Loyalitätskonflikt vorbeugen

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Dieses Thema enthält 6 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Pumpkin vor 9 Monate.

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  • #8855

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    mir ist bewusst, dass das hier das berühmte „jammern auf hohem Niveau“ ist, trotzdem möchte ich euch um einen Rat bitten.

    Zu Beginn meiner Beziehung mit meinem Partner hat die KM, auch den Kindern gegenüber, oft Sachen gesagt wie „alles war gut, dann ist diese Frau aufgetaucht und deshalb ist Papa jetzt nicht mehr bei uns.“ Er hat versucht, ihr klar zu machen, dass das schädlich ist für die Kleinen, aber sie stellt sich auf den Standpunkt „ich sag ja nur die Wahrheit“. Dass es nicht einmal die Wahrheit ist, ist sowieso egal.

    Ich dachte eigentlich, dass das mittlerweile aufgehört hat – aber vor kurzem hat der 9-Jährige durchblicken lassen, dass diese Kommentare immer noch kommen. Bisher scheinen sie keinen Einfluss auf die Einstellung der Kleinen mir gegenüber zu haben, sie lieben mich überschwänglich wie eh und je. Es gab allerdings meinem Partner gegenüber schon Bemerkungen wie „Das können wir daheim aber nicht erzählen, dass wir etwas für Pumpkin gemalt haben“.

    Ich mach mir einfach Gedanken, wie sich das weiterentwickeln wird, auch wenn jetzt noch alles in Ordnung scheint. Vor allem aber möchte ich euch um Rat fragen. Was würdet ihr an unserer Stelle tun?

    Zu den Rahmenbedingungen: Die kleinen sind 6 und 9 und sind jedes Wochenende Samstag und Sonntag bei ihm. Ich kenne sie seit etwas mehr als einem Jahr.

    Vielen Dank,
    Pumpkin

  • #8857

    helene07
    Teilnehmer

    Hallo Pumpkin,

    sei wachsam, denn steter Tropfen höhlt den Stein. Ein frühes Eingreifen finde ich von daher unerlässlich so dass die Situation nicht später immer schwieriger wird. Vielleicht findet dein Partner kindsgerechte Worte, um den Kindern zu erklären, warum Mama und Papa sich getrennt haben und nun er mit dir zusammenlebt. Ehrlichkeit, kindgerecht verpackt, finde ich immer gut, zumal die Kinder nicht dumm sind. Dazu gehört auch, dass er sagt, dass er sie immer liebt und immer für sie da sein wird, so dass die Angst den Papa komplett zu verlieren genommen wird. Meine eigene Erfahrung sagt, dass es nichts bringt, wenn man dazu schweigt, weil man sich sagt, dass man sich nicht auf dieses Niveau der KM begeben muss. Die Attacken werden dann auf deinem Rücken ausgetragen…

    Mit lieben Grüßen
    Helene

  • #8997

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Helene,

    sorry für die späte Antwort, ist irgendwie untergegangen…

    Danke für deine Meinung! Mein Partner ist leider eher der Typ, der findet, man solle sie so gut wie möglich raushalten und wenn sie 18 sind, kann man ihnen gern alles erklären. (Wobei sie meiner Meinung nach spätestens im Teenageralter wohl selbst merken, dass ihre Eltern wohl nie und nimmer ein gutes Paar gewesen sein konnten.)

    Ich habe meinem Partner deinen Rat übermittelt und er stimmt zu, dass er in dieser Situation wohl doch mit ihnen reden sollte. Ich bin gespannt, was er ihnen sagt und wie sie darauf reagieren.

