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Kinderlos = ahnungslos? Von der Frage nach leiblichen Kindern

Kinderlos. Foto: Stocksnap, Alberto Restifo

Zack, Bong, Bang! Da ist sie. Die Frage aller Fragen. Gerne leicht schnippisch vorgebracht, oder mit erhobenen Augenbrauen. „Hast Du eigene Kinder?“ Alternativ auch „Du hast keine leiblichen Kinder, oder?“ Was ist Sinn und Zweck dieser Frage? Bedeutet kinderlos = ahnungslos? Einmal ganz davon abgesehen, dass ein eigenes Kind einen nicht befähigt über alle anderen Kinder dieser Welt Bescheid zu wissen – ab wann hat man eigentlich Ahnung von Kindern?

Kinderlos = ahnungslos?

Daniela vom Blog Keep Cool Mama bat mich an ihrer Blogparade „Die Geschichte von deiner größten Herausforderung als Mutter“ teilzunehmen. Hmm, dachte ich mir zunächst. Bin ich da die richtige Ansprechpartnerin? Ich habe keine leiblichen Kinder. Ich habe drei Stiefkinder und zwei Hundekinder. Beides zählt nicht in der Mütterwelt, soviel ist mir klar. Aber ein Satz in Danielas Mail traf einen Nerv bei mir. „Liebe Susanne, unbedingt soll deine Geschichte Mut machen, Herausforderungen anzunehmen.“ Hey, das kann ich gut. Herausforderungen annehmen, mich ihnen stellen und das beste daraus machen, darin bin ich geradezu Meisterin. Also, heute gebe ich Euch einmal einen intimeren Einblick in mein Leben. Mein Beitrag zur Blogparade: Mütter und ihre größte Herausforderung:

Die Geschichte einer Nicht-Mutter

Meine Geschichte beginnt, als ich selbst noch ein ganz kleiner Krümel war. Ich kam mit einem Blutschwamm am Bauch zur Welt. Nichts Besonderes, kommt häufig vor. Leider gehörte ich zu den 10% der Babys, bei denen das Ding anfing zu wachsen. Wir schrieben die 60er Jahre, damals waren Bestrahlungen das Nonplusultra für alles. Die Ärzte erklärten meinen Eltern, dass mein ganzer Körper von dem Ding überwuchert würde, wenn sie nicht bestrahlten. Ein gewisses Risiko wäre allerdings, dass meine Eierstöcke später nur leere Hüllen produzieren. Nun denn, ich hätte genauso entschieden wie meine Eltern. Das Ding bildete sich nach den Bestrahlungen zurück und heute habe ich nur noch einen fingernagelgroßen Flecken am Bauchnabel.

Natürlich erinnere ich mich nicht an diese Zeit, aber als ich später in die Pubertät kam, erzählten mir meine Eltern ab und an von dem Blutschwamm und erwähnten auch, dass es möglich sei, dass ich keine Kinder bekommen könne. Vielleicht war ich durch diese frühe Warnung abgeschreckt, mir überhaupt ein Kind zu wünschen, vielleicht liegt der Kinderwunsch auch einfach nicht in meiner Natur. Jedenfalls stieß ich nie Entzückensschreie aus, wenn ich Kinderwagen sah und ich hatte auch nie diesen ganz tief sitzenden Wunsch nach Kindern in mir, den ich bei vielen Freundinnen miterlebte. Ich war eher die Vertreterin der Fraktion die sagte: Wenn es passiert, ist es gut, wenn nicht, dann ist es auch gut.

Es passierte halt nicht. Von all meinen Freundinnen blieb ich die Einzige, die niemals abtrieb und niemals ein Kind bekam. Ich wurde nie schwanger. Keine Panik: Das war absolut ok für mich. Ich habe mich aber um Kinder von Freundinnen gekümmert, Patenschaften übernommen und lernte ab einem gewissen Alter auch Männer mit Kind kennen. Ein paar Jahre fehlen, aber insgesamt habe ich auf diese Art, also als Schatten-Mama, Kinder von wenigen Monaten bis zum Abitur begleitet. Die erste Trotzphase habe ich bei keinem Kind mitgemacht (Glück gehabt) 😉 dafür drei Pubertäten 🙁 . Es war weder für die Männer, noch für die Kinder jemals ein wichtiges Thema, ob ich eigene, also leibliche, Kinder hatte.

Die Frage nach Kindern – Warum wird sie gestellt?

Thema wurde das nur, wenn ich mit Müttern sprach. Wenn ich zum Beispiel etwas sagte, was einer Mutter nicht gefiel, oder ich etwas anders sah als sie.  Als ich erwähnte, dass ich mein Stiefkind (damals im Wechselmodell lebend) mit einigen Freundinnen in ein Landschulheim fahren würde, wo sie selbst kochen und putzen müsste, zum Beispiel. Anschließend wurde ich gefragt, ob ich denn ein eigenes Kind auch so – stiefmütterlich – behandeln würde. Nun, ich denke schon, aber ich werde es natürlich nie wissen. Auf einer Party, bei der ich sagte, dass ich es nicht richtig fände, dass die 11-13 jährigen Kinder unserer Gäste an den Kühlschrank gingen, um sich dort ein Bier zu holen, wurde mir erwidert, ich hätte ja keine eigenen Kinder, ich könne also nicht ahnen, wie schwierig es sei, so etwas zu verbieten. Auch die Frage, ob ein Mädchen mit knapp 13 bei seinem Freund übernachten solle, war mir nicht vergönnt beurteilen zu dürfen. Schließlich hatte ich keine leiblichen Kinder.

