Die Partnerschaft, Die Stiefmütter, Partnerschaft & Zweite Familie
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Die Gefühle einer Next

Gefuehle der Next. Foto: Mayur Gala, stocksnap

Ich bin keine Stiefmutter im eigentlichen Sinn – ich bin lediglich die NEXT. Eine Frau, die an einen Mann mit Kind geraten ist. Eigentlich läuft die Beziehung gut, aber sobald das Thema auf das Kind kommt, geht gar nichts mehr. Die Kleine ist acht Jahre alt und wohnt bei ihrer Mutter. Mein Freund und seine Ex sind seit vier Jahren getrennt, teilen sich aber das gemeinsame Sorgerecht – er zahlt auch pünktlich Geld an die Mutter. Soweit so gut. Wir haben uns vor zwei Jahren kennen gelernt. Damals hab ich gedacht, das mit dem Kind kann ja so schwierig nicht sein – zu blauäugig wie sich herausgestellt hat.

Kaum war ich da, wurde ich für das Kind mit eingespannt

Nach einem Monat hat er uns einander vorgestellt – von da an gab es nur noch Kinderwochenenden. Früh musste ich ihn im Bett mit dem Kind teilen. Es hat am laufenden Band geredet. Keine Ruhe, kein gar nix. Mein Freund gestresst, ich auch. Das komplette Wochenende wurde nach dem Kind ausgerichtet. Zu mir hat er gesagt, „wir wären dazu da, ihr ein schönes Wochenende zu bereiten“.

Aber es ist nicht mein Kind, ich habe ein eigenes Leben. Ich brauche meine Wochenenden. Er ist mir an Kinderwochenenden kein Partner, nur noch Vater. Den Vater habe ich nicht gesucht, ich habe einen Partner gesucht. Inzwischen haben wir eine andere Wochenendregelung. Ein Wochenende im Monat ist generell kinderfrei – das tut ihm und mir sehr gut.

 Ein Wochenende nehmen wir nur für uns

Der Weg dahin war schwer. Er hatte seine Tochter jedes Wochenende, bis ich eine Neuregelung gefordert habe. Das hat ein Jahr gedauert. Dann hat seine Ex noch ewig gebraucht, ehe sie die Neuregelung verstehen wollte. Jetzt klappt das ganz gut und ich nehme mir eigene Projekte vor, wenn sie da ist. Wenn er möchte, dass ich dabei bin, dann muss auch er mir Lösungen anbieten. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich max. 3-4 h mit dabei sein möchte, mehr ist „too much“.

Ich kann es leider nicht ändern. Das Kind ist mir gegenüber auch nicht feindlich (häufig eifersüchtig, ich allerdings auch, weil sich mein Freund dann immer für seine Tochter entscheidet – „weil sie ja soooooo süß ist“) aber mir ist das dann immer zuviel Kind,  zu viel „fremdes Kind“. Ich fahre 60 Km um meinen Freund zu sehen und Zeit mit ihm zu verbringen. Dann nur fünftes Rad am Wagen zu sein, das mache ich nicht mehr. ich versuche damit einer Enttäuschung aus dem Weg zu gehen.

Ich sehe sein Kind anders als er

Ich merke wie ihn seine Tochter manipuliert und stresst. Er liebt sie und läßt sich nichts von mir sagen. Die Kleine wird verwöhnt und ihr wird alles abgenommen. Wenn ich was zu ihrer Erziehung sage bekomme ich zu hören, da hätte ich mich nicht einzumischen. Es wird als persönlichen Angriff auf ihn, seine Tochter und die Ex genommen. Meine Vorgeschichte in meiner eigenen Familie hat mir aber gezeigt, dass man durch so eine Erziehung nur einen lebensunfähigen und verwöhnten Menschen heranzieht. Ich soll Teil von etwas sein, und darf dann dazu nichts sagen – das geht doch nicht!!

Seine EX schreibt wegen Nichtigkeiten ständig WhatsApps, ruft an, weil sie das Kind sprechen möchte. Jederzeit und immer. Es ist belastend, die Präsenz dieser Frau.

