrage. Foto: Petermann

Die Gewissensfrage. Foto: Petermann

Nun ist aber mittlerweile die Situation so, dass die Mutter zunehmend physisch mit der Betreuung der Kinder (16 und 19 Jahre alt) überfordert scheint. Sie sind schlicht zu gross und zu schwer. Kürzlich ist ihr einer der beiden beim Duschen – was nur noch 1mal wöchentlich stattfindet weil zu anstrengend – entglitten und zu Boden gefallen. Sie konnte ihn allein nicht wieder heben, es musste der Sanitätsdienst gerufen werden. Trotzdem hält sie an häuslicher Unterbringung fest und lehnt eine Unterbringung in einer betreuten Wohngruppe kategorisch ab. Weil der Junge dann ab und zu beim Zubereiten der eigenen Mahlzeiten helfen müsse, was ihm nicht zumutbar sei. Und weil die Zimmer der WG nicht neu und gross genug seien.

Auch bei uns zuhause wird die Pflege langsam zum Problem, mein Mann (52) riskiert seine Gesundheit (Rücken) durch das viele Heben und auch hier könnte es zu Unfällen kommen, weil wir nicht alles behindertengerecht haben (Badezimmer!).

Was mir richtig Angst macht, ist, dass es tatsächlich zu einer Verletzung bei den Kindern kommen könnte. Denn ich bin sicher, die Mutter würde mit Freuden umgehend Anzeige erstatten, um finanziell damit alles aus meinem Mann rauszupressen, was irgend möglich ist. Ich habe Angst um unsere Zukunft, um alles, was wir uns geschaffen haben.

Ich habe das Gefühl, dass wir nur noch Pflichten haben und all unsere Rechte und Wünsche irgendwann mal an der Garderobe abgegeben haben. Wir sind auch (wie die Mutter) permanent am Leistung bringen, aber Rechte scheinen nur Mütter und Kinder zu haben. Mein Mann verzichtet auf alle seine Rechte, viel aufgrund von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen. Ich weiss, er ist nicht konsequent genug. Aber da ist immer das Argument Scheidungskinder UND behindert.

Ich denke, ich kann nun nicht mehr. Ich möchte jetzt ein paar gute Jahre haben, Zeit für unser eigenes Leben. Unsere Beziehung. Und mein zuhause endlich für mich. Wo wir doch schon auf eigene Kinder verzichtet haben. Es gibt das Angebot externer, professioneller Hilfe, soll heissen betreute Wohngruppe.

Darf ich (moralisch) verlangen, dass das angenommen wird und andernfalls meine Unterstützung verweigern?

Sabine

PS: Danke, dass ich mich mal auskotzen durfte. Das tat unglaublich gut.

((Anmerkung: Ich habe einen Ausschnitt aus dem Email Wechsel mit Sabine als Kommentar angehängt. Ich werde jeden Kommentar löschen, der ihr Vorhaltungen macht ohne zu reflektieren. Susanne))

19 Kommentare
  1. Steffi
    Steffi sagte:

    Liebe Susanne! Es ist sehr wichtig sich auch mal „auskotzen“ zu dürfen! Ein gewisses Maß an gesundem Egoismus ist sehr wichtig und notwendig zum zu leben.
    Ich ziehe den Hut vor dir, dass du dich mit dieser Situation irgendwie arrangiert hast und solange deinen Mann zur Seite standst! Ich hoffe ihr findet eine Lösung!
    Liebe Grüße Steffi

    Antworten
  2. Lydia
    Lydia sagte:

    Ich bin entsetzt, wie es zu einer solchen Situation kommen konnte. Die beiden Jungen sind emotional völlig verwahrlost. Schuld daran sind alle Beteiligten: Mutter, Vater, Stiefmutter, Rest der Verwandtschaft. Jungen müssen gefördert und gefordert werden! Sie sind nur körperlich behindert! Sie könnten ganz „normale“ Jungen sein!
    Das Benehmen der Mutter ist auch absolut nicht hinnehmbar, da hätte man klaren Grenzen setzten müssen.
    Für diese Form der Selbstkasteiung habe ich weder Verständnis noch Mitleid. Nur für die beiden Jungen, für die habe ich Mitleid!