Himmerlherrgottkruzifixamol! Völlig richtig, ich habe keine Ahnung, wie es ist, ein Kind in sich wachsen zu spüren und zur Welt zu bringen. Die Beziehung jeder Mutter zu ihrem eigenen Kind ist mit Sicherheit etwas ganz besonderes. Großartig und absolut speziell. Aber das gilt für dieses eine Kind und diese eine Mutter, nicht universell für alle Kinder dieser Welt. Braucht eine Lehrerin oder Erzieherin eigene Kinder, um ihren Job gut zu machen? Muss ein Onkologe selbst Krebs haben, um einem Kranken etwas verschreiben zu dürfen? Muss ein Rechtsanwalt selbst im Knast gewesen sein, um seine Mandanten adäquat verteidigen zu können? Muss ein Fotograf schön sein, um die Optik eines Models beurteilen zu können? Nein, oder?

Mich haben diese Bemerkungen oft verletzt. Eine Stiefmutter darf für ein Kind da sein, sie darf sich kümmern, trösten, Hausaufgaben machen, kaputte Knie pusten, aufpassen, kochenputzenwaschenbügeln sowieso. Gleichzeitig wird ihr jegliche Kompetenz in puncto Kinder abgesprochen, nur weil sie nie in den Wehen gelegen hat?

Der Tag, der vieles änderte

Mein Schlüsselerlebnis war dann ein Skiurlaub mit Stieftochter und drei ihrer Freundinnen sowie deren Vätern bzw. Müttern (alle Kinder hatten getrennte Eltern). Die Mädels waren zwischen 8 und 12 Jahren alt, ein wilder Haufen, sehr unterschiedlich entwickelt. Eines Tages regnete es in Strömen, der Vormittag war bereits mit Mensch-ärgere-dich-nicht gefüllt, es herrschte Langeweile (damals gab es kein W-Lan in Skihütten). Irgendwie kam das Gespräch der Mädchen auf Sex.

Hui. Alle spitzten die Ohren. Es ging giggelnderweise um Kondome. Ich fragte, ob sie denn schon einmal ein Kondom gesehen hätten. Logo…. alles alte Hasen, die vier Grazien dort auf dem Sofa 😉 „Wisst ihr denn auch, wie man das richtig benutzt?“ fragte ich. Schwupps, war der erste Vater aus dem Zimmer verschwunden. Die Mädels drucksten rum. Ich erzählte von meinem ersten Freund, meinem ersten Kondom und den Schwierigkeiten, die wir damals mit den Dingern hatten. Alle lachten, wollten mehr hören. Ich schaute mich um und stellte fest, dass ich mittlerweile die einzige Erwachsene im Raum war. Im Türrahmen stand noch eine Mutter, jedenfalls sah ich einen Schuh von ihr.

Ich denke, für die Mädchen (vielleicht auch die Eltern) war es ein Nachmittag, den wir nicht vergessen werden. Kondome gab es hinterher in der Skihütte keines mehr. Wir haben geübt. In allen erdenklichen Variationen, mit insgesamt sieben Bananen. Es ging darum zu sagen: „Ich will nicht!“ oder: „Ich möchte, dass du ein Kondom benutzt“. Aber wir haben uns auch darüber unterhalten, was englisch, französisch, spanisch, griechisch oder japanisch bedeuten. Ich war erstaunt, was sie alles schon aufgeschnappt hatten. Die Mädels wollten alles auf dem Sofa nachstellen. Jede lag mal unten, mal oben, alle giggerten, hatten Spaß und lernten dabei spielerisch „Erstes Mal“ und „Grenzen setzen“. Ab und zu schaute ich zur Tür, und vergewisserte mich, dass es den Eltern recht war, was ich machte. Ein kleines Nicken einer, hinter dem Rahmen versteckten, Mutter oder eines Vaters, dann ging es weiter. Die Mädels waren Feuer und Flamme. Und die Eltern, wie sie mir hinterher gestanden, auch.

An diesem Abend hat sich keine Mutter beschwert, dass ich kinderlos bin. Im Gegenteil, es war vorteilhaft, kein leiblicher Elternteil zu sein. Vor mir hat sich keines der Kinder geschämt. Sex in Verbindung mit Eltern ist für Teenager oft tabu, oder eklig. Sex von mir erklärt zu bekommen war für die Mädels nicht nur ok, sogar hochgradig interessant. Einige Jahre später kam eines der Mädchen bei einer Feier zu mir und meinte, sie hätte bei ihrem ersten Sex an unsere „Übungen“ gedacht. Und es wäre ihr ganz leicht gefallen, nein zu sagen und später dann um ein Kondom zu bitten.

Mütter wollen vertrauen können

Wir haben abends, als die Mädels träumend im Bett lagen, lange geredet.  Mir ist an diesem Tag klar geworden, wie stark Eltern sein mit Vertrauen zusammen hängt. Hat eine andere Frau selbst ein Kind bekommen, traut eine Mutter ihr instinktiv eher zu, dass sie das Richtige tun wird. Hat sie keine eigenen Kinder, ist man misstrauischer. Das hat oft gar nicht so viel mit der Kompetenz der Frau selbst zu tun, vielleicht mehr mit der gemeinsamen Erfahrung des Gebärens. Eine Frau ohne leibliche Kinder muss sich dieses Vertrauen „erarbeiten“. Mein „Sexualkundeunterricht der etwas anderen Art“ hat sich einfach entwickelt. Die Mütter merkten, dass ihre Kinder mir vertrauten und Dinge fragten, über die sie mit ihnen noch nie gesprochen hatten. Das wiederum stärkte das Vertrauen der Mütter in mich.

Ich nehme keiner Mutter übel, wenn sie mich fragt: „Hast Du eigene Kinder?“ Für mich ist es aber nicht nötig eine leibliche Mutter zu sein, um ein Kind zu sehen, wie es ist, oder um Kinder generell zu verstehen. Natürlich weiß ich nicht, ob das nicht noch besser klappen würde, hätte ich selbst welche. Aber so ist es nun mal. Statt einer Stiefmutter vorzuhalten, dass sie (noch) keine eigenen Kinder hat, könnten Mütter ihr vielleicht helfen, mit den Kindern umzugehen, die bereits da sind. Machen wir Frauen uns das Leben doch nicht selbst schwer, vertrauen wir einander. Es funktioniert. Man muss es nur wollen.

