Der Weg ist die Lösung

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Dieses Thema enthält 10 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Stiefherz vor 4 Monate, 4 Wochen.

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  • #9666

    Stiefherz
    Teilnehmer

    Hallo ihr lieben Stiefmütterchen,

    wir haben Frühling, Sonne und Bonuskinder. Auch ich musste die bittere Erfahrung machen, wie sich es anfühlt, wenn der eigene Partner erlaubt den eigenen Kindern die neue Partnerin zu kränken, sie bei jeder Gelegenheit bloß zu stellen. Und wisst ihr was???

    Auch wenn es sich ziemlich Krank anhört……er ( auch dein Partner) macht es nicht mit Vorsatz.

    Ich habe weit über 5 Jahre gelitten wie ein Hund, denn die beiden BK leben 24/7 bei uns.

    Ich war gefühlsmäßig abhängig von meinem Partner und er wiederum von seinen Kindern.

    Irgendwann war es so weit, ich habe meine Symbiose gelöst (ein harter Weg).
    Es hat sich damit alles geändert, auch das Verhalten der Kinder.

    Die haben ihm natürlich in den Wahnsinn getrieben, denn auf einmal war „das Stiefherz“ nicht mehr da um jedes Kranke Verhalten und vor allem die Schlussfolgerung daraus aufzufangen.

    Ich suchte Jahrelang nach Hilfe. Ich Googlte, lass Bücher, hörte mir Vorträge an…..als hätte ich in meinem Leben nichts besseres zu tun.

    Dann fand ich einen Psychiater-Psychologen, ich fand ihm Sensationell und bat meinen Partner sich den Vortrag anzusehen.

    Bingo!

    Er schaute sich es an, dachte 2 Wochen darüber nach. Dann kam er zu mir und fragte, ob ich einen Termin bei dem Arzt für ihn( meinen Partner und seine Kinder) machen könnte.

    Übrigens, der Arzt ist 600 Km von unserem Wohnort entfernt.

    Es gab schon einige Schlaue Köpfe( Psychologen) die gut an uns( unseren Bk) verdient hatten, danach war alles noch viel schlimmer.

    Lange Rede, gar kein Sinn. Er ist hingefahren. Ich kam nicht mit.

    Die Therapie fand ich anfangs sehr merkwürdig. Aber ich hätte fast alles mitgemacht um unsere Beziehung zu retten. Nur diesmal mit Würde!

    Es sind gerade mal 2 Monate vergangen und ich erkenne meinen Partner nicht wieder. Er liebt weiterhin seine Kinder aber auf eine tolle Art und Weise.
    Die Kinder hören langsam auf uns wie Maschinen zu behandeln. Ein wunderbares Gefühl.
    Wir sind ganz sicher nicht am Ziel aber die Änderung lässt mich an eine wunderschöne gemeinsame Zukunft glauben/hoffen.

    Warum ich es euch schreibe?
    Ich möchte euch nur damit sagen, dass auch, wenn wir abgekämpft, kraftlos und ohne Hoffnung am Boden liegen und alles kein Sinn mehr macht, sollten wir nicht aufgegeben.

    Unsere Männer wissen es nicht besser. Und die von euch,die schon n mit dem Partner Kind haben, „gibt nicht auf“!

    Absichtlich nenne ich den Arzt nicht, denn ich bin der Meinung, dass jeder eine andere Vorstellung von „Selbsthilfe, einem guten Arzt oder der richtigen Erziehung“ hat.
    Für uns war er eben der richtige.

    Was aber immer fest steht ist,dass nicht das Kind das krankhafte Verhalten aufweist sondern „unsere Männer“.

    In diesen Sinne wünsche ich euch nur das Beste.
    Eine Umarmung an alle die sich gerade elend fühlen, nichts kenne ich besser als dieses Gefühl.
    Gute Nacht

  • #9674

    Pinocchio
    Teilnehmer

    DANKE!!! Ein schöner Beitrag! Ich danke dir!

  • #9685

    Stiefherz
    Teilnehmer

    Liebe(r) Pinocchio,

    was für eine tolle Antwort von Dir.
    Weniger ist manchmal mehr und Du scheinst meine „Botschaft“ verstanden zu haben und wenn nur eine einzige Bonusmama verstanden hat, was ich euch damit sagen wollte, hat sich die Mühe, die Nachricht zu erfassen gelohnt.

    Ich kann natürlich nicht nachempfinden wie meine Nachricht auf andere wirkt, darum freue ich mich umso mehr, dass du Dich gemeldet hast.

