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Ich bin Stiefsohn, Vater und Stiefvater

Vater und Stiefvater Stiefmutterblog Foto Stocksnap

Hallo Frau Petermann, ich habe gerade mehr so durch Zufall im Internet die Radiosendung im BR 2 im Internet gehört. Sie sagten dort, dass sie demnächst nach Amerika fliegen, um sich dort mit Gruppen und Leuten zu treffen. Wie es der Zufall so will schreibe ich Ihnen von dort, da ich hier mittlerweile in Kansas City lebe. Ich möchte Ihnen wenig über meine Vorgeschichte und wo die Reise möglicherweise hingeht erzählen. Wäre über jegliche Art der Erfahrungswerte Ihrerseits oder Tipps der Leser sehr dankbar. Ich bin Stiefsohn, Vater und Stiefvater. Habe also alles am eigenen Leib erlebt, komme aber trotzdem nicht wirklich klar. Ich lebe die gleiche Lebenslüge, wie mein Vater.

Stiefsohn, Vater und Stiefvater.

Ich bin in einem sehr soliden bürgerlichen Familienhaus aufgewachsen, war der Älteste von drei Geschwistern. Wir als Kinder wurden eigentlich nie mit irgendwelchen Streitigkeiten zwischen meinen Eltern konfrontiert. So schien die Welt in Ordnung zu sein, bis zur Pubertät.  Dann begannen heftigere Auseinandersetzungen zwischen mir und meinem Vater. Er war schon sehr aufbrausend und ein wenig cholerisch, wenn es um Streitthemen ging. Er war früher Hauptmann bei der Bundeswehr, duldete kaum Widerrede und konnte sehr laut werden.

Damals hatte ich nicht das Gefühl, dass er sich in mich hineinfühlen konnte. Mit einer ruhigeren und verständnisvolleren Kommunikationsart hätte er vielleicht mehr Erfolg haben können. Ich stellte auf Durchzug und ignorierte seine lautstarken Verbal Attacken. Das brachte ihn zur Weissglut. Handgreiflich ist es allerdings nie geworden. Da sonst nicht so viel über Gefühle zu Hause gesprochen wurde, und ich meine Eltern auch nicht als Vertrauenspersonen empfand, nahm ich das als “das ist eben so in der Pubertät” hin.

Ich war ein Stiefsohn ohne es zu wissen

Kurz nach meinem 18 Geburtstag, dass war als Genetik im Bio Leistungskurs mein Interesse weckte, nahm mich meine Mutter eines Tages zur Seite. Sie offenbarte mir, dass mein Vater nicht mein leiblicher Vater war. Mein „Erzeuger“ hatte meiner Mutter damals gedroht, dass er eine Familie habe und diese nicht verlassen wolle. Wenn sie das Kind (also mich) bekäme, würde sie ihn nie wiedersehen.

So ist es gekommen. Das Jugendamt hatte dann nach ihm gesucht, ist aber nie fündig geworden. Meine Mutter wollte auch nie wieder mit ihm zu tun haben. Das erschütterte doch ziemlich meine Weltanschauung. Meine Geschwister wussten dies auch nicht bis dahin. Es dauerte mehrere Jahre der persönlichen Achterbahnfahrt, bis ich schliesslich akzeptieren konnte, dass mein nicht-leiblicher Vater eigentlich mein Vater ist. Ich behielt den leiblichen Vater als XY in meinem Leben und entschied mich, nicht auf die Suche nach ihm zu gehen. Ich hatte plötzlich Vater und Stiefvater. In einer Person.

Dann wurde ich Vater

Vor sieben Jahren hatte ich erst eine Affäre, dann eine Beziehung mit der Mutter meiner Tochter. Ich lebte in Berlin und sie in San Francisco. Sie packte ihre Sachen und kam nach Deutschland, aber sehr schnell war klar, dass die Beziehung zwischen uns nicht halten würde. Um uns als Freunde zu trennen, wollten wir einen letzten Trip nach Korsika machen. Da kamen wir allerdings nie an. Unterwegs fanden wir nämlich heraus, dass sie schwanger war. Wir brachen den Trip ab, auch weil ich plötzlich für einige Monate beruflich nach Südafrika musste, und sie flog zurück in die USA.

Ich kam nach dem Ende meiner Tätigkeit in die USA und wir beide bereiteten uns gemeinsam auf die Geburt unseres Kindes vor, dass sie zu Hause (in San Francisco ) zur Welt bringen wollten. Während dieser Zeit gab es aber immer wieder ziemlich Ausfälle der Harmonie. Da ich nur sechs Monate am Stück in den USA bleiben durfte, musste ich einerseits das Land verlassen und andererseits ja auch wieder arbeiten. Das durfte ich in Amerika nicht. Eine Heirat mit der Mutter kam nicht in Frage.

