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Ein Meilenstein für zweite Familien

Meilenstein für zweite Familien

Kennt ihr das Gefühl, dass gerade etwas außerordentliches, etwas Bahnbrechendes passiert? Etwas, was ziemlich sicher später einmal als „Meilenstein für zweite Familien“ in die Geschichte eingehen wird. Genau dieses Gefühl hatte ich am Dienstag bei dem der Veranstaltung „GEMEINSAM GETRENNT ERZIEHEN“ des Familienministeriums in Berlin.

Gemeinsam getrennt erziehen

Mit meinem Gefühl war ich nicht allein. So ziemlich alle anderen Anwesenden – darunter die Creme de la Creme der Verfechter einer radikalen Änderung des Familienrechts – waren sich einig. Die als „Zukunftsgespräch“ deklarierte Veranstaltung „GEMEINSAM GETRENNT ERZIEHEN“ war der sogenannten Ruck, der ab sofort durch die Familienpolitik gehen wird. Am Dienstag, den 11. Juli 2017 ist in Berlin das passiert, was sich so viele Stiefmütter und Trennungsväter, so viele zweite Familien schon so lange wünschen. Das Familienministerium hat uns endlich positiv in den Fokus genommen und plant Reformen!

Ich weiß, dass viele Betroffene kaum glauben können, was ich gerade geschrieben habe. Zu lange fühlen sie sich verschaukelt und mit leeren Versprechungen abgespeist. Aber ich bin sicher, dass sich ab sofort Dinge ändern werden. Warum? Weil an der Spitze des Familienministeriums jetzt eine Frau sitzt, die ein ernsthaftes, Interesse an Reformen hat. Seit geraumer Zeit stehe ich mit ihr in Kontakt und weiß mittlerweile, dass sie sich einsetzen wird. Um genau zu sein – das Thema ist der neuen Familienministerin Dr. Katarina Barley eine Herzensangelegenheit.

Die neue Familienministerin meint es ernst

Ein Rückblick: Damals, im Mai 2016, bei unserem ersten Treffen, war sie eine ganz normale Abgeordnete, die in dieser Legislaturperiode neu in den Bundestag gewählt worden war. Ich schrieb sie an, um mit ihr über zweite Familien und Stiefmüttern zu sprechen, sie lud mich nach Berlin ein. Dort bat mich, ihr von den Mängeln, den Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten im Familienrecht für Umgangselternteile und Stiefeltern zu erzählen. Sie war zwar selbst geschieden mit zwei Kindern, aber ihre Trennung verlief friedlich. Daher konnte sie zunächst kaum glauben, was ich erzählte.

Ich berichtete ihr von parteiischen Jugendämtern, von Vätern, die gegen Wände laufen und Stiefmütter, die zwar Pflichten aber keine Rechte haben. Und über allem schweben die Kinder, die unter dem Hick-Hack am meisten leiden. Sie nahm meine Schilderungen ernst, bat mich um Fallbeispiele, um Aktenauszüge von Betroffenen, sie tauchte in die Materie ein. Sie vernetzte mich, machte mir Kontakte zur damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der SPD und hakte im Justizministerium nach. Wir trafen uns mehrfach, standen im E-Mail Kontakt. Ich spürte, nein, ich wußte, diese Frau wünscht sich ebenfalls ein gleichberechtigte Familienrecht.

Der Karrieresprung – Dr. Barley wurde Generalsekretärin der SPD

Als sie im Dezember 2016 SPD Generalsekretärin wurde, stoppte unser Kontakt. Sie schrieb sie mir noch eine persönliche Mail, in der sie das ausdrücklich bedauerte. Aber natürlich sind die Aufgaben einer Generalsekretärin komplett andere. Sie beendete unsere Zusammenarbeit aber nicht, ohne sich persönlich zu verabschieden und einen Kontakt zu einer Kollegin im Rechtsausschuss herzustellen. Durchaus nicht normal im Politikbetrieb und ein weiteres Indiz dafür, dass ihr die Angelegenheit am Herzen liegt.