    Auch du hast im Forum ein Tip gegeben, leider würde es glaube ich nich ganz so verstanden wie du es gemeint hast. Die Antwort von Lilly-Chantily an Dich: „Die anderen wie Luft zu behandeln?“
    NEIN keineswegs,es sollte doch nur heißen, dass man sich nicht versuchen da einzubringen wo es nicht nötig ist und etwas Abstand(immer mit Respekt) nehmen.

    Wir machen doch alle die gleichen Fehler.
    1. Sind uns nicht 100% einig mit unseren Partner. ( wir versuchen es unseinzureden, doch das Verhalten des Kindesvaters und der Bonusmama weicht zu sehr ab) das merkt jedes Kind.
    Und das nutzt auch JEDES Kind aus!

    2.Wir versuchen den Schaden zu minimieren. Also denken mit, was gut für das Kind oder den Kindesvater gut wäre. Übernehmen Aufgaben( freiwillig) und bachdem das nicht gewürdigt wird oder sogar schlecht gemach, bricht unsere Welt zusammen und wir fühlen uns nur noch gepeinigt und misshandelt.

    3. Kindesväter haben (fast) immer schlechtes Gewissen dem eigenen Kind gegenüber und wir versuchen ihm das auszureden und dafür sorgen( was selbstverständlich in uns ist) dass es dem Parner gut geht indem wir ihm entlassen wo es nur geht.

    Ich habe alles das immer, zu 100% genauso gehandelt. Habe unsere Gastgeberin von der Seite Abgerufen und insgeheim gehofft einige Hilfetips zu bekommen.
    Die bittere Wahrheit ist, dass wir uns selber helfen müssen.

    Unsere Männer haben eine Symboliose mit den eigenen Kindern und die MUSS gelöst werden!!!!! So lange das nicht passiert werden wir nicht glücklich sein!

    Nur ein kleiner Auszug: Free13-…das BK beschlagnahmt alles, nimmt und spricht als würde ihm alles gehören. Lösung: der Kindesvater muss es lösen.

    Soulcdored: „ ich machte den Vorschlag das BK von Kindergarten mit abzuholen, habe mir auf der Arbeit frei genommen und alles umgekrempelt.“ Lösung: der Kindesvater soll sich kümmern.

    Lilo: „Mein Partner verlangt mir seit der Geburt sehr viel ab. Der Kindesvater stimmte zu, dass das kranke Kind zu Lilo und ihm zu nehmen.
    Lösung: Kindesvater muss sich mit Lilo einig sein.

    Mumundstepmum: „Ich will über unsere Tochter sprechen, nicht über das arme Trennungskind“

    Lösung: der Vater ist in der Symbiose mit dem BK. Jedes Kind ist sehr will in der Lage sich an den Erziehungstil der jeweiligen Familie ohne Mühe anzupassen.

    Es sind IMMER die gleichen Ursachen.

    Und es ist viel einfacher es zu lösen als ihr denkt.
    Wir konzentrieren uns zu sehr an die Kinder und nehmen gar mich die wirklichen Problemauslöser war.

    Beste Grüße
    Stiefherz

  • #9686

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Puh…ich finde das schon sehr problematisch, zu verlangen, die Verbindung zwischen einem Elternteil und seinem Kind zu zerstören – kein Wunder, dass manche dann als „böse Stiefmutter“ wahrgenommen werden.

    Und wie auch schon gesagt, finde ich schmolliges Zurückziehen kindisch, und nicht hilfreich. In diesem einen Fall denke ich wirklich, dass es für die FS Zeit ist, erwachsen zu werden, und dem Freund gegenüber mal Kante zu zeigen. Ja, ich habe gelesen, dass er mit Trennung droht. Aber will sie sich denn wirklich weiter mit diesem Totschlagargument in der Spur halten lassen? Entweder er redet, und will dass alle die er als Familie betrachtet glücklich sind, oder soll er doch gehen, wie angedroht – ist dann mMn auch kein großer Verlust!

    Aber ja, es ist ganz einfach zu lösen, ohne eine Vater-Kind Beziehung zu zerstören!

