Alleine verzweifeln

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Dieses Thema enthält 12 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Kaktus258 vor 3 Monate, 3 Wochen.

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  • #9996

    Bonusmum
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    ich habe mich entschieden, auch meine Geschichte in diesem Forum zu veröffentlichen, um mir Rat und Tipps zu holen. Vorsicht langer Text.
    Ich bin 23 Jahre alt und seit ca. 1 Jahr mit dem Vater einer 7-jährigen Tochter zusammen. Die Tochter L lebt bei Ihrer Mutter und ist alle 2 Wochenenden bei uns zu Besuch. Die Scheidung meines Partners zu seiner Ex wird Ende diesen Jahres rechtsgültig sein. Wegen meines Alters muss ich öfter zu Beginn gleich mit Vorurteilen aufräumen. Ich bin zwar jung, aber längst kein Schulmädchen mehr und bin mir meiner Situation durchaus bewusst. Meine Beziehung könnte harmonischer nicht sein, trotzdem hat man sich das Leben als Stiefmutter und Zweitfrau natürlich anfangs einfacher vorgestellt.
    Die Probleme mit der Ex haben sich inzwischen größtenteils gelegt. Sie meldet sich nur noch wenn unbedingt nötig und dann auch nur wenn es um L geht. Hatten anfangs große und nervenraubende Diskussionen, weil die Ex mit Frust und Neid zu kämpfen hatte, seit sie von mir wusste. Inzwischen wird sich nur noch um einen nachehelichen Unterhaltsanspruch gestritten, der dann hoffentlich abgeschmettert wird. Versteht mich nicht falsch, ich befürworte Unterhalt für die Ex (Kindesunterhalt ist selbstverständlich), soweit er erforderlich ist, um Existenzen zu sichern. In unserem Fall hat die Kindsmutter jedoch ausreichend Geld und einen guten Job, könnte ihre Stunden bereits jetzt erhöhen, weil sie L bis 16 Uhr in die Nachmittagsbetreuung steckt, selbst aber bereits um 12 zuhause hockt. Möchte sie bis zur Scheidung aber nicht, Mann soll zahlen bis zur Scheidung und am Besten noch weiter. Aus dem Hausverkauf sind beide mit großem Gewinn davon gekommen, sie hat das gemeinsame Auto, mein Freund musste sich ein neues kaufen. Für sie wohl immer noch kein Grund zufrieden zu sein. Für mich ist das eine schwierige Situation. Wir planen für die nächsten 2 Jahre ein Eigenheim und da möchte ich natürlich nicht, dass wir weniger Möglichkeiten haben, weil die Ex auch noch bedient werden muss. Aber mal abwarten.
    Anfangs hat seine Exfrau durch „gutgemeinte Tipps NUR im Sinne des Kindes“ versucht weiterhin Mitspracherecht in seinem Leben zu haben. Dass ihre Tochter nach den ersten Treffen mit mir in den höchsten Tönen über mich geschwärmt hat, war natürlich auch Grund dafür. So sollte er möglichst viel Zeit allein mit seiner Tochter verbringen, vor dem Kind nicht über die Zukunft mit mir reden, seine Aufmerksamkeit nur L schenken etc. Darauf ist er jedoch nicht eingegangen, da L bereits jetzt ein sehr extrovertiertes Kind ist…großes Ego…große Klappe…immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Ich finde seine Entscheidung richtig und versuche auch in meiner Erziehung L immer wieder vor Augen zu führen, dass sie nicht das Zentrum der Welt ist. Sie hat so auch wirklich verstanden, dass ich jetzt die neue Frau an Papa´s Seite bin. Inzwischen ist