Die Stiefmütter, Presse
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In eigener Sache – Stiefmutter vs. Alleinerziehende?

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Ich habe gestern auf meiner Facebook Seite „Susanne Petermann“ eine Frage zum Thema Stiefmütter und Alleinerziehende gestellt. Ich war wirklich überrascht und überwältigt von den vielen, vielen Antworten.  Ich schrieb:

Helft mir bitte zu verstehen. Es gibt gefühlte 10.000 Mamablogs. Darunter etliche wirklich tolle Blogs von Alleinerziehenden. Viele davon lese ich. Nie, wirklich nie, habe ich bei einem dieser Blogs bemängelt, dass dort nicht auf die Situation der Stiefmütter eingegangen wird. Es gibt genau einen Stiefmutterblog (jedenfalls kenne ich keinen anderen). Warum werde ausgerechnet ich immer und immer wieder aufgefordert, die Probleme der alleinerziehenden Mütter zu thematisieren? Ich bin nicht weltfremd. Es ist doch nicht so, als ob es mir neu wäre, dass es viele Frauen gibt, die sehr große diesbezügliche Probleme haben. Nur ist das nicht das Thema des Stiefmutterblogs. Ich verlange doch auch nicht von einem Veganerblog, dass dort Steak-und Schnitzelrezepte vorgestellt werden.

Die Antworten haben mir aber auch gezeigt, dass wir oft vor lauter Kummer blind für die „andere Seite“ sind. Tobt hier tatsächlich ein Kampf „Stiefmutter vs. Alleinerziehende“?

Meist handelt es sich um ein imaginäres Feindbild. Die „böse Stiefmutter“ hat der „armen Alleinerziehenden“ erst den Mann geklaut, und sorgt dann systematisch dafür, dass der keinen Unterhalt zahlt. Beziehungsweise ist die „arme Alleinerziehende“ gar nicht so arm, sie hat sich ihr Schicksal ja selbst ausgesucht und lässt den armen Vater jetzt „bluten“ und schikaniert die Stiefmutter.

Wer hat Recht? Keiner? Beide? Eines ist jedenfalls klar, Alleinerziehende sind lauter, präsenter und öffentlicher als Stiefmütter. Sehr plastisch kann man das an der Stern Geschichte über eine Alleinerziehende klar machen.

Unter der Überschrift „Alleinerziehend: Auf sich gestellt“ hat der Stern Niko Lenzen, eine junge, sympathische Frau portraitiert, die allein mit ihren beiden Kindern Anna und Louis ohne die dazugehörigen Väter lebt. Fairerweise wird in der Einleitung darauf hingewiesen, dass es mehrere Versionen dieser Geschichte gäbe, mindestens drei. Die von Niko, die ihres ersten Ex, und die ihres zweiten. Die werden aber nicht erzählt. Ist auch nicht nötig, schließlich geht es hier um Niko, die alleinerziehend ist und nicht um die Väter. So wie es im Stiefmutterblog eben auch um Stiefmütter und Väter und nicht um alleinerziehende Mütter geht.

Niko Lenzen, die Frau aus dem Stern-Artikel, bekommt recht schnell nach dem jeweiligen Verlieben, zwei Kinder. Beide Beziehungen scheitern und sie zieht dann nach Hannover zu ihren Eltern, die ihr wegen Krankheit aber nicht mit den Kindern helfen können. Es wird nicht erwähnt, wo Niko vorher lebte, bzw. wo die Ex-Partner leben. „Natürlich würde sie lieber allein zwei Kinder durchbringen als eine ungesunde Partnerschaft aufrechterhalten“, war der Satz, der diesen Lebensabschnitt beschrieb.

Dann wird geschildert, wie sie sich langsam aber sicher von der Situation überfordert fühlt. Begleitet von allgemeinen Beschreibungen der verheerenden Situation der Alleinerziehenden.