    Antworten
  3. Sonny
    Sonny sagte:

    Liebe Sabine,
    als betroffene Stiefmama kann ich deine Gedanken und Gefühle sehr gut verstehen. Auch ich bin Stiefmutter einer behinderten Stieftochter und habe selber einen behinderten Sohn.Während mein Sohn inzwischen sehr Selbständig ist, braucht meine Stieftochter in allem Hilfe und Unterstützung.Auch sie ist in ihrem früheren Leben wenig gefordert worden und meint, dass sich die Welt um sie herum dreht.
    Ich kann dich gut verstehen, denn wer möchte schon jugendlichen Kindern bei Duschen oder baden helfen, die uns als Person so wenig Wertschätzung gegenüber entgegen bringen. So ist es jedenfalls bei meiner Stieftochter. Sie braucht in allem Unterstützung, aber das Gefühl unerwünscht zu sein und mich gegen ihren Vater auszuspielen beherrscht sie gut.
    Ich als betroffene habe diese Gefühle lange unterdrückt. Seine Tochter lebt dauerhaft bei uns und muss morgens komplett versorgt werden, das heißt, ich habe ihr inzwischen bei gebracht, das man sich selber anziehen muß , sonst geht es im Schlafanzug zur Schule.
    Ich fühlte mich so bestimmt von diesem Kind, und sehr belastet so wie du es auch beschreibst.
    Wie gesagt ich habe mir diese Gefühle teilweise verboten, auch das es mir zuviel wird. Ich muß dazu sagen, das ich mit meinem Mann eine Super Beziehung habe. a ist dann Umwelt die so einen beäugt und beobachtet.
    Und die so eine Art Emotionale Erpressung ausübt. Wie kannst du sowas denken und sagen.
    Das arme Kind, hat seine Mutter verloren. Immer wieder wird alles damit entschuldigt, das kennst du sicherlich auch.
    Mein Mann leidet auch unter dieser Situation, wir haben lange überlegt und sind uns sicher, das seine Tochter so schnell wie möglich ins Betreute Wohnen kommt. Für sie ist das gut um auch außerhalb der Familie sich ein Leben aufzubauen, und wir beide können nicht mehr. Wie du schon geschrieben hast, auch wir haben ein anrecht auf ein Leben.
    Liebe Grüße Sonny
    Ich würde gerne persönlich mit dir Kontakt aufnehmen
    D

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe Sonny,
      Dein Beitrag über die besonderen Kinder war es erst, der mich dazu gebracht hat, mich auch im Forum zu melden.
      Zum ersten Mal überhaupt etwas irgendwo zu posten.

      Wir sollten uns persönlich austauschen. Ich werde Susanne um Deine email Adresse bitten. OK?
      Ganz lieben Gruß
      Sabine

      Antworten
  4. ruhdorfer
    ruhdorfer sagte:

    Liebe Sabine,

    beim Lesen fiel mir Folgendes auf:
    1. Sei nicht so streng mit der Ex-Frau Deines Mannes. Sie ist allein mit zwei schwerbehinderten Kindern zurückgeblieben. Immer, wenn ein behindertes Kind geboren wird, ist das ein sehr schwerer Schlag für die Eltern, ganz besonders für die Mutter. Ein Schlag, ein Schmerz, der nie abheilt.
    2. Dass die Buben keine Manieren haben, sei nicht der Mutter angelastet, die ist froh, dass sie die Basics hin bekommt. Außerdem sind die zwei auch viel bei Euch.
    3. Natürlich kannst Du nach so vielen Jahren Deine Unterstützung zurückfahren. Die Kinder Deines Mannes sind im betreuten Wohnen mutmaßlich nicht schlechter aufgehoben als daheim. Wahrscheinlich geht es schlussendlich der Mutter auch nicht schlechter dabei.
    4. Dass Du auf leibliche Kinder verzichtet hast, finde ich total traurig. Reiß´das Ruder herum, vielleicht klappt es ja noch mit einem eigenen Baby.

    Liebe Grüße
    Karoline

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe Karoline,
      ja, ich weiss…… Ich darf nicht so streng sein. ich vergesse das eben immer mal wieder. Es tut mir leid. Und es ist gut, wenn man mich wieder sanft daran erinnert. Danke.
      Ich weiss ja, dass sie es auch nicht leicht hat. Aber es helfen doch so viele Leute mit. Sogar meine ganze Familie packt mit an, wenn nötig. Mein Papa übernimmt Telefonbereitschaft, hilft mir mit den Rollis über die Treppen, meine Mama backt immer Geburtstagskuchen für die Kids, mein Bruder baut eine Rampe für die Türschwellen, meine Schwägerin holt den Kleinen von der Schule und so weiter und so weiter…..
      Aus ihrer eigenen Familie dagegen hilft niemand, soweit wir sehen.
      Umso bitterer für sie, ich weiss. Aber WIR hätten sie doch teilhaben lassen an den Vorteilen. Nicht gnädig herablassend wie Almosen von unserem Familienglück, sondern einfach als ein Mitglieder in EINEM Team mit der gleichen großen Aufgabe.
      Ihre Entscheidung.
      Auch Dir einen lieben Gruß
      Sabine

