Zu hohe Erwartungen

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Dieses Thema enthält 5 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Daka vor 2 Monate.

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  • #7721

    Luna95
    Teilnehmer

    Hallo liebe Stiefmütter,
    ich bin neu hier und erst seit einem guten Jahr Stiefmutter. Ich hoffe also von den Erfahrungen einiger hier profitieren zu können.:)

    Zu den Eckdaten: Ich bin 22 Jahre und mein Freund ist 31 Jahre alt. Er hat bereits eine Tochter (3 Jahre) aus einer früheren Beziehung, die jedes zweite Wochenende bei uns zu Besuch ist. Wir wohnen auch seit einem Jahr zusammen, sodass ich immer da bin, wenn sie es ist.

    Mein Problem ist, dass er von Anfang an viel zu hohe Erwartungen an mich gestellt hat (ohne, dass ich vorher jemals etwas mit Kindern zu tun gehabt habe). Es war immer selbstverständlich, dass ich 24/7 für die Kleine da bin und Ihr jeden Wunsch erfülle und das habe ich auch getan. Nie kam ein „Danke“ von ihm, weil er es als „selbstverständlich“ ansieht, dass ich mich für sein Kind aufopfere. Nur, wenn ich wirklich mal keine Zeit habe (ich studiere noch Jura) und Lernen oder eine Arbeit fertigstellen muss, wirft er mir vor, dass ich ja nichts mit ihnen zu tun haben wolle und die Kleine hassen würde ect. Dabei stelle ich die Uni immer hinten an, wenn sie da ist (worunter meine Leistung auch leidet). Die eigentliche Motivation dahinter ist jedoch, dass ich mir so diese ganzen Vorwürfe ersparen kann.
    Manchmal bin ich einfach tierisch genervt (was glaube ich auch normal ist), wenn sie wie jetzt eine ganze Woche da ist und die ganze Zeit weint und schreit, weil sie das 10e Stück Schokolade nicht mehr bekommt. Dann möchte ich einfach mal gerne mit meinem Freund darüber reden, dass ich genervt bin und froh bin, wenn der Besuch wieder weg ist. Wenn ich das jedoch mache kommt nur zurück: „Ich hab dein ewiges Geheule satt! ich find´s toll, dass sie hier ist, warum musst du mir immer alles vermiesen?“ ect. Ich habe auch sonst niemanden, mit dem ich über meine Probleme reden kann und das belastet mich noch mehr. Ich bin manchmal einfach nur genervt, weil sie uns jeden Morgen um 5 Uhr weckt, ich werde quasi aus dem Wohnzimmer verbannt, weil dort ja den ganzen Tag lautstark Kinderunterhaltungsprogramm laufen muss. Leiser darf ich nicht machen, obwohl ich mich nicht auf das Lernen konzentrieren kann. Das Wochenende ist Ausnahmezustand. Alles muss sich nach ihr richten, weil „Sie ist ja nur so selten hier, dann darf ich nicht streng zu ihr sein oder ihr was verbieten, sie muss immer das bekommen was sie will“ die Devise ist. Das Kind ist schon total verwöhnt und weiß, sie bekommt von Papi alles was sie will. Dementsprechend tanzt sie uns auch auf der Nase rum und ich bin genervt.

    Ich weiß langsam nicht mehr was ich tun soll. Ich hab es satt mir so viel Mühe zu geben ohne, dass es überhaupt anerkannt wird. Mittlerweile hat das Verhalten dazu geführt, dass sie uns auf der Nase rumtanzt und überhaupt keinen Respekt mehr vor uns hat, denn wir sind ja nur die „Bespaßer“ die nur dazu da sind, ihr alle ihre Wünsche zu erfüllen.
    Ich hoffe, dass vielleicht einige hier meine Situation nachvollziehen und mir Ratschläge geben können. 🙂

  • #7722

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Liebe Luna!

    Das klingt gar nicht gut.
    Du musst für deine Grenzen aufstehen, und auch deine Bedürfnisse zählen und sind wichtig. Dein Freund ist schon komplett im Spaß-Papa Modus drinnen, und verlangt das offenbar auch von dir.
    Emotionale Erpressungen a la „Du magst das Kind nicht“ würde ich mir sofort verbitten. Und du bist definitiv nicht dafür zuständig „Alles für die Kleine zu tun“ und ihr „jeden Wunsch zu erfüllen“.