„Immer wieder gibt es Situationen, in denen sie das Gefühl hat, dass ihr die Kontrolle entgleitet (…) Am Abend (…) teilte ihr Louis‘ Vater am Telefon mit, er habe weniger Aufträge. 300 Euro seien noch drin statt 433. Niko Lenzen zwang sich, ruhig zu bleiben, sie sagte, sie wolle das nicht diskutieren, sie werde alles an ihren Anwalt weitergeben. Egal, wie die Sache ausgeht, ein paar Hundert Euro wird allein die Kanzlei kosten.“

Ich kann nachvollziehen, dass sich dieser Moment für Niko Lenzen wie ein Schlag in die Magengrube angefühlt haben muss. Es ist hart, wenn plötzlich 133 Euro fehlen. Und es ist auch hart, wenn man sich immer wieder vor Gericht treffen muss.

Ich frage mich aber auch, warum wir so selten die Geschichte der dazugehörenden Väter, wie Nikos Ex 1 oder Ex 2 lesen. Geschweige denn die Geschichten der womöglich dazugehörigen neuen Partnerinnen.

Vielleicht würde sich die Geschichte von Maria, der imaginären neuen Partnerin von Louis Vater so lesen: „Ich weiß nicht mehr weiter. Niko, die Mutter von Louis, ist damals 400 Kilometer weit weg gezogen, weil sie in der Nähe ihrer Eltern sein wollte. Mein Partner, hängt sehr an seinem Sohn, hat aber als Selbstständiger an den Wochenenden im Sommer sehr viel zu tun. In der Woche geht der Kleine zur Schule, dann kann er ihn nicht holen. Also sehen wir ihn meist nur im Winter und in den Ferien. Auch finanziell ist es sehr eng. 1600 Kilometer zu fahren (2 Hin-und Rückfahrten á 400 KM) kostet viel Kraft und Geld. Zusätzlich zum Unterhalt. Jetzt ist bei meinem Partner vor vier Monaten ein großer Auftraggeber insolvent gegangen. Wir pfeifen hier aus dem letzten Loch, da ich seit der Geburt unseres Kindes nur noch Halbzeit arbeite. Er muss den Unterhalt kürzen, hat aber totale Angst davor, weil dann wieder Prozesse kommen und der Kleine dann wieder so angespannt ist. Aber es wird ihm nichts anderes übrig bleiben. Würde Niko noch hier in der Nähe wohnen, könnte mein Partner sie jetzt in der Betreuung unterstützen, wenn es finanziell schon knapp wird.“

Ich kenne Niko Lenzen nicht, ich will ihr überhaupt nichts unterstellen. Die Geschichte  von Maria, der imaginären Stiefmutter von Louis habe ich mir komplett ausgedacht. Jedenfalls im Zusammenhang mit Niko. Ansonsten habe ich diese Geschichte schon dutzende Male gehört. Aus dem Mund von Stiefmüttern, die aber allesamt anonym bleiben wollen. Sie leiden, aber sie leiden (noch) heimlich. Warum? Weil sie Angst davor haben, dass es sonst Ärger gibt.

Ärger mit der Mutter, die dann womöglich die Kinder nicht mehr zum Vater lässt, Ärger mit dem Vater, der keine Probleme haben will, Ärger mit den Kindern, weil die nicht wollen, dass etwas gegen Mama gesagt wird.

Vizemütter melden sich nicht laut und öffentlich zu Wort. Es gibt nicht einmal verläßliche Statistiken, wie viele Stiefmütter es gibt. Darum sehen weder die Öffentlichkeit, noch die Politik ihre Probleme. Das ging Alleinerziehenden auch lange Jahre so. Bis diese Frauen aufgewacht sind und gemerkt haben, dass man in Deutschland eine Lobby braucht, um wahr genommen zu werden. Seitdem Alleinerziehende laut trommeln, werden sie wahrgenommen und sogar politisch unterstützt. Lernen wir doch voneinander.