„… seit Mai diesen Jahres haben wir mehrmals die rechtlichen Probleme von Stiefeltern und zweiten Familien, die Sie mir geschildert haben, beraten. Für Ihr Engagement und Ihre Anregungen möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Da ich seit dieser Woche ein neues Amt übernommen habe, ist es mir leider nicht mehr möglich, mich weiterhin mit der Thematik ausführlich zu beschäftigen. Ich habe deshalb den Vorgang meiner Kollegin xxx, die in der Arbeitsgruppe Recht für das Thema Familienrecht zuständig ist, übergeben. Ich bitte Sie, sich künftig an sie zu wenden.“

Plötzlich Familienministerin – Eine Chance für zweite Familien

Am 2. Juni 2017 wurde diese engagierte Frau Familienministerin. Am 25. Juni bekam ich die Einladung zu jenem Meilenstein für zweite Familien, dem bahnbrechenden Zukunftsgespräch in Berlin zum Thema „Gemeinsam getrennt erziehen“. Koryphäen wie Prof. Hildegund Sünderhauf, Vorreiterin des Wechselmodells und Jürgen Rudolph, Erfinder des Cochemer Modells, waren dort. Dazu Vorsitzende Richter von Familiengerichten, Vertreter von Väterverbänden wie Bundesforum Männer, Väter Netzwerk e.V., Väteraufbruch für Kinder e.V., Caritas und Kirche, Universitäten, dem Juristenbund und dem Alleinerziehendenverband.

Mittendrin saß ich nun plötzlich. Ein Stiefmutter, die auf persönliche Einladung der Ministerin anwesend war. Persönlich? Genau das sagte mir Dr. Barley, als wir uns begrüßten. Sie hätte dafür gesorgt, dass ich nachgeladen werde, weil sie unser Anliegen wichtig fände. Sie betonte, dass der Fokus viel zu wenig auf zweiten Familien und Stiefeltern liegen würde und sie das gerne ändern würde.

Ihre Rede – Ein Meilenstein

Dr. Barley war nicht nur vor Ort (was Manuela Schwesig nicht gewesen wäre) sie hielt auch eine Rede, in der sie betonte, dass sie sich den Tag frei geschaufelt hätte, da eigentlich eine Teilnahme der Ministerin nicht vorgesehen war. Nicht zu jedermanns Freude übrigens. „Im Familienministerium herrschte nicht ungeteilte Begeisterung als ich sagte, dass ich mir das Thema zu eigen machen möchte. Aber der Fokus liegt viel zu wenig auf dem „gemeinsamen“ getrennt erziehen. Ich habe darauf bestanden, heute hier zu sein.“

Diese Familienministerin ist die Chance, auf die viele gewartet haben

Ich persönlich glaube, dass getrennte Eltern und zweite Familien mit dieser neuen Ministerin eine riesige Chance bekommen. Ich halte ihr Engagement für echt und denke, dass auch die anderen Anwesenden bei der Veranstaltung gespürt haben, dass hier ein Meilenstein gesetzt wurde. Diese Frau macht hier keine politische Wiederwahl-Finte, wie es in Väterkreisen jetzt oft unterstellt wird.

Was genau bei der Veranstaltung mit Dr. Katharina Barley passierte, was präsentiert und welche Ergebnisse erzielt wurden, schreibe ich nächste Woche. Ich bin nämlich am Tag nach der Konferenz in den Urlaub geflogen. Und jetzt muss ich erst einmal … ZUM POOL!


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5 Kommentare

  1. Nortel sagt

    Zu gerne würde ich an das glauben was Sie schreiben – und tue es jetzt einfach mal 🙂 Als Betroffener Vater klammere ich mich gerne an jeden Strohhalm.
    Was mir allerdings gleich Sorgen macht: In diversen Interviews hat Frau Barley wieder in einer gewissen Form vom Wechselmodell Abstand genommen, siehe z.B. hier http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Ich-lebe-ja-das-Wechselmodell;art307853,6094426

    Und: Was passiert wenn Frau Barley ab September nicht mehr in Amt und Würden ist? Wonach es ja nach den aktuellen Umfragen für die SPD stark aussieht. Wird deswegen vielleicht gerade so ein Strohfeuer gezündet, weil Sie es ja sowieso nicht zu Ende bringen kann?

    Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt

  2. Patchworkflicken sagt

    Liebe Susanne,

    ich finde es großartig, dass du dich dort ganz aktiv eingebracht hast. Ich denke, viele Politiker sehen Probleme solange nicht, bis sie von jemanden darauf aufmerksam gemacht wurden. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen wie dich gibt, die sich für die Interessen der zweiten Familie einsetzen!
    Vielen Dank dafür!

    Mir geht es ein bisschen wie Manuel: ich fürchte ein wenig, dass da jetzt kurz mal viel Wind um die zweite Familie gemacht wurde und dass die großen Änderungen dann doch wieder ausbleiben, weil andere Themen wichtiger sind oder zumindest mehr Menschen betreffen.

    Aber ich versuche mal mit viel Hoffnung in die Zukunft zu blicken.

    Fakt ist, dass die derzeitigen Regelung tatsächlich darauf abzielen, dass die Mutter das Kind erzieht und der Vater bloß dafür zahlt. Wenn ein Vater sein Kind regelmäßig sehen möchte, dann muss er unter Umständen dafür kämpfen und wenn die Mutter sich dagegen wehrt, dann hat der Vater leider keine Chance. (Ich persönlich kann Sprüche wie „Ein Kind gehört zu seiner Mutter.“ und „Geht es der Mutter gut, geht es dem Kind gut.“ nicht mehr hören. Als ob Väter nichts wert wären. Welcher Vater in einer Kernfamilie würde sich solche Sprüche gefallen lassen?)
    Es wäre wirklich schön, wenn die Väter mehr Gleichberechtigung erfahren würden und mehr Richter und Jugendämter mit einer neutralen Einstellung an die Sache ran gehen würden.

    In jedem Fall finde ich deinen Einsatz bewundernswert und bin schon sehr gespannt auf deinen weiteren Erfahrungsbericht und hoffe, dass das jetzt wirklich mal ein Ruck durch das Familienrecht geht.

    Bis zu deinem nächsten Bericht wünsche ich dir einen schönen Urlaub 🙂

    Grüße

    Flicken

  3. Daka sagt

    Das wäre zu schön um wahr zu sein… ich bin gespannt auf den ausführlicheren Bericht.
    Ich kann nur aus meinem eigenen Umfeld berichten, dass ich immer mehr getrennte Eltern kenne, die erfolgreich ein Wechsel- und teilweise sogar Nestmodell praktizieren. Es freut mich zu sehen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Leider gibt es aber eben auch noch genügend Mütter, die ihre Kinder den Vätern entziehen, und da müsste aus meiner Sicht angesetzt werden. Konsequenzen für die Mütter, die ihre Kinder manipulieren und den Umgang torpedieren… solange die Mütter damit durchkommen, werden sie es weiter tun (für die wenigen Fälle wo es umgekehrt ist, sollte natürlich das gleiche gelten!).

    Hab einen erholsamen Urlaub

  4. Manuel sagt

    Um es mit meinem alten Freund Goethe zu sagen: „Die Worte hört ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.“
    Nicht, dass sie nichts ändern will sondern vielmehr, dass sie nichts ändern kann. Sie wird sich – darauf wette ich – nicht damit durchsetzen können.
    Zu viel hängt davon ab, dass auch zukünftig (i.d.R) die Väter die Kohle ran schaffen und die (i.d.R) Mütter „betreuen“. Wo kämen wie denn hin, wenn plötzlich keine Ausrede mehr da wäre um nicht für den eigenen Lebensunterhalt (und den anteiligen des Nachwuchses) sorgen zu können/müssen? Oder noch schlimmer: Wenn der andere Elternteil dich tatsächlich in wichtige Entscheidungen einbezogen werden müsste und nicht nur auf dem Papier mit der Option sein Recht einklagen zu dürfen. Oder ich denke an die „wahnsinnigen Kosten und den Aufwand“ wenn Schulen irgendwann beide Elternteile benachrichtigen müssten bei bestimmten Dingen anstatt sich blindlings darauf zu verlassen, dass der eine Elternteil das schon tun wird. Wer soll das den bewerkstelligen? Usw usw usw

    PS: Wer Ironie findet darf sie behalten.

  5. Caro sagt

    Liebe Susanne
    Vielen Dank fürs Berichten und dein tolles Engagement.
    Davon werden so viel Familien profitieren……

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