Gewollt kinderlos – ungewollt Stiefmutter

Startseite Foren Stiefmütter Gewollt kinderlos – ungewollt Stiefmutter

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Lian vor 6 Monate, 1 Woche.

  • Autor
    Beiträge
  • #9355

    Lian
    Teilnehmer

    Hallo ihr Stiefmütter,

    ich möchte Euch zunächst allen ein großes Lob aussprechen – Ihr seid toll! Ich bin zwar noch keine Stiefmama, soll dies aber ab Sommer werden. Kurz zu mir: Ich bin 38 und seit drei Jahren mit meinem Freund (45) zusammen. Vor gut einem Jahr ist er in meine Wohnung eingezogen, hat aber noch eine Ausweichwohnung in einer anderen Stadt.

    Nun zu meinen Bauchschmerzen: Mein Freund hat einen 14jährigen Sohn, der bei seiner Mutter im Ausland lebt. Er und die Ex sind seit acht Jahren getrennt und das Verhältnis zwischen den beiden ist gut. Das Kind hat die meines Erachtens landestypische Nicht-Erziehung der Jungen genossen und tanzt der Mutter auf dem Kopf herum. Papa kennt er nur aus tollen exklusiven Vater-Sohn-Urlauben hier in Deutschland bzw. wenn er seinen Sohn im Sommer zuhause besucht hat. Letztes Jahr war er Ostern das erste Mal bei uns, er hat ein Zimmer und sogar ein eigenes Bad hier. Es war schön, wir haben uns verstanden und eine schöne Woche gehabt, in der wir selbstverständlich jeden Tag etwas unternommen haben. Seitdem äußert er den Wunsch, zu uns zu kommen. Da die Mutter immer wieder überfordert mit ihm ist, stimmt sie gerne zu.

    Im Sommer war er dann zehn Wochen bei uns, um einen Deutsch-Crashkurs zu machen und zu sehen, wie der Alltag bei uns ist. Anfangs war ich sehr positiv und aufgeschlossen der Vorstellung gegenüber, dass er zu uns kommt. Bei Mama fühlt er sich nicht gewollt (warum auch immer) und Oma und Opa sind doof zu ihm (weil sie ihn oft anschimpfen!). Das hat sich leider schnell geändert. Ich muss vorwegnehmen, ich habe mir sehr oft gesagt, er ist ein Kind, er kann nicht so weit denken wie ich und, am Ende, er ist bald wieder weg. Es war eine für mich gruselige Zeit. Er ist faul und wenn wir ihn um etwas gebeten haben, wurde bis zu den Tränen diskutiert. Das finde ich für einen 14jährigen schon seltsam. Es galten leider so gut wie keine Regeln für ihn, da mein Freund der Auffassung war, er solle erstmal zum Deutschlernen hier sein. Was zur Folge hatte, dass er in seiner Freizeit auf der (meiner) Couch gammelte, es nicht geregelt bekam, uns irgendwie zu helfen, und ständig vor Fernseher, Playstation und Handy hing. Außerdem – und das ist wohl mein größtes Problem – sprach er in Papas Beisein kein Wort Deutsch. Mit mir ging das sehr gut. Papa wollte ihn auch hier nicht überfordern. Ich spreche die Sprache gar nicht, da es eine slawische Sprache ist, die nicht ohne weiteres zu erlernen oder aus anderen Sprachen abzuleiten ist. Ich verstand also nichts.

    Und er hat mich gestört. Das klingt für einige sicherlich schrecklich oberflächlich, aber ich arbeite den ganzen Tag und brauche auch Zeit uns Ruhe für mich. Die hatte ich bislang immer an zwei Samstagen im Monat. Jetzt nicht mehr. Ich habe mich dann immer ins Schlafzimmer zurückgezogen und gehofft, der Tag geht schnell vorbei. Im Büro habe ich immer so lange gearbeitet, dass ich möglichst wenig mit dem Kind am Nachmittag alleine sein musste.

    Ich habe mich nicht mehr zuhause gefühlt und viel geweint weil ich nicht weiter wusste. Mein Freund meinte immer nur, er versteht mich zwar, aber ich muss auch das Kind verstehen, dem er die einzige Ansprechpersohn ist und ihn, der zwischen den Stühlen sitzt.

    Jetzt soll das Kind also im Sommer zu uns kommen, das steht nun seit drei Wochen fest. Weil es das möchte. Weil es hier besser ist als bei Mama, wo es sich nicht wohl fühlt. Ich wurde quasi nicht gefragt. Es ist selbstverständlich, dass ich das akzeptiere. Das wird schon werden und wir werden uns schon alle aneinander gewöhnen. Sagt mein Freund. Der das Kind auch noch nie länger als drei Wochen am Stück erlebt hat.

    Leider ist der Text jetzt viel länger geworden, als gedacht, aber ich wollte etwas die Hintergründe aufzeigen. Mein Freund und ich sprechen so gut wie jeden Abend über das Thema, weil es mich belastet und ich unsere Beziehung dadurch gefährdet sehe.

    Ich freue mich über Eure Antworten. Vielleicht hat jemand sogar ähnliche Erfahrungen.