    Sich selbst zurück nehmen, sich selbst nicht als Mittelpunkt der Beziehung wahrnehmen.
    Sich tatsächlich nicht in die Probleme und Angelegenheiten des Partners mit seiner Ex reinsteigern.
    Sich selbst und den eigenen Grenzen treu bleiben. Den eigenen Kontakt zum Besuchskind nur solange mitmachen, solange es einem selbst etwas gibt. Keine Liebe und keine Dankbarkeit vom Stiefkind erwarten, sondern nur eine für alle angenehme Zeit.
    Sich damit abfinden, dass man sich selbst in die Lage gebracht hat, Stiefmutter zu sein, und aufhören, sich zu wünschen, dass das Kind sich in Luft auflöst.
    Sich auch immer wieder mal bewusst machen, dass man aus freien Stücken einen Mann mit Anhang gewählt hat, und dass man jederzeit frei ist, das zu ändern. Sei es, indem man sich trennt, oder indem man die Einstellung zur Situation ändert.

  • #9690

    FrauS
    Teilnehmer

    Ich möchte nicht, daß sich mein Freund und seine zwei Töchter entzweien, auch wenn ich die große Tochter als Schmarotzerin ansehe. Sie kommt nur, wenn sie was will. Als er krank war hat es gerade mal zu einer Whatsapp von ihr gereicht mit „Gute Besserung“…. Echt traurig! Trotzdem möchte ich nicht, daß er den Kontakt abbricht wegen mir. Das muß er selbst für sich entscheiden. Ich werde ihn unterstützen, aber er weiß genau, daß ich ihr auch die Meinung ins Gesicht sage, wenn sie sich nicht um ihren Vater „kümmert“. Manchmal denke ich, sie ist froh, daß ihr Vater eine Freundin hat und sie sich nicht mehr um ihn kümmern muß.

    Die kleine ist 13 und wohnt bei uns. Ich bin regelmäßig mit Freundinnen aus oder auch mal übers Wochenende weg. Ich bestehe dann darauf, daß die zwei was zusammen machen. Ich finde es wichtig, daß die zwei „alleine“ sind. Natürlich bin ich auch mit beiden unterwegs, aber halt nicht immer.

    Und für dich Lilly: Ich bin für sie da, wenn sie Probleme haben und versuche zu helfen und Ratschläge zu geben, aber ich bin nicht ihre Stiefmutter. Den Schuh will ich mir nicht anziehen. Das habe ich auch in der Therapie beim Kinderschutzbund gelernt und auch wenn mein Freund das gerne hätte, er akzeptiert das mittlerweile. Es ist für uns die beste Lösung. Somit kann ich auch anders mit seinen Kindern umgehen. Mehr als Freundin oder Tante. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das viel besser angenommen wird. Das heißt natürlich nicht, daß es bei anderen auch gut klappen würde. Dazu sind wir einfach alle viel zu unterschiedlich 🙂

  • #9710

    Sommerflieder
    Teilnehmer

    Liebe Stiefherz,

    es freut mich, dass du deinen Weg gefunden hast und das mit uns teilst! Es klingt als habest du dich in der Vergangenheit sehr vereinnahmen lassen und dir große Verantwortung aufgebürdet – du nennst es Symbiose. Es ist ein großer Schritt, sich daraus lösen zu können ohne die Beziehung gegen die Wand zu fahren.

    Wenn deine Botschaft Alles wird irgendwann gut, wenn man nur den passenden Weg findet lautet, dann ist sie hier sicher hilfreich. Der Gang zum Psychiater ist aber sicherlich nicht pauschal für jeden die passende Lösung!

    Lilly hat in vielem Recht: eine Eltern-Kind-Bindung ‚verhindern‘ zu wollen ist ein fragwürdiger Gedanke. Wir spielen gegenüber dem leiblichen Kind immer irgendwie die zweite Geige – und ich hätte bei einem Mann Bedenken, wenn er das andes empfinden würde (je nach Alter des Kindes – irgendwann müssen die Väter auch lernen hier loszulassen).

    Wenn du, wie du schreibst, dein Glück aber einzig im Lösen der Symbiose deines Partners mit seinem Kind vermutest… da bekomme ich ehrlich gesagt etwas Bauchweh!

    Zitat:
    Unsere Männer haben eine Symboliose mit den eigenen Kindern und die MUSS gelöst werden!!!!! So lange das nicht passiert werden wir nicht glücklich sein!

    Das ist ein große Verantwortung, die du da deinem Partner und dem Kind auflädst: Ihre Symbiose verhindert dein Glück!

    Für unser Glück oder Unglück sind wir alle jederzeit einzig und alleine selber verantwortlich! Das auf Partner und deren Kinder zu projezieren ist – sei mir jetzt bitte nicht böse – keine reflektierte, erwachsene Lösung!

    Was mir hier immer mal wieder auffällt ist, das oft in Entweder-Oder-Kategorien gedacht wird.