es wirklich sehr anstrengend mit ihr. Sie hat mir bereits öfter zu verstehen gegeben, dass sie Einzelkind bleiben möchte. Außerdem frägt sie meinen Freund öfter, wen er denn mehr liebt. „Sie oder mich? Mich natürlich oder Papa“. Ich muss ihn wirklich loben, er lässt sich darauf wirklich nie ein und bremst sie immer wieder aus. Oft zwängt sie sich zwischen uns wenn wir kuscheln, oder stört uns beim Händchenhalten. Neuerdings möchte sie auch nachts zwischen uns schlafen, erlauben wir ihr jedoch nicht. Sie ist ununterbrochen in Höchstform, egoistisch, unkonzentriert, unterbricht ständig Gespräche und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Mein Freund meinte, dass sie schon immer so war, zwischen ihren Eltern so viel Nähe jedoch nie mitbekommen hat. In der Schule hat L große Probleme durch ihr Verhalten, wenig bis gar keine Freunde. Mein Freund selbst ist schon oft genervt von ihrem Verhalten. Sie ist ein Kind, dass sich nie alleine beschäftigen kann, haufenweise Spielzeug geschenkt bekommt, aber nie damit spielt und es am nächsten Tag schon wieder vergessen hat. Sie möchte ständig, dass man ihr dies und das kauft einfach so ohne Grund. Morgens mustert sie sogar die Frühstückseier aus, damit sie das Schönste bekommt. Bekommt sie es nicht, bockt sie. Bekommt sie etwas nicht, was ich gerade habe, bockt sie. Sie ist oft rotzfrech zu meiner Familie und das ist mir ein Dorn im Auge. Wenn ich mit L allein bin, dann ist sie brav und wir kuscheln oft zusammen. Ich denke daher, dass sie kein Problem mit mir hat, sondern generell immer im Mittelpunkt stehen möchte. Ab und an gibt ihre Mutter zu, dass sie bei ihr auch oft unmöglich ist. In den Ferien war es mir dann wirklich zu viel, ich wurde ruhig und habe mich von den beiden öfters ausgeklinkt zum Sport. Mein Freund war enttäuscht, aber hat nach viel Reden verstanden, dass ich meine Ruhe wirklich brauche. Ich weiß nicht, wie ich sonst damit umgehen soll. Inzwischen sehe ich mein Stiefkind mit anderen Augen, ich verspüre keine Liebe, sondern Glück wenn sie wieder weg ist. In letzter Zeit fällt mir auf, dass ich größtenteils negativ eingestellt bin, bei allem was L möchte. Teilweise habe ich dann schon ein schlechtes Gewissen, ich werde zur „bösen Stiefmutter“. Ich wurde einfach selbst anders erzogen und war ein selbständiges Kind. Damit fühle ich mich aber ziemlich allein. Manchmal kommt es mir vor, ich soll wie ein Roboter funktionieren, mein Stiefkind lieben, entspannt sein, meinem Freund keinen zusätzlichen Stress bereiten etc. Ich würde meinen Freund für kein Geld der Welt eintauschen, mein Stiefkind wahrscheinlich schon. Ich bin nicht der Meinung, dass man ein Scheidungskind in Watte packen muss, gerade in meinem Fall finde ich das völlig falsch. Ich habe aber heute schon Angst vor der Zukunft. Wir wünschen uns in den nächsten Jahren ein gemeinsames Kind und ich habe keine Lust MEIN Kind vor dem Stiefkind verteidigen zu müssen, weil L Angst hat nicht mehr die #1 zu sein. Und das sehe ich bereits voraus. Ich hätte denke ich ein Problem damit und auch Angst davor, wenn mein Freund L bevorzugt behandelt. Manchmal kommen mir auch richtig blöde Gedanken: Was wenn mein Kind nicht so hübsch/dünn/sportlich wird wie L?