    Dein Studium geht auf jeden Fall vor. Und mal ganz ehrlich, wenn du keinen Partner hast, der dich dabei unterstützt, und der auf dich achtet, dann solltest du von dem Mann mit seinem Kind Abstand nehmen!
    Ich würde mir, wenn ich an deiner Stelle wäre, einen Ort suchen, wohin ich mich bei Kinderbesuch zurückziehen kann.
    Wenn sein Kind da ist, ist das zu allererst mal seine Verantwortung und seine Aufgabe. Wenn du das unterstützt, und ihm dabei hilfst, ist das etwas, wofür er dankbar sein muss…aber eine Selbstverständlichkeit ist das nicht!

    Rede mit ihm, und erkläre ihm deine Sicht der Dinge. Er hat kein Recht, seine Aufgaben auf dich abzuwälzen, und volle Bespaßung von dir zu verlangen. Erkläre ihm, dass du Wochenenden, an denen du lernen musst, in Zukunft woanders verbringen wirst, und dass das nicht mit mangelnder Liebe/Zuneigung zu ihm oder dem Kind zu tun hat.
    Überlege dir auch, ob momentan nicht doch getrennte Wohnungen besser wären.

  • #7725

    Kara
    Teilnehmer

    Liebe Luna,

    ich kann Lilly nur zustimmen. Dein Freund hat überhaupt kein Recht von dir zu verlangen, dass du dich um sein Kind kümmerst, das ist allein in seiner Verantwortung…vielleicht hat er es ja nicht genug gern um sich allein zu kümmern? 🙂 Sehr liebens- und dankenswert wenn du dich freiwillig kümmerst, aber verlangen geht gar nicht. Nett fragen wäre angemessen.
    Du musst das Kind auch nicht mögen, nicht lieben usw. und schon gar nicht jeden Wunsch erfüllen. Abgesehen davon, dass das für das Kind kontraproduktiv ist, wie du ja selbst bemerkst, leidet offenbar dein Leben schon massiv darunter. Auch deine Bedürfnisse sind wichtig und wenn das dein Freund nicht so sieht, ist er ehrlich gesagt nicht der richtige. Natürlich kann man mal für ein Kind zurückstecken, aber wenn deine Bedürfnisse für den Partner gar nicht zählen ist Unglück vorprogrammiert.

    Leider gibt es diesen Bespaßungsmodus bei vielen Vätern mit Besuchskindern. Auch mein Freund hatte am Anfang solche Tendenzen (zum Glück weit weniger ausgeprägt) und ich bin sicher es hätte sich auch wenig geändert, wenn ich nicht immer wieder ausgesprochen hätte, dass das so nicht geht. Du musst deine Bedürfnisse deutlich aussprechen, worwursfrei formulieren was du brauchst. Wenn es dann kein Entgegenkommen von Seiten deines Partners gibt, würde ich mich auch wieder nach einer eigenen Wohnmöglichkeit umsehen.

    Viel Glück, lass nicht zu, dass deine Bedürfnisse ignoriert werden
    Kara

    • #7726

      Donnaserpente
      Teilnehmer

      Liebe Luna,

      auch ich schließe mich mit meiner Meinung Lilly Chantilly und Kara an. Du schreibst, dass sogar Deine Leistungen an der Uni leiden. Stell Dir mal vor, das geht noch jahrelang so weiter. Dann ist möglicherweise Deine Beziehung im Eimer und Du hast auch noch einen Uniabschluss, der anders ist, als Du es Dir gewünscht hast.

      Ich an Deiner Stelle würde mir ganz genau überlegen, ob dieser Mann das alles Wert ist.

      Auch glaube ich, dass er selbst mit dem Kind heillos überfordert ist.

      Alles Gute, Donna

  • #7728

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Luna,

    was du schreibst, möchte ich kurz folgendermaßen zusammenfassen: Sobald die Tochter im Bild ist, ist für dein Partner dein Leben unwichtig. Dein Studium, das heißt, deine Zukunft? Unwichtig, du musst ja schließlich sein Kind bespaßen. Deine Gefühle? Unwichtig, der Mann muss sich ja ungetrübt freuen dürfen. Die Zitate, die du bringst, sind tatsächlich wunderschöne Lehrbuchbeispiele für emotionalen Missbrauch.
    Er sagt: „du hasst mein Kind“ – damit versucht er doch offensichtlich, dir ein schlechtes Gewissen zu machen, damit du in der Folge das tust, was er will. Das ist emotionale Erpressung in Reinform. Und er erkennt hier sehr bewusst absichtlich nicht an, dass es in deinem Leben auch noch Dinge gibt, die für dich wichtig sind. Sprich: Was dir wichtig ist, ist egal.
    Er sagt: „dir gehts schlecht? Jetzt geht es und allen schlecht, und du bist Schuld!“ – damit spricht er dir das Recht ab, eigene Gfühle zu haben, und verweigert dir die Unterstützung, die er als Partner eigentlich zeigen sollte.