Der Kampf um mein Kind

Was folgte war eine lange Odyssee des hin und her. Ich wollte ja unbedingt im Leben meiner Tochter präsent sein, aber wann immer ich in Deutschland war, machte die Mutter dicht und verweigerte mir wochenlang den Kontakt. Also flog ich zwischen 2008 und 2013 ungefähr 25 mal in die USA .

Nach einiger Zeit lernte ich eine andere Frau aus der Nähe von San Francisco kennen. Sie hatte einen damals fast dreijährigen Sohn, meine Tochter war 1,5 Jahre. Sie war alleinerziehend. Es schien sich doch alles zum Guten zu wenden und wir trafen uns auch öfter mit unseren Kids. Bis die Mutter meiner Tochter mir mitteilte, dass sie nach Reno (4,5 Autostunden von San Francisco entfernt) zieht. Ein halbes Jahr später zog sie wiederum um, zurück zu Ihrer Familie in die Chicago Gegend.

In dieser Zeit war meine Freundin sehr hilfreich und einfühlsam, wenn es um meine Tochter und mein Verhältnis zu ihr ging. Wir machten Urlaube  in Ihrer Nähe, in den Bergen oder in Chicago. So konnte Anna Lena (meine Tochter) bei uns sein. Auch bei der gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Mutter war sie eine grosse Unterstützung. Sie hatte es wahrlich nicht einfach mit der Mutter meiner Tochter.

Ich war Stiefvater und Vater

Da ich aber immer noch hin und her fliegen musste, um in Europa für mehrere Monate bis hin zu einem halben Jahr zu arbeiten, entschieden wir uns ab einem Punkt zu heiraten. Damit konnte ich in den USA bleiben. Außerdem zehrte die Long distance Beziehung sehr an unseren Kräften. Wir konnten einen geregelten Besuchsplan für meine Tochter erreichen, bei dem sie bei uns in San Francisco mehrmals 3 Wochen am Stück im Jahr sein konnte. Die beiden Kinder waren und sind wie Geschwister. Auch da Lindsay, meine Frau, ein tolles Verhältnis zu ihr hatte, entwickelten wir uns zu einer kleinen tollen Familie.

Das Verhältnis zwischen mir und ihrem Sohn, Nile, brauchte am Anfang schon Zeit, aber mittlerweile bin ich für ihn sein Papa. Angemerkt sei, dass sein Vater nach heftigen Auseinandersetzungen mit Lindsay schon von Anfang an nur sporadisch auf der Bildfläche erschien. Seitdem Nile 1,5 Jahre war, ist er komplett von der Bildfläche verschwunden. Ähnlich wie bei meiner Mutter legte auch Lindsay überhaupt keinen Wert darauf ihn zu suchen.  Nile ist mittlerweile sieben. Während meiner Zeit mit den beiden ist sein Vater nie in Erscheinung getreten.

Die Familiengeschichte wiederholt sich

Anfänglich war noch sein Name präsent, wenn der Kleine ihn hin und wieder erwähnte. Lindsay vermied es, tiefer auf das Thema einzugehen und erklärte ihn zu den ferneren Verwandten. Bis heute hat sie ihm nicht offenbart, dass ich nicht sein leiblicher Vater bin, sondern dass es irgendwo in der Welt noch einen gibt. Wir haben anfänglich viel darüber geredet, natürlich kennt sie meine Geschichte, aber es schleicht sich ein Alltag ein, in dem man nicht an das Thema denkt.

Mittlerweile kann ich sehr gut nachvollziehen wie es meinem Vater ( nicht dem X Y) ergangen sein muss. Ich habe grossen Respekt vor dem, was er geleistet hat. Da kann ich auch über gewisse Defizite hinwegsehen.

Das Drama nahm seinen Lauf

Es dauerte ungefähr ein gutes Jahr, bis sich Lindsay’s Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Sie musste ihren Job aufgeben und disability beantragen. Ich hatte zwar einen Job, da ich aber nicht mehr so viel reisen wollte, vermied ich es, mich in meiner Branche wieder umzusehen und machte einfache Tätigkeiten. Die Lebenshaltungskosten stiegen uns über den Kopf. Wir hatten einen Wasserschaden im Haus,  was uns für Monate in verschiedenen Häuser wohnen liess und ich war der Fahrer für alles und jeden. Ohne Auto kommt man ausserhalb der Stadt kaum von a nach b.

