Wie soll das alles gehen…

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Dieses Thema enthält 4 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Soulcolored vor 6 Monate, 2 Wochen.

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  • #8854

    Sunflower
    Teilnehmer

    Hallo Ihr Lieben – ich bin so froh, Euch gefunden zu haben.

    Meine Geschichte… ich bin geschieden, habe zwei Kinder 18 und 15, habe ein freundschaftliches Verhältnis zu meinem Exmann, weil wir beide der Meinung sind, das wir das unseren Kindern schuldig sind. Vor gut 2 Jahren habe ich meinen Freund kennen gelernt, inzwischen auch geschieden, 2 Kinder, 7 und 11 – das ältere hat das Asperger-Syndrom. Wir wohnen getrennt, leider, ich würde es mir anders wünschen, da ich mit 43 Jahren doch endlich zur Ruhe kommen möchte, dieses ständige hin und her ist doch sehr schwierig. Ich wünsche mir eine Partnerschaft, ein gemeinsames Leben, eine gemeinsame Zukunft. Er sagt jedoch, gemeinsames wohnen würde er sich sehr wünschen, weil ich ihm sehr wichtig bin, er kann es sich wegen seiner Kinder aber nicht vorstellen…

    Die Kinder meines Partners sind jedes 2. Wochenende und die Hälfte aller Schulferien bei ihm, also seinen kompletten Jahresurlaub. Darauf besteht die KM und auch an den WE gibt es nichts zu rütteln. Da ist aber auch alles sehr schwierig, die beiden sind im Streit um Haus und Geld etc. Ein normales Gespräch ist nicht möglich. Als ich bei Euch gelesen habe, den Kindern werden dreckige Klamotten, bei Regenwetter Sandalen und im Winter Sneakersöckchen eingepackt – musste ich fast schmunzeln… kenne ich alles.

    Nun aber das, wovon ich Euch erzählen wollte:
    Beide Kinder, aber vor allem das ältere Kind mit Asperger bringt mich oft an Grenzen, die ich bisher nicht kannte, oft weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich habe mich zwar viel belesen und informiert, worum es bei dieser Art von Behinderung geht, jedoch fällt diese bei jedem Kind anders aus. Es flippt wegen Nichtigkeiten aus, rennt brüllend vom Tisch weg, wenn man gerade das gemeinsame Essen oder ein Spiel beginnen möchte, zerstört Gegenstände aus Wut auf andere. Es lügt, obwohl man genau merkt, was Sache ist und nimmt anderen ihre Sachen weg. Süßigkeiten etc. dürfen nicht offen herumliegen, die sind dann auch weg. Wenn man dann das Kind darauf anspricht, leugnet es das alles. Mein Freund entschuldigt das alles mit der Behinderung, ich habe aber oft den Eindruck, es weiß genau, was es tut und eine konsequentere Erziehung, die auch Konsequenzen haben darf, würde sehr helfen. Aber auch das kleinere Kind ist nicht ohne, ich denke mir oft, man hat da vieles durchgehen lassen… es reizt dann das größere, das sich nicht anders oder mit Worten zu helfen weiß, als grob zu werden. Und schon ist das Geschrei und der Ärger wieder da. Obwohl mein Freund eine Eselsgeduld hat und eher zu wenig konsequent ist, geht auch ihm manchmal der Gaul durch. Er sagt auch selbst, er ist oft überfordert.

    Ich fühle mich dann so, dass ich es aushalten muss, ob ich will oder nicht. Bin einerseits Aussenstehende und doch bin ich mitten drin. Sagen lassen sich die Kinder von mir nichts, das hat mir das jüngere Kind so auch schon direkt gesagt. Ich bin ja nicht die Mama und hätte ihr nichts zu sagen. In einer ruhigen Minute hört mein Freund zwar meinen Bedenken oder Ratschlägen zu, verändern tut sich aber eigentlich nichts, alles ist so eingefahren. Es gibt eine Familienhilfe, die in das Haus der KM kommt, zu Hause ist das Verhalten gleich oder noch schlimmer, nur wenn das Kind irgendwo neu bzw. fremd ist, würde man nicht denken, dass es irgendwie besonders ist. Sicherlich spielt die angespannte Situation zwischen den Eltern auch eine Rolle…

    Manchmal denke ich mir auch – will ich das alles eigentlich. Ich liebe diesen Mann – dass das alles so schwierig wird und ist momentan, hätte ich nicht gedacht. Er hat zwar gleich anfangs von seinen Kinder erzählt und auch das erste Kennenlernen war durchweg positiv, doch das es so schwer wird, dachte ich nicht. Die Kinder sagen auch, sie wären gern bei mir.

