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T & T: Durchlöcherte oder zu kleine Kleidung

foto:stocksnap, ryan mcguire

Kaum ein Problem wird mir von Stiefmüttern so häufig geschildert, wie das der zerlöcherten, unpassenden, fehlenden oder wetteruntauglichen Kleidung der Kinder. Ebenfalls sehr beliebt scheint es zu sein, viel zu kleine Kleidung oder Schuhe zum Umgangswochenende mit zu geben. Was tun? Hier kommen Tipps & Tricks, die Stiefmütter erfolgreich angewandt haben.

Tipps  & Tricks: Durchlöcherte oder zu kleine Kleidung

Es scheint der Klassiker zu sein, und wird mir von Stiefmüttern aller Alters- und Einkommensschichten berichtet. Mitten im Winter bekommen die Kinder nur Sandalen und T-Shirts mit, bei strahlendem Sonnenschein dagegen sind nur Gummistiefel im Koffer.  Alternativ sind alle Klamotten mindestens zwei Nummern zu klein, beziehungsweise bereits völlig kaputt.

Nun kann man bei wetterunpassender Kleidung noch wohlwollend sagen, die Kinder hätten ihren Koffer selbst gepackt beziehungsweise war das schlechte/ gute Wetter nicht vorhersehbar. Zu kleine Kleidung wird von Stiefmüttern dagegen einfach nur als „Wink mit dem Zaunpfahl“ verstanden. Der Vater soll (gefälligst) neue Sachen kaufen.

Nun entspricht so ein Einkauf zum einen nicht immer der Wochenendplanung der zweiten Familie und zum anderen ist Kleidung im Unterhalt bereits enthalten. Kein Wunder, dass zu kleine Kleidung oder gar Lumpen in den Wochenendkoffern der Kinder bei vielen Stiefmüttern für Unmut sorgen.

Hier also die Tipps & Tricks von Stiefmüttern, wie sie dieses Problem für sich gelöst haben:

  1. Mein Freund hat immer einen Satz Kleidung zuhause, dann wird gewechselt wenn das Kind da ist und wenn es zurück zur Mama geht, bekommt es die Sachen wieder angezogen. Wenn die Mutter es auf die Spitze treibt, kauft mein Freund Schuhe, Kleidung, etc und zieht den Betrag im Folgemonat vom Unterhalt ab. So bekommt die Mutter ganz schnell raus, dass der Kindesunterhalt nicht dafür gedacht ist, sich die Fingernägel machen zu lassen. Jasmin
  2. Seine Töchter kommen immer mit dreckigen Kleidern, ungewaschen und mit fettigen Haaren zu uns. Alles reden war zwecklos. Dann durften die Mädchen eben gar nicht mehr kommen. Jetzt ziehe ich die Mädchen gleich aus, wenn sie kommen und stecke sie in die Badewanne. Die schmutzige Kleidung kommt in die Waschmaschine und wir ziehen ihnen neue Sachen an, die hier bei uns bleiben. Bevor sie wieder zurück zur Mama gehen, bekommen sie die gewaschenen Klamotten wieder an und die Wochenendkleidung bleibt hier. Merle
  3. Die Kinder tauchten immer mit schmutzigen und zu kleinen Sachen bei uns auf. Einen Koffer mit Wechselklamotten hatte die Ex nie mitgegeben. Wir haben also jedes Mal neue Sachen gekauft. Die Kinder nahmen diese mit, doch beim nächsten Besuchswochenende steckten sie wieder in zu kleinen Größen. Die Mutter weigerte sich partout, etwas zum Wechseln mitzugeben. Ich arbeite in einer Anwaltskanzlei, und mein Chef gab mir den Rat, die Belege für die Kindersachen aufzuheben und die Summe vom Unterhalt abzuziehen. Das kann in bestimmten Fällen erlaubt sein, da die Mutter verpflichtet ist, alles fürs Wochenende mitzugeben. Sie zog vor Gericht, aber wir bekamen Recht. Sophia

    foto:stocksnap, ryan mcguire

    Wer möchte schon so mit dem Kind zum Familienfest?

Die rechtliche Seite

Viele Väter und Stiefmütter fragen: Ist der Vater gesetzlich verpflichtet regelmäßig Kleidung, Hygieneartikel usw. für das Kind kaufen, wenn es zum Umgangswochenende kommt?
Die Antwort:  Nein, grundsätzlich muss er das nicht! Dazu ist die Mutter in erster Linie allein verpflichtet. Finanzielle Unterstützung erhält sie durch das Kindergeld sowie den Kindesunterhalt. Auf der anderen Seite kann der Vater nicht von ihr verlangen, ihm die Kosten, die während des Umgangs entstehen (Benzinkosten, Zoobesuche, Essen & Getränke) zu erstatten. Es ist seine Verpflichtung, dafür zu zahlen.

Das Urteil von Monschau (AG Monschau, 31.03.2003 – 6 F 107/02) ist in diesem Zusammenhang sehr interessant. Dort wurde beschlossen, dass Unterhalt gekürzt werden kann, wenn die Mutter nicht ausreichend Kleidung zum Umgang mitgibt und der Vater demzufolge einkaufen gehen muss.

Der andere Blickwinkel

Ich weiß genau, dass viele Mütter ihrerseits sauer sind, wenn sie den Kindern gute Sachen oder neue Schuhe mit ins Papawochenende geben und diese als Lumpen zurück bekommen. Wie viele Dinge kann also auch hier die Mitgabe von falscher oder zu kleine Kleidung durchaus eine Ursache haben und nicht nur aus Bösartigkeit entstehen. Vielleicht wäre es also ganz nützlich, wenn Stiefmutter und Mutter sich einmal über die verschiedenen Blickwinkel austauschen und versuchen Verständnis für die Situation der jeweils anderen entwickeln.

Jetzt bin ich gespannt auf Eure Tipps & Tricks zu dem Thema falsche oder zu kleine Kleidung. Ich werde alles hier veröffentlichen und die Seite also immer wieder updaten. Öfter mal reinschauen lohnt sich bei dieser neuen Rubrik.

Susanne


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Wie geht Ihr damit um, wenn die Kinder zerlöcherte oder zu kleine Kleidung mitbekommen? Wie habt Ihr das Problem in den Griff bekommen? Bitte E-Mail mit Stichwort „Tips & Tricks: Zu kleine Kleidung“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

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