Nile hatte schon ziemliche Schwierigkeiten in der 1. Klasse!! Da Lindsay unter Panikattacken litt, entwickelte sie einen totalen Drang zur Kontrolle. Bis hin zu einem Grad, bei dem ich mich wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. Meine Erfahrungen und meine Vorstellung für die Situation (und die Richtlinien für Nile) wurden ständig negiert und überschrieben. Auch vor ihm, denn Mama hatte immer das letzte Wort. So kam es, dass mich auch Nile schon manchmal zu Mamas Helfer abstempelte.

Die Familie heisst eigentlich: Mutter und Sohn

Es macht einen natürlich nicht glücklich, wenn man merkt die Familie heisst eigentlich Mutter und Sohn. Ich bin nur für alles Notwendige da. Man hat schon gar keine Lust mehr, selber Entscheidungen zu treffen, da man ja nachher eh überstimmt wird. Jedenfalls dann, wenn es nicht nach Mamas Standard geht.

Nach einem halben Jahr entschied sich Lindsay (!) zu Ihrer Familie nach Kansas City zu ziehen, was angesichts der familiären Unterstützung in solch einer Situation auch Sinn machte. Allerdings geht es Ihrem Vater auch nicht sonderlich gut, so dass sie sich ständig um ihn sorgt. Mir blieb dabei eigentlich keine grosse Wahl. Also beendete ich drei Wochen nach Ihrer Abreise meinen Job und fuhr hinterher.

Ich hatte keine Wahl, ich zog hinterher

Seitdem haben wir eine nette Wohnung in der Nähe der Eltern. Lindsay geht es langsam wirklich besser, so dass sie wieder mehr und mehr im alltäglichen Leben teilhaben kann, nur arbeiten kann sie noch nicht. Nile passt sich so langsam an die neue Umgebung an, aber da wir noch nicht soviel Leute kennen, vermisst erst seine alten Freunde riesig. Auch die Schule hier hat ihn nicht begeistert bis jetzt. Seine Highlights sind wirklich, wenn Anna Lena zu Besuch kommt. Sie war bereits drei mal hier in den letzten sechs Monaten und kommt in den Sommerferien wieder.

Ich habe seit dem Umzug noch nicht wirklich Arbeit gefunden. Natürlich orientiert man sich an dem, was man einmal hatte und weiss wie es zu erreichen. Nur scheinen längere Reisen nicht ins Konzept unserer Beziehung hier zu passen. Ich werde ständig in solch einem Fall mit dem Ausschluss aus der Familie konfrontiert. Das heizt natürlich die Situation zu Hause an und wir haben leider ziemlich oft Streit, was den Kindern nicht verborgen bleibt.

Mein Kind – Dein Kind. Wir streiten.

Es wird auch zunehmend schwerer, wenn Anna Lena zu Besuch kommt, und ich mit den Kids was mache. Oft habe ich einfach eine andere Ansicht, was mein Kind darf und was nicht. Wo und ab wann es gefährlich wird. Das wird mir dann wiederum als nicht beschützend genug vorgeworfen. Fragt sich nur wer oder was nicht genug beschützt wird?

Das Verhältnis mit Nile ist nach wie vor toll. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir beide ähnlich unter dem Umzug leiden. Wenn wir beide alleine unterwegs sind  erleben wir auch immer ein Abenteuer, wie früher. Dann gibt es aber auch wieder Momente in denen ich mich an meinen Vater erinnert fühle und natürlich denke, warum bin ich jetzt eigentlich gerade so laut geworden oder habe überreagiert?

Ich habe Angst vor der Trennung – wegen der Kinder

Nun kommt langsam der Punkt an dem mich und sicherlich auch Lindsay gewisse Dinge in unserer Beziehung gravierend stören. Wir sind bei einer Partnertherapie und ein Ende der Ehe ist ein mögliches Szenario. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich dann nicht hier bleiben, oder wenn ich hier eine Wohnung hätte, wäre ich doch sehr häufig weg.

Was mich aber auch hindert, ist das Verlassen von Nile, Das wäre ein herber Verlust für ihn und meine Tochter. Wenn Anna Lena und ich skypen kommt häufig die Frage, was Nile macht und dann bin ich nur noch halb so interessant. Das ist toll, aber andererseits schmerzt die Vorstellung, dies kaputt zu machen. Ob ich beide zur gleichen Zeit zu Besuch haben kann, oder wie sich das ganze auswirkt sollte ich wieder nach Deutschland gehen, ist schwer abzusehen. Ich bin ja Vater und Stiefvater.