      Antworten
      • Anouschka
        Anouschka sagte:

        Ich weiß das hört sich jetzt vielleicht hart an aber alle werden nicht jünger alle haben andere Verpflichtungen. Wenn sie daran festhält dann muss sie auch nun zusehen wie sie es schafft in ihrer Zeit. Sicher ist es für eine Mutter schmerzhaft aber ich als Mutter und Stiefmutter bin auch der Meinung das nicht der Schmerz und die Gefühle der Mutter die stärksten und wichtigsten immer sind. Sondern alle stehen auf einer ebene. Es kann nicht sein das auf die Gefühle einer Person geachtet wird und der Rest muss sehn wie sie klar kommen

  5. Christine Tietz
    Christine Tietz sagte:

    Hallo liebe Sabine,
    danke für deine offenen Worte.
    Viel ist hier schon geschrieben. Das brauche ich nicht wiederholen.
    Es ist doch die Verantwortung den Kindern gegenüber, dass sie jetzt in ein betreutes Heim kommen, nachdem schon ein Unfall zuhause passiert ist.

    Wie wäre es das zum Anlass zu nehmen, in Führsorge für die Mutter und in Fürsorge für die Söhne?
    Die Mutter macht sich den Rücken etc. kaputt und die Kinder können ernsthaft verletzt werden.

    Wie steht es dann mit dem Lebensunterhalt der Mutter? Wie alt ist sie? Wie sieht es da mit gesetzlichem Unterhalt aus? Ist das schon geklärt, ob ihr weiterhin Unterhalt zusteht, auch wenn die Kinder nicht mehr zuhause wohnen? Wäre es zumutbar, dass die Mutter, wenn die Kinder aus dem Haus sind, arbeiten geht? Hat sie vielleicht einen Beruf erlernt, in welchen sie ohnen große Probleme wieder einsteigen könnte? Oder braucht sie einen Wieder-Eingliederungskurs? – Gibt es beim Arbeitsamt für Mütter nach der Kinderzeit.

    Zahlt der Staat die Heimunterbringung oder muss dein Mann weiterbezahlen?
    Kennt ihr schon ein Betreutes Heim? Wenn nicht schaut euch doch mal eines an. Nehmt Kontakt auf mit den Eltern der dort untergebrachten Jugendlichen und Erwachsenen: Ich denke der Austausch mit ihnen würde euch gut tun. Sie kennen sicher das schlechte Gewissen von wegen „das Kinder abgeschoben haben“, aber auch, dass sie Zuhause durchatmen können. Diesen Spagat gilt es auszuhalten und immer kleiner werden zu lassen, wenn man sieht wie die Kinder sich, nach einer Eingewöhnungszeit, auch ganz neu entwickeln und neue Lebensräume mit Gleichaltrigen entdecken – und da sie ja geistig gesund sind auch in die Eigenverantwortung hineinwachsen dürfen/müssen.

    Liebe Sabine ich wünsche dir ganz ganz viel Mut und Eigen-Sinn, jetzt neue Wege zu gehen. Es dient niemanden so weiterzumachen.
    Mich erinnert das an Koabhängigkeit von Angehörigen Suchtkranker.
    Da braucht es auch klare Worte und konsequente Entscheidungen – ist das gegeben, kommen alle auf eine neue Spur. 🙂

    Alles Liebe dir
    Christine

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe Christine,
      vielen lieben Dank auch für Deine Gedanken! Das ist ein verdammt interessanter Punkt mit der Koabhängigkeit. Dazu würde ich gen noch mehr von Deinen Gedanken hören. Wenn Du magst…

