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Zweitbesetzung und Zweitfrau – Im Leben funktioniert das nicht

Zweitfrau Zweitbesetzung

Heute stelle ich einmal eine provokative Frage. Seid Ihr seine Zweitfrau oder seine große Liebe? Beginnt Euer Partner mit Euch eine ernsthafte neue Beziehung mit neuen Mustern? Oder will er seine gescheiterte Beziehung nur mit neuer Besetzung weiter leben? Viele Stiefmütter nehmen sich zurück, empfinden sich als Zweitfrau oder Zweitbesetzung. Dadurch machen sie es den Kindern und auch den Männern aber überhaupt erst möglich, sie zur „Zweitfrau“ zur „Ersatzbesetzung“ der Rolle zu machen, die vorher eine andere Frau inne hatte.

Bin ich Zweitbesetzung?

Im Prinzip ist es ähnlich wie in einer Fernsehserie, in der eine durchgehende Rolle einfach neu besetzt wird. Erinnern sich jemand an „Dallas“? Erstbesetzung Miss Ellie wurde eine Staffel lang von Donna Reed statt von Barbara Bel Geddes gespielt. Oder in der Konkurrenzserie „Denver Clan“ wurde die Rolle der Fallon Colby erst durch Pamela Sue Martin gespielt, dann durch Emma Sams. Ich maße mir kein Urteil über die Schauspielkünste der jeweiligen Darsteller an, aber der Zuschauer war entsetzt. Nicht etwa weil eine Dame schlechter spielte als die andere, sondern weil man nun einmal einen Menschen nicht durch einen anderen ersetzen kann.

Bleibt alles wie gehabt – nur in neuer Besetzung?

Wenn ein Mann nach einer Trennung einfach versucht den Status Quo wieder herzustellen und innerhalb kürzester Zeit eine neue Frau in sein Leben holt, mit der gefälligst alles so weiter gehen soll wie zuvor, wird es schwierig. Wenn diese Frau sich dann auch noch bereitwillig auf den Platz der ersten Frau setzt und damit verhindert, dass sie einen neuen, einen eigenen Platz findet, wird es noch schwieriger. Sie läuft Gefahr, zur Zweitbesetzung zu werden.

Folgenden Brief schrieb mir Carmen:

„Ich brauche dringend einen Rat. Ich habe einen Witwer geheiratet mit zwei Jungen (10, 13) somit bin ich ihre Stiefmutter. Der Jüngere hat eine Erkrankung (Behinderung) und braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Ich selbst habe zwei erwachsene Töchter, die nicht mehr zu Hause wohnen. Ich lebe im Haus, wo die verstorbene Frau lebte. Manchmal fühle ich mich nur als Ersatz, denn mein Mann möchte gerne, dass wir vier eine Familie sind. Trotzdem, dass meine Töchter erwachsen und selbstständig sind, brauchen sie mich oft, sie haben auch nur mich. Dieser Spagat jedem gerecht zu werden, wird für mich immer schwieriger.

Ich vermisse meine Kinder sehr, da beide nicht in der Nähe wohnen. Mein Mann wünscht sich, dass ich hier glücklich und zufrieden bin. Denn schließlich habe ich jetzt eine Familie. Wie schaffe ich das? Nur Hausfrau zu sein ist auch nicht mein Wunsch gewesen. Besonders eine Tochter braucht meinen Rat im Moment oft und das gefällt meinem Mann nicht. Ich kann nicht vor Glück strahlen, wie von mir erwartet wird. Außerdem habe ich oft die Sorge, es nicht zu schaffen, weil ich doch anders bin, als seine verstorbene Frau. Freue mich über Ratschläge! Viele Grüße, Carmen

Bin ich austauschbar? Nein. Also kann ich auch kein Austausch sein!

Carmens Mann wünscht sich, dass sie glücklich und zufrieden ist. Denn schließlich habe sie jetzt eine Familie. Hui!!!! Hat Carmen wirklich eine neue Familie, oder hat ihr Mann sich einfach nur eine Zweitbesetzung für die Rolle der Frau in seinem Haus engagiert? Ich sprach für mein Buch mit einer Schuldirektorin über das Phänomen der Zweitfrau in Zweitbesetzung. Carmen ist nämlich nicht die einzige Stiefmutter, die mir derartige Probleme schilderte.