    Es gibt aber auch den sowohl-als-auch-Ansatz!
    Unsere Partner lieben uns – gleichzeitig aber auch ihre Kinder! Und das ist gut so; wir sollten den Spagat, den das ihnen hin und wieder sicher abverlangt auch (an)erkennen.
    Und da haben FrauS und Lilly tolle Lösungen für sich gefunden:
    eigene Grenzen setzen – dazu muss man die allerdings kennen und man muss auch nicht alles mit sich machen lassen!
    Abgrenzen: Sich selber Zeit nehmen um gleichzeitig (!) BK und Elternteil Freiräume zu lassen.
    große Erwartungen beerdigen und sich stattdessen über schöne, kleine Momente freuen.
    und vor allem: die Vernatwortung für die eigene freiwillige Entscheidung, sich mit allen Konsequenzen auf einen Mann mit Vergangeheit einzulassen – und welche Rolle man in dieser Konstellation annimmt – selber übernehmen!

    Wünsche euch allen einen schönen Abend!
    Sommerflieder

  • #9714

    Stiefherz
    Teilnehmer

    Mit einem Schrecken las ich die Antwort von Sommerflieder.

    Also nochmal für alle die unter „ Eltern-Kind-Symbiose“ das gleiche verstanden haben wie Sommerflieder.

    Werde ich es gerne richtig stellen:
    Es war nicht diese wunderschöne Symbiose gemeint die wir in der Schule gelernt haben, sondern, eine Krankhafte emotionale Abhängigkeit der Eltern von eigenen Kinder, das übertriebene Streben nach Liebe, keine Grenzen Setzung und damit den Kindern den Halt und Sicherheit nicht geben, dass sie so Notwendig brauchen um glücklich zu sein.

    Also bitte um Entschuldigung falls ich den Falschen Begriff gewählt habe.

    Ein heißer Tag in Paris, ein kleines Apartment im Stadtteil Saint Germain: Hier hat Caroline Thompson ihre Praxis, Psychoanalytikerin und Buchautorin. Ihr in Frankreich heftig diskutierter Titel „La violence d’amour“ erscheint in diesen Tagen auf Deutsch: „Die Tyrannei der Liebe“. Ein heikles Thema: Lieben Eltern ihre Kinder mehr, als denen guttut? Bringt unsere Wohlfühlgesellschaft kleine Monster hervor? Welche Folgen hat es, wenn sich Erwachsene emotional von ihrem Nachwuchs abhängig machen? Caroline Thompson nimmt auf ihrer roten Couch Platz.

    Mme. Thompson, ein aktueller deutscher Bestseller fragt, „warum aus Kindern Tyrannen werden“. Sind auch Sie der Meinung, dass Eltern sich ihren Kindern unterwerfen und ausliefern?

    Zunächst einmal geht es mir nicht in erster Linie darum, Eltern Vorwürfe zu machen. Ganz im Gegenteil: Ich möchte, dass sie sich besser fühlen. Wenn wir das Thema historisch betrachten, stellen wir allerdings fest, dass die Stellung des Kindes als die Nummer eins in der Familie ein relativ neuer Faktor ist.

    Wir nehmen ein Kind als Individuum wahr, ja. Das ist doch nicht falsch.

    Gewiss. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der die bestimmende Einheit das Individuum ist.

    Und was bedeutet das – psychologisch gesehen – für Erzieher?

    In meiner Beratungspraxis sehe ich, dass Eltern enorm engagiert sind, aber sich nicht trauen, die Autorität zu sein. Sie stellen sich die Frage: In wessen Namen bin ich die Autorität in diesem Haus? Früher war diese Frage durch das soziale Umfeld festgelegt. Heute haben wir uns selbst zu erfinden und unser Wertsystem selbst festzulegen.

    Tun Eltern das nicht mehr oder weniger unbewusst?

    Nehmen wir eine klassische Situation: Auf dem Spielplatz schubst ein Kind ein anderes von der Leiter, um schneller nach oben zu kommen. Ich behaupte: Es ist eine kulturelle Frage, ob wir dieses Verhalten billigen oder ablehnen. Die Antwort hängt vom Wertsystem der Familie ab, von ihrem kulturellen Hintergrund

    Eltern sind nicht jeden Tag stark. Mal halten sie ihr Kind davon ab, das andere zu schubsen, beim nächsten Mal lassen sie es ihm durchgehen und finden es super, dass es sich durchsetzt.