    Wir versuchen dem Verhalten von L einfach entgegen zu wirken, in dem wir offen über unsere Beziehung und Zukunftspläne sprechen. Auch über ein mögliches Geschwisterchen damit sie sich an den Gedanken gewöhnt. Als ich mich in dem Forum umgeschaut habe, ist mir aber schon etwas bewusster geworden, dass ich es noch gut habe. Viele von euch haben nämlich noch größere Probleme als ich.

    Ich weiß momentan einfach nicht, wie ich mich richtig verhalten soll. Mein Freund unterstützt mich zwar, aber ich bin ein Mensch, der viel mit sich selbst allein ausmacht. Ich denken nicht, dass man innerhalb 3 Tagen ein Kind erziehungstechnisch verändern kann. Ich weiß aber auch nicht, wie ich entspannter mit den Dingen umgehen kann. Ich hoffe daher, dass jemand in diesem Forum meine Situation nachvollziehen kann und Tipps für mich hat.

    Danke & Grüße

    Die Bonusmum

  • #9997

    Erein
    Teilnehmer

    Liebe Bonusmum,

    als aller erstes: Hör auf dich als Zweitfrau zu bezeichnen. Das bist du nicht! Du bist die Partnerin an seiner Seite und das nur du. Ex ist Ex und es hat einen Grund warum sie eine Ex ist.
    In solchen Konstellationen ist es wichtig das der Partner zu einem steht und Unsinn nicht toleriert.
    Und so wie du das erzählst, tut er das. Er ist bereit mit dir den Weg als Familie nochmal zu bestreiten, obwohl er vor geschädigt ist. Nochmal Kinder zu bekommen und nochmal Eigentum zu haben.
    Nicht jeder traut sich, du gibst ihn dennoch Stabilität und Sicherheit.
    Wegen dem Unterhalt sollte dein Freund sich einen guten Anwalt besorgen, mein Freund ist zwar geschieden, muss aber noch bis Ende diesen Jahres Unterhalt für seine Ex bezahlen obwohl der Sohn acht Jahre alt ist. Aber irgendwann hört das auf. Bedenke, wenn die Ex nicht voll arbeitet, tut sie nichts für ihre Rente. Das rächt sich später. Mein Freund muss von seiner Rente zum Glück nichts abgeben.
    Mein BK hat letztens auch mal gesagt das er keine Lust hat auf Geschwister. Ist aber nicht seine Entscheidung und im Leben passiert immer etwas was einem nicht passt. Damit muss er Leben.
    Solange dein Freund hinter dir steht, schafft ihr das.

    Oft interpretieren wir Frauen zu viel in eine Kind/Vater Beziehung. Männer haben nach der Geburt nicht die Hormone wie wir Frauen und oft sehen Männer Kinder einfach nüchterner.
    Mein Freund hat resigniert das er seinem Sohn nichts mehr mitgeben kann, weil man kann es nicht erziehen wenn es nur alle 2 Wochen für ein Wochenende da ist. Wir achten jetzt nur noch darauf das unsere Regeln in unserem Haus eingehalten werden.
    Mein Freund ist ziemlich streng zu seinem Sohn und nur so kann das funktionieren. Manchmal fühle ich mich sogar bevorzugt o.O.
    Als ich ihn mal drauf ansprach sagte er: Kinder werden groß und leben ihr Leben. Meine Partnerin bleibt. Wenn es in meiner Beziehung gut läuft, dann kann es auch mit den Kindern laufen.
    Er würde das bei eignen Kindern auch handhaben. Erst kommt Mami, dann alle anderen.

    Er selber hatte eine Bonustochter gehabt. Er hat gelitten weil er bei der Ex immer hinten anstand. Auch bei einem gemeinsamen Kind änderte das nicht.
    Mach das mit Freund vorher klar, bevor du Kinder bekommst.

    Was mir bei meiner Verzweiflung geholfen hat: Viel reden. Wenn wir ein freies Wochenende haben, dann kümmern wir uns nur um uns. Wir gehen essen, spazieren, usw.
    Wir schreiben uns Briefe, über uns und unsere Wünsche, Träume und Bedürfnissen. Die helfen im Nachhinein, wenn Zweifel aufkommen und alles viel zu viel wird.
    Und du musst dein BK nicht lieben. Lass dir das nicht einreden…

    Deine Zweifel über ein eigenes Kind hatte ich auch. Mein Freund nahm mich damals in den Arm und sagte: solange das Kind deins ist, wird es perfekt. *-*

    Wenn dein BK sich deiner Familie unmöglich benimmt, dann halte sie daraus. Denn ganz ehrlich: Sie gehört auch nicht zu dir. 🙂
    Ich bin nur etwas älter als du, du kannst mir ansonsten gerne auch eine PN schreiben.

  • #9998

    Erein
    Teilnehmer

    Ach, und wegen dem Geld:
    Auch meiner hat durch die zusätzlichen Belastungen ziemliche finanzielle Probleme. Ich helfe zwar, aber wir versuchen alles getrennt zu halten. Sorge um dich selber und ärger dich nicht um das Auto.
    Meiner zahlt auch noch 3 Jahre den Kredit seiner EX ab, aber ärgern bringt nichts. Ich habe mein eigenes Auto und werde immer mein eigenes haben. Auch mit dem Haus haben wir das so geregelt, das mein Freund eine Lebensversicherung hat, damit ich das BK später auszahlen kann.
    Kümmer dich um dich und Regel solche Dinge vorher. Sonst kommt es zur Bösen Überraschung.

