Achterbahn der Gefühle……

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Barokko vor 10 Monate, 3 Wochen.

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  • #8550

    Barokko
    Teilnehmer

    hallo, lange wollte ich schon schreiben, immer wieder im Kopf formuliert….
    Ich bin seit 3 Jahren Vollzeitstiefmutter von 2 Mädchen im Alter von 16 und 21. Jahren. Ihre Mutter verstarb vor mehr als 5 Jahren.
    Selber habe 2 Kinder im Alter von 21 und 17 Jahren. Dazu muss ich sagen, das mein Grosser Sohn Autist ist, seine kleine Tochter ein Down Kind ist…
    Meinen Sohn habe ich sehr gefördert und gefordert, er macht eine Ausbildung, lebt tageweise allein, braucht aber immer wieder mentale unterstützung . Es macht mir Freude zu sehen ,wie er sich entwickelt und Fortschritte macht…Anders ist das bei der Tochter meines Mannes. Sie war sehr unselbstständig ,als wir uns naher kennen lernten, sie bestimmte das Leben meines Mannes. Er lief hinter ihr her um sie anzuziehen, wollte nicht essen, sie hatte meinen jetzigen Mann völlig in der Hand. Wollte sie nicht Mittagessen, bekam sie am Nachmittag Kuchen….Grenzen gab es so gut wie keine….Es drehte sich alles nur um sie….
    Als ich in sein Leben trat ,wehte der Wind anders…sie mußte lernen sich in unser Rudel einzufügen. Ich übte mit ihr, selbstständig zu werden, sich anzuziehen, brot zu schmieren. Jetzt hat sie Aufgaben zu erledigen,wie alle anderen Kinderauch. Denoch fordert sie unser gemeinsames Leben sehr. Mit ihrer geistige Behinderung testet sie immer Grenzen aus, was ja normal ist und boykottiert Dinge ,die sie schon lange beherrscht.
    Das alles löst bei mir Gefühle hervor ,die ich nie gekannt habe…ich bin zwiegespalten. Fühle Wut und Zorn, sie ignoriert mich , redet nicht mit mir. Ich habe Schuldgefühle, bin hin und hergerissen. Will dem Kind gutes, es laßt es nicht zu. Ihr Lebensmotto ist, ich will nicht…. Ich weiß nicht, ob mich jemand versteht…ich fühle mich dem Kind zeitweise so ausgeliefert.
    Schutzlos, stehe ich da. Sie ,die arme Halbwaise, die bedauernswerte und ich, die böse Stiefmutter..
    Ich habe soviel versucht zu machen, habe den tod ihrer Mama versucht aufzuarbeiten. Wir haben sie mitgenommen auf Ausflügen…aber sie will nicht. Boykottiert. Ihr Schweigen ist ihre Stärke.
    Mein Mann ist sehr verstandnisvoll und steht hinter mit. Sagt auch,dass seine Tochter mit Mitleid aufgezogen wurde. Er sucht eine Wohnstätte für sie…was bleibt sind bei mir Schuldgefühle, Versagensgefühle….Trauer und Wut…
    Um an der Situation nicht kaputt zu gehen, nehme ich mir Regelmaßig Auszeiten. Geniesse das Leben mit meinem Mann oder Unternehme etwas mit meinen beiden Kndern….ich weiß,das ich das darf ,aber immer wieder plagen mich Schuldgefühle, ich die erwachsene uns sie die arme Behinderte Halbwaise. Danke fürs zuhoren.

  • #8567

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Barrokko
    Deine Beschreibung erinnert mich stark an Menschen, die ihre Angehörigen pflegen. Der Zwiespalt zwischen der Ohnmacht nicht helfen zu können, sehr wohl jedoch zu wollen, aber auch an die eigenen Grenzen der Kraft zu kommen, dann die Gefühle des zu pflegenden Menschen, die auch auf und ab gehen, abzufedern, gut zu reden, wo man selbst denkt: ich weiss es doch auch nicht, denk oder Handel doch selbst mal! Und dann wiederum die sofort einsetzenden Schuldgefühle: er oder sie kann ja nichts dafür. Was ja sogar unbestritten so ist. Es muss enorm sein, was Pflegende durchmachen. Bei dir ist das Kind zwar nicht „schwer“ pflegebedürftig, jedoch trotzdem unselbständig und das sehe ich als Parallele zu den pflegenden.
    Und eine andere Parallele: der fehlende (Lebens-) Wille, aber Trotzdem Sturheit.
    Achte auf dich, dass du nicht ausbrennst und informiert Euch über Unterstützung.
    Alles Gute

  • #8569

    Barokko
    Teilnehmer

    Hallo,
    es tut gut, solche Worte von aussenstehenden zu hören und das hier ist einwunderbarer Ort…Ja, ich habe damals vor 3 Jahren mir nicht vorstellen können,wie hart das Leben mit einem geistig Behinderten Kind ist, zudem nicht dein eigenes.
    Jeden morgen vor der Arbeit dreht sich alles um das behnderte Kind, das sich nicht anziehen will,das bockig stundenlang auf der Toilette sitzt und sich dann im Zeitlupentempo anzieht. Ja und wir haben schon alles ausprobiert. Mit Belohnung, mit Strafe, sie war schon im Schlafanzug zur Schule. Ihre Passivität ist ihre große Waffe.. Wir haben Gespräche mit der Schule geführt, mit Arzten und Psychologen und keiner konnte uns weiter bringen. Ist einfach so. Mein Mann und ich sind auf der Suche, nach einer passenden Wohnstätte . Ihm fallt es hier noch leichter , das Verhalten hinzunehmen. Ich denke so oft, wenn es jetzt dein eigenes Kind wäre, was würdest du tun. Kann ich genau sagen, würde es noch konsequenter anpacken. Aber oft ist es so,das ich meine Stiefkinder vorsichtiger behandel. Und ich sehe ,was für einpotential in dem Kind steckt. Ich weiß einfach,dass es viel kehr kann, ich weiß einfach,dass es soviel versteht und auch gedanklich umsetzen kann.
    Also tu ich was für mich..gehe mit meinem Mann weg, mache was mit meinen Kindern.Immer wieder die Frage, oh ihr habt das behinderte kind nicht dabei?! Und da sind sie wieder, die Schuldgefühle, das unbehagen…
    Ja,du hast Recht, die eigenen Grenzen zu erkennen….Dinge die man nicht ändern kann hinnehmen ,ohne selber dran kaputt zu gehen. Sich erlauben negative Gedanken zu haben. Es tut so unglaublich gut hier über seine Last zu schreiben.Ich habe einen lieben Mann. Er steht absolut hinter mir. Er ist sehr feinfühlig und ich versetze mich so oft in ihn. Wie schwer für ihn zu ertragen…zu sehen wie das eigene Kind Hilfe nicht annimmt, alles verweigert. Ich wünsche allen Stiefmüttern einen gesegneten Tag.
    Gott gebe mir den Mut, Dinge zu ändern ,die ich ändern kann und die Gelassenheit ,die Dinge hinzunehmen die ich nicht ändern kann. Liebe Grüße

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