    Ich beobachte, dass viele Eltern verunsichert sind, was genau sie ihren Kindern beibringen sollen. Eine Autorität ist man nicht von allein, wenn man gar nicht genau weiß, was man vermitteln will.

    Mit dem Begriff Autorität haben gerade wir in Deutschland ein Problem.

    Es gibt eben diese Idee, dass das Glück und die Freiheit des Individuums das Allerwichtigste sind. Daraus folgt die perverse Sorge: Wenn ich meinem Kind Werte oktroyiere, beraube ich es der Freiheit, wählen zu können. Aber wie soll ein Kind wählen, solange es nicht die Bedingungen kennt?

    Viele Eltern scheuen sich, einzugreifen, weil sie denken, das Kind wisse instinktiv, was es braucht.

    Richtig, das ist dieses alte Rousseausche Denken und die Prämisse, dass Kinder und Eltern auf der gleichen Ebene denken und entscheiden. Natürlich sind Kinder Individuen, aber ein Zweijähriges auf der Straße allein zu lassen, bedeutet, dass es sterben wird, wenn ein Erwachsener nicht aufpasst. Wir sprechen von „funktionaler Unreife“: Ein Kind ist unreif – es ist physisch nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen, sich zu ernähren, Unterkunft zu verschaffen – das ist eine nicht zu leugnende Realität. Also befinden sich Eltern im Verhältnis zu ihren Kindern in einer hierarchischen Beziehung. Regeln sind eine Chance für das Kind, sie engen nicht ein, sondern geben ihm Richtschnur und einen Rahmen.

    Kinder lieben es, Regeln zu umgehen oder zu „vergessen“. Was tun?

    Richtig. Kein Kind putzt sich freiwillig die Zähne. Würden wir das durchgehen lassen, hätten Sechzehnjährige keine Zähne mehr. In den sechziger Jahren war man der Ansicht, es sei schrecklich für das Kind, Regeln befolgen zu müssen. In Wirklichkeit ist es unfair, dem Kind das Rahmenwerk vorzuenthalten, das es befähigt, schließlich selbst Entscheidungen zu treffen.

    Regeln geben Kindern also Sicherheit. Und was haben die Eltern davon?

    Emotionale Beziehungen können explosiv sein – auch die zwischen Eltern und Kindern. Regeln helfen, Ruhe da hineinzubringen. Denn eine Regel ist etwas Neutrales, sie kommt von außen. Ich will nicht leugnen, dass es Eltern gibt, die das Regulieren missbrauchen. Aber „Putz dir die Zähne“ ist nun wirklich nichts, das Eltern Macht verleiht oder etwas, das aus Willkür befohlen wird. Diese Aufforderung macht aus dem Kind selbstverständlich noch kein Opfer. Es kühlt die Sache ab und verhindert auf diese Weise, dass man sich in symbiotische Beziehungen verstrickt. Regeln helfen, Abstand zu halten.

    Müssen Eltern nicht ihre eigenen Werte ständig überprüfen, ob sie als Richtschnur taugen?

    Das Wichtige ist, dass eine Kohärenz erkennbar ist zwischen dem, was Eltern sagen, und dem, was sie tun. Wenn das oberste Prinzip einer Familie die Arbeit ist, dann lautet die Botschaft an das Kind: Bring gute Noten nach Hause. Falls aber die Mutter, der Vater sagen: „Ach was, das Wichtigste für mich ist, dass mein Kind glücklich ist“ und diese Eltern dann enttäuscht reagieren, wenn das Kind mit schlechten Noten heimkommt, dann ist das eine klassische widersprüchliche Botschaft. Das Kind verwendet äußerste Energie darauf, herauszufinden, wonach es sich richten soll.

    Eltern lieben ihr Kind und sollen das auch. Wann wird diese Liebe zur Gefahr?

    In Frankreich wird mittlerweile jede zweite Ehe geschieden. Das bedeutet, dass fünfzig Prozent der Kinder die Beziehung zu einem Elternteil als die am längsten dauernde erleben, vielleicht abgesehen von der zu einem Geschwister, die natürlich ein ganzes Leben dauern kann. Aber für eine Mutter oder einen Vater ist es die Beziehung zu einem Kind, und das kann eine Abhängigkeit schaffen, weil so viel Zeit, Energie und emotionales Engagement hineinfließen. Wir verwenden viel Zeit darauf, ein Kind zu einem perfekten Wesen zu machen.

    Und perfekt bedeutet: der Mutter, dem Vater möglichst angepasst. Wie kann da noch Abnabelung gelingen?