    Beim Thema Religion wars übrigens irgendwie ähnlich: Früher hat er das Feld komplett der KM überlassen. Er habe beim Gebet vor dem Mittagessen zwar stets den Raum verlassen und auch in die Kirche ist er nicht mitgegangen, hat aber auch nie über seinen Standpunkt gesprochen („ich lebe ihnen meine Einstellung einfach wortlos vor“). Auf die Frage, „warum gehst denn du nicht in die Kirche?“ hatte er „Weil ich denke, dass es bessere Sachen zu tun gibt.“ geantwortet statt „Weil ich nicht glaube, dass es einen Gott gibt.“ Ich fand das nie gut, weil ich selbst religiös aufgewachsen bin und mir im Nachhinein gewünscht hätte, dass irgendjemand in meinem Umfeld mir sagt, dass es übrigens auch gut möglich ist, dass das ganze Gott-Jesus-Bibel-Zeug nicht wahr ist, anstatt anscheinend zu glauben, dass es eh stimmt aber dennoch zu ignorieren. Mittlerweile führt er durchaus Gespräche (meist von den Kleinen initiiert), in denen er seine Sichtweise offen ausspricht. Der Große hat mittlerweile sogar gesagt, er glaube nicht, dass Gott existiere. Ob er das tatsächlich glaubt oder nicht, wird sich in 10 Jahren weisen und ist auch egal, aber ich finde es super, dass er sich der Möglichkeit der Nichtexistenz bewusst ist. Versteht mich nicht falsch, ich finde nicht, dass mein Partner sie unbedingt zu Atheisten erziehen soll. Es ist nur so, dass die KM sehr indoktriniert ist (sogar vom Pfarrer wurde sie als „Extremistin“ bezeichnet und die Beschreibungen ihrer speziellen Religionsgemeinschaft klingen auch auf neutralen Seiten sehr nach Sekte) und ich finde es wichtig, dass die Kinder verschiedene Standpunkte hören um dann frei einen wählen zu können.

    Jetzt bin ich doch sehr abgeschwenkt mit dem Religionsthema, das irgendwie nur halb mit dem Ausgangspunkt zu tun hat, es ist aber schon ein sehr zentrales in unserer Situation.

    Herzliche Grüße,
    Pumpkin

  • #9023

    Daka
    Teilnehmer

    Hallo Pumpkin,

    du schreibst, die Kinder sind Samstag und Sonntag bei euch. Übernachten sie auch? Jedes Wochenende ist ja auch ganz schön anstrengend…wann habt ihr da noch Zeit für euch (außerhalb des Alltags, wo ihr ja wahrscheinlich arbeiten geht)?

    Ich finde es gut, dass die Kinder offensichtlich eine klare Meinung zu dir haben und diese auch vertreten. Sie wissen auch, dass Mama das nicht hören will und sagen es in ihrer Gegenwart daher nicht. Das ist klassisches Verhalten um nicht anzuecken. Wenn mein Partner mal nicht da ist und BK trotzdem kommen will, sagt er seiner Mutter auch absichtlich nicht, dass nur ich und seine Schwester da sind…dann dürfte er nämlich nicht kommen… Beim letzten Mal war Papa eine Woche weg (was er vorher wusste) und hat Mama dann erzählt, er kommt Donnerstag wieder… was nicht stimmte… aber „sonst hätte ich nicht kommen dürfen“.

    Den Rat von Helene finde ich auch gut und richtig. Bin gespannt, was dein Mann daraus macht. Ich denke übrigens, dass sie wenn die Kinder bisher zu dir normal waren, die Mutter es jetzt nicht mehr schaffen wird sie in einen tiefen Loyalitätskonflikt zu bringen. Ich denke, von dem was du schreibst, haben sie bereits ihren eigenen Weg gefunden damit umzugehen…

    Viel Glück weiterhin,
    LG Daka.

  • #9029

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Daka,

    danke für deine Antwort! Es beruhigt mich, dass du zuversichtlich bist, dass sich an ihrer Zuneigung nichts mehr ändern wird. Bei euch läuft es dann wohl auch schon seit Jahren so, dass du bis zu einem gewissen Grad „verschwiegen“ wirst?

    Ein „bei uns“ gibt es zur Zeit leider nicht, da ich vorübergehend mehrere tausend Kilometer weggezogen bin und es unklar ist, ob es die Situation, dass wir beide und die Kleinen wieder in der Nähe voneinander wohnen, je wieder geben wird. Dieses Jahr läuft der KM nämlich ihre Aufenthaltsbewilligung ab und wir sind alle sehr gespannt, wie das weitergeht. Sollte sie nicht verlängert werden, taucht die rechtliche Frage auf, ob mein Partner verhindern kann, dass die Kleinen mit ihr ausgewiesen werden – freiwillig in ein anderes Land ziehen dürfte sie ja nicht mit ihnen. Und würden wir das wirklich wollen? Das ganze Umfeld der KM in ihrem Heimatland ist eben aus der Sekte. Aber das ist ein anderes Thema :-). Vielleicht wird die Bewilligung aber auch verlängert, dann müssen wir uns diese Frage nicht stellen. Ansonsten eröffne ich eventuell ein eigenes Thema in ein paar Monaten.