Mich würden Eure Erfahrungen mit der Frage „Hast Du eigene Kinder“ interessieren. Wird sie Euch gestellt? Stellt Ihr sie vielleicht selbst? Wenn ja, warum eigentlich?

Susanne

P.S. Nur mal so. Ich kenne Stiefmütter, die leiden sehr darunter, kinderlos zu sein. Entweder, weil sie kein Kind bekommen können oder weil der Mann keine weiteren Kinder mehr will. Sie sind sehr empfindlich, was das Thema leibliche Kinder angeht. Für sie ist diese Frage jedes Mal ein echter, tiefer Schmerz.


Vom 8. bis 10. Juli 2016 findet der erste PatchWorkshop für zweite Familien, Stiefmütter und Trennungsväter statt. Gastgeber sind Christine Tietz und ich. Wir bieten: Konkrete Hilfestellung in Form eines Wochenendseminars mit Familienaufstellungen, Vorträgen und Einzelgesprächen. Mehr über den PatchWorkshop, die Inhalte und die Kosten erfahrt Ihr hier. Wir freuen uns auf Euch!


Bitte E-Mail mit Stichwort „kinderlos“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden

Foto: Stocksnap, Alberto Restifo

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  6. Bettina sagt

    Liebe Susanne,
    vielen Dank dass Du Dinge die bei mir als unangenehmes Bauchgefühl herumwirbeln immer wieder so klar und deutlich aussprichst, auf den Punkt bringst. Als „inkompetente Nicht-Mutter“ habe ich mir auch schon Einiges anhören müssen. Zum Glück arbeite ich beruflich sehr viel mit Kindern, so dass Mann oder Frau mir nicht jegliche Kompetenz absprechen kann. Ich kann mich auch erfolgreich um Kinder kümmern, die ich nicht selbst geboren habe.

  7. Jasmin sagt

    Man kann das aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Ich bin die Patentante des 4-jährigen Sohnes meines Bruders, wenn ich Kritik zur Erziehung etc anbringe sagt er auch immer nur „Bekomm Du erst mal selbst Kinder“. Ich fand das immer deplatziert, auch als Kinderlose steht mir doch eine Meinung zu. Mittlerweile seh ich das anders, wenn man den Nebensatz „…, das ist nämlich ganz schön anstrengend“ anfügt. Er meint das nämlich gar nicht so, er ist in dem Moment auch müde, überfordert, überanstrengt wenn der Kleine über Tisch und Bänke rennt und er zum 20. Mal nein sagt. Wenn dann Kritik von aussen kommt ist das so ein „Abwehrsatz“ glaub ich.

    In der Patchworksituation finde ich es eigentlich ok, wenn ich gefragt werde, ob wir denn auch eigene Kinder wollen.

    Und natürlich ist diese Frage absolut verletzend, wenn man versucht schwanger zu werden und es nicht klappt. Oder wenn man einen großen Kinderwunsch hegt, der Partner aber keine weiteren Kinder möchte. Da wäre mir die Antwort schon zu intim, das würde ich auch nicht jedem auf die Nase binden wollen. Allerdings kann diese Details das Gegenüber ja auch nicht wissen, verletzt einen nicht wissentlich.

    Aber unfair ist es auf jeden Fall, in gewissen Situation mit diesem Satz abgeschmettert zu werden. Ich denke nämlich auch nicht, dass einen ein 36-stündiger Geburtsschmerz automatisch zu einem besseren Menschen/Elternteil macht.

    • Susanne Petermann sagt

      Für einige Frauen ist dieser Satz tatsächlich jedesmal ein Schmerz bis ins Mark.

  8. Maria sagt

    Finde toll! Von außen betrachtet benutzt man Instinkt und Leichtigkeit . Als leibliche Mutter Vater will man sicherlich gewisse Rolle gerecht werden. Die Frage nach leibliche Kinder macht mich persönlich wütend.
    Man denkt und hofft klappt nicht und dann diese Frage. Aber unangenehme Kindertagen kann ich soll gerne beantworten.. So ist so wird es immer sein. Den wir alle denken durch Erfahrung weiß man mehr aber Köpfchen benutzen fällt schwer .
    Danke Susanne ich bin ein Fan von Stiefmutterblog absolut! Danke dass es dich gibt und uns hier verbindest !!!!

  9. Hallo Zusammen,

    ich finde diese Frage so Hammer cool !

    Natürlich wurde ich darauf von ihr ( X ) angesprochen, bzw habe ich das Kommentar bekommen wie „Du hast keine Kinder, und mit ihm wirst Du sie auch niemals haben, das wird er nur mit mir haben ! Du wirst mit ihm dieses Gefühl das Neugeborene in den Armen zu halten niemals teilen werden bla,bla,bla. „…. ich habe dann entgegnet dass ich darüber auch ganz froh bin , da ich nicht so betriebsblind bin wie sie und das Glücksgefühl der Geburt bei ihm ja nicht lange gehalten hat.

    In der Vergangenheit habe ich dieses Kommentar bzw Frage auch häufiger von anderen Müttern gehört , ich habe dann genauso gekontert wie Susanne. Ich habe immer gesagt : ich muss kein Hundebesitzer sein um zu sehen, dass der Hund nicht gut behandelt wird….Susannes Beispiel mit dem Onkologen und dem Rechtsanwalt finde ich aber besser, das muss ich mir merken !
    Ansonsten muss ich sagen , hatte ich immer Glück. Ich hatte mit 19 Jahren schon eine Freundin von 32 Jahren die mit ihrer Tochter Probleme hatte. Sie hat mich teilweise sogar um Rat gefragt .
    Mein Neffe ist, seit dem er 6 Monate alt ist, regelmäßig bei mir, damals habe ich von meiner Schwester aber keine Packungsbeilage bekommen, komischwerweise habe ich es trotzdem bis heute hervorragend hinbekommen und er lernt von mir andere Sachen als von meiner Schwester.
    Meine Schwiegermuttter ( 4 Kinder ) hat sehr goßes Verständnis dass ich keine Kinder will.
    Die Freunde von meinem Partner haben ebenfalls Kinder und letztens sagte doch tatsächlich einer von ihnen :
    “ ich glaube Lini ist die einzige von uns die wirklich Ahnung hat, sie sieht die Kinder so wie sie sind, nicht so emotionsgeladen wie wir.“

    Da war ich platt !!!!