    Abhängige Eltern haben abhängige Kinder, so viel ist klar. Die wichtigste emotionale Aufgabe für ein Kind ist Ablösung, Selbständigkeit, und zwar von einem sehr frühen Alter an. Zunächst vollzieht sich das in sehr langsamen Schritten – sie lernen gehen, sie ziehen sich allein an, sie gehen zur Schule . . . Erfolgreich ist eine Erziehung meiner Meinung nach dann, wenn dem Kind ermöglicht wird loszulassen. Dann weiß man, dass man es richtig gemacht hat.

    Und woran erkennt man, dass man es nicht richtig gemacht hat?

    Das sehen wir ja auch häufig genug: Kinder, die viel länger zu Hause wohnen bleiben als nötig, junge Erwachsene, die Probleme haben, stabile Beziehungen zu anderen aufzubauen. Ohne zu sehr zu verallgemeinern: Wir sehen auch junge Erwachsene, die selbst zum Teil sehr früh Kinder bekommen, um eine Abhängigkeit herzustellen.

    Eltern erwarten, dass ihre Liebe und Fürsorge von den Kindern erwidert wird. Ist das realistisch?

    Eltern sollten geben, ohne Erwartungen damit zu verbinden. Wer von seinem Kind Zeit oder Aufmerksamkeit zurückhaben möchte, bekommt Probleme. Denn was wir unseren Kindern geben, soll sie stark machen zu gehen. Das ist ja einer der großen Konflikte während der Pubertät, wenn der Abnabelungsprozess einsetzt und die Eltern in Panik verfallen.

    Dass sie sich Sorgen machen, was diese hormongesteuerten Youngsters anstellen, ist wohl normal.

    Ich sage manchmal: Fünfzehnjährige gibt es gar nicht. 15 ist eine Mischung aus fünf und 25. Manchmal benehmen sie sich wie Fünfjährige und betteln um eine Mahlzeit, und eine Stunde später behandeln sie uns wie einen Schwerverbrecher, weil man wagt, ihnen einen Kuss zu geben, wenn sie aus der Tür gehen.
    Wenn Eltern dann sauer reagieren und denken: Jetzt habe ich dich gerade toll bekocht, und schon haust du wieder ab mit deinen Freunden, dann verstehen sie einfach nicht, wie es ist, 15 zu sein. Viel besser, dass der Junge mit seinen Freunden ausgeht, als zu Hause zu sitzen. Die Idee der Symmetrie ist für Kinder sehr gefährlich.

  • #9716

    Soulcolored
    Teilnehmer

    Ich sehe es zu 90% wie Stiefherz und habe auch gleich verstanden was du meintest. Wobei auch Sommerflieder nicht ganz unrecht hat vorsichtig zu sein.

    Auxh wir haben diese Krankhafte Symbiose von Stiefsohn und Mutter. Auf der einen Seite wird Stiefsohn dann verhätschelt und als Baby behandelt inklusive mit 6 noch Schnuller und Co kriegen. Und dann soll er plötzlich den Partnerersatz spielen und erwachsen sein und wird knallhart mit Dingen wie dem Tod konfrontiert. Ohne kindgerechte Erklärung. Sondern nach dem motto:Tod ist Tod und heulen ist was für Weicheier.

    Und wir mussten und müssen es heute immer noch sehr langsam angehen um diese Symbiose langsam zu zerschneiden bzw darauf hin zu arbeiten das die gute Symbiose bleibt.

    Bestes Beispiel nichts gegen Heimweh oder nach Mama fragen aber Stiefsohn kam zb im Januar (er wird 7) stündlich an wenn er bei uns war mit :Können wir jetzt zu Mama? Wenn er schon zur Haustür reinkam kam nicht:Hallo sondern und wann geht’s wieder zu Mama? Wo ist Mama? Kann ich mit Mama telefonieren?Ich will zu Mama. Sie ist einsam ohne mich. Mama hat Freunde da da muss ich dabei sein. Wie lange dauerts noch bis wir zu Mama gehen?

    Und das ging die gesamten 2 bzw 3 Tage die er bei und war. Dauerhaft. Egal was man gemacht hat. Im Schwimmbad,im Tierpark oder bei Oma. Dauerhaft Mama hier Mama da.

    Das ist sehr krankhaft und hat nichts mehr mit Mama vermissen zu tun. Oder mal Heimweh zu haben.

