Stiefkindadoption

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      lilli95
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      Hallo zusammen,

      da ich selbst vergeblich danach gesucht habe, wie eine Stiefkindadoption im Detail abläuft, möchte ich hier meine Erfahrungen teilen.

      Folgende Konstellation:

      Ich habe zwei Töchter (zwei Väter)
      Meine große Tochter (mittlerweile 18) hat eine praktisch nicht vorhandene Beziehung zu ihrem Erzeuger. Wir sind seitdem meine Tochter knapp 1 Jahr alt ist getrennt und haben uns auch selten einig werden können wenn es um Dinge wie Umgang ging. Ich habe einige Zeit versucht ihn durch meine Anwältin zu einem regelmäßigen Umgang zu bewegen, vergeblich. Er war eher so der Vorzeigevater…Neue Freundin, Kind war interessant. Meine Tochter ist da irgendwie reingewachsen und das JA hat auch nichts geholfen wenn es um das Kindeswohl ging. Letztendlich hatten die Beiden ein komplettes Jahr gar keinen Kontakt, davor auch nur wenn er es wollte. Ich habe vor 5 Jahren geheiratet und bin wirklich glücklich. Mein Mann hat zwei Töchter, ziemlich im gleichen Alter wie meine zwei und deshalb ist es ihm nicht schwer gefallen eine Beziehung zu meinen Kindern aufzubauen. Diese ist so gut, dass die Große eines Tages den Wunsch äußerte, von meinem Mann adoptiert zu werden. Wir haben knapp 2 Jahre gebraucht um das in Angriff zu nehmen, da das ja keine Entscheidung sein sollte, die man übers Knie bricht denn damit verändert sich ja einiges. Wir haben viel und intensiv darüber geredet denn man will ja nicht, dass eine falsche Entscheidung getroffen wird.
      Meiner Tochter war klar, dass die Verwandtschaftsverhältnisse zu der kompletten Familie väterlicherseits aufgelöst werden, sollten wir das machen. Da auch zum Rest der Familie kein Kontakt bestand, war eine leichte Entscheidung.

      So viel zum persönlichen.

      Jetzt zum Ablauf:

      es gibt zwei Arten der Stiefkindadoption.
      Die Minderjähringenadoption und die Erwachsenenadoption.

      Hier liegt der größte Unterschied darin, dass mit der Minderjähringenadoption die gegenseitigen Ansprüche komplett erlöschen. Heißt, Kind hat kein Recht auf Unterhalt, Erzeuger allerdings auch nicht. Genauso sieht es aus mit dem Erbe. Der Erzeuger verschwindet aus der Geburtsurkunde des Kindes.

      unsere erste Anlaufstelle war natürlich der Erzeuger. Obwohl ich das alleinige Sorgerecht habe, muss der zustimmen. Dafür mussten wir ihn natürlich fragen. Nachdem wir das gemacht haben und er noch einmal mit meiner Tochter ein Telefonat hatte, indem er sich davon überzeugen konnte, dass dies wirklich IHR Wille ist, stimmte er zu.

      So, nun zum Notar. Einen, der sich im Adoptionsrecht auskennt. Dieser setzt einen Vertrag für alle Beteiligten auf und der wird dann unterschrieben von

      – dem Kind
      – dem neuen Elternteil
      – der Mutter (Minderjährig)
      – dem Erzeuger

      der Termin findet allgemein mit allen Beteiligten gleichzeitig statt wenn das nicht anders gewünscht ist.

      Dieser Antrag wird dann, zusammen mit:

      Ärztlichem Attest der Anzunehmenden (Tochter) und des Annehmenden (neuer Vater)
      Geburtsurkunden ALLER Beteiligten
      Heiratsurkunde von Mutter und Annehmenden
      Meldebescheinigung der Anzunehmenden und des Annehmenden
      und
      dem erweiterten Führungszeugnis der Anzunehmenden und des Annehmenden (unbedingt dazu sagen, dass der Annehmende es für eine Stiefkindadoption braucht wird und es nicht vom JA angefragt wird!)

      zum zuständigen Familiengericht geschickt.