  10. Nachtluft sagt

    Oh ja! Ich liebe diese Frage! Gekrönt wird die Frage aber von dem alles entscheidenden, nachgehängten „ODER?“ Die Frage kommt sogar auf der gleichen Stufe wie die Aussage: „Du wusstest ja, dass er ein Kind hat. Du hast es dir ja ausgesucht.“

    Nein, ich habe auch (noch) keine Kinder. Ich hatte auch schon eine Diskussion mit der Schwiegermutter in spe über dieses Thema. Im Verlauf dieser Diskussion wurde mir dann gesagt, dass ich nicht die Mutter der lieben Kindes sei. Und meine Antwort, dass ich darüber auch froh bin, weil ich mich bis heute bewusst gegen Kinder entschieden habe, konnte sie gar nicht nachvollziehen.

    Aber: Wer keine eigenen Kinder hat, hat gefälligst den Mund zu halten, weil er keine Ahnung hat. SO und nicht anders.

    Ich habe mein Leben lang mit Kindern zu tun gehabt. Ich bin mit drei jüngeren Geschwistern aufgewachsen, ich habe viele ältere Cousinen und Cousins und noch mehr jüngere, ich habe ein Praktikum in einer Grundschule gemacht, ich habe Babysitting-Erfahrung und Nachhilfeerfahrung noch und nöcher. Und seit Januar 2013, seit meine jüngere Schwester erfahren hat, dass sie schwanger ist, dann, dass sie Zwillinge bekommt und dann, dasss es eine Risikoschwangerschaft ist usw. stand ich jeden Tag an ihrer Seite. Damals kannte ich meinen Freund und sein Kind noch nicht. Ich habe jede Stunde im Leben der Zwillinge aktiv begleitet, bin Patentante für beide und sie sind mein Ein und Alles.

    Und ich kenne auch Kinder. Kinder in der gleichen Altersklasse wie das Stiefkind. Natürlich habe ich da das Gefühl, dass ich auch „vergleichen“ kann. Die MÜTTER der anderen Kinder machen es ja auch. Und es wird auch gern gesehen, wenn das Stiefkind gut abschneidet „im Vergleich“. Werden aber Defizite deutlich und das ist leider bei uns der Fall, dann wird richtig destruktiv mit allem aufgewartet, was da ist. Dass ich als „unbeteiligte“ oder „unvoreingenommene“ Dritte (die das Kind zwar lieb hat, aber ja „niemals wie eine Mutter lieben kann und auch nicht wie eine Oma“ blablabla) einen anderen Blick auf das Kind habe und auch konstruktiv helfen kann (weil ich auch nicht dumm bin und eben viele Erfahrungen gemacht habe), wird gern außer Acht gelassen. ICH will dem Kind grundsätzlich nur Böses. Witzigerweise unterstellt mir das nicht nur die Mutter des Kindes und die Oma (natürlich väterlicherseits), sondern auch meine Familie, sogar meine Schwester. Ich fange dann manchmal an, an mir selbst du zweifeln. Aber ich hab das Glück, dass mein Freund selbst auch sagt, dass sein Kind häufig schwierig ist und ich habe einfach, wenn ich ihr schon zwanzig Mal an einem Wochenende gesagt habe, dass sie doch bitte den Mund beim Kauen schließen möchte oder die Füße heben beim Laufen oder eben auch andere Kinder nicht schlagen soll oder die Hand vor den Mund halten soll beim Husten oder Niesen oder ähnliches, irgendwann nicht mehr die Muße, mich in zwei Tagen zum 95sten Mal zu wiederholen und dann spreche ich ein bisschen lauter und ein bisschen strenger oder gucke auch mal böse.

    Ich mache das mit meinen Neffen auch so. Das nimmt meine Umgebung aber ganz anders wahr. Da ist es in Ordnung! (Mal ganz davon abgesehen, dass meine Neffen um einiges jünger sind als das Stiefkind und bessere Manieren haben. Sie wissen mit 1,5 Jahren, dass ein „Nein“ auch „Nein“ bedeutet und lassen dann die Finger von den Knöpfen der Waschmaschine oder reißen der Katze eben nicht mehr am Schwanz. Das Stiefkind bekommt das mit 4 Jahren regelmäßig nicht auf die Reihe. Sie macht diese Sachen dann heimlich, wenn sie denkt, dass keiner hinschaut. Das können die Kleinen so noch nicht.)

    Susanne, du hast Recht mit allem, was du schreibst. Und durch deinen Blog komme ich auch langsam an den Punkt, dass ich mich einfach weniger über die anderen ärgere. Ich weiß, was ich kann und das setze ich zum Besten FÜR das Kind ein, auch wenn es mir keiner dankt. Ich versuche das Kind zu unterstützen in den Dingen, die es nicht kann, weil ich weiß, dass sie an diesen Stellen sonst niemand unterstützt. Ich korrigiere sie zum Beispiel, wenn sie Dinge falsch sagt oder versuche mit ihr zählen zu üben. Die häufigste Antwort ist inzwischen allerdings: „Das übe ich Zuhause mit Mama.“, was gelogen ist, weil sonst ja nach Monaten mal eine Besserung eintreten müsste. Aber auch darüber mache ich mir keine Gedanken mehr.