    Ich habe meinem Freund mal vorgeworfen das sein BK ständig teuere Spielzeuge bekommt, einen teueren Geburtstag feiern kann und mein Freund bei mir immer mehr Schulden macht.
    Also hat er alle weiteren Zahlungen eingestellt.

  • #10007

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Bonusmum,

    so wie du schreibst, läuft bei euch vieles sehr gut. Ihr zieht an einem Strang, dein Partner versteht dein Bedürfnis nach gelegentlichen Auszeiten und lässt sie dir, ihr sprecht miteinander.

    Du machst den Eindruck, als ob du das Gefühl hast, das Mädchen lieben zu „müssen“. Stimmt das? Das musst du nicht! Es ist völlig okay, wenn du sie nicht magst. Es ist sogar okay, wenn du sie hasst. Das ist alles normal. Lass diese Gefühle zu, wenn du sie hast, akzeptiere sie, dann fällt es dir leichter, damit umzugehen. Wichtig ist einfach, dass du sie immer mit altersgemäßem Respekt behandelst, so wie jeden anderen Menschen auch.

    Mein Partner hat früher (da waren wir noch gar nicht zusammen) öfter darüber gesprochen, dass das ein weit verbreitete, aber unrealistische gesellschaftliche Forderung sei, dass man seine eigenen Kinder liebt. Ein Druck, der angeblich viele Eltern unglücklich macht, weil sie sich dann „falsch“ oder wie „Versager“ fühlen. Es sei völlig normal, dass man seine eigenen Kinder nicht mag. Dann ist es das bei den Kindern des Partners erst recht!

    Wie begegnet dein Partner eigentlich den ständigen Wünschen nach neuem Spielzeug oder allem, was du hast? Wenn er hier, gemeinsam mit dir, konsequent ist im „nein“-Sagen, dann lernt sie vielleicht irgendwann, dass sie das zumindest bei euch nicht bringen kann.

    Mein Partner sagt übrigens genau dasselbe wie der von Erein: Die Kinder gehen irgendwann weg, die Partnerin bleibt. Sie ist daher wichtiger als die Kinder. Und genauso wird es auch selbstverständlich gelebt, und die Kleinen meines Partners fügen sich wie selbstverständlich ein. Unser erstes ist unterwegs, ich hoffe, ich bringe meine Hormone dann soweit unter Kontrolle, dass ich das Baby nicht (zu sehr) vor ihm bevorzuge ;-). Ich habe das übrigens auch aus meiner Kindheit so in Erinnerung. Wir Kinder waren gefühlt nie die Nummer 1 und hätten auch nie einen Anspruch darauf gehabt. Wir hatten unseren Platz und auch damit eine super Kindheit.

    Alles Gute!
    Pumpkin

    • #10014

      Bonusmum
      Teilnehmer

      zu Pumpkin:

      Danke für den Hinweis! Das mit der „Zweitfrau“ fällt mir oft gar nicht auf, aber du hast Recht. Leider ist in der Gesellschaft aber genau das weit verbreitet. Ich hatte größtenteils Glück mit Familie und Freunden. Gerade am Anfang ist man sicherlich noch sehr unsicher, ob man jetzt minderwertig ist etc.

      Ja, ich glaube da hast völlig Recht mit deinem Text. Ich habe das Gefühl, das Mädchen lieben zu müssen. Aber das ist wohl auch meine innere Anforderung an mich selbst. Mir fällt es schwer, mir eingestehen zu müssen, dass mein Wunschdenken von einer liebenden Patchwork-Familie, wohl so nicht funktioniert. Mittlerweile gehe ich damit aber schon ehrlicher um und sage, wenn sie mich mal wieder richtig auf die Palme bringt…oder ich werde einfach ruhig. Mein Freund kennt mich da schon sehr gut. Ich bin froh, dass auch er nicht zu der Spezies Papa gehört, die ihr Kind vor die Partnerin stellen. Dann wären wir wahrscheinlich nicht mehr zusammen. Andererseits sieht sich mein BK eben noch als #1, egal wie oft ich ihr sage, dass unsere Familie kein Wettkampf ist in dem jemand gewinnen oder verlieren kann. Fruchtet nicht.

