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Die zweite Geige oder Willkommen in der Männerwelt, geschätzte Damen!

Patchworkvater René

Nein, es geht heute weder um die Zusammensetzung eines Orchesters noch um die Beratung für ein Zweitinstrument. Es geht um die Rolle, die man als „Stiefmutter“ in der Patchworkfamilie spielt und um die Frage, warum es vielen Frauen so schwer fällt, eine Beziehung mit einem Patchworkvater zu führen und dabei oft die zweite Geige zu spielen. Und jetzt kommt es: Das alles aus Sicht des Trennungsvaters.

René Apel ist seit über vier Jahren ein Patchworkvater. Wer mehr über ihn und seine Situation erfahren will, kann gerne auf seinem noch recht frischem Blog vorbei schauen.  Ich mag seine Schreibe und seine Denkweise sehr.

Der Patchworkpapa

Ich habe festgestellt, dass viele Mütter den Besuch auf meiner Seite ganz hilfreich finden, da sie die Sichtweise eines Vaters so offen und deutlich noch nicht kennen gelernt haben. Aber was hat das jetzt damit zu tun, zweite Geige zu sein? Was macht eine Beziehung zu einem Patchworkvater denn so anders und auch so schwierig. Ich möchte da etwas ausholen, um es deutlich zu machen.

Der Blick zurück und was hat die Geburt eines Kindes damit zu tun?

Gehen wir gedanklich mal zurück zum Zeitpunkt der Geburt eures ersten Kindes. Oder lieber noch weiter zurück in die Zeit vor dem Kinderwunsch. Also in die Zeit einer relativ sorglosen Paarbeziehung. Hach, was war man da romantisch und aufeinander bezogen. Kennt ihr die Paare, die auf Partys kommen und da trotzdem nur untereinander reden und flüstern und tuscheln und sich der Gruppe nicht öffnen? Kennt jeder, oder? Das ist die intensive Paarphase. Die Welt dreht sich nur um den Partner. Ätzend, oder? Bekommt ihr da auch so einen trockenen Würgereiz im Rachen? Also ich schon.

Und dann kommt die Schwangerschaft und schließlich die Entbindung. Was erleben wir Väter? Wir erleben, dass ein gerade mal einen halben Meter großes Lebewesen, das gerade mal essen und kacken kann uns den Rang abläuft. Wir werden ohne große Erklärung auf die Bank geschoben. Aber jetzt ist es so: Wir spielen im Leben unserer Herzdame die zweite Geige.

Veränderung braucht Zeit

Wir brauchen dafür etwas Zeit und einige Männer verkraften die Veränderung nicht. Das sind dann die Väter, die plötzlich viel Zeit auf Sportplätzen, an den Spielkonsolen oder im Baumarkt verbringen. Das ist unsere Art der Verdrängung. Denn im Gegensatz zu den Müttern, hat die Natur bei uns nicht mit Hormonen und Milcheinschuss dafür gesorgt, dass wir die Rolle als zweite Geige einfach so akzeptieren. Wir brauchen dafür Zeit. Und irgendwann kommen wir mehr oder weniger damit klar, denn die erste Geige trägt ja auch unsere Gene. Es ist ja unser Fleisch und Blut. Da kann man mal eine Auge zudrücken und ungestört seinen Hobbys nachgehen. Ist ja eigentlich ganz prima.

Wir Männer lernen also quasi mit der Entbindung unserer Kinder, wie es ist, plötzlich nur noch die zweite Geige im Leben unserer Partnerin zu spielen und wir haben unsere Mittel und Wege gefunden (Fuuuuuussssbaaaallll ist uuuuunser Leeeeeben), um damit klar zu kommen.

Der Neustart und wie die Kinder hier „dazu“ kommen

Jetzt drehen wir die Uhr mal weiter: Trennung, Scheidung, alle 11 Minuten ein neues Date und plötzlich hat man den neuen Partner fürs Leben gefunden. Kennt ihr diese Paare, die auf Partys erscheinen und da trotzdem nur mit sich reden, ständig knutschen und…..ach ja, hatten wir schon. Aber hier kommen die Kinder nicht erst im Kreißsaal dazu. Sie sind schon da. Und nach den ersten Dates zu zweit, kommen irgendwann die „Familienzusammenführungsnachmittage“. Und da passiert es. Die zweite Geige wird wieder besetzt. Diesmal aber durch Mann und Frau. Zumindest, wenn beide Kinder in die Beziehung einbringen. Ist einer von beiden kinderlos…..dann wird es richtig böse. Denn da fehlt ja komplett die Erfahrung der zweiten Geige. Da fehlt jedwede Vorbereitung. Das kann eigentlich nur böse enden. 