    Bevor ich weggezogen bin war es durchaus ein wenig mühsam mit den Wochenenden. Ja, sie übernachten auch. Das wurde nicht einfach ausgehandelt, sondern entstanden irgendwie aus einer dummen Situation heraus. Mein Partner hatte da noch in einer WG gewohnt hat, in der es nicht einmal ein Wohnzimmer gab. Es musste also immer jemand am Boden schlafen. Ich hab da nur einmal mit allen übernachtet. Wir haben das mit der gemeinsamen Zeit dann so gelöst, dass er sich einen Halbtag unter der Woche „für uns“ frei genommen hat. Mit unseren Anstellungen war das kein Problem. Im Moment bleibt uns nur telefonieren und gegenseitige Besuche. Hier muss ich dann doch ein sehr anerkennendes Wort der KM gegenüber aussprechen: Was kurzfristiges Abtauschen oder Übernehmen von den Besuchszeiten angeht, ist sie üblicherweise sehr kooperativ.

    Herzliche Grüße,
    Pumpkin

  • #9032

    Daka
    Teilnehmer

    Hallo Pumpkin,

    hat etwas gedauert mit der Antwort. Ich kann es gar nicht so genau sagen, ich glaube nicht, dass er mich komplett verschweigt…er wird schon hin und wieder was erzählen, aber ich denke er kann da ganz gut einschätzen was er erzählt und was nicht. Bei uns erzählt er jetzt auch nicht wahnsinnig viel von zu Hause. Ich glaube, es sind einfach 2 verschiedene Welten für ihn und somit trennt er das auch ein wenig.
    Wenn ich hier so einige Beiträge lese, dann denke ich, läuft bei uns soweit doch alles gut. Sie wird sich nicht ändern und das akzeptieren wir mittlerweile alle und können dadurch besser mit umgehen. Und dann wird eben auch mal die Wahrheit etwas verdreht…Wobei ich auch gar nicht unbedingt glaube, dass sie den Donnerstag streichen würde, wenn mein Mann nicht könnte, weil sie sich mittlerweile ja drauf eingestellt hat, dass er da nicht da ist und dann für gewöhnlich lange arbeitet. Aber das Risiko will unser BK wohl nicht eingehen 😉

    Darf ich fragen aus welchem Land sie kommt? Darf sie denn ausgewiesen werden, wenn die Kinder durch den Vater ein Bleiberecht haben? Das hört sich ja jedenfalls nochmal doppelt kompliziert an…
    Fernbeziehungen sind hart…ich hatte das auch 7 Monate lang. Mehr wäre für mich nicht gegangen. Ich hoffe für euch, dass ihr bald wieder näher beieinander seid… Wohnt dein Partner denn immer noch in der WG oder hat sich das mittlerweile geändert?

    LG Daka.

  • #9035

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Daka,

    klar, Kinder sind nicht wirklich konsequent darin, was sie daheim erzählen und was verschweigen. Auch die von meinem Partner erzählen nur wenig von zu Hause. Das mit den zwei Welten ist auch mein Eindruck. Zum Beispiel drängen sie öfter drauf, doch Leute aus meinem Umfeld, die sie kennen gelernt haben, besuchen zu gehen, aber nie Leute aus dem Umfeld ihrer Mutter.

    Mein Partner und seine Ex sind beide aus voneinander verschiedenen Ländern Exjugoslawiens, also wenigstens nicht sooo weit weg. Vor kurzem gab es einen Zeitungsbericht über eine deutsche Staatsbürgerin, die ausgewiesen wurde, obwohl ihr Baby durch den Vater sogar die schweizer Staatsbürgerschaft hatte. Sie hatte daraufhin geklagt, aber verloren. Daher gehe ich davon aus, dass man der KM keinen weiteren Aufenthalt gewähren muss nur wegen der Kinder. Wenn sich sich einen Job suchen würde, gäbe es das Problem nicht. Leider wurde ihre Ausbildung nicht anerkannt…
    Bisher gehts eigentlich ganz gut mit der Fernbeziehung, besser als ich gedacht hätte. Es ist auch irgendwie leichter, da mangels gemeinsamen Alltags auch weniger Konfliktpotenzial entsteht :-). Aber natürlich freue ich mich darauf, wenn diese Phase wieder vorbei ist.
    Und ja, mittlerweile hat er eine hübsche 2-Zimmerwohnung mit Ausziehcouch im Wohn/Essraum und in, ich würde sagen, idealer Umgebung für Kinder. Die ist schon zu klein, als dass ich auch einziehen könnte, aber für die derzeitige Situation ideal.

    Liebe Grüße,
    Pumpkin

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