      Zu den Wünschen meines BK ist er oft zwiegespalten. Meistens habe ich schon mit „nein“ geantwortet, bevor er überhaupt darüber nach denken kann 🙂 Dann unterstützt er meine Antwort auch. Oft habe ich aber das Gefühl, dass er ihr sehr wohl mehr kaufen würde, wenn ich mich nicht einmische. Ich habe mit ihm aber schon oft darüber gesprochen. Natürlich hat er das Gefühl, ihr das Leben in den paar Tagen schön machen zu müssen. Jedoch möchte ich nicht, dass man ihren Charakter auch noch unterstützt, in dem man ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Er ist auch selber schon oft auf die Nase gefallen. Mein BK ist nämlich in den ersten Minuten natürlich überschwänglich dankbar, wenn man ihr was kauft, hat es aber nach ein paar Stunden wieder vergessen und möchte das nächste. Über Süßigkeiten diskutieren wir jedoch oft. Aus meiner Erziehung kenne ich nicht, dass man morgens, mittags, abends & vor dem Schlafen sich etwas zu naschen holen darf – unabhängig davon, ob man sich während des Tages an sämtliche Regeln nicht gehalten hat. Egal ob mein BK dünn ist, aber ich finde da geht es doch um die erziehungstechnischen Folgen? Benehme ich mich schlecht, bekomme ich trotzdem meine tägliche Dosis. Für mich unverständlich, aber daran arbeite ich weiter.
      Oft spielt uns meine BK gegeneinander aus. Frägt uns beide, ohne demjenigen zu sagen, dass man schon eine Antwort bekommen hat. Wenn der Papa dann ja sagt, wird als erstes in meine Richtung geschaut. Glaub mir in solchen Situationen muss ich mich sehr zusammen reißen. Es gibt danach zwar Ärger vom Papa, aber wie gesagt, für sie zählt, dass sie in ihren Augen „gewonnen“ hat.

      Unser Hauptproblem ist einfach, dass wir eine KM haben, die aus Mitleid mit dem Scheidungskind dieses als #1 an sieht. Wir eben nicht und damit kommt unser BK nicht klar. Wirklich sehr schwierig!

      Ich bereite mich jetzt schon auf den Moment vor, bei dem mein eigenes Kind geboren wird, ich mit Hormonen nur so voll gepumpt bin und mein BK rebelliert, weil man ihr weniger Aufmerksamkeit schenkt. Ich glaube das wird unsere größte Herausforderung. Hoffe aber, dass sie sich vielleicht in den nächsten Jahren bis dahin noch weiter entwickelt zum Besseren.

      LG die Bonusmum

      • #10020

        Rilaahna
        Teilnehmer

        Bei uns ging es auch einmal darum, dass der KV ja zwei „Schätze“ hat. Da kam vom Bonuskind (11) gleich der Einwurf „Ich bin Schatz Nr.1“. Ich entgegnete „bei uns gibt es keinen Schatz 1 und keinen Schatz 2, sondern den „Kindschatz“ und den „Partnerschatz“ und beide hat der Papa auf seine Art und Weise gleich lieb. Damit war das „Missverständniss“ aus dem Weg geräumt.
        Ich finde, dass ihr da auch keine Luft ranlassen solltet, auch wenn das Mädchen es nicht gern hört.

  • #10023

    Lacrima
    Teilnehmer

    Hallo Bonusmum,

    ich kann sehr gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst. Mir geht es ähnlich. Mein Partner und ich sind seit 2 Jahren zusammmen, das erste halbe Jahr davon war er noch nicht mal richtig von der KM getrennt. Erst als er ihr sagte, dass er eine neue Partnerin hat, hat sie verstanden, dass sie wirklich getrennt sind. Im ersten halben Jahr hatte ich dementsprechend noch gar keinen Kontakt zu seinem Sohn T (jetzt 3,5 Jahre alt). Nach der „Offenbarung“ hat es dann nochmal ein halbes Jahr gedauert, bis die KM die Erlaubnis erteilt hat, dass ich T kennenlernen darf. Jetzt, noch ein Jahr später, haben wir auch endlich unsere Wohnungen zusammengelegt und ich zahle nicht mehr sinnlos Miete für eine Wohnung, die ich nicht mehr nutze.