Die Direktorin meinte: „Viele Männer sitzen hier in einem Jahr mit der ersten Frau vor mir und im nächsten oder übernächsten Jahr mit der Zweiten. Geändert hat sich vielleicht die Optik der Frau, aber der Mann und sein Verhalten, sein Anspruch an die Frau, ist der gleiche geblieben. Und viel zu viele Frauen gehen darauf, zumindest anfänglich, bereitwillig ein. Die reden dann mit mir, als ob das Kind des Mannes auch ihr Kind sei. Als ob ich mir nur einbilden würde, dass im vergangenen Jahr noch eine andere Mutter dort saß. Und das tun sie deswegen, weil der Mann es ihnen so vormacht. Der spricht von „unserem Sohn“, das ist doch verrückt. Die Frau zuckt vielleicht anfangs leicht zusammen, im Grunde genommen ist sie mit ihrer Rolle als Ersatz aber zunächst ganz zufrieden.“

Liebe Stiefmütter, liebe Carmen, ich gebe dieser Schuldirektorin Recht. Mir scheint es auch oft so, als ob Männer die Frau an ihrer Seite beziehungsweise die Mutter ihrer Kinder für austauschbar halten. Machen Frauen ja oft nicht anders, wenn es um den Vater der Kinder geht.

Wie geht Euer Mann mit dem Verlust der vorherigen Beziehung um?

Was kann hier helfen? Es ist wichtig, wie Eure Männer mit dem Scheitern der Beziehung zur Mutter eures Stiefkindes umgeht. Sieht er, gesteht er sich ein, dass alles, was er an Visionen und Träumen mit der ersten Frau hatte, schief gegangen ist? Auf dem Müll gelandet ist! Die Gründe dafür sind zunächst egal. Gesteht er sich hier Trauer zu? Nur dann haben die zweite Frau, und damit auch die Kinder, eine Chance auf einen Neuanfang.

Viele Männer verdrängen ihre Trauer, wandeln sie zum Beispiel in Wut auf finanzielle Zuwendungen an die Ex um, und vergessen darüber ihre eigenen, ursprünglichen Ziele und Visionen. Warum eigentlich? Die Männer hatten doch auch einmal einen Lebensplan, vielleicht war das ja gar nicht der Plan, den sie mit der Ex-Frau gelebt haben. Trotzdem wollen sie jetzt das Lebensmuster der Ex-Frau mit einer Zweitfrau als Zweitbesetzung  weiter leben.

Vorsicht Falle!

Das ist eine Falle, in die viele Männer und mit ihnen die neuen Frauen laufen. Sie leben ein Leben, das vielleicht gar nicht ihren eigenen Vorstellungen entspricht, weigern sich aber, das in Frage zu stellen. Statt gemeinsam mit der neuen Frau ein eigenes, neues, gemeinsames Lebensziel, neue gemeinsame Visionen zu entwickeln.

Natürlich ist das eine schwierige Situation für die Zweite Frau. Was soll sie machen? Ich kann mich ja schlecht von meinem Mann trennen, nur damit er die Gelegenheit zur Trauer über die vorhergehende Beziehung bekommt. Was ich aber jederzeit tun kann, ist, meine Rolle zu definieren.

Bin ich seine Zweitfrau oder bin ich seine große Liebe?

Ich kann mich fragen, wer ICH eigentlich für ihn bin. Bin ich die nächste, die zweite, die dritte, wie auch immer Frau? Oder bin ich die Liebe seines Lebens? Beginnt er mit eine ernsthafte neue Beziehung mit neuen Mustern oder will er seine gescheiterte Beziehung mit neuer Besetzung weiter leben?

Stellt Eurem Mann (und Euch) doch mal folgende Frage: Bin ich Deine Zweitfrau oder bin ich die Frau Deines Lebens? Bist Du heimlich immer noch traurig, dass mit der ersten Frau alles vorbei ist, oder hast Du eine ganz neue Dimension für dein Leben gewonnen – Mich? Natürlich gehört Mut dazu, sich und dem Partner diese Frage zu stellen. Und es gehört auch Mut bei den Männern dazu, Euch diese Frage ehrlich zu beantworten. Aber nur so könnt Ihr einen eigenen Weg für Euch finden. Eine eigene Rolle spielen – Als Erstbesetzung!

Susanne


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