      Und in der Tat ist in meinen Augen unser Hauptfehler gewesen in den ganzen Jahren: wir waren nicht konsequent genug. Das müssen wir uns wirklich vorwerfen. Immer wieder nachgeben. der Bequemlichkeit halber. Wir haben die Kinder nicht gezwungen, sich für irgendwas anzustrengen. Ich glaube aber, dass viele Eltern heute diesen Fehler machen. Vor allem bei gehandicapten Kindern. ist ja viel einfacher, schneller, fehlerfreier…. wenn ich das selber eben schnell mache. Und dem armen Kleinen fällt es je so schwer.
      Nur, kann man plötzlich wieder konsequent sein? Ist das glaubwürdig? Oder muss man da nicht eigennützige Motive unterstellen, warum man ur-plötzlich verlangt, dass die Kinder selbständig werden? ist das fair für die Kids? In ihrer besten Entwicklungsphase hat man ihnen dieses Können nicht vermittelt, quasi vorenthalten, und nun verlangt man es plötzlich?
      Aber Eltern (auch Stiefeltern) dürfen Fehler machen, oder?

      Ja, die Mutter würde ihren Unterhalt verlieren. Deshalb versucht sie auch derzeit auf gerichtlichen Wegen die WG zu verhindern.
      Sie hat einen technischen Beruf erlernt, aber ist ja nun mittlerweile über 50 und seit 20 Jahren nicht mehr berufstätig. Es würde bestimmt nicht einfach werden für sie. Aber wo ist Berufsleben schon einfach?

      Es gibt eine tolle WG dort, wo die Kinder auch zur Schule gehen. Neu, modern, Schwimmbad, Physio, ärztliche Dienste etc. im Haus. Zentral gelegen, alles was Spass macht ist in der Nähe. Kino, Cafes, Apple-Store 😉 aber auch mögliche Ausbildungsbetriebe oder weiterführende Schulen. Der tägliche Weg würde sich erheblich verkürzen. Man würde den Älteren der beiden „auch sehr gern aufnehmen“ so die Aussage des Heims vor etwa einem Jahr. Mehrere Klassenkameraden der Jungs sind auch dort untergebracht.
      Aber sie will einfach nicht……

      Ich freue mich, wieder von Dir zu hören.

      PS: Und im übrigen: Das ist das erste Mal, dass ich Eigen-Sinn im positiven Sinn belegt höre. Dieser Hinweis ist mir besonders wertvoll, da er auch noch einen anderen Punkt meines Lebens betrifft. Ich sollte generell eigen-sinniger sein. 🙂

      Antworten
      • Christine Tietz
        Christine Tietz sagte:

        Liebe Sabine,
        schön, dass du was mitnimmst aus meinem Kommentar.
        Co-Abhängigkeit bedeutet, dass ein Partner/Partnerin, Familienangehörige, etc. auch einen Nutzen von dem Suchtverhalten haben, bzw. es tabuisieren, kleinreden – „ist ja nicht so schlimm“ – „alle machen mal Fehler“ – oder auch versuchen auszubügeln, wieder gut machen wollen, was der/die Süchtige verbockt hat.
        siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abh%C3%A4ngigkeit
        Wenn wir Sucht anders lesen, hat es die Bedeutung von sucht, etwas suchen – finden wollen.
        In eurem Fall ist das die Sucht nach Harmonie – Erlösung (raus aus dem schlechten Gewissen – Absolution erhalten 🙂 ) und eben auch die Suche nach einem guten Gewissen, dass eure Liebe sein darf.
        Gerade für die Harmoniesucht wird viel geopfert – der Eigen-Sinn, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit, und vermieden: das Aufbrechen des Konfliktes, die Konflikteskalation, die Konfrontation damit, …
        Die Fragen dabei können sein:
        Was „tut“ der Konflikt Gutes für mich?
        Wozu ist er auch nützlich?
        Was bekomme ich dafür?
        Was kann ich dadurch vermeiden?
        Wovor bewahrt mich der Konflikt?
        Was ist in der Beziehung zueinander erst möglich durch den Konflikt?

        Nachdem alles 2 Seiten hat, hat es ein Konflikt eben auch.
        Wenn wir uns die positiven Aspekte eines Konfliktes ganz ganz ehrlich anschauen und uns ihrer bewusst sind, können wir erst wirklich entschieden, ob wir ihn lösen, oder es so belassen wollen.

        Ich wünsche dir ganz viel Mut dazu, genau hinzuschauen.