    T ist jede Woche von Sonntag bis Mittwochmorgen bei uns. Am Anfang habe ich mich auch noch darauf gefreut und war erpicht, schnell eine gute Beziehung zu ihm aufzubauen. Er klammert allerdings extrem an seinen Papa und „Neeeeeeein, Papa machen“ war lange Zeit die Reaktion auf alles mögliche, was ich gemacht habe. Das hat mich extrem frustriert, weil ich ständig nett und verständnisvoll sein musste. Die Situation hat sich langsam gebessert, aber T ist in seinem Verhalten eher wie ein 2 Jähriger als wie ein fast 4 Jähriger. Er trägt Tag und Nacht Windeln, schläft im Gitterbett (ohne Schlupfsprossen!), mein Partner bleibt immer bei ihm bis er tief und fest eingeschlafen ist und und und. Ich bin der Meinung, dass ein Kind, das wie ein Baby behandelt wird, sich auch benimmt wie ein Baby. Die sind ja nicht blöd, so ist es auf jeden Fall viel bequemer. Mein Partner bezieht alles auf die unglaublich dramatische Situation, in der sich sein Kind seiner Meinung nach befindet und packt ihn in Watte wo es nur geht. Mir leuchtet ein, dass er sich die Liebe seines Kindes sichern will und vor der KM als guter Vater glänzen möchte. Dennoch denke ich, dass es dem Kind früher oder später auf die Füße fallen wird, wenn seine Selbstständigkeit nicht gefördert wird.

    Ich versuche mich ihm gegenüber daher auch so zu verhalten, wie ich es für richtig erachte, um nicht ein weiterer Helikopter an seinem Himmel zu werden. Dass ihm das unbequem ist und er deswegen lieber Papa fragt, nervt mich. Ich bin mittlerweile auch froh, wenn die Heititei-Tage von Sonntag bis Mittwoch vorbei sind und arbeite montags und dienstags oft länger, um den Abend mit Kind möglichst kurz zu halten. Meinem Partner habe ich das erklärt, aber er hat an erster Stelle immer Angst um das Wohl seines Kindes und bleibt daher beim altbekannten Schema.

    Großer Streitpunkt ist bei uns mein Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Er sieht noch keinen Zeitpunkt dafür, ich möchte mir den Stress mit Partner + Nicht-Mein-Kind nicht unbegrenzt lange antun, wenn ich Gefahr laufe dann eines Tages doch von ihm zu hören, dass er keine Kinder mehr will. Aktuell sagt er, dass er sich Kinder mit mir wünscht, aber erst, wenn er weiß, dass es seinem Kind auf keinen Fall schadet und all unsere Probleme geklärt sind. Das klingt für mich nach dem Sankt-Nimmerleins-Tag…

    Nach dem ganzen Hin-und-Her hab ich mich jetzt um einen Termin bei einer Paarberatung gekümmert. (Eigentlich hatte ich mit ihm schon vor Monaten gemeinsam festgestellt, dass wir soetwas brauchen, und ihn gebeten, sich darum zu kümmern. Hängen geblieben ist es doch wieder an mir. Geht ja nur um das Wohl seiner Beziehung, ist anscheinend nicht so wichtig wie das Wohl seines Kindes.) Nächsten Freitag haben wir den ersten Termin…Mal gucken, ob das hilft…

    Lange Rede, kurzer Sinn: ich kann Dich komplett verstehen! Leider kann ich Dir noch keine Tipps geben, wie man das irgendwie verbessern kann. Vielleicht schaffen wir das ja gemeinsam irgendwie…

    Liebe Grüße,
    Lacrima

    • #10029

      Pumpkin
      Teilnehmer

      Liebe Lacrima,

      das ist jetzt vielleicht eine etwas provokante Frage, aber sie liegt mir auf der Zunge: Du beobachtest deinen Partner als Vater. Du stellst dabei ein Verhalten seinerseits fest, das du selbst als schädlich für die Entwicklung des Kindes empfindest (und ich finde auch, dass „in-Watte-packen“ gut gemeint, aber grundfalsch ist). Warum möchtest du dennoch ein Kind von ihm? Was macht dich glauben, dass er eurem Kind ein besserer Vater wäre als dem, das er schon hat?