    Ich werde eines schönen Tages ein eigenes Kind haben, vorher schließe ich allerdings mein Studium ab, denn das ist der Plan und ich werde mit meinem Kind dann genau so verfahren, wie mit allen anderen Kindern auch. Und ich habe mir geschworen niemals einer anderen Frau vorzuwerfen, dass sie keine Kinder hat, nur weil sie mir vielleicht einen anderen Blick auf mein Kind eröffnet. Die Welt besteht eben nicht nur aus bösen, neidischen und völlig missgünstigen Nicht-Müttern, die nichts Besseres zu tun haben, als fremde Kinder durch den Kakao zu ziehen. Meistens ist es ja hilfreich eine andere Meinung zu hören, so wie beim Arzt. Ich denke, dass man bei seinem eigenen Kind auch sowas wie „betriebsblind“ werden kann, einfach weil man es über alles liebt und schützen will.

    • Kerstin sagt

      Ich denke, dass es unheimlich einfach ist, diesen bösen Satz zu verwenden. „Du hast ja keine Kinder!“ Damit entzieht man demjenigen gleich die Chance auf „eigene Kinder“ seine Meinung noch mal zu überdenken.
      Du hast keine Kinder…. Diskussion beendet (wenn derjenige sich davon einschüchtern lässt und das klappt ja auch oft gut, weil das wie so ein kleiner Messerstich ausgeteilt wird).

      Ihr dürft euch aber alle trösten! Denn wenn ihr eigene Kinder hättet, dann würden genau so blöde Sprüche kommen. „DU hast ja auch Glück gehabt mit DEINEN Kindern!“ „Ja, die konnten das halt/können das – MEINS KANN das nicht!“ Da wird dann noch auf subtile Art und Weise eingetrichtert, dass du ja dankbar sein kannst, mit so einem von Natur aus wohlgeratenem Kind und das Gegenüber hat es ja soooo furchtbar schlimm getroffen – das ist ja auch schon hart genug. Da kann man sich dann auch kein Urteil anmaßen….. (doch kann man……).

      • Hallo Kerstin !

        Das finde ich wirklich interessant ! Diese Seite kenne ich nämlich null ! Also, das Thema was Mütter an anderen Müttern nervt .

        Der Teenager Sohn meines Partners hat nämlich einen Kumpel der von seiner Mutter beim Besitz von etwas erwischt wurde, was er nicht haben sollte.
        Nun beschuldigen sich die Mütter gegenseitig der Fehlerhaften Erziehung. Die Mutter des Kumpels sagte meinem Partner am Telefon : „Wir Müttter wissen alle wie deine EX tickt, sie manipuliert ja gerne alle !“ Ich war so glücklich dies zu höre ! Ich dachte , Jaaaaa, andere merken es auch !!!! Also, scheinbar merken die Mütter auch untereinander wenn eine andere Mutter etwas eigenartig tickt !!!

        Hast Du noch andere Beispiele was Mütter an anderen Müttern nervt ???

      • Kerstin sagt

        @Lini – wirklich war – ich kann dir 100te von Beispielen nennen.

        Bei der EX ist es so, dass sie ziemlich angepi… ist, weil meine Jungs sehr gut in der Schule sind (aber faul wie die Nacht – in Wahrheit – sie tun NICHTS dafür…) und ihre Kinder haben von Anfang an große Probleme (wogegen sie NICHTS macht).
        Sie findet das ziemlich ekelerregend, das meine Jungs wirklich höflich sind (was Lehrer, Nachbarn und Co. bestätigen) – ihre sind so distanz- und grenzenlos. So übergriffig irgendwie.

        Ich habe aber auch so Exemplare von Müttern, die mich dann tierisch aufregen…. Im Kindergarten Vorsitzende vom Elternverein, später in der Schule, ständig am Backen und organisieren und dann spielt das Kind bei der Schuleinführung in die höhere Schule ein Klavierstück vor… *ich sitze nur da und denke: „DAS darf doch jetzt wirklich nicht wahr sein…DAS auch NOCH!“
        Oder eben ganz das Gegenteil, wo man feststellt das Erziehung nicht nur eine untergeordnete, sondern eher gar keine Rolle spielt.

        Zugegebenermaßen hatte ich NIE eine Freundin mit gleichaltrigen Kindern. Das stelle ich mir sehr stressig vor. („Dein Kind dreht sich noch gar nicht um, läuft noch nicht, spricht noch nicht, kann noch nicht 20 m tief tauchen… “ „Mein Kind geht jeden Mo., Mi. und Fr. zum Ballet und Do. wird Querflöte gespielt…“ bla bla bla). In so einen Vergleichs-Strudel kann man sich ganz schnell reinziehen lassen. Da habe ich gar keine Lust drauf und hatte ich auch nicht im Baby-Alter.

        Sprich: Auch Mütter finden andere Mütter durchaus seltsam. Und ich kann mir wahrhaft nicht vorstellen, dass das so ganz ohne jegliches Konkurrenzdenken von statten geht – und wenn es nur innerlich abläuft. Und nach außen hin scheinheilig getan wird. 😉

        Genauso ist das eben auch mit Nichtmüttern – die sind ja noch „übler“ – die haben erst keine Kinder an denen man sein eigenes Vergleichen kann und ggf. besser abschneiden könnte. Die Chance hat man gar nicht… Kinderlose Stiefmutter sagt: „DEIN KIND ist furchtbar!“ und man kann dem nichts entgegen setzen, was an dem nicht existenten Kind der Stiefmutter genauso furchtbar wäre… Dann ist es halt die Tatsache, dass das Kind gar nicht erst vorhanden ist… (bleibt ja sonst auch nichts übrig…).