    Und ich sehe es genauso kritisch. Wir überfürsorgen quasi die Kinder. Mitunter sind wir Stoefmütter aber iwie die einzigen die eine gute Symbiose hinkriegen und die krankhafte merken. Während unsere Kinder liebevoll aber selbständig erzogen werden sind hier die meisten BKs so „nicht erzogen “ das sie vermutlich bei einem komplett Ausfall des Internets den Selbstmord erwägen würden
    Und würden wir nicht eingreifen wahrscheinlich schon längst verwahrlost wären.

    Wir haben hier zb eine Schule in der morgens eine Security die Eltern Regeln muss weil die Eltern angefangen haben auf dem Schulhof zu parken und die Kinder bis zur unterrichtstür zu bringen und dort auch die ersten 1-2 Stunden am Fenster stehen zu bleiben um zu gucken was der Nachwuchs den auch macht.

    In den Pausen wurden die Schüler dann wieder bedrängt und danach mit Auto abgeholt. Wohlgemerkt das die Eltern zu 80% grade mal 5-10 Gehminuten wegwohnen. Der Komplette Schulhof und Parkplatz ist gesperrt,es stehen Schilder mit hinweisen drauf :ab hier geh ich allein ! Und die Security die von morgens bis schulende da ist. Wer darein will muss vorher einen Termin abmachen und erst dann darf man da rein.

    Bei einigen Eltern half es diese Symbiose zu lösen und zu sehen das ihr Verhalten krankhaft war und zu sehr gebunden aber es gibt immer noch einige Eltern die versuchen ihr Kind unbedingt zur klassentür zu bringen und ich sehe sie jeden morgen da diskutieren während das Kind freudestrahlend abhaut.

  • #9717

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Danke für die Klarstellung, Stiefherz!

    Was du da beschreibst, ist tatsächlich etwas anderes. Eine krankhafte Abhängigkeit, ein „Meine Kinder stehen immer an erster Stelle“, das alles würde ich nicht als Symbiose sehen.

    Hier geht es ja um Abhängigkeiten, die geschaffen werden, um eigene Bedürfnisse zu stillen. In dem Artikel geht es ja um Leute, die den Blick darauf nicht finden, was für die eigenen Kinder das Richtige ist. Und ja, sehr viele Trennungsväter handeln genau so. Sie verwechseln „Kindeswohl“ mit „Kindeswille“.

    Mir ist der Artikel etwas zu eindimensional. Die Motive dieser Eltern werden zu wenig beleuchtet. Auch die Frage, ob diese Eltern das nicht besser können und wissen, bleibt außen vor. Würden manche umdenken, wenn ihnen bewusst wäre, dass sie nicht das Beste für ihre Kinder tun, indem sie ihnen keine Regeln vorgeben?
    Ihnen wird ganz platt Abhängigkeit, und der Wunsch nach Liebe unterstellt. Ich weiß einfach nicht, ob es so simpel ist.

    Eine Symbiose ist definiert, als eine Gemeinschaft, in der alle symbiotisch beteiligten Individuen zum Wohle aller beitragen, und dafür als einzelne wieder profitieren. In einer Symbiose können beide sich langfristig positiv entwickeln oder auch einfach nur überleben, wenn sie zu der Symbiose beitragen.

    Was in dem Artikel beschrieben wird, wäre aber eher eine parasitäre Beziehung, um bei den biologischen Begrifflichkeiten zu bleiben. Eine Beziehung, in der ein Individuum nur existieren kann, wenn es ein anderes ausbeutet. Der Artikel würde also die Eltern zum Parasiten machen, und das Kind zum Wirt.

    Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, wie es gemeint war. Dennoch finde ich, dass der Begriff Symbiose dafür nicht passt. Wenn du dich auf einen Artikel und seine Begriffe beziehst, wäre es gut, den Artikel zu erst zu posten, und sich dann auf die Begriffe zu beziehen. Sonst kann nämlich ganz schnell ein falsches Bild entstehen.
    Auch wäre eine Quellenangabe, dass das ein kopierter Artikel ist, oder einfach nur der Link gut gewesen. Das Interview, das hier gepostet wurde, sowie das dazugehörige Buch sind übrigens nicht aktuell, wie aus der Kopie hervorgeht, sondern schon 10 Jahre alt. Mich würde interessieren, ob es inzwischen aktuellere Ansichten gibt?