Bringen beide ihre leiblichen Kinder mit, ist es für den Mann irgendwie bekanntes Terrain. Man ist halt wieder die zweite Geige. Okay, es ist doof, denn die erste Geige stammt nicht aus dem männlichen Genpool aber man kommt damit klar, denn man hat das ja bereits erlebt. Aber als Frau…..plötzlich ist man zweite Geige und die erste Geige spielt ein Kind, dass aus dem Leib einer anderen Frau stammt. Und darauf ist keine Frau vorbereitet. Wie auch? Und das macht es so schwer, denn als Frau ist man vermutlich das erste Mal im Leben die zweite Geige. Und die erste Geige wird, wenn es richtig doof läuft, von zwei konkurrierenden Violinisten gespielt. Oder von 3 oder 4. Und wer seinem Kind früh erlaubt hat, Geige zu lernen, der weiß, wie sich das anhört. 

Am Ende gibt es doch kein Patentrezept

Leider habe ich auch kein Patentrezept, wie man damit umgehen kann. Ich denke aber, dass es wichtig ist, sich als Frau (und natürlich auch als Mann) immer vor Augen zu halten, dass das Wohlergehen der Kinder die oberste Priorität hat. Denn sie haben sich weder die Trennung der Eltern ausgesucht noch hatten sie bei Tinder oder Parship ein Mitspracherecht. Sie müssen mit der Situation leben.

Als Vater hat man genauso das Bedürfnis, sich nach besten Wissen und Gewissen um sein Kind zu kümmern und es zu schützen. Wenn man Wochenendpapa ist sogar noch mehr, da man an den 2 Tagen so viel nachholen will. Wir wünschen uns so sehr, dass unsere eigenen Kinder einen guten Draht zu neuen Partnerin aufbauen und versuchen das auch noch zu unterstützen. Wir geben unser bestes, dass die gemeinsame Zeit gerade für die eigenen, leiblichen Kinder richtig positiv wird. Und dabei übersehen wir ganz gerne mal, dass auf der Bank der zweiten Geige eine sehr verstörte und wenig wertgeschätzte Partnerin sitzt und sich einer Situation ausgesetzt sieht, die sie noch nie hatte.

 Mehr dazu auf meinem Blog

Das alles ist nur meine These. Das ganze ist von mir nicht wissenschaftlich untersucht. Wird es auch nicht, da ich sehr hoffe, dass ich mir nie wieder eine neue Partnerin suchen muss. Aber es ist für mich eine logische Erklärung und etwas, was ich durchaus beobachten konnte.

Mehr dazu in den nächsten Tagen auf meinem Blog. Wer also jetzt neugierig ist, darf gerne mal vorbeischauen. Einfach  hier klicken.


 

Kurzvita Patchworkvater.de

44 Jahre
gelernter Banker
Hobbygitarrist
6 Jahren geschieden
4 Jahre verpatchworked
1 eigene Tochter
2 Bonussöhne
Eigener Blog seit März 2018

Ich denke, das reicht an Information, oder? Den Rest findet man ja auf meiner Homepage, wenn man Interesse hat. René