  11. Maren sagt

    Oh wie ich das alles kenne. Wehe, wenn man als Kinderlose Frau wagt etwas zu der fehlenden Erziehung des Stiefkindes zu sagen. Wie kann man sich nur anmaßen zu beurteilen, ob ein 4jähriges Kind schon alleine essen können sollte oder noch gefüttert werden muss. Und ob ein 5jähriger in der Lage sein sollte auch mal 10 Minuten alleine zu spielen. Oder wenn man kritisiert hat, dass ein Kind durchaus lernen kann nicht ständig und überall dazwischen zu reden, wenn sich Erwachsene unterhalten. Dann ist man gleich abgestempelt, weil man selber keine Kinder hat.
    Und jetzt, da ich seit 5 Monaten eben doch Mutter bin, kann man sich zwar nicht mehr damit rausreden, dass ich keine Ahnung habe, da Kinderlos, dafür bin ich jetzt eben nur die böse Stiefmutter.
    Und ich soll doch bitte bedenken wie schwer es mein armes Stiefkind hat. Jaja, kochen, waschen, putzen, in den Kindergarten bringen und abholen ist gern gesehen. Wenn möglich noch mit dem Stiefkind kuscheln und spielen. Kleidung und Spielsachen kaufen. Das darf man alles. Aber wehe, wehe man kritisiert das arme geleuterte Kind.
    Ich glaube es spielt in dieser Patchworkkonstellation gar nicht so eine große Rolle ob man eigene Kinder hat oder nicht.
    Das Umfeld will einfach nicht hören wie man als Stiefmutter das Stiefkind kritisiert.
    Es ist ein Tabu und sofort haben alle Mitleid. Die malen sich in ihren Köpfen aus, wie das arme Kind unter der bösen Stiefmutter leiden muss hinter verschlossenen Türen. Fehlt nur der vergiftete Apfel.
    Wenn man vom eigenen Kind genervt ist, dann nicken alle verständnisvoll mit dem Kopf. Kennt ja jeder. Bei Klagen über das Stiefkind bekommt man im besten Falle zu hören, dass das Kind es ja auch schwer hat, im schlechtesten Falle richten alle betreten und mitleidig den Blick aufs Kind und schweigen.
    Der Vorteil an Stiefkindern ist, dass egal wie verkorkst sie werden, man sich einfach entspannt zurücklehnen kann. „Ist ja nicht meins“ Nur nützt das auch nichts, wenn der eigenen Alltag dadurch gestört wird. Und man muss es können: Das entspannte zurücklehnen. 🙂

    • Susanne Petermann sagt

      Für kinderlose Stiefmütter hat die Frage nach leiblichen Kindern tatächlich noch eine andere Dimension.

      • Yvonne sagt

        Ja Susanne, da gebe ich dir Recht. Voll und ganz. Leider! Als mein ‚Schwiegervater‘ meine Eltern fragte, ob sie Enkelkinder haben, war das genauso ein Stich ins Herz wie der Satz von meinem Vater ‚Ihr macht mich ja nicht zum Opa!‘. Schön ist auch immer ‚…wenn Du später mal Kinder hast.‘ und man sich innerlich nur denkt ‚Nein, verdammt. Das werde ich nicht. Nicht mit diesem Mann jedenfalls.‘ Und wenn mein Lebensgefährte dann mal wieder meine Kompetenz Kindererziehung betreffend in Frage gestellt hat, einfach, weil ich ja auf Grund meiner Kinderlosigkeit keine Ahnung habe, tja, dann fiel auch schon mal öfter der Satz ‚Tut mir ja leid, dass ich keine eigenen Kinder habe!‘ Trotzdem weiß ich, was mir ab einem gewissen Alter zugemutet werden konnte und denke, dass es auch bei den heutigen Kindern ebenso der Fall ist…

      • Yvonne sagt

        Ja Susanne, da gebe ich dir Recht. Voll und ganz. Leider! Als mein ‚Schwiegervater‘ meine Eltern fragte, ob sie Enkelkinder haben, war das genauso ein Stich ins Herz wie der Satz von meinem Vater ‚Ihr macht mich ja nicht zum Opa!‘. Schön ist auch immer ‚…wenn Du später mal Kinder hast.‘ und man sich innerlich nur denkt ‚Nein, verdammt. Das werde ich nicht. Nicht mit diesem Mann jedenfalls.‘ Und wenn mein Lebensgefährte dann mal wieder meine Kompetenz Kindererziehung betreffend in Frage gestellt hat, einfach, weil ich ja auf Grund meiner Kinderlosigkeit keine Ahnung habe, tja, dann fiel auch schon mal öfter der Satz ‚Tut mir ja leid, dass ich keine eigenen Kinder habe!‘ Trotzdem weiß ich, was mir ab einem gewissen Alter zugemutet werden konnte und denke, dass es auch bei den heutigen Kindern ebenso der Fall ist…interessant wird das ganze dann aber erst, wenn man nach einem Jahr des Zusammenlebens von den BKs zu hören bekommt, dass sich beide seitdem sehr viel selbstständiger sind und sich positiv entwickelt haben…komisch…dabei habe ich doch keine Ahnung ?

      • Susanne Petermann sagt

        Manchmal ist es vielleich ganz gut, keine Ahnung zu haben 😉 😉

    • Kerstin sagt

      Das entspannte Zurücklehnen muss man wirklich lernen!! Immer das Problem dort lassen, wo es hingehört und sich nichts davon annehmen.
      Nun frage ich mich aber, was dich als Mutter eines Babys dann auch dazu befähigen sollte, plötzlich ältere Kinder „verstehen“ zu können?? *lach*
      Ernsthaft – du triffst es genau auf den Punkt. DAS Kind ist eben nicht deinem Körper entsprungen und das ist auch nicht zu ändern, wenn man 10 leibliche Kinder bekommt….
      Nein, als Stiefmutter darf man ein Kind nicht kritisieren… es hat lange gedauert, bis zumindest der Vater eingesehen hat, dass man Kinder erziehen KANN, wenn man es denn kann… Und nicht, dass die Situation schuld ist (sorry – Babys und Kleinstkinder kriegen von „der Situation“ doch gar nichts mit, was ihnen nicht von außen auferlegt wird). Wenn sie verkorkst sind, dann weil die Erziehung und der Umgang der Eltern mit Kind und Untereinander einfach misslungen ist.