  • #9723

    Sommerflieder
    Teilnehmer

    Ihr Lieben,

    es ging mir nicht darum diese Symbiosen, emotionalen Abhängigkeiten oder teilweise bemerkenswerten Er- und Beziehungsmuster und Manipulationsstrategien mancher Eltern gutzuheißen (das kann aber ein Problem in wirklich jeder Familie sein, ob leiblich oder Patchwork! – der zitierte Artikel, bezieht sich auch nicht explizit auf Patchworkkonstellationen) Natürlich sollen Kinder selbständig werden, Verantwortung übernehmen und ich selbst bin mit einem BK gesegnet, dass sich für die Königliche Hoheit schlechthin hält und das von seinen Eltern unterstützt wird. Das ist jedes Mal anstrengend – das hat aber nichts mit der Beziehung zu meinem Partner zu tun und ich habe lernen müssen, diese beiden Beziehungen, die er nunmal hat (die zu mir und die zu seinem Kind) voneinander abzugrenzen und wertfrei nebeneinander stehen zu lassen.

    Ich hab aber definitiv ein Problem damit, wenn jemand die alleinige Ursache seines persönlichen Glücks, bzw. dessen Abwesenheit in der Beziehung (ob diese nun als gut oder schlecht wahrgenommen wird) zwischen Partner und BK, verortet! Und das hier auch noch als belesenen und fachlich fundierten Ratschlag kundtut! Diesen pauschalen Satz, den finde ich mal mindestens bemerkenswert!

    Es mag Fälle geben, ja, nur die Systeme sind weit komplexer als: man muss die andere Symbiose zerstören (weniger hart klingt übrigens: verändern) um selbst glücklich zu sein!

    Problematisch finde ich auch – da hat Lilly recht – wenn mit Fachliteratur um sich geschmissen wird. Es gibt unendlich viele Erziehungsratgeber aus denen man sich alles mögliche zusamenrühren kann um sich nur bestätigt zu fühlen. Die eigene klare Haltung ist es aber, worauf es ankommt – sich dazu Anregungen in der Litartur zu holen ist sicher nicht falsch – das auf eine möglicherweise schon religiöse Ebene zu heben, halte ich für problematisch!

    Es geht hier nicht um die Bonus-Eltern-Kind-Beziehung! Eine gute und belastbare Beziehung zwischen uns erwachsenen Partnern ist die Basis für das Gelingen. (Das habe ich auch erst mit der Zeit begiffen!)
    Dazu gehört ganz klar auch, dass jeder seinen Platz und seine Rolle kennt und annimmt – das ist ein stetiges Ausbalancieren und wird sich auch immer mal wieder ändern müssen – die Kids sollen ja erwachsen werden und darin müssen wir sie begleiten. Die Erwachsenen sind die Erwachsenen und die Kinder sind Kinder! Da gehen wir wieder konform, dass es hier gesellschaftliche Veränderungen gegeben hat, die problematisch werden können, wenn Kindern in unangemessener Weise auf Augenhöhe oder gar darunter begegnet wird! In diesen Fällen sollte der Erwachsene BK-Elternteil etwas verändern, auch da stimme ich zu!

    Wir haben aber weder ein Recht hier aktiv mitzuwirken noch sind wir die Therapeutinnen unserer Partner! Und das erst Recht, wenn man sozusagen vom Fach ist!

    Lasst die Woche gut ausklingen und startet gut ins Wochenende
    lg
    Sommerflieder

  • #9735

    Stiefherz
    Teilnehmer

    Ich danke euch für eure Beiträge.
    In der Tat hätte ich den Link zufügen müssen.
    Da dies das erste Forum ist in dem ich mich getraut habe mitzuschreiben ( 1 Antwort+ 1 eigenes Thema eröffnet) und zusätzlich Deutsch nicht meine Muttersprache ist, was sicher nicht zu übersehen( überlesen) ist, ergibt sich für mich daraus nicht nur die Grammatikalische Schwierigkeit sonder auch alles so präzise zu erklären wie ich es vielleicht in meine Muttersprache hätte machen können.

    Auch ich bin der Meinung das es noch unendliche Graustufen zwischen Schwarz und weiss gibt und so denke und handle ich auch.

    Wie hätte ich es sonst schaffen können eine Beziehung über viele Jahre zu erhalten mit 2 Pubertierenden BK die zu 100% bei uns leben und als Bonus noch die Eltern meines Mannes in dem gleichen Haus, mit dem gleichen Hauseingang. :-)))))

    Ich wollte den unter uns, die an die Beziehung nicht mehr glauben einfach nur den Mut geben weiter zu machen.

    Natürlich könnt ihr mir auch gerne eine Privatnachricht schicken. Auch ich werde mich freuen mich über das erlebte auszutauschen.

    Ich wünsche euch ein Sonniges Wochenende
    Stiefherz

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