Ich bin die Next, sie ist die Ex

Die macht nichts gegen mich oder ihn, aber dennoch ist sie immer da. Bei seinem Bruder hängen noch Collagen des vergangenen Glücks. Er hat meines Erachtens nicht den Mumm, seinem Bruder zu sagen, dass das deplatziert ist. Nach seiner Aussage ist es die Wohnung seines Bruders und er hat sich da nicht einzumischen – schwer für mich. Sie backt Kuchen, macht Marmeladen, jetzt zur Weihnachtszeit Kekse. Ich möchte nicht, das sie dieses kümmern betreibt. Sie ist raus! Er sieht das nicht, sind doch nur Kekse. Sie wird auf ein Podest gehoben „SIE IST DIE MUTTER MEINER TOCHTER“! Ja, ……und was bin ich???????

Mein Freund und ich fahren in den Urlaub. Er WhatsAppt ständig über das Handy seiner Ex mit dem Kind, es werden unsere Urlaubsbilder auf Ihr Handy geschickt. Es ist unser Urlaub, nicht ihrer. Die Bilder kann er seiner Tochter doch auch zeigen, wenn wir wieder da sind, oder nicht??????

Ich habe ein Problem

Ich war bei einer Familienpsychologin, da ich viele Next-Probleme auch in mir selbst gesehen habe. Manches ist mir dadurch klarer geworden und ich kann es jetzt besser einordnen. Was die Patchworksituation angeht, ist und bleibt mein Partner der Schlüssel zu dem Ganzen. Manche Sachen kann und muss ich akzeptieren, aber Andere, und das ist für jeden, glaub ich, verschieden, gehen gar nicht. Da ziehe ich mich raus. Er war auch schon einmal bei meiner Psychologin mit dem Effekt, dass er gar nichts für sich reflektieren konnte. Vielleicht typisch Mann, keine Ahnung, aber ich denke er braucht einen männlichen Berater/Psychologen. Er ist nicht zu Kompromissen bereit, verlangt aber von allen anderen das sie sich ihm anzupassen haben.

Ich hoffe, es wird irgendwann besser. In der Literatur stehen 5-7 Jahre, hope so. Die Zeit nur mit ihm ist toll, da möchte ich weiter kämpfen.

Wo bleibe ich? Muss ich als Next immer zurück stecken?

Ich weiß, dass ich in manchen Sachen schnell überreagiere, aber wo bleibe ich? Wo bleibt mein Wunsch nach einer eigenen Familie? Jeglicher Kinderwunsch (sollte ich ihn verspürt haben) ist durch das alles nicht mehr da. Ein Zusammenziehen in so einer Situation geht auch nicht. Ich bin ein selbstbestimmter, kreativer Mensch, aber wo bitte ist hier die Gleichberechtigung? Immer geht seine Vergangenheit vor. Was ist mit Zukunft??? Ich verstehe streckenweise die Verhaltensweisen nicht, sie sind einfach nur überzogen, abgedreht und nicht nachvollziehbar.

Ich glaube, es geht sehr vielen Frauen so. Es geht auch für die Next immer um das Wohl der Kinder (was auch richtig ist), aber was ist mit den Erwachsenen? Mit den Gefühlen der „Nachfolgerinnen“, den Wünschen der Next? Was ist mit ihren Träumen, Erwartungen, Bedürfnissen? Sie müssen hinter einer Vergangenheit zurückstehen, die sie sich so nicht ausgesucht haben, die sie in der Gegenwart noch nicht einmal mitbestimmen dürfen.

Der Vater hat sich für das Kind entschieden und wenn es ihn stresst ist das etwas, was er für sich selbst meistern muss. Vor allem, wenn mir jegliches Mitspracherecht abgeschrieben wird. Ich bin nur noch selten dabei, sie soll ihren Vater nur für sich haben können. Ich mache dann mein Ding, ist okay. Es ist diese Hilflosigkeit dieses immer wieder auftauchen der Ex, die mich fertig macht. Ich habe keine Rechte. Wenn ich was sage ist der Herr beleidigt – das ist nicht fair!!!!

Gruß, Emma, 35 Jahre


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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Mayur Gala, stocksnap

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