    Lian

  • #9361

    Soulcolored
    Teilnehmer

    Hallo Lian

    Ich Würd hier ganz klar sagen, das wenn du das nicht möchtest,dein Partner seine Ausweichwohnung beibehält und dort mit seinem Kind einzieht. Wenn du Bedenken hast und das gar nicht möchtest dann solltest du das ansprechen und ganz klar sagen und nicht so einfach akzeptieren. Du wirst ja völlig übergangen.

    Oder aber ihr müsst dringend klären und am besten mit dem Jungen schriftlich festhalten und dann auch konsequent sein wer was im Haushalt macht. Welche Regeln gelten. Oder wie stellt dein Partner sich das vor? Wie soll das mit der Schule laufen? Wer versorgt das Kind,holt es evt ab oder bringt es irgendwohin?

    Du solltest da gleich dich abgrenzen und klar machen das nicht du für den jungen zuständig bist. Sonst machst du nachher 100% während der Sohn und Papa sich ein schönes Leben machen und es immer : aber er kennt es doch nicjt anders,aber er ist doch noch ein Kind usw.

  • #9362

    Josi
    Teilnehmer

    Liebe Lian,ich weis jetzt nicht genau,was ich dir wirklich raten soll,werde es aber versuchen.Auch mein Stiefsohn lebt seit 6 Jahren beim Papa,also im gleichen Haushalt wie ich.Die Mutter hat ihn im Alter von 10 Jahren vor unsere Türe gestellt und ist gegangen,um ihr Leben zu leben.Er verbringt Wochenenden und Teile der Ferien mal mehr,mal extrem wenig bei ihr.Für mich waren das zum Teil sehr schwere Jahre und sind es noch immer.Der Papa geht in Schichten arbeiten und zum grossen Teil bleibt alle Arbeit an mir hängen,obwohl ich auch arbeiten gehe.Die Mutter nimmt sich nur die schönen Zeiten.Manchmal,in letzter Zeit öfter,stosse ich einfach an meine Grenzen und will nicht mehr.Denn Kinder gross ziehen bedeutet viel Selbstaufgabe,macht man gerne bei den Eigenen.Aber bei einem Fremden fällt es schon sehr schwer,zumal man weis,dass da ja eine Mutter wäre,die sich aber aus der Verantwortung stiehlt.Mein Rat an dich,klärt im Vorfeld wer welche Aufgaben übernimmt.Sage deinem Partner deutlich,dass er verantwortlich ist und du nur helfend zur Seite stehst.Will er das nicht,dann laufe so schnell du kannst davon,denn sonst bist du irgendwann ausgebrannt und kannst nicht mehr.Alles Gute und lG.Josi

  • #9372

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Lian,

    puh, harte Geschichte! Ich würde hier meine Grenzen auch ganz klar aufzeigen und ggf. auf weiterhin getrennte Wohnungen bestehen. Wenn es dazu kommt, dass ihr drei zusammenwohnt dann kann ich dir als Lektüre mal die „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon empfehlen. Setzt euch gleich am Anfang zusammen und legt gemeinsam Regeln fest. 2 oder 4 Wochen später setzt ihr euch dann nochmal zusammen und prüft inwiefern das so funktionert oder wo geändert werden muss…

    Viel Glück,
    LG Daka.

  • #9373

    Lian
    Teilnehmer

    Vielen Dank für Eure Kommentare, es tut gut, zu lesen, dass man verstanden wird. Meine Freundinnen hören zwar zu und versuchen, mir Rat zu geben, können sich aber natürlich auch nicht in die Situation versetzen.
    In der Tat habe ich – wie gefühlt jeden Tag – gestern mit meinem Freund darüber gesprochen, was mir wichtig ist und was mir Angst macht. Er versucht mich aufzubauen und mir Mut zu machen. Er weiß ja vor allem auch nicht richtig, was auf uns zukommt. Lieben Dank auch für den Buchtipp, Daka. Ich habe auch auf Anraten eines Bekannten schon das Buch „Jungen, wie sie glücklich heranwachsen“ bestellt. Denn ich kann mich nur noch wage an meine Pubertät erinnern, geschweige denn nachvollziehen, wie Buben sich in dem Alter fühlen. Ich versuche auch, mir klarzumachen, dass ich nicht die Mutter bin und auch keine Erziehung leisten muss. Vor allem auch, nicht alles so nah an mich heranzulassen zumindest solange mein Leben/Haushalt und Gesundheit (auch und vor allem die Psyche) nicht leiden. Quasi: Wenn Kind das Zimmer nicht aufräumt – sein Problem. Wenn es sein Zeugs in der restlichen Wohnung herumschmeißt – Redebedarf. Zum Glück habe ich noch ein paar Monate Zeit, mich weiter mit der Situation anzufreunden. Und wie mein Freund gestern sagte: Wenn ich alles negativ sehe, kann es nicht positiv werden.
    Die Bedenken sind natürlich weiterhin vorhanden aber ich versuche, jetzt mal, die letzten Wochen Zweisamkeit mehr zu genießen. Wir gehen seit kurzem auch zusammen zum Sport, was wir unbedingt beibehalten möchten. Ich meine, das Kind ist 14, das braucht keine Rundumbetreuung mehr. Vielleicht komme ich ihm sogar über die Schule, Lernen oder Hausaufgaben mit einfachen Worten erklären näher. Die Ausweichwohnung wird weiter bestehen bleiben, da Eltern meines Freundes sie im Winter bewohnen. Ein weiterer Trost… LG

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.