4 Kommentare

  1. Kara sagt

    Lieber René,
    also ich bin ehrlich, würde mein Partner sagen, das Wohlergehen Kind habe automatisch Priorität nur weil er und seine Ex ihre Beziehung nicht hingekriegt haben und das Kind sich das ja nicht ausgesucht hat, würde ich ihn verlassen. Es ist klar, dass ein Kind je nach Alter gewisse Bedürfnisse hat um die sich die Eltern kümmern müssen, aber abgesehen von dem was ein Kind je nach Alter wirklich braucht, gibt es viel Interpretationsspielraum wie das konkret auszusehen hat. Und Trennungsväter haben da meiner Erfahrung nach eine getrübte ich-muss die-Trennung-ausgleichen-Sicht. Insofern hinkt auch dein Vergleich mit dem Vater werden, denn ein Säugling braucht tatsächlich extrem viel Aufmerksamkeit, da ist eine Mutter ganz anders gefordert als der Vater eines zB. 11jährigen.
    Ich denke wenn ein Kind automatisch bedeutet der Partner wird zur zweiten Geige, hat man schon einen der Gründe warum die Beziehung vieler Eltern scheitert, nämlich weil sie die Paarbeziehung hinten anstellen. Das ist wohl für das Kleinkindalter verständlich, aber spätestens danach wird es kritisch. Und in einer Patchworkbeziehung wo ich keine biologische Bindung zum Kind des anderen habe, ist es noch viel wichtiger die Paarbeziehung hochzuhalten.
    Es ist meist nicht objektiv feststellbar was in einer Situation das beste für ein Kind ist, was der Vater meint dass das Kind braucht, ist oft genug nicht argumentierbar. Warum soll also das was das Kind vermeintlich braucht automatisch mehr zählen als das was der Partner braucht? Für mich kommt es nicht in Frage per Definition die zweite Geige zu spielen und würde mein Partner so denken, wären wir längst getrennt. Ich denke es ist die Einstellung des Vaters die der Stiefmutter dieses Gefühl vermittelt und nicht eine irgendwie naturgegebene Tatsache.
    Kara

    • René Apel sagt

      Hallo Kara,

      vielen Dank für die deutlichen Worte. Ich denke, der Austausch funktioniert immer nur, wenn man sich auch deutlich positioniert. Und natürlich steckt viel Wahrheit in Deinem Kommentar. Ich habe diesen und auch das andere Feedback, was ich zu dem Artikel bekommen habe genutzt, um mir da etwas ausführlicher und sicher auch wieder polarisierend Gedanken drüber zu machen. Wer mag, kann den Beitrag hier lesen:

      https://www.patchworkvater.de/2018/04/30/tag-19-schwarz-wei%C3%9F-ganz-viel-grau/

  2. René Apel sagt

    Hallo Julia,

    „umso mehr freue ich mich auf die gemeinsame Zwei zu zweit“! Fakt! Nicht vergessen! Der Satz steht getrennt vom Rest und das ist auch wichtig!

    Und wir Väter versuchen einfach „nur“ gute Väter zu sein. Und ich denke, jeder Patchworkpartner hat sich mehr als einmal die Frage gestellt, ob es das alles wert ist. Und das kann jeder nur für sich entscheiden. Aber solange Dein letzter Satz so stimmt, fällt Dir die Antwort sicher leicht! Und diese Zeit ist es wert, oder?

    Ich wünsche Dir Kraft und in besonders doofen Momenten genug Bewusstheit für das, was Euch beide verbindet! Denn darum geht es!

  3. Julia Lenzkes sagt

    Lieber René,

    Ich bin sehr froh darüber, dass jemand die These das sich Stiefmütter wie frischgebackene Vater fühlen, nämlich zweitrangig, teilt !
    Ich beschreibe die Situation immer wieder genau so und kann mich mit Familienvätern am allerbesten über meine Sorgen und über meinen Frust über besagte „Zurückstellung“ austauschen.
    Meine Stieftochter ist bei uns eingezogen, ich selbst habe keine eigenen Kinder und möchte auch keines mit meinem Ehemann bekommen. Dieses Gefühl in jeder Hinsicht hinten anstehen zu müssen und, wie Sie es so schön ausdrückten, die zweite Geige zu spielen ist zeitweise unerträglich. Man fragt sich, ob man das wirklich „verdient“ hat und ob man es sich nicht einfacher machen könnte indem man sich einen Mann ohne Kind und Vorgeschichte sucht. Noch schlimmer wird es, wenn das Stieftöchterchen enorme Ähnlichkeit mit der leiblichen Mutter aufweist. Aber wir fange ich an und wo höre ich auf ? Dem Thema kann man in Kurzfassung wohl nicht gerecht werden 😉

    Umso mehr freue ich mich auf die gemeinsame Zeit zu zweit ?

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