        Gerne kannst du dich auch persönlich bei mir melden:
        0160 – 722 24 45 oder unter info@wingcoaching.de

        Alles Liebe dir derweil
        Christine

  6. Lutz Bierend
    Lutz Bierend sagte:

    Hallo Sabine,
    erst mal auch aus männlicher Sicht alle Hochachtung, dass diesem Aufwand bislang einfach so mitgetragen hast. Ich habe selber reichlich Erfahrungen mit potentiellen Stiefmüttern, weil denen ich mit einer weit leichteren Situationen alleine mit den Problemen da stand, und hätte schon ein geringeres Engagement zu schätzen gewusst.
    Ich kann deinen Mann natürlich bis zu einem gewissen Grad gut verstehen, das er da eine größere Toleranzschwelle für Danksagungen hat, aber ich muss auch sagen, dass ich sehr schnell gemerkt habe, dass man weder den Kindern noch sich selber einen Gefallen tut, wenn man eine solche Mutter einfach gewähren lässt.
    Mit meiner Ex-Frau habe ich erst dann ein gedeihliches Miteinander gefunden, nachdem ich (vor allem auch finanzielle gesetzt) habe, und solche Sonderleistungen wie Laptop, oder Reisezuschüsse habe ich ganz klar vom gedeihlichen Verhalten abhängig gemacht, denn wie gesagt, ist es vor allem für die Kinder nicht gut, die Mutter mit so einem Verhalten gewähren zu lassen, aber ich vermute der Zug ist bei euch schon abgefahren, was es jetzt schwerer macht gegenzusteuern, und eure eigenen Bedürfnisse umzusetzen.

    Ich vermute mal, dass deinem Mann die Schuldgefühle, weil er die Familie verlassen hat, ziemlich tief sitzt, weshalb er hier über Jahre mehr geduldet hat als objektiv gesehen gut für euch war.

    Was deine Frage angeht ob du das Fordern darfst: Du darfst alles, denn niemand kann von dir erwarten, dass du deine Wohlergehen (und dazu gehört ganz klar, auch mal an sich zu denken) so einer Mutter opferst. So wie du es beschreibst ist es hier leider die Mutter, die für das Verhalten der Kinder verantwortlich ist.
    Das größte Problem wird sein, dass du, wenn du deinen Mann behalten willst, ihn davon überzeugen musst, dass es in eurer beider Interesse ist, hier kürzer zu treten. So eine Belastung ist schon schwer genug, wenn man Dankbarkeit und Wertschätzung von den Kindern bekommt. In eurem Fall stelle ich mir das unglaublich schwer vor diesen Aufwand zu betreiben, wenn diese Wertschätzung versagt wird, weil die Mutter die beiden Kinder in einen Loyalitätskonflikt bringt (und aussagen wie die zur Abschlussfeier deuten ganz klar darauf hin, dass das hier das Problem ist).

    Ich würde mir professionelle Hilfe holen. Erst vielleicht alleine, und wenn du mit dem Therapeuten deine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten heraus gearbeitet hast mit deinem Mann, denn deine Befürchtung, dass er sich körperlich hier übernimmt ist bestimmt nicht zu weit hergeholt.

    Ich habe das bei meiner Schwiegermutter erlebt, die fünf Jahre ihren, vom Schlaganfall halbseitig gelähmten, Mann alleine gepflegt hat, und damit weit über ihre eigenen Grenzen gegangen ist, aber da gab es zwei große Unterschiede: Ihm war die Dankbarkeit trotz verbaler Unfähigkeit anzumerken, und die Heime die es im bezahlbaren Rahmen für ihn gab, hätten ihm die letzten Jahre vermutlich zur Tortur gemacht, und da rede ich nicht von so lappalien, wie dass er da vielleicht mal etwas selbstständigkeit gelernt hätte, wie den Abwasch mit zu machen.

    Manchmal ist leider die einzige Möglichkeit, jemandem zu seinem Glück zu verhelfen, hart zu sein. Und wenn ihr nicht mehr bei jeder Befindlichkeit der Mutter einspringt wird sie vielleicht selber sehen, dass es so nicht weiter geht.

    Leider wird dein Mann zu mindestens für eine gewisse Zeit damit leben müssen, dass die Kinder ihn zum Buhmann erklären, weil er ihre Mutter plötzlich mit dem Problem alleine lässt, aber auf der anderen Seite lernen sie so vielleicht mal wert zu schätzen was er vorher alles gemacht hat.

    Da ihr diese Grenzen nicht vorher gesetzt habt, wird es vermutlich für euch jetzt erst mal emotional wesentlich härter, aber deswegen einfach so weiter zu machen kann eigentlich keine wirkliche Alternative sein.