  12. Kerstin sagt

    Eine Frau, die ein Kind gebährt, macht noch lange keine Mutter.

    Dies hat sich in meinem Leben immer wieder und immer wieder bestätigt. Bei manchen fragt man sich wirklich, was sie sich dabei überhaupt nur gedacht haben. Ob sie sich vorher überhaupt Gedanken gemacht haben.
    Entweder man geht völlig naiv an die Sache „Kind“ ran und mit Glück wird einem die nötige Intuition in den Schoß geworfen, oder aber man ist komplett überfordert. Mit dem, was das Kind tut oder nicht tut und dem was es sagt oder nicht sagt. Aber so wirklich mit unschönen Situationen auseinandersetzen, sich darauf vorbereiten – etwas vernünftiges Entgegensetzen – den wenigsten scheint das „von Natur aus“ gegeben zu sein.

    Von daher finde ich es persönlich einfach nur verletzend, wenn jemand leichtfertig solche Aussagen trifft ala: „Du hast ja keine Kinder!“ Das sagt nichts über die Fähigkeiten aus, mit Kindern umzugehen. Und wer zuviel unterscheidet zwischen, würde ich meinen genau so viel/wenig durchgehen lassen, wie „anderen“ Kindern, der hat allein schon bei dem Gedanken verloren…

      • Susanne Petermann sagt

        Frühestens im März. Hier steppt gerade der Bär 🙂 aber an sich ist es tatsächlich ein gutes Thema für eine Blogparade. Und passt auch absolut zu meinem Blog.

    • Einen Satz will ich dir widerlegen: Ich sage: ein Kind, das im Schoss einer Frau getragen und (lebend oder tot) geboren wurde, macht diese Frau zur Mutter. Das heisst nicht, dass sie immer weiss, was das Beste für ihr Kind ist. Manchmal haben auch andere Personen Recht, welche nicht die Mutter des Kindes sind. Wichtig ist, dass die Bezugspersonen des Kindes miteinander ihre Beobachtungen teilen, Lösungsvorschläge bringen und bei verschiedenen Meinungen versuchen, die andere Perspektive zu verstehen.

      • Ps. :…Beobachtungen teilen, etc, … was bei uns überhaupt nicht der Fall war/ist, wenn ja nicht mal Mutter und Vater miteinander reden, wie sollten da Stiefmutter und Stiefvater was zu sagen haben! Den Satz: du bist nicht deren Mutter, hörte ich ebenfalls, einmal sogar von der Hebamme kurz nach meiner Geburt des ersten Kindes! Das tat weh! Da wurde ich gerade Mama und muss mir anhören, mir nur nicht anzumassen, mich als Mama- der Stiefkinder- zu bezeichnen. (Dabei ist man das je nach dem schon ein bisschen, finde ich) Den Satz, du weisst nicht, wie es ist, eigene Kinder zu haben, wurde mir selten oder nie gesagt, ich erinnere mich jedenfalls gerade nicht dran. vielleicht weil ich mit der Ex kaum Kontakt habe und die restliche Verwandtschaft meines Mannes selten sehe, und bei meinem Mann ständig von „meinen“ Kindern erzählte und dabei die auf derArbeit meinte! (Das sind tatsächlich irgendwie „meine Kinder“…) Deshalb, liebe Stiefmütter: seht die Mütter als das an, was sie sind und verwechselt das nicht mit Kompetenz in der Erziehung!

  13. Jessica sagt

    Hallo Susanne,
    endlich sieht das mal jemand so wie ich. Leider habe ich mich in über 4 Jahren Vizemom-Sein sehr verunsichern lassen. Schließlich waren es sowohl meine Eltern, wie auch die meines Partners, die mir immer wieder sagten ich hätte ja keine Ahnung. Eben weil ich keine Kinder habe. Wie könnte ich so mit dem armen Kind umgehen.
    Mittlerweile habe ich gelernt, dass sowohl ich wie auch das Kind eine Menge zu lernen und sich aneinander zu gewöhnen hatten. Ahnung hatte damit mal gar nichts zu tun. Mein mittlerweile Mann und ich besuchen einen Elternkurs vom Kinderschutzbund. Dort haben wir gelernt, was man zwischenmenschlich bei der Erziehung falsch machen kann und wie es richtig geht. Es spielte dabei keine Rolle, ob unsere Tochter mein leibliches Kind ist oder nicht. Leider bringt eine Schwangerschaft zwar viele Hormone und Bindung mit sich, aber keine Kenntnisse über Erziehung und zwischenmenschliches Verhalten. Das muss sich Mutter wie auch Stiefmutter selbst aneignen.

    Meine Stieftochter ist wie mein eigenes Kind. Mein Mann und ich haben uns mittlerweile bewusst gegen weitere Kinder entschieden. Und das ist auch gut so.

    • Meine Schwester hat auch keine Kinder, sagt aber, dass meine auch ihre sind. Weil sie sie einfach von Geburt an begleitet hat. Sie ist ihnen emotional sehr verbunden. Nun hat ihre Freundin Zwillinge bekommen und diese wird sie hoffentlich auch noch lange mit aufwachsen sehen. Sie wird sogar von ihrer Freundin gefragt, wie sie das machen würde, wenn sie mal nicht weiter weiß, weil sie ja nun schon durch mich Erfahrungen gesammelt hat.

      Die Mutter meiner bei uns lebenden Stiefkinder dagegen hat überhaupt keinen Mutterinstinkt entwickelt. Das beweist sie immer wieder und hat es seit Geburt der Kinder bewiesen.