Ich habe in den letzten Wochen für die anstehende Veröffentlichung meines Buches mit vielen Journalisten gesprochen. Sie alle fragten mich, ob die Frauen, über die ich in meinem Buch schreibe, ihre Geschichte erzählen würden. So wie Niko Lenzen, die Alleinerziehende aus dem Stern-Artikel, ihre Geschichte erzählt. Mit verfremdeten Namen, aber mit Fotos. Die Scheu bei den Vizemüttern ist groß.

So funktioniert unsere mediengeprägte Welt nur leider nicht. Ein heimliches Leiden ist heutzutage ein nicht vorhandendes Leiden. Väter, die um ihre „Rechte an ihrem Kind“ kämpfen, werden oft als verbittert und feindselig wahrgenommen. Außerdem wollen sie selten mit ihrer neuen Frau in die Medien, weil sie „das alleine durchstehen“ wollen.  Nur sind Frauenzeitschriften und Familienzeitschriften meist an der weiblichen Sicht der Dinge interessiert.

Ein Teufelskreis, den Vizemütter unterbrechen können. Es braucht Mut, aber Stiefmutter sein ist ja sowieso nichts für Feiglinge. Haben Sie Lust, Ihre Geschichte zu erzählen? Mit Pseudonym, aber ehrlich? Falls Sie noch nie mit Medien zu tun hatten, werde ich Sie an die Hand nehmen und begleiten. Sie können natürlich auch den Text lesen, bevor er abgedruckt wird.

Es gibt konkrete Anfragen zum Beispiel von Frau TV (WDR), die zeigen  möchten, wie Stiefmutter sein sich auf die Partnerschaft auswirkt. Bild der Frau und Mona Lisa (ZDF) möchten Stiefmütter portraitieren. Ich habe Journalisten-Kollegen, denen ich sehr vertraue, die gerne für Frauenzeitschriften wie Für Sie oder Freundin über das Thema schreiben möchten.

Ich habe mich sichtbar gemacht. Welche Vizemutter macht ebenfalls mit? Eins ist klar – Nur wir selbst können etwas ändern. Schreiben Sie mir unter kontakt@stiefmutterblog.com oder hinterlassen Sie hier eine Nachricht. Ich melde mich. Garantiert!

Ihre Susanne vom Stiefmutterblog

P.S. In der kommenden Woche werde ich mich mit zwei Journalisten treffen, die meinen Beitrag über die Bundestagsabgeordnete gelesen haben und sich daraufhin bei mir gemeldet haben.

 

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=797614356954564&id=695057887210212&comment_id=797932053589461

17 Kommentare

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Mareike,
      eine US Studie als Grundlage für eine derartige Hochrechnung zu nehmen, erscheint mir etwas gewagt. Herzliche Grüße, Susanne

    • Es gibt keine Alleinerziehenden. Mütter (redigiert, Susanne) gebt den Vätern die geraubten Kinder zurück. Die DNA teilt sich immer hälftig. Dann habt ihr Zeit arbeiten zu gehen und nicht auf fremde Gelder zu hoffen. Alleinerziehen ist seelisch-psychische Kindesmisshandlung. (Gekürzt. Susanne) Wenn ihr fähig wärt eine funktionierende Familie zu führen müsstet ihr nicht alleinerziehend sein.
      So einfach ist das. Wer sich alleinerzihend nennt und Geld vom Partner kassiert ist hochkriminell…… (Gekürzt. Susanne) Übrigens auch alle die dazu Beihilfe leisten. Besonders Rechtsanwälte, Jugendamt und Gerichte.