    Meine Frage an dich: Wie verhält er sich sonst so, wenn es nicht um die Tochter geht? Bitte lies folgenden Link und mach dir selbst ein Bild:
    Was ist emotionaler Missbrauch?

    Wenn dein Partner diesen Status auch verdient haben soll, dann muss er deine Gefühle ernst nehmen und respektieren, was für dich wichtig ist. Seine Tochter ist nicht deine Tochter. Mein Partner würde niemals, niemals, niemals von mir verlangen, dass ich an den Besuchswochenenden überhaupt anwesend bin. Und genau deshalb bin ich es immer wieder gern. Er würde niemals, niemals, niemals von mir erwarten, dass ich seine Kleinen mag. Ich habe gemischte Gefühle ihnen gegenüber, ich sage ihm das auch, und für ihn ist das völlig okay. Natürlich gibt es hier unterschiedliche Arrangements in Beziehungen – diese müssen aber unbedingt eine Sache einer Übereinkunft sein! Wie dein Verhältnis zur Kleinen sein soll muss für dich mindestens genauso entschieden werden wie von ihm.

    Eine ganz andere Baustelle ist die Verwöhnung des Kindes. Auch wenn er es vielleicht gut meint (oder vielleicht ist die Verwöhnung auch einfach nur Faulheit, denn „nein“ sagen ist anstrengend), er verweigert ihr damit die ordentliche Erziehung, auf die sie ein Recht hat. Sie hat ein Recht darauf, zu lernen, mit Verzicht umzugehen. Sie hat ein Recht darauf, zu lernen, dass sie nicht der wichtigste Mensch auf der Welt ist. Wenn ihr diese Rechte verweigert werden, wird sie später sehr darunter leiden. Ich hoffe, wenigstens die Mutter erzieht vernünftig, über sie schreibst du ja nichts.

    Du sagst, dass du mit niemandem über deine Probleme sprechen kannst? Keine beste Freundin oder ähnliches? Viele Unis haben gratis psychologische Beratungsstellen. Auch wenn es dir vielleicht ein bisschen komisch vorkommen würde, da dir vermutlich ja eigentlich nichts fehlt, ich glaube, jeder muss sich mal aussprechen. Und zu irgendetwas sind solche Angebote ja da. Vielleicht gibt es auch irgendwelche Gesprächsgruppen zu ähnlichen Themen irgendwo in deiner Nähe. Such doch mal im Internet. Das tut gut, glaub mir, ich bin in so einer Gesprächsgruppe (für Bisexuelle – es kommen aber alle möglichen Themen im Bereich Freundschaft und Beziehung vor) und es ist immer ein schönes Erlebnis, in einer geschlossenen Gruppe völlig frei über die eigenen Sorgen und Gedanken sprechen zu können.

    Viel Glück! Ich hoffe, wir hören, wie es dir weiter ergeht.

    Liebe Grüße,
    Pumpkin

  • #7735

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Luna,

    ich habe mich gerade mal hier durchgelesen und ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen. Um auf deinen Post-Titel zu antworten: Ganz klar, die Erwartungen deines Partners an dich sind zu hoch und du verkaufst dich absolut unter Wert.
    Da so vieles schon so gut geschrieben dasteht eigentlich nur noch eine Frage:
    Ist dieser Mann es wert, dass du dich für ihn völlig aufgibst? Ist er in der Zeit wo seine Tochter nicht da ist anders? Noch bist Du und die Beziehung jung, daher überlege dir gut, ob du unter den gegebenen Umständen wirklich daran festhalten möchtest… wie ich so gern sage: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende…denn eine 3-jährige die nicht lernt geduldig zu sein und vom Vater auch kein nein kennt wird je größer sie wird immer schwieriger werden…davon kann man hier ja leider zu Genüge lesen…

    Alles gute für dich, liebe Grüße,
    Daka.

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