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Wo bleibt die zweite Familie?

zweite Familie Stiefmutterblog

Manchmal stellen mir Stiefmütter Fragen bei Facebook. Meist geht es dabei um eine kurze Auskunft, es bleibt beim einmaligen Kontakt. In diesem Fall aber entwickelte sich eine Unterhaltung daraus, deren Verlauf mich immer wütender macht. Nicht wütend auf die Stiefmutter, aber wütend auf ein System, was die zweite Familie einfach nicht sehen will.

Eine Frage von Lena

So war es letzte Woche. Ich bekam eine PN mit dem Wortlaut: „Wie ist das mit Unterhalt? Ich bin zur Zeit die Alleinverdienerin, mein Mann Mario ist nach wie vor in der Ausbildung und verdient weit unter dem Selbstbehalt. Ich habe drei Kinder, eins davon mit ihm. Für meine Kinder bekomme ich keinen Unterhalt. Er hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe. Muss ich dann quasi für seine Kinder mit aufkommen“?

Eine Unterhaltung begann, in deren Verlauf herauskam, dass ihr drittes Kind behindert ist, viel Betreuung braucht. Vollzeit zu arbeiten gelingt ihr nur durch einen sehr strengen Tagesablauf, bei dem die beiden anderen Kinder sehr zurückstecken müssen. Nicht nur ein Problem der Alleinerziehenden, auch ein Zweite Familie Klassiker.

Lenas Mann ist in der Umschulung

Leider kann ihr Mann sie nicht wirklich unterstützen, da er in der Umschulung ebenfalls Vollzeit beschäftigt ist. Vor der Umschulung war er in ALG2 Bezug. Die Zeiten, in denen er als Handwerker gut verdient hat sind seit einem Unfall vorbei. 2010 hatte er einen Sportunfall und zog sich dabei einen Trümmerbruch des Sprunggelenks zu. Schweres körperliches Arbeiten war nicht mehr möglich. Er verlor seinen Job. Dann kamen Spätfolgen hinzu, Arthrose im Sprunggelenk und durch seine Schonhaltung ein Beckenschiefstand. Mario schult jetzt auf einen körperlich weniger fordernden Job um, musste die Umschulung aber schon zweimal unterbrechen wegen seiner körperlichen und psychischen Verfassung. Immer hat Lena ihn aufgefangen und das sei teilweise schlimmer als die Pflege eines Kindes.

Der Titel frisst die zweite Familie auf

Lena bestreitet von ihrem Job den Familienunterhalt. Mario verdient in der Umschulung 658 Euro. Davon muss zunächst einmal der Titel für seine Kinder aus erster Ehe bedient werden. 111 Euro zahlt er da. Somit bleiben ihm zum Leben und für sein drittes Kind 547 Euro. Lena verdient als Verkäuferin 8,50 Euro die Stunde. Die Warmmiete der Wohnung beträgt schon 710 Euro. Von einem Leben in Saus und Braus ist diese zweite Familie eit entfernt.

Lena und Mario hatten auf Aussetzung des Titels geklagt, sind aber nicht durch gekommen. „Unsere Situation war der Richterin egal. Wir haben sogar Beschwerde am Oberlandesgericht eingereicht, sind dort auch gescheitert. Die Richter sind der Auffassung, dass Mario viel mehr verdienen kann als Handwerker und akzeptieren nicht, dass er aufgrund seines Unfalls gar nicht mehr als Handwerker arbeiten darf. Er solle sich zwei Jobs suchen, zusätzlich zur Umschulung, die er ausführen könne, um den Unterhalt zu gewährleisten“.

Die zweite Familie ist dem Staat egal

„Für unsere Situation interessiert sich niemand. Es geht nur um die erste Familie. Dort verdient ein Stiefvater gutes Geld und hat keine Kinder aus erster Ehe zu versorgen. Hier wird meinem Mann abverlangt, einen Zweitjob zu nehmen. Trotz gesundheitlicher Probleme und trotz der Tatsache, dass unser gemeinsames Kind behindert ist. Wenn ich als Verkäuferin Spätdienst habe, muss mein Mann sich um ihn kümmern. Einen Babysitter können wir uns doch gar nicht leisten. Er kann dann nicht auch noch einen zweiten Job machen.

Ich frage mich wirklich, was der Staat eigentlich von uns will. Will der Staat, dass ich, als Alleinverdienerin mit drei Kindern, seine Kinder finanziell unterstütze? Muss ich die Interessen seiner Kinder über die Interessen meiner Kinder stellen? Will der Staat das wirklich? Dann verlangt der Staat, dass meine zweite Familie scheitert. Ich gebe seinen Kindern ja, wenn sie hier sind, bereits Naturalunterhalt. Ich kann nicht noch Geld zahlen. Seine Ex arbeitet übrigens nicht. Dort verlangt es auch niemand. Ich bin echt verzweifelt.

P.S. Ich bekomme übrigens keinen Unterhalt für die beiden Kinder von meinem Ex. Das stemme ich auch von meinem Verkäufergehalt. Auch das interessiert niemanden. Als Alleinerziehende war mein Leben einfacher“


Bitte E-Mail mit Stichwort „Zweite Familie“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Martin Vorel, Stocksnap

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