      Alles Gute,
      Pumpkin

    • #10032

      Bonusmum
      Teilnehmer

      Liebe Lacrima,

      wenn mein Partner sich genauso verhalten würde wie dein Freund, dann wäre ich längst getrennt. Der einzige Grund warum ich die Situation für mich akzeptieren kann ist, dass mein Partner seine Sache als Freund und Papa sehr gut macht. Die 2.Kind-Frage habe ich beispielsweise schon zu Beginn der Beziehung geklärt. Hätte mein Partner kein Interesse oder „noch kein Interesse“ an einem gemeinsamen Kind, wären wir auch nicht zusammen gekommen. Wenn du Bedenken an der Entwicklung hast etc. würde ich das unbedingt äußern. Wenn mein Partner aber soviel Unverständnis aufbringt, dann macht dich das doch nicht dauerhaft glücklich. Auch ein Trennungskind kann nicht ewig in Watte gepackt werden und muss lernen, dass die Eltern eben getrennt sind und bleiben. Und überhaupt, weshalb sollte es seinem Kind schaden, wenn du ein Kind mit ihm bekommst? In meinem Fall würde es mein BK wahrscheinlich für ein paar Wochen in einen bockigen und eifersüchtigen Zustand versetzen, aber das Wort „schaden“ finde ich schon echt hart. Wie möchte er denn herausfinden, dass ein mögliches Geschwisterchen seinem Kind nicht schadet? Ich vermute dahinter eher eine Verzögerungstaktik. Überlege für dich, ob du wirklich dauerhaft mit den Verhaltensweisen und der Erziehungsmethoden deines Partners und der Situation klar kommst. Ein Kind kann zwar manchen die Augen öffnen, was wäre aber, wenn dein Partner bei Geburt DEINES Kindes euer BK noch mehr „bemuttert“ oder gar bevorzugt. Aus Angst, es könnte ihm schaden.

      Du kannst dich gerne bei mir auch über Pn melden!

      Liebe Grüße,
      die Bonusmum

  • #10028

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Bonusmum,

    das klingt so, alls wärst du in die Erziehung sehr stark involviert, sogar gleichberechtigt mit deinem Partner. Wünscht du dir diese Situation? Mir wäre das unangenehm. Für mich sind das nicht meine Kinder und ich habe daher keine Erziehungsverantwortung. Trotzdem unterstütze ich natürlich auf verschiedenste Arten, wenn ich an den Wochenenden dabei bin. Ich habe von meinem Partner aus auch das Recht zu verbieten oder zu erlauben, aber ich möchte das nicht viel nutzen.
    Ich kann gut verstehen, dass du das nicht gern siehst, wenn so oft Süßigkeiten gegeben werden. In meiner Kindheit gab es bei weitem nicht jeden Tag Süßes. Ich würde mich aber darauf beschränken, meinem Partner sachlich meine Meinung zu sagen.

    Bezüglich „heile Patchworkwelt“: Auch dein eigenes Kind wird dich oft genug auf die Palme bringen. Und auch dort brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben. Kinder sind Menschen, die sich manchmal unterträglich verhalten. So wie manche andere Menschen auch, nur öfter, da sie sozialen Umgang erst lernen.

    Alles Gute,
    Pumpkin

    • #10031

      Bonusmum
      Teilnehmer

      Hallo Pumpkin,

      ja das stimmt. Mein Partner möchte, dass unser BK mich auch als erziehungsberechtigt wahr nimmt. Sie soll zumindest lernen, dass meine Meinung genau so viel zählt wie seine. Ich finde das an sich nicht schlecht. Sie lebt an den Papa-Wochenenden schließlich auch in meinem Haushalt und hat sich auch an meine Regeln zu halten. Die Situation ist an und für sich für mich O.K. und auch notwendig. Die Kleine ist wie gesagt ein schwieriger Fall und ich könnte mich gar nicht zurück halten. Ich glaube wir hätten noch größere Probleme mit ihr, wenn ich mich komplett raus halten würde. Andererseits ist man natürlich ständig unter Strom. Ich hatte gestern noch ein langes Gespräch mit meinem Partner. Er hat akzeptiert, dass er an den paar Tagen im Monat kein Kind umerziehen kann. Ihm ist wichtig, dass die Partnerschaft funktioniert und unser BK eine schöne Zeit bei uns verbringen kann. Aber er stimmt mir und damit euch vollkommen zu, dass ein Kind irgendwann seinen Weg geht – die Partnerin aber bleibt.
      Ich glaube, dass ich mich wirklich öfter aus dem Ganzen einfach ausklinken muss. Zumindest wenn ich merke, dass ich nur noch genervt bin.

      Danke für deine Antwort Pumpkin!