      Es spielt also wirklich keine Rolle, ob man selbst Mutter ist oder nicht. Wie Jessica schon schrieb: „Leider bringt eine Schwangerschaft zwar viele Hormone und Bindung mit sich, aber keine Kenntnisse über Erziehung und zwischenmenschliches Verhalten. Das muss sich Mutter wie auch Stiefmutter selbst aneignen.“ Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

  14. Marieke sagt

    Liebe Susanne,
    danke für den guten Artikel! Mit diesem Vorurteil hatte ich auch zu kämpfen als ich mit Ende zwanzig meinen Mann und seine beiden Kinder kennen lernte. Selbst noch ohne Kinder wurde mir erst einmal von der Kindesmutter jegliche Kompetenz abgesprochen, auch meine Schwiegereltern mussten lernen, mich als „Fachpersonal“ für ihre Enkel zu akzeptieren. Und ja, ohne eigene Kinder langsam aufwachsen zu sehen, hat man mit bereits „fertigen“ Kindern einiges aufzuholen. Kein Problem! Habe mich durch einen großen Stapel Erziehungsratgeber gelesen und zusammen mit gesunden Menschenverstand und der Unterstützung meines Mannes hat das sehr gut geklappt, mit Höhen und Tiefen. Nun habe ich ein leibliches Kind und musste fest stellen, dass sich meine Kompetenzwahrnehmung als Mutter deutlich erhöht hat, obwohl sich mein Verhalten gegenüber den Stiefkindern inhaltlich nicht verändert hat. Meine Werte haben keine 180 Grad Wendung vollzogen.

    Ich denke, die wenigsten machen sich die Mühe zu unterscheiden zwischen a) dem Verhalten und den teilweise echt weltfremden Ratschlägen von noch jungen Menschen/Paaren gegenüber Familien. Diese außenstehenden Personen haben auf Grund ihrer eigenen noch sehr begrenzten Lebenserfahrung noch ganz andere theoretische Ideen, wie Familie zu sein hat. Und ja, das nervt, sich so etwas anhören zu dürfen! 🙂 Und b) Stiefeltern in Patchworkfamilien, die normale Elternrollen übernehmen und am Alltag der Kinder genauso teilnehmen wie leibliche Eltern. Natürlich haben die sich eine Erziehungskompetenz erarbeitet und oftmals ist dieser leicht distanzierte Blick auch sehr hilfreich, um Situationen sachlicher einschätzen zu können.

    Also danke noch einmal für das Aufgreifen dieses wichtigen Themas 🙂

  15. Auch alle Väter spüren keine Wehen, bringen kein Kind zur Welt und es gibt Mütter, die das von ihnen geborene Kind umbringen. Leibliche Kinder können alles und nichts sein: Ein innerlich abgelehnter automatisch ablaufender biologischer Vorgang oder innige lebenslange Verbundenheit mit allem dazwischen. Eine mit erhobenen Augenbrauen vorgebrachte Scheinfrage „Hast Du eigene Kinder?“ ist somit ein inhaltsleerer Ablenkungstrick, der sich um Aussagen herummogelt oder ein Satz, um sich in einer selbst ausgedachten Hackordnung zu verbessern. Du hast eine „eigenen“ Kinder, also stehst du tiefer.

    Am Besten, man antwortet auf der ironisch-platten Ebene, irgendwas wie: „Ja wie? Du fährst mit einem Auto rum, hast aber noch nie eines gebaut?“

  16. ✌?Hut ab. ..
    Sehr gut wieder gegeben. ..
    Ich war 2 Jahre Vizemom bevor ein eigenes kam und ich kann euch sagen, durch meine strenge aber dennoch erkundungsfreudige Erziehung, bin ich oft angeeckt und ausgegrenzt worden. Dennoch habe ich mich nie verstellt. Mein Partner hatte die Wahl: entweder ein Kind, was ihm mit 12J (heute würde ich sogar auf 10J tippen)nen Stinkefinger zeigt und einfach macht was es möchte oder ein Kind was wenn es bei uns ist, sich zu benehmen weiss und viele Erfahrungen, Erlebnisse erfahren darf, die ihr Zuhause erspart bleiben, weil die KiMu mit sich und ihrem Leben genug zu tun hat und Erziehung anstrengend ist. Das Resultat sehen wir jedes 2We, wenn mein Mann die Kleene zurück bringt und diese sofort auf Göre umschaltet, sobald sie die Schwelle übertreten hat. Da heisst es wortwörtlich „Mutter kann ich Laptop “ oder die Arschteuren Schuhe werden ausgezogen ohne sie aufzumachen, die Jacke in die Ecke gefeuert usw. Und was sehen wir daran? Es interessiert nen Mist, ob du selber dich hast viele Stunden im Kreissaal massakrieren hast lassen, denn meine eigene wird genauso erzogen. Also liebe Daniela alles richtig gemacht ?

  17. Hey 🙂

    Ich bin gerade durch eine Facebook Gruppe auf deinen Beitrag gestoßen.
    Ich bzw wir haben keine Kinder und es gestaltet sich auch etwas schwieriger welche zu bekommen.
    Meine Schwester hingegen, die jünger als ich ist, hat hingegen schon 2 und mein Gott, wie oft musste ich mir schon sagen lassen „Bekomm Du erstmal eigene Kinder“. Sehr verletzend, vor allem von der einen Schwester.
    Deine Passage, ob ein Onkologe erst selbst Krebs gehabt haben muss oder ein Fotograf schön sein muss um die Schönheit eines Models zu beurteilen hat mir sehr gut gefallen und dies werde ich nun immer als Antwort auf solche Fragen/Aussagen nehmen. Vielen Dank dafür.

    • Susanne Petermann sagt

      Sehr gerne. Ein kleiner Denkanstoß kann nie schaden. Auch wenn die Frage ja oft gar nicht bösartig gemeint ist.

  18. Liebe Susanne,
    ein ganz großes Dankeschön von mir – ebenfalls Nicht-Mutter und daher ahnungslos 🙂

    Liebe Grüße
    Heike

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