Antwort auf: Einseitiger Wunsch nach einer (zweiten) Familie

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Dieses Thema enthält 3 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Michette vor 2 Monate, 3 Wochen.

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  • #9921

    Michette
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,
    eigentlich will ich auf den Beitrag von Lacrima antworten, aber irgendwie kriege ich das nicht hin, also habe ich jetzt mal ein neues Thema erstellt.
    Ich bin „neu“hier im Sinne, dass das meine erste aktive Antwort im Forum ist. Ich lese jetzt seit 3 Jahren still mit und habe schon viele hilfreiche Denkanstoesse hier bekommen.
    Der Beitrag von Larcima hat mich an meine Situation erinnert, daher moechte ich erzahlen, wie wir mit dem Thema Kinderwunsch umgegangen sind.
    Ich (35) bin nun seit 3 Jahren mit meinem Mann (49) zusammen. Er hat 2 Kinder aus seiner ersten Ehe (Zwillinge, ein Maedchen und ein Junge (12 Jahre alt). Die Ehe ist seit 10 Jahren beendet.
    Als wir uns kennenlernten, hat mein Mann mir sofort von seiner Situation erzaehlt und auch schnell deutlich gemacht, dass er keine Kinder mehr haben moechte. Er hatte an sich nie einen besonders ausgepraegten Kinderwunsch. Der Wunsch nach Kindern kam damals eher von seiner Ex-Frau. Zur damaligen Zeit wollte ich keine Kinder und mir schien die Tatsache, dass er schon zwei hat super. Also habe ich von mir aus gesagt, dass ich keine Kinder moechte und mich (oder besser gesagt meine Weiblichkeit) nicht durch das „Muter-sein“definiere. Die ersten 1 1/12 Jahre fuehrten wir eine Fernbeziehung. Nun leben wir seit 1 1/2 Jahren zusammen in unserem gemeinsamen Haus. Die Kinder sind 2 Tage jede Woche fix bei uns und jedes zweite Wochenende von Fr-Mo.
    Vor ca 6 Monaten entstand dann doch langsam und eher schleichend ein Kinderwunsch bei mir. Wir haben uns im Alltag kennengelernt und ich habe auch gesehen wie gut und liebevoll er mit den Kids umgeht. Ich hatte anfangs etwas Sorge das Thema Kinder anzusprechen, da ich seine Position ja kannte und „nur“meine sich langsam zu aendern schien. Dennoch geht, finde ich, ueber kurz oder lang, kein Weg an ehrlichen Gespraechen ( eines wird es wahrscheinlich nicht tun) vorbei. Wir haben uns professionelle Hilfe gesucht, da wir von uns aus nicht wirklich weiter kamen. Ich fuehlte mich von meinem Kinderwunsch ueberrollt und war enttaeuscht, dass er das nicht verstehen konnte, dass ich darueber reden muss und Er hatte das Thema fuer sich eigentlich abgehakt und wollte sich nicht wirklich damit befassen.
    Gluecklicherweise haben wir eine tolle Paartherapeutin gefunden, die in gemeinsamen und Einzelgespraechen einen Weg mit uns erarbeitet hat.
    Unser Weg lautete: Sein vorher gesetztes „Nein“zu Kindern nochmal zu oeffnen und zusammen eine Antwort zu erarbeiten, denn sein Nein beruhte auf den schlechten Erfahrungen mit seiner Ex-Frau und hatte nichts mit mir zu tun. Wir brauchten eine gemeinsame Entscheidung, da ich das Gefuehl hatte fuer die schlechten Erfahrungen mit seiner Ex-Frau „bestraft“zu werden.
    Die Therapeutin hat aber auch klar gesagt, dass die gemeinsame neue Antwort durchaus auch ein „Nein“sein kann und das ich mir die Frage beantworten muss, ob ich damit dann in dieser Beziehung leben kann.
    Ich kann nur sagen, die Gespraeche zwischen uns waren nicht immer einfach und es sind einige Traenen geflossen. Nur so bin ich mir aber klar geworden, dass ich und das wir diese Beziehung wirklich wollen, auch wenn kein gemeinsames Kind kommt. Wir haben uns noch besser kennengelernt und sind wirklich zusammengerueckt. Ich habe auch verstanden woher mein Kinderwunsch kommt und habe begonnen das aufzuarbeiten. Auch habe ich seine Aengste besser verstanden und musste mir eingestehen, dass ich in seiner Situation auch so denken wuerde, wie er es damals tat.
    Nun geht das Leben manchmal einen anderen Weg und wir haben, vor einiger Zeit, festgestellt, dass ich schwanger bin (mit einem kleinen Maedchen, wie wir nun wissen).
    Als ich es erfahren habe, war ich wie vom Schlag getroffen und hatte ziemliche Sorge es mit meinem Mann zu teilen, da wir uns geeinigt haben keine Kinder zu haben.
    Mittlerweile freut sich mein Mann (fast) mehr als ich und die Kinder werden bald eine kleine Schwester begruessen duerfen.
    Ich weiss nicht was die Zukunft bringt und wie wir das alles meistern werden, aber ich weiss das eine Entscheidung fuer oder gegen Kinder nur zusammen getroffen werden kann, da ansonsten immer einer der beiden Partner am Ende das Gefuehl haben wird in der Beziehung zu kurz zu kommen.
    Auch wenn es jetzt vielleicht so klingt, ist bei uns nicht immer alles toll und harmonisch, aber wir versuchen einen gemeinsamen Weg zu finden und zu gehen.
    @ Lacrima: ich wuensche dir alles Gute und das du und dein Partner offene und ehrliche Gespraeche fuehren koennt.