      LG die Bonusmum

  • #10037

    Lacrima
    Teilnehmer

    Hallo Bonusmum, hallo Pumpkin,

    vielen Dank für eure Antworten. Ich hab das Thema eigene Kinder auch ziemlich am Anfang unserer Beziehung angesprochen, da es mir sehr wichtig war, das zu klären, zumal uns 11 Jahre Altersunterschied trennen (ich bin 29, er ist 41). Als wir darüber sprachen, waren wir uns sehr schnell einig, dass wir zusammen Kinder haben wollen. Jetzt bin ich allerdings diejenige, die es lieber gestern als heute angehen möchte und er hat wie gesagt Bedenken, dass die Gesamtsituation noch zu instabil ist. Natürlich möchte er vermeiden, die Trennungssituation mit noch einem Kind meistern zu müssen, aber diese „Angststarre“ frustriert mich sehr.

    Was deine berechtigte Frage angeht Pumpkin: wenn ich mit meinem Partner über Erziehung spreche, haben wir sehr ähnliche Ansichten. Ich bin überzeugt, dass er sich bei unserem Kind anders verhalten würde, auch weil ich viele Sachen anders Handhaben würde, als die KM es mit seinem Kind tut. Die KM ist auch ein extrem übervorsichtiger Mensch und daher haben beide von Anfang an jede Aktion die mit ihrem Kind zusammenhängt 5 Mal hinterfragt. Ich denke, dass ein lockerer Umgang mit unserem gemeinsamen Kind von Anfang an und eine gleichberechtigte Einbeziehung in die Erziehung dazu führen, dass er selbstbewusster und weniger ängstlich in seinem Erziehungsstil wird.

    Er ist ein wahnsinnig zärtlicher Mensch und wir harmonieren sehr gut, wenn wir alleine sind (und mein Frustspeicher nicht gerade mal wieder wegen irgendwas überläuft). Wir können ein sehr sehr gutes Team sein und ich glaube, dass wir das auch wären, wenn wir zusammen ein Kind hätten.

    Nunja, mal gucken was die Zukunft bringt.

    Ich wünsche euch alles Gute und ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Lacrima

  • #10042

    Kaktus258
    Teilnehmer

    Bonusmum: Viel von dem was du erzählt, klingt für mich gut! Ich finde es auch gut, dass dein Partner sagt, dass deine Meinung genauso zählt.
    An deiner Stelle würde ich mich trotzdem mehr rausnehmen, wenn es dir mit der Situation so nicht gut geht. Es ist nicht dein Kind, du musst es nicht lieben und du musst auch nicht für es sorgen, da sein oder es erziehen. Wenn der Vater ihr Süßigkeiten geben will, bitte, soll er. Da würde ich mich raushalten. Ebenso das „ausspielen“ durch das Kind- das fällt in dem Moment weg, wenn der Vater der erste Ansprechpartner ist, der ja oder nein sagt und nicht du.

    Ich meine nicht, dass du kein Mitspracherecht haben sollst. Bei uns ist es so, dass ich natürlich etwas „bestimme“, wenn BK und ich alleine sind oder wenn es mich direkt betrifft (z.B. stört es mich, wenn BK minutenlang neben mir laut pfeift), dann sage ich ihm das, auch wenn mein Freund vielleicht nicht genervt davon ist.
    Aber bei allem, was mich nicht direkt angeht, Erziehungssachen (Zähneputzen, Süßigkeiten, fernsehen…), ist der Vater derjenige, der sagt, wie was läuft.

    Ich muss dazu sagen, dass ich mich generell mittlerweile aus den Kinderzeiten fast komplett raushalte und viel für mich unternehme. Am Anfang wollte ich wie du alles „perfekt“ machen, Kind gern haben, Zeit mit ihm verbringen, Ansprechparnterin sein… Das ging sowohl für mich als auch für BK (Eifersucht hoch 10, weil ich auch da war, wenn er bei Papa war) nach hinten los. Jetzt gönn ich dem Kind seine Vaterzeit (auch wenn es manchmal schwer fällt und für meinen Partner auch nicht einfach ist, dass ich nicht da bin) und gönne mir eine entspannte Zeit mit Hobby, Familie und Freunden. Damit komme ich besser klar.

    In eurer Kinderplanung hat das BK ja zum Glück kein Mitspracherecht, klar wird das für alle eine Umgewöhnung, aber das ist ja in „normalen“ Familien genauso.

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