    Antworten
  7. Anouschka
    Anouschka sagte:

    Hallo Sabine,
    zuallerst meinen Respekt was du alles gemeistert hast. Wie du oben schreibt sind die Kinder mittlerweile 19 und 16 , somit nun bald bzw bereits im jungen erwachsenen alter. Du hasz dich mit deinen Mann intensiv die letzten 16 Jahre gekümmert wie oben heraus geht. Ich verstehe vollkommen das du nun an einen Punkt angekommen bist wo du sagst jetzt willst auch du etwas Lebensqualität und das ist in keinster weise ein Grund sich Vorwürfe zu machen. Ihr( ja ihr weil alle immer nur denkfn das der Mann zahlt aber dabei nie gucken das die LP oder eh das wieder ausgleichen muss mit ihren Geld) zahltet zum teil mehr als ihr musstet um den Lebensstandard der Jungs zu erhalten, sprangt kurzfristig 9 Wochen ein ohne Vorwarnung etc. Du hast nach alledem das recht auch zu sagen jetzt sind sie erwachsen , jetzt müssen sie auch versuchen ihren eigenen weg zu gehen sei es in betreuten wohnen etc. Habt ihr schonmal daran gedacht das das Unbehagen der exfrau gegen das betreute wohnen eher finanziell ist?ihr müsst versuchen jetzt euch auch paar Zeit zu gönnen,l und vorallen danach frsgen was sie von einer Wohngruppe halten würden. Sagt ihnen das ihr sie liebt aber das auch sie trotz Behinderung das leben meistern können und müssen aber dafür müssen sie anfangen selbstständig zu leben mit Hilfe und auch sehen das das leben sich nicht nur um fernsehr und ich will dreht. Dadurch liebt ihr sie nicht weniger sondern ihr zeigt ihnen das ihr an sie glaubt, das ihr mehr in ihnen sehr als nur sorry couchpotatos die nichts können. Sagt ihnen ihr wollt sehen wie sie das leben kennenlernen denn so verleben sie es nur statt zu leben. Redet auch nochmal mit der Mutter bzw schreibt nach über 15 Jahren immr noch so verbittert zu sein ist die Lebensart die sie den Kindern mitgegeben hat. Alles in allen bewundere ich euch und sende euch liebe grüße

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe Anouschka,
      ja, in der Tat unterstelle ich der Mutter auch finanzielle Gründe.
      Je hilfloser die Kinder, desto sicherer ist ihr „Job“.
      Und ich denke genau wie Du: Ihr jahrelanger Hass und ihre Verbitterung bestimmen (wenn auch von ihr wohl eher unbewusst) das Umfeld der Kinder, ihr zuhause.
      Wie muss man sich als Kind fühlen, wenn das vorherrschende Gefühl, die vorherrschende Stimmung zuhause immer das Hass der Mutter auf den Vater ist? Einfach nur schrecklich. Ich habe, wenn die Kinder bei uns sind, immer bewusst darauf geachtet, ihnen zu zeigen, wie respekt- und liebevoll Beziehungen zwischen Ehepartner sein können. Wir streiten nicht vor den Kindern, Schimpfworte und Beleidigungen sind sowieso tabu, wir sind zärtlich im Umgang miteinander. Und immer wieder habe ich versucht, ihnen zu zeigen, was für ein toller Mensch ihr Vater ist. Vielleicht erinnern sie sich ja in ferner Zukunft mal daran, wenn sie selber verliebt sind.
      Ich denke im Hass der Mutter liegt auch genau der Grund für die fehlende Empathie der Kinder für irgendwas. Sie haben einfach nicht gelernt, sich zu freuen, sei es über Kleinigkeiten oder etwas zu lieben, nicht mal ein Kuscheltier. Man hat ihnen immer nur gesagt, was sie alles nicht können, aber viel zu selten, was sie denn wohl können.
      Kann es sein, dass die Mutter den Kindern vielleicht einfach nicht zutraut, in der WG zurecht zu kommen?
      Ich wünsche Dir einen schönen Abend!
      Sabine

      Antworten
  8. Stefanie
    Stefanie sagte:

    Liebe Sabine,

    ich ziehe meinen Hut vor dir! Was du und dein Mann, was die Mama er Jungs, was ihr alle leistet ist wirklich bemerkenswert und braucht viel, viel Kraft und Geduld.