      • Susanne Petermann sagt

        Lieber Tim,
        wie du siehst habe ich deinen Kommentar bearbeitet und die schlimmsten Beleidigungen heraus genommen. Mir scheint, dass die Mutter deines Kindes allein erziehend ist und dir jegliche Möglichkeit nimmt, dein Kind zu sehen. Das ist bestimmt eine schlimme Situation und tut mir sehr leid für dich. Aber das auf alle allein erziehenden Mütter zu übertragen, halte ich doch für etwas gewagt. Es gibt tatsächlich auch genügend Väter, die eben keinen Bock haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. Wie alles im Leben, gibt es auch hier zwei Seiten.
        Susanne

  1. Nancy sagt

    Hallo zusammen,
    Mein Name ist Nancy, ich bin die Tochter von Ilona.
    Ich lese schon eine Weile mit und wollte nun auch einmal etwas dazu schreiben.

    Mutti war im Prinzip schon immer Alleinerziehende und arbeitende Mutter. Sie war immer für mich da und hat mir alles beigebracht. Mich auf das Leben vorbereitet auch wenn es nicht immer einfach war. Gerade mit einem pubertierenden Mädchen. Aber sie hat mir alles möglich gemacht und das Wichtigste mir Liebe gegeben.

    Ich bewundere sie so sehr. Das eigene Kind ist erwachsen und aus dem Haus und nun? Hat sie wieder Kinder an der „Backe“. Dann auch noch nicht einmal die Eigenen. Bei denen man ständig aufpassen muss was man macht und sagt, weil sich ja die leibliche Mutter übergangen oder hintergangen fühlen könnte. Die Kinder sich auch nix sagen lassen weil es ja nicht die „richtige“ Mutter ist.
    Gerade in der heutigen Gesellschaft ist es schwer Kinder zu erziehen. Aber Mutti gibt ihnen genauso Liebe als wären es die eigenen. Bringt ihnen die wichtigen Dinge des Lebens bei. Zeigt Ihnen die Werte die wichtig sind. Und vergisst sich selbst dabei.

    Meine Ma ist stark.. I am titanium.
    Wenn sie es nicht schafft wer dann?

    Ich bin immer für Dich da! Und ich danke Dir so sehr, denn ohne Dich wäre ich nicht das was ich heute bin!

    Ich hab Dich ganz doll lieb!

    • Susanne Petermann sagt

      WOW. Was für eine Liebeserklärung an die Mutter, die jetzt auch noch Stiefmutter ist! Großartig. Danke dafür, Susanne

      • Nancy sagt

        Danke. Es ist eben die Wahrheit. Wir haben so viel zusammen durchgestanden, gelacht und geweint!!!
        Ich bin wirklich froh sie zu haben auch wenn sie mir fehlt! Sie ist ein ganz toller Mensch!

        Aber auch jeder Stiefmutter die hier liest und schreibt bewundere ich. Ihr habt echt manchmal die A- Karte gezogen. Seit aber wie Stehaufmännchen! Und das muss auch mal gewürdigt werden!!! LG Nancy

  2. Danke Susanne!
    Danke für deinen Mut & dein Engagement!
    Ich finde das toll, auch wenn ich gar nicht betroffen bin.

    Lieben Gruß
    Heike

    • Susanne Petermann sagt

      Danke Dir. Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam auch etwas erreichen. Liebe Grüße, Susanne

  3. janine sagt

    wäre auch dabei
    bin stiefmutter mit allen Höhen und tiefen mit der kindesmutter aber mit ganz tollen stiefkindern

    • Susanne Petermann sagt

      Großartig. Ich melde mich die Tage bei Dir. Schon einmal vielen Dank!

  4. Ilona Resch sagt

    Hallo liebe Susanne,
    Ich wuerde sehr gerne meine Stimme als Stiefmutter ( Vollzeit- u noch zusätzlich Teilzeitstiefmutter) einbringen und erheben.
    Sie kennen ja schon ein wenig von mir.
    Tatsächlich ist es so das man/ Frau seine Stumme kaum erhebt um nicht noch mehr Ärger zu machen u nicht noch mehr die Kinder zu belasten.
    Ich bin ja nun nicht mehr ganz so jung in so eine Konstellation geraten. Meine Lebenserfahrung würde ich gerne zur Verfügung stellen.
    Lieber Gruß
    Ilona Resch

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