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Vater auf der Intensivstation

Intensivstation. Foto: Norbert Kaiser, Wikipedia

Ich habe ein Problem mit meiner Stiefmutter. Meine Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, mein Vater hat wieder geheiratet, eine Witwe. Er und seine jetzige Frau kennen sich seit über 50 Jahren. Bislang war das Verhältnis ausgesprochen gut. Ich war froh, dass beide sich gefunden hatten und ihren „Lebensabend“ gemeinsam genießen. Jetzt liegt mein Vater auf der Intensivstation und seine Frau will meine Geschwister und mich nicht dort haben. 

Seit drei Wochen liegt mein Vater im Krankenhaus, vor einer Woche hatte er eine schwere Operation. Seit dem gab es zwei heftige Auseinandersetzungen mit unserer Stiefmutter, die mit der Situation vollkommen überfordert ist, was ich nachvollziehen kann. Möglicherweise verliert sie den zweiten Mann.

Seit einer Woche schließt sie mich und meine Geschwister vom Geschehen um meinen Vater komplett aus. Das gipfelte darin, dass ein Bruder beim Besuch auf der Intensivstation von ihr zu hören bekam, was er dort wolle, das sei schließlich keine Besuchsstation. Jetzt hat sie für meinen Vater einen Kurzzeitpflegeplatz organisiert, ohne dass wir davon wussten, geschweige denn überhaupt wissen, ob und wann er aus dem Krankenhaus entlassen wird.

Ich habe intensiv im Web recherchiert, aber zum Thema Rechte der Kinder immer nur Ausführungen zum Unterhalt bzw. zum Erbrecht gefunden. In einem Bestatter-Blog fand ich einige Angaben dazu, dass die leiblichen Kinder offenbar den Rechten der Ehefrau untergeordnet sind, was zum Beispiel Pflege oder Beisetzung betrifft.

Hat jemand einen Tipp für uns? Was sollen wir Geschwister tun?

Mit freundlichen Grüßen, Gerhard

Bitte E-Mail mit Stichwort „Gerhard“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die  Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden. Foto: Norbert Kaiser, Wikipedia

3 Kommentare
  1. Susanne Petermann
    Susanne Petermann sagte:

    Das kam per E-Mail:
    Ein Arztgespräch dürfen die Kinder sicherlich führen,die Entscheidung ob Kurzzeitpflege oder nicht,entscheidet jedoch die Ehefrau.

    Ich sehe diese Geschichte etwas zwiespältig. Mir fehlen da noch ein paar Infos. Wir wissen doch gar nicht,wie der Kontakt zwischen Vater und Kindern vor diesem KH Aufenthalt war. Denn warum sollte die Stiefmutter den Vater in Kurzzeitpflege geben,wenn sie auf die Unterstützung der Kinder zählen könnte?!

    Ich arbeite selbst im KH und habe schon so viel gesehen und erlebt. Traurige Wahrheit ist einfach,dass sich die wenigsten Kinder wirklich um pflegebedürftige Eltern kümmern können (oder auch wollen). Meist herrscht Uneinigkeit zwischen den Geschwistern und nicht selten geht es um erbrechtliche Dinge. Deswegen bin ich da etwas skeptisch…

    Das Verhältnis war vorher gut, schreibst Du. Aber was heißt „gut“? Einmal in der Woche telefonieren? Einmal im Monat sehen? Oder doch mehr. Also regelmäßige Besuche und ein herzliches Verhältnis?

    Man darf auch nicht vergessen,dass so ein Pflegeplatz einiges kostet. Vielleicht würden diese Kosten ein späteres Erbe schmälern…oder aber der Stiefmutter wurde von Seiten des KH empfohlen,den Mann erstmal in Kurzzeitpflege zu geben,bis alle Pflegemittel zu Hause bereit stehen,falls sie ihn zu Hause versorgen möchte…wie gesagt…zu wenig Hintergrundwissen…

    Antworten
  2. Ilona Resch
    Ilona Resch sagte:

    Ich denke wie Christine. Ich würde ihr Halt und Hilfe anbieten. Ich nicht weiss nicht wie die Auseinandersetzungen aussahen und worum es da ging. Das müsste man klären nehme ich an. Vielleicht helfen hier auch ein paar liebevolle Zeilen, die sie in Ruhe selbst lesen kann. Ich verstehe auch die Angst und die Sorge der Kinder. Vielleicht gibt es einen neutralen Dritten der vermitteln kann.

    Antworten
  3. Christine Tietz
    Christine Tietz sagte:

    Hallo Gerhard,
    bei deiner Stiefmutter geht es sicher massiv um Angst den 2. Partner zu verlieren, vielleicht wieder alleine dazustehen und keine Kontolle über das Geschehen zu haben.
    Also klammert sie und schließt alle/alles aus was in ihrem Gefühl zusätzlich gefährlich werden könnte.
    die rechtliche Seite ist das eine. Da kenne ich mich nicht aus.
    Doch für die emotionale Seite mag ich dich und dein Geschwister ermutigen, liebevoll und mit viel Verständnis auf die Stiefmutter zuzugehen.
    Vielleicht könnt ihr sie am Abend, wenn sie nicht im Krankenhaus sein kann, besuchen, sie zu euch einladen, etc. und ihr so zeigen, dass wie es auch immer mit dem Mann/Vater weitergeht, ihr eine Familie seid.
    Dass sie zu euch gehört. wenn ihr Geschwister Kinder habt, ist sie da als Oma engagiert-eingebunden?
    Ich glaube sie braucht Halt und das Gefühl, dass sie sich sehr wohl um ihren Mann kümmern darf und ihr als Kinder keine Konkurrenz seid.
    Doch dass ihr auch Sorge habt und Angst dass der Vater geht.

    Wie alt sind deine Stiefmutter und dein Vater?
    Ich mag für mich den Begriff Vizemutter sehr gerne.
    Vielleicht sagst du/ihr mal zu ihr: „Schau als 2. Frau von Papa bist du ja wie unsere 2. Mutter, unsere Vizemutter.
    Es geht hier um deinen Mann und unseren Vater.
    Du gehörst ganz dazu und wir gehören ganz zusammen. Wir sind ja eine Familie.
    Was wünscht du dir von uns?
    Wie können wir dir in der schwierigen Zeit zur Seite stehen?“

    und
    sprecht von euren Gefühlen, Sorgen, Ängsten, dass der Vater geht, ihr ggf. in der letzten Zeit nicht dabei sein könnt und vielleicht auch noch einiges mit ihm sprechen möchtet.

    Ich wünsche dir-euch ein ganz ganz großes Herz und Geduld.
    Vertraut der Liebe.
    Christine Tietz

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