    Was ich beim lesen deiner Zeilen dachte war: wie unangenehm muss es den jungen Männern (in der Pubertät!!!) sein, wenn sie von der Mutter oder dem Vater geduscht, gebadet werden müssen!
    Der nächste Gedanke war: was wird aus ihnen werden wenn die Eltern, die Mama das alles nicht mehr bewältigen kann bzw. können? Wenn sie zu alt sind. Dann stehen die Jungs, die jungen Männer da und sind unselbstständig wie KInder. Ohne den Rückhalt von Freunden, einem Umfeld in dem es nicht „normal“ ist, dass der Freund im Rolli sitzt aber trotzdem alles mitmacht.

    Hat die Mama das bedacht?

    Es ist immer schwer seine KInder ziehen zu lassen. Egal wie alt sie sind. Und garde bei besonderen KIndern fällts einem noch schwerer. Man hat sich viele, viele Jahre intensivst um sie gekümmert, behütet, bei Ämtern und sonstwo gekämpft – und dann ist das Haus leer. Man gibt die Verantwortung an andere ab. Man lässt sie ziehen…und stellt fest: es geht ihnen gut da wo sie sind. Sie sind glücklich, werden selbstständig, finden Freunde oder verlieben sich.

    Vielleicht braucht die Mutter noch etwas Zeit sich mit dem Gedanken anzufreunden. Vielleicht kann ihr auch eine Familienaufstellung helfen in der sie fühlen und sehen kann wies jetzt ist und wies mit den Jungs weiter gehen könnte.

    Liebe Grüße und alles Gute für euch Alle,

    Stefanie

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe Stefanie,
      da spricht eine Mutter aus Dir? 🙂 Das ist schön. Ich beneide Euch ein bisschen um diese Herzenswärme. Nein, falsch. Es ist nicht Neid. ich wäre nur auch gern ein bisschen mehr so.
      Und ich frage mich, ob ich „die Abschiebung“ in die Wohngruppe nur fordern kann, weil ich eben nicht weiss, was Mutterliebe ist. Weil ich rational handeln will, wo ich vielleicht emotional handeln sollte. Aber ich habe leider eben auch nicht so gute Erfahrungen mit meinen Bauchentscheidungen gemacht. Meine Kopfentscheidungen konnte ich aber immer wenigstens rechtfertigen…..

      Nein, ich denke, die Mutter bedenkt das nicht. Zwar ist es immer nur Vermutung was ihre Intentionen angeht, weil sie ja jedes Gespräch verweigert. Aber aus ihrem Handeln schliesse ich, dass sie eben meint, niemand könne besser für die Kinder sorgen als sie allein. vielleicht meint sie auch, niemand könne diese Kinder so lieben wie sie. Ironischerweise nimmt sie mit ihrem Handeln den Kindern aber genau die Chance auf die Liebe von anderen (Freunde, Partner).

      Wie ist Deine Meinung als Mutter? Könntest Du Dein behindertes Kind wegschicken?

      Lieben Gruß
      Sabine

      Antworten
      • Stefanie
        Stefanie sagte:

        Ja, da spricht eine Mutter aus mir 🙂
        Ich bin Mutter von zwei Teenis (13 und 16) und einer Steiftochter (15). Und ich sprech auch als Mutter eines besonderen Kindes. Ich weiß das es mir sehr schwer fallen wird meine Tochter (16) eines Tages ziehen zu lassen. Und ihre Einschränkungen sind gewiss nicht vergleichbar mit denen der Jungs. Aber ich sehe es auch als eine meiner Erziehungsaufgaben an, meine KInder so zu erziehen, dass sie auf eigenen Füßen stehen können, im Leben zurecht kommen.
        Ich hatte übrigens den gleichen gedanken wie Christine (??). Die finanzielle Unterstützung fällt weg wenn die Jungs untergebracht sind. Das wird ihr ganz sicher ganz arg Angst machen. Aber auch da gibt es Möglichkeiten. Vielleicht möchte sie ja nochmal was ganz anderes machen, von vorne anfangen. Eine Fort- oder Weiterbildung, eine Ausbildung?
        Ich bin ja ein großer Fan von systemischen Denken und da gibst so schöne Möglichkeiten auf ganz wunderbare neue Ideen zu kommen. Es gibt ja nicht nur schwarz und weiss sondern ganz viel Abstufungen von grau dazwischen. Und es gibt noch bunt und glitzer 😉

        Was sagen eigentlich die Jungs dazu? Können sie sich vorstellen auszuziehen? Sie sind ja alt genug um dazu gefragt zu werden.