      Alle Dokumente, bzw. die Urkunden müssen als beglaubigte Kopie eingereicht werden.

      Innerhalb von zwei Wochen nochmal die Nachfrage von Gericht, was für eine Art Adoption es sein soll. Ob Minderjährig oder eben nicht.
      Grund: meine Tochter wurde während des Verfahrens 18
      Wenn Minderjäjrig, dann müssen einige Voraussetzungen gegeben sein (diese waren zwar auch schon im Antrag angegeben, aber naja…)

      – Kind muss mit Annehmenden in einem Haushalt leben, mind. 1 Jahr schon
      – es muss eine Vater- Kind Beziehung gegeben sein
      – Kind ist minderjährig bei Antragsstellung

      weiter kann ich mich nicht mehr erinnern. Man muss nicht alle Punkte erfüllen, es muss nur klar sein, dass es hier nicht um die Zweckmäßigkeit geht.

      Nach ca. 2 Monaten haben wir vom Richter ein Schreiben erhalten, dass die Geburtsurkunden der Töchter meines Mannes nachgereicht werden müssen. – Hier liegt es im Ermessen des Richters, ob eine Kopie oder eine beglaubigte Kopie vorgelegt werden muss. Wir haben Scans per Email schicken können, da uns die Urkunden nicht anders vorlagen.

      Nach einem weiteren Monat dann kam eine Vorladung mit dem Betreff „Anhörung“ an uns alle drei.
      Wir wissen, dass auch die Kinder meines Mannes vorgeladen wurden. Ob sie den Termin wahrgenommen haben, bzw. das mussten und was genau da gefragt wurde, wissen wir aber nicht.

      Diese Anhörung dient laut meiner Recherche einzig dazu, dass sichergestellt wird dass das Verhältnis zwischen Annehmenden und seinen leiblichen Kindern sich durch die Adoption nicht verändert und sichergestellt ist, dass die Kinder nicht finanziell darunter leiden. Unterhalt und Erbe. Hier ist es allerdings nicht so, dass es heißt: bekommt das adoptierte Kind auch was vom Erbe, wird der Adoption nicht zugestimmt. Auch habe ich gelesen, dass Unterhaltskürzungen in einem gewissen Rahmen in Kauf genommen werden müssen.

      Also, wir wiederum einen Monat später zur Anhörung. Ich hatte Bammel, da ich eben nirgends erfahren konnte, was da gefragt wird.
      Es war schlussendlich so:

      wir saßen zu dritt mit dem Richter im Verhandlungszimmer und er hat die Situation zusammengefasst. Meine Tochter wurde gefragt, wie die Beziehung zum Erzeuger ist, wann sie sich das letzte Mal gesehen haben, wie lange wir alle schon zusammen wohnen und wie das Verhältnis zu meinem Mann ist.
      Dann hat er erklärt, was genau die Adoption für „Folgen“ hat und dieser direkt zugestimmt.

      Zwei Wochen später kam das Schreiben mit dem Beschluss. Im Großen und Ganzen war es kein Hexenwerk also. Ich empfehle aber tunlichst einen Notar zur Anstragsstellung. Klar, der Kostet, aber ich würde mich in so einer Angelegenheit nicht auf JA verlassen.

      Der Notar hat knapp 270,-€ gekostet (für alle Leistungen) und das Gericht hat einen Verfahrenswert von 5.000,-€ angesetzt. Was das kosten wird, wissen wir noch nicht.

      Alle Kosten trägt der Annehmende

      Ich hoffe, mein Beitrag ist für die Eine oder den Anderen hilfreich, ich habe nicht zu viel geschrieben und nichts vergessen 🙂

      LG lilli

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