Heute bin ich gleich alles: Sohn, Stiefsohn, Vater und Stiefvater.

Ich verstehe natürlich, dass hier keine Lebensberatung stattfindet. Aber wenn es die eine oder andere Beleuchtung aus dem Blickwinkel meiner Kinder oder der Position als Stiefvater gibt, wäre ich sehr dankbar und verbunden.

Ich finde es toll, dass sie diese Seite ins Leben gerufen haben. Eine Sache ist mir bei den Radioanrufern übrigens aufgefallen, im Gegensatz zu hier in den USA. Manchmal versteckt sich in der Art der Äusserungen einiger Leute in Deutschland eine gewisse Scham über sehr private Dinge zu reden. Das ist hier auf jedenfalls anders. Dadurch scheint eine offenere Aufarbeitung oder Beleuchtung gewisser Dinge manchmal einfacher.

Mit freundlichen Grüßen, Oli W.

Bitte E-Mail mit Stichwort „Vater und Stiefvater“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht  in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

3 Kommentare

  1. Hallo Oli
    Wenn ichs richtig verstanden habe, hast du einen Job, bei welchem du längere Reisen unternehmen musst? Weiss deine Frau, wie sehr du sie und ihr Kind liebst? Was sind die Streitpunkte wenn deine Tochter da ist? Könntest du deiner Frau bezüglich Sicherheit/Schutz irgendwie entgegen kommen?

    Ich habe den Eindruck, ihr seid im Alltag ertrunken oder vom Alltag erdrückt worden. Finanzielle Sorgen, die Gesundheitlichen Probleme, Arbeitslosigkeit, der Umzug- alles sehr belastend. Kein Wunder, dass Eure Beziehung drunter leidet.
    Gibt es etwas, was die Beziehung noch retten könnte? Ich frage das, weil ich im Freundeskreis erfahren habe: Als Stiefvater hast du keinerlei Rechte auf dein Stiefkind im Falle der Scheidung. Du bist einfach raus. Fertig. Aus. Ende.

    Gibt es die Möglichkeit, dass die Großeltern mal das Kind in die Ferien nehmen und du deine Frau für ein Wellness Wochenende entführst? Sprudelbad, Massagen, feines Essen, gutes Hotel.. Oder es kann auch was einfacheres sein, um euch wieder dran zu erinnern, was euch mal aneinander interessiert hat, Euch für einander so wichtig gemacht hat, euch einander näher gebracht hat. Dass die Wertschätzung an der anderen Person wieder kommt.
    Viel miteinander reden hilft. Manchmal hilft auch, wenn man einfach mal etwas nicht ausspricht oder auf einen Streit nicht eingeht, sondern statt dessen die andere Person verblüffenderweise in den Arm nimmt, ihr in dem Moment sagt, „ich hab dich lieb.“. 🙂 probierts aus.. 😉

  2. Nachtluft sagt

    Lieber Oli,

    es ist schön, dass sich hier auch mal ein Mann zu den Problemen äußert, die uns hier alle beschäftigen. Ich habe mir deine Geschichte komplett durchgelesen und stelle mir eine einzige Frage:

    WO BLEIBST DU BEI DER GANZEN GESCHICHTE?

    Wie EU bereits festgestellt hat, hast du immer „geliefert“, du hast immer dafür gesorgt, dass jeder das bekommt, was er braucht und dass sich keine/r auf den Schlips getreten fühlt. Und das geht über alle Ebenen auch emotional und finanziell. Aber was ist mit deinem Leben? Lebst du nur um zu arbeiten und allen und allem gerecht zu werden? Damit kann ja auf Dauer niemand glücklich werden, zumal du ja, egal welchen Schritt du gehst, immer irgendwem nicht mehr gerecht wirst. Viele Männer sind so wie du. Sie wollen alles tun für ihr leibliches Kind. Und das ist schon schwierig, wenn man(n) mit dem Kind nicht zusammenlebt. Bei dir kommt aber noch dazu, dass du für dein Stiefkind auch fast alles tun möchtest. Nebenbei musst du aber eben auch noch Geld nach Hause bringen.

    Selbstaufgabe wäre hier das Zauberwort. Für fast jede/n von uns. Würden wir alle darauf verzichten ein eigenes Leben zu führen und nur zum Ziel haben, es immer allen anderen Recht zu machen, hätten wir keine Probleme.

    Würde mein Partner also laufend nach der Nase seiner Ex und seiner Tochter tanzen und würde ich mich dem ganzen Theater auch noch unterordnen, hätte ich diesen Blog niemals gefunden.