  • #9955

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Michette,

    das ist eine sehr schöne Geschichte, die du hier erzählst. Schön zu hören, wie ihr beide konstruktiv und miteinander das Thema „Kinderwunsch“ angegangen seid, und beide glücklich seid darüber, was das Leben dann gebracht hat.

    Alles Gute!
    Pumpkin

  • #9956

    Lacrima
    Teilnehmer

    Hallo Michette,

    vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast.
    Ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben und vielleicht haben alle anderen auch Recht und ich muss mich in Geduld üben. Aber es fällt mir leider ziemlich schwer. Ich bin sehr froh, dass ich mich hier mit Frauen austauschen kann, die auch diesen Wunsch nach einem eigenen Kind kennen. Das hilft mir, mich etwas besser verstanden zu fühlen.

    Ich habe jetzt auch schon einige Therapeuten rausgesucht und werde meinen Partner noch einmal darauf ansprechen. Es gibt sehr viele Dinge, die immer wieder zu Streit führen und ich hoffe sehr, dass ein moderiertes Gespräch uns beiden helfen kann. Euch scheint es ja auch sehr unterstütz zu haben.

    Ich wünsche euch alles Gute für eure Familie und drücke euch fest die Daumen, dass ihr einen harmonischen Start habt.

    Alles Liebe,
    Lacrima

  • #9972

    Michette
    Teilnehmer

    Hallo Pumpkin und hallo Lacrima,
    danke fuer eure Kommentare.

    Uns hat die Therapie und die daraus resultierenden Gespraeche, sehr gut getan. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann immer sehr offen dafuer war, dass wir uns Hilfe holen. dafuer bin ich ihm sehr dankbar, weil ich nicht weiss, ob wir das so auch alleine hinbekommen haetten.

    Ich finde es wichtig auch „positive“ Geschichten zu teilen. Ich weiss, dass man meistens eher den Impuls hat zu schreiben und sich Hilfe zu holen, wenn man ein Problem oder Sorgen hat, aber das vermittelt den Eindruck als waere das Stiefmutter-Dasein nur furchtbar.
    Sicherlich ist es anstrengend und muehsam, streckenweise nervig und aergerlich.
    Vor allem aber, ist jede Situation individuell.
    Ich glaube allerdings auch, dass das „normale“ Muttersein anstrengend und manchmal nervig ist und auch dieses ist von vielen Aussenfaktoren abhaengig.

    @ Lacrima: Ob du noch warten solltest oder nicht, kannst nur du selbst wissen, denn nur du steckst in deiner Beziehung, weisst wie gefestigt diese ist und kennst deinen Mann, weisst wie stark dein Kinderwunsch ist.
    Vielleicht wuerde es helfen, wenn du fuer dich herausfindest woher dein Kinderwunsch kommt.
    Der kann aus vielen Richtungen kommen und es kann sehr helfen zu wissen wo man da ansetzen muss. Vor allem fuer alle eventuellen Gespraeche in einer Therapie.

    Auf jeden Fall: Alles Gute und gebe die Hoffnung nicht auf.

    @ Pumpkin: Danke ich wuensche dir auch alles Gute. (und danke fuer deine vielen Beitraege zu veschiedensten Themen)

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