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Buchtipp: Wenn Wurzeln Flügel tragen!

Eigentlich ist es kein Buch, eher ein Büchlein. Das 80 Seiten Werk des Herausgebers Tristan Rosenkranz „Wenn Wurzeln Flügel tragen – Ein Hoffnungsbuch für Kinder“ ist bestimmt schnell gelesen. Das dachte ich jedenfalls beim ersten Blättern. Doch dann merkte ich, so schnell geht es nicht. Die Geschichten lesen sich nämlich nicht einfach hintereinander weg. Sie ziehen den Leser geradezu hinein. Dieses kleine Büchlein liest man nicht am Stück, man nimmt es immer wieder zur Hand.

Wenn Wurzeln Flügel tragen – Ein Hoffnungsbuch für Kinder



Wenn Wurzeln Flügel Tragen: Ein Hoffnungsbuch für Kinder und Eltern herausgegeben von Tristan Rosenkranz, beleuchtet einen sehr wichtigen, und oft unterschätzen Aspekt einer  Trennung. Wie sich der Verlust eines wichtigen Familienmitgliedes für Kinder anfühlt und was es für Kinder bedeutet, wenn sich ihre Leben plötzlich von Grund auf verändern, wenn ein oder mehrere Stühle am Familientisch plötzlich leer sind. Dabei gelang dem Herausgeber das Kunststück, dass man sich nicht eine Sekunde schwer oder belastet fühlt, nein, dieses Buch gibt viel Hoffnung, zeigt, dass unser Leben weiter geht, dass es wieder schön werden kann. Wenn Wurzeln Flügel tragen, schöpft Hoffnung – auch aus der Traurigkeit, und vermittelt uns nicht nur Auswege, sondern zudem die Gewissheit, dass wir alle deutlich mehr an Kraft und Zuversicht in uns tragen, als wir ahnen.

Entstanden ist das Buch aus einen Wettbewerb. Der Herausgeber Tristan Rosenkranz wollte wissen, wie Kinder den Lebensentwurf „Familie“ empfinden, wie wichtig Ihnen Papa und Mama sind, was wichtig und schön an ihrer Familie ist, wie sie sich fühlen, wenn ein Elternteil nicht mehr Bestandteil ihres Lebens ist und wie auch dann ein glückvolles Miteinander möglich ist. Bundesweit wurden Kinder aufgerufen, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen.

Geschichten von Kindern für Kinder

Aus den besten eingesandten Beiträgen sind die Lese und Vorlese-Geschichten für das Buch ausgewählt worden. Einige brachten mich zum Lachen und zum Nachdenken, andere weckten Erinnerungen. Die Geschichte mit dem „Spatz“, mein persönlicher Favorit, machte mich etwas traurig und glücklich zugleich. Ich, die absolute Schnell-Leserin, habe das Buch oft schon nach einer kurzen Geschichte beiseite gelegt, das Gelesene sacken lassen, nachgedacht. Dann, nach einer Weile, wieder in die Hand genommen, noch einmal gelesen. Erst dann war Platz für die nächste Episode.

Dabei sind die Geschichten nicht dramatisch, getragen oder gar schwer zu lesen. Nein, es sind einfache Geschichten, die von Kindern oder für Kinder erzählt werden. Wie Kinder ihre Kindheit erleben, wie sie Trennung erleben, neue Partner der Eltern, oder den Tod. Wie Kinder Dinge verstehen und aufnehmen, die von uns Erwachsenen eigentlich ganz anders gemeint waren. Sie zeigen aber auch, wie schnell Kinder hinter unser eigenes Unvermögen schauen können und uns trotzdem lieben.

Wie gehen Kinder mit Trennung oder Verlust um?

Ganz verschiedene Ansätze werden in den ein bis fünf Seiten langen Geschichten behandelt. Die Trennung der Eltern, der Tod des Großvaters, die Angst vor dem Verlust. „Mein Leben ohne Vater“ ist sehr kurz. Ein autistischer Junge hat seinen Vater seit neun Jahren nicht mehr gesehen. Er hat mittlerweile einen Stiefvater den er sehr mag und trotzdem den tiefen Wunsch, seinen Vater irgendwann einmal wieder zu sehen. In „Glücklich“ wird auf wenigen Seiten die Erinnerung an eine glückliche Kindheit mit Geschwistern und vielen Tieren wach gerufen. „Wie Fußball unser Leben rettete“ erzählt wie ein Trennungsvater sich in das Thema Fußball einarbeitet um seinem Sohn in der Zeit der Trennung zur Seite zu stehen. „Als ich eine Million geschenkt bekam“ zeigt wie sensibel Kinder auf schwere Krankheiten und den drohenden Tod reagieren.

Mein Liebling ist „Das Wort, das Liebe heisst“, also die Geschichte mit dem Spatz. Die Eltern sind getrennt, Annika, die von Papa immer „Mein Spatz“ genannt wurde, kommt mit der Trennung ganz gut klar. Bis Papa eine neue Freundin hat, die dann ein Kind von ihm erwartet und er Annika plötzlich „Meine Große“ nennt. Er möchte ihr vermitteln, dass sie ab demnächst seine große Tochter sein wird, bei Annika kommt aber nur an, dass sie nicht mehr Papas „Spatz“ ist. Wie beide sich wieder finden und Annika wieder Papas „Spatz“ wird verrate ich nicht. Nur soviel: Eine tolle „Gute Nacht Geschichte“ für alle (Trennungs)Eltern.

Klare Kaufempfehlung für Wenn Wurzeln Flügel Tragen: Ein Hoffnungsbuch für Kinder und Eltern herausgegeben von Tristan Rosenkranz!

Auf meinem Schreibtisch

Auf meinem Schreibtisch

Ps. Bei mir steht das Buch seit einiger Zeit auf dem Schreibtisch. In ruhigen Minuten nehme ich mir immer wieder mal die Zeit und lese eine Geschichte neu.

2 Kommentare

  1. Nibras Bischoff sagt

    Ich weiß nicht inwiefern Ihr Block noch aktuell ist, aber ich danke Ihnen so sehr für die Rezension!
    (ich habe tatsächlich „Mamas Lachen“ geschrieben 🙂
    Inzwischen bin ich 16 aber finde gern zu dem kleinen Buch zurück und konnte nicht umhin es mal im Internet zu suchen. Hoffnung ist wichtig für und alle und ein Teil davon gewesen zu sein ist eine super Ehre.

    Liebe Grüße 🙂

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