    Such‘ dir professionelle Hilfe und überleg‘ dir, was DU willst. Wenn du nicht glücklich und zufrieden bist, gehst du irgendwann zu Grunde. Das klingt immer recht platt: „Such‘ dir Hilfe!“ Aber ich weiß, wovon ich rede. Ich hatte zu dem Zeitpunkt, als ich in die Rolle der Stiefmutter „purzelte“ aus anderen Gründen eine psychologische Hilfe an meiner Seite und ohne diese Hilfe und die Möglichkeit, mich regelmäßig „auszukotzen“ (entschuldigt bitte diese Ausdrucksweise), wären bestimmt Köpfe gerollt.

    Es ist DEIN Leben und du hast es selbst in der Hand. Niemand kann dir verbieten glücklich zu sein.

  3. Du hast gemerkt, woran jede Vaterschaft im täglichen Leben tatsächlich hängt: Von der Abhängigkeit der Beziehung zur Mutter. Das drückt sich auch in den vielen Väterkategorien aus, die uns die Juristen aufzwingen. Da gibt es den leiblichen Vater, der mit der Mutter verheiratet ist (hat automatisch gemeinsames Sorgerecht), den der nicht verheiratet ist (gemeinsame Sorge nur mit Zustimmung der Mutter, rechtliche Vaterschaft abhängig von Vaterschaftserklärung mit Zustimmung der Mutter), den leiblichen Vater der nicht rechtlicher Vater ist (keine Vaterschaftsanerkennung unterschrieben oder ein Samenspender), den leiblichen Vater der das gar nicht weiss und so weiter. Alle sind sie eingeordnet in verschiedene Rechtskategorien, während die Mutterposition sehr viel simpler und rechtlich stärker definiert ist.

    Als Stiefvater, also nichtleiblich und nichtrechtlich bist du besonders abhängig von der Beziehung zur Mutter. Trennt man sich, liegen deine Möglichkeiten gegenüber dem Kind nahe Null. Es gibt in Deutschland dann nur noch ein sehr schwach ausgestaltetes Umgangsrecht, das aber gegen den Willen der Mutter unmöglich ist. In den USA wird es nicht viel anderes sein. Du wirst du mit der Mutter also auch vom Kind verabschieden müssen, wenn die Mutter nicht aktiv mitarbeitet, den Kontakt zu halten. Ein Problem, das umgekehrt auch Stiefmütter haben, nur kommt es da seltener vor, weil Väter statt Mütter mit bei ihnen lebenden Kindern viel seltener sind.

    Dein Einsatz für deine Beziehungen zu Kindern und Müttern und die Mütter ist jedenfalls bemerkenswert. Darin liegt auch eins deiner Probleme. Du hast immer geliefert, also wurde auch immer mit grosser Selbstverständlichkeit genommen. Zum Teil hast du deiner Ängste wegen geliefert: Wenn ich nicht mehr den hilfreichen Ehemann gebe, trennt sich meine Frau und ich sehe das Stiefkind nicht mehr, zerbreche ausserdem die Beziehung von Stiefkind zu lieblichem Kind. Das ist keine gute Position, sondern erzeugt zusätzliche Abhängigkeit. Früher oder später wird man damit in Richtung nützlicher Idiot positioniert und davon wieder abzuweichen wird ganz schön krachen. „Früher hast du das doch auch gemacht“ wird es heissen und „du bist plötzlich eigensüchtig geworden“.

    Ich kann dir nur raten, dich nicht nur auf eine Paartherapie, sondern auch eine Therapie für dich selbst zu konzentrieren. Wirst du nicht selbstbestimmter und emanzipierter, wird sich das Muster deines Lebens immer wiederholen. Zum selbstbestimmten Dasein gehört auch, Dinge loszulassen die sich nicht halten lassen. Das findet in dir drin statt, mehr Offenheit und mehr drüber reden entheben dich nicht davon, dich selbst zu entwickeln.

    Was du erlebst hast, wird übrigens auch von Anderen thematisiert. Nicht, solange es „funktioniert“, solange sich Väter/Stiefväter unter viel Selbstaufgabe um die Beziehungen kümmern, nicht solange sie Unterhalt zahlen, solange sie den Weggezogenen hinterherziehen und zwischen Kontinenten pendeln, um ein Kind zu sehen. Erst, wenn das verweigert wird, denn kommt es nach oben: „Men on strike“ von Helen Smith oder die MGTOW – Bewegung. Oft noch lächerlich gemacht, aber tatsächlich gefährlich nahe dran den Dingen, die viele Männer tatsächlich umtreibt.

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