        Ich vermute, dass ihr euch Hilfe von Aussen suchen müsst. Ihr alle. Eine Person die schaut das keiner zu kurz kommt. Ein Mediator. Vielleicht wäre das was für euch und macht die ganze Sache einfacher 🙂

        Halt uns auf dem laufenden, ich bin gespannt wies weiter geht 🙂

  9. EU
    EU sagte:

    Das ist mehr eine Geschichte, die schon alle Antworten enthält wie eine Frage. Alles ist schon sehr weit gediehen, viel überlegt, viel erinnert, viel begründet. Deshalb würde ich ganz schnell die bereits gegebene Antwort umsetzen.

    Das Problem wird sein, dass sich der Vater in einer zwei Jahrzenhte lang andauernden Helferabhängigkeit befindet und da nicht mehr einfach so herauskommen wird, auch mit professioneller Hilfe würde das schwer sein und tiefe Kratzer hinterlassen. Es ist ein Problem des Vaters, das er lösen muss, nicht von Sabine.

    Wenn Sabine folgerichtig „die Unterstützung verweigert“, könnte er das als grobe Illoyalität auffassen – sie habe es doch fast 20 Jahre mitgemacht und mitgetragen, wieso wirft sie nun hin? Wieso hat sie nicht früher deutlich Einspruch erhoben? Sie ist doch genauso mitverantwortlich für alles? Solche Gedanken könnten aufkommen.

    Deshalb würde ich sehr, sehr offene Gespräche mit dem Vater führen und nicht nur den momentanen Seelenzustand offenbaren, sondern sachlich die Ereignisse aufführen, die ihn dorthin gebracht haben. Männer wollen lieber über Fakten reden 🙂

    Lass dich da auch nicht vertrösten. „Noch ein Jahr noch“, „bis zum Abschluss der Schule XY“. Das wäre falsch. Eine überfällig Entscheidung noch länger hinauszuzögern macht sie nicht besser, sondern schlechter.

    Antworten
    • Bea
      Bea sagte:

      Liebe/r EU,
      ich bin Dir dankbar für noch einen weiteren neuen Denkanstoss. Ja, tatsächlich, mein Verhalten könnte wie Illoyalität aussehen. Fast schon ein Verrat. Weil ich ja so lange mitgeholfen habe. Meine Unterstützung so etwas wie ein Gewohnheitsrecht. Ich muss das bei meiner Argumentation bedenken. Danke Dir, diese Falle verhindert zu haben!
      VG Sabine

      Antworten
  10. Susanne Petermann
    Susanne Petermann sagte:

    Liebe Sabine,
    reich sachlich betrachtet darfst Du alles. Du bist nicht die Mutter, Du hast keine Pflicht, Dich zu kümmern.
    Wie würde es Dir denn mit dem Gedanken gehen, dass die Kinder in so einer Einrichtung sind? Besser? Oder mit Schuldbewusstsein?
    Ich denke, es ist wichtig, Deine Intention für Dich selbst zu hinterfragen.
    Glaubst Du, die Kinder sind dort besser aufgehoben, kämpfe dafür.
    Möchtest Du einfach nur etwas mehr Ruhe, ziehe Dich mehr zurück und lasse den Vater machen.
    Ich könnte beides gut verstehen und bewundere Dich für das, was Du da leistest.
    Herzliche Grüße,
    Susanne

    Liebe Susanne,
    herzlichen Dank für die Rückmeldung und die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
    Du tust mir damit einen sehr grossen Gefallen. Es sind genau die Denkanstösse, die ich von objektiven Personen brauche. Kritisches Hinterfragen ohne Parteiergreifen. Danke. Manchmal ist es auch einfach der andere Blickwinkel, die andere Formulierung der Gedanken, was man selber oft nicht mehr kann, weil man in seinen Mustern gefangen ist. Ich habe auch den ganzen Abend und die halbe Nacht mit Deiner Frage verbracht, wie ich mich fühlen würde, wenn die Kinder in der Wohngruppe wären. Was wirklich meine Intention wäre.
    Und aus tiefster voller Seele bin ich überzeugt, dass die Wohngruppe gut für die Kinder wäre. Schlecht fühle ich mich bei dem Gedanken an die Startschwierigkeiten, die sie sicher haben würden. Und schlecht fühle ich mich, weil mein Mann es den Kindern lieber bequem machen würde. Und sei es auf Kosten seines eigenen Wohls. Und weil ich ja eigentlich nicht das Recht habe, das Leben der Kinder zu beeinflussen.
    Sabine

    Antworten

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