    Nur nach 2 Jahren Beziehung frage ich mich, wie das alles weitergehen soll. Im Sommer hatten wir unseren ersten gemeinsamen Urlaub mit meinem jüngeren und seinen beiden Kindern. Das wird es so aber nicht mehr geben, denn es war einfach nur Horror, zumindest haben ich und mein Kind es so empfunden. Das Verhalten seiner Kinder, vor allem dem mit Asperger, hat es für uns alle sehr schwer gemacht. Jeden Morgen wurde diskutiert und gestritten, wer wo sitzen darf etc. War das dann nicht nach beider Wille, war schon wieder Zoff und heulendes wegrennen vom Tisch, und das vor dem Frühstück….. Diese schlechte Stimmung überträgt sich dann auf alle. Beide fühlen sich immer benachteiligt, denken immer, der andere bekommt mehr oder besseres. Mein Vorschlag, z. B. feste Sitzplätze einzuhalten, wurde nicht umgesetzt, weil dann immer eines dachte, das andere kommt besser weg. Ein Restaurantbesuch z. B. wurde von Dauergeheul des größeren begleitet, weil es lieber Pizza wollte und nichts anderes. Ich denke oft, es will nur sehen, wie weit kann ich gehen. Mein Freund ist dann aber viel zu gutmütig und diskutiert eine Ewigkeit, bis dann ein anderes Gericht doch in Ordnung ist. Einfach zu sagen, dann gibt es halt nix, bringt er nicht übers Herz, zumal das Kind durch die Medis eh nur wie ein Spatz isst….

    Nun stehe ich an einem Punkt, wo ich überlege, ob ich das alles überhaupt will. Meine Kinder sind „aus dem gröbsten raus“, gehen bald ihre eigenen Wege, sind selbständig. Ich denke über vieles nach, über meine Zukunft… Urlaub ist auch so ein Thema… aber so, wie der letzte war, möchte ich das nicht mehr. Und da mein Freund die Kinder immer haben wird, wenn er Urlaub hat, kann ich mich da anschließen oder es sein lassen. Aber immer allein wegfahren, das kann ich mir auch nicht vorstellen. Man möchte doch mit seinem Partner diese schönste Zeit des Jahres verbringen, das ist es doch, worauf man sich das ganze Jahr freut. Alles was wir geschafft hatten war ein „langes“ Wochenende zu zweit…

    Auch denke ich, wenn mein Freund meint, ein Zusammenleben funktioniert nicht auf Grund seiner Kinder, vergeude ich dann meine Zeit? Irgendwo habe ich vorhin gelesen: „Man sucht es sich nicht aus, in wen man sich verliebt…“ und ich möchte meine Zukunft mit diesem Mann planen, wie das alles werden soll, weiß ich leider nicht. Kann man „nur“ wegen der Kinder sein eigenes Leben so zurückstellen?

    Eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben… Ich hoffe, ich habe Euch mit meinen Gedanken, meinem „Gejammer“ jetzt nicht genervt. Eine wirkliche Stiefmutter bin ich ja irgendwie auch nicht… aber vielleicht geht es jemandem ähnlich und fühlt mich verstanden…

    Liebe Grüße,

    Sunflower

  • #8856

    helene07
    Teilnehmer

    Liebe Sunflower,

    zunächst erst einmal möchte ich nicht, dass du denkst das du jammerst. Das ist nicht der Fall. Bis man sich entschließt zu schreiben, ist schon einiges vorgefallen und dementsprechend der Kummer oder auch die Leere in einem groß.

    Einen richtigen Rat zu geben ist immer schwer, jedoch möchte ich, dass du auf deine innere Stimme hörst. Das habe ich nicht getan und dies war falsch. Neben der vollen Unterstützung für deinen Mann und dessen Kinder vergisst man sich als Partnerin selbst. Das sollte nie passieren!
    Denn trotz allem Helfenwollens; es gibt auch noch dich und deine Vorstellungen und Wünsche. Du musst dir die schwere Frage stellen, ob das Leben was du lebst dein von dir gewünschtes Leben ist. Liebe allein kann manchmal nicht ausreichen und es ist vor allem dann schwierig, wenn einer immer nur gibt und der andere immer nur nimmt. Es muss in einer Beziehung, auch zu einem „gebrauchten Mann“ immer ausgeglichen sein. Wenn es das nicht ist, dann geht einer vor die Hunde. An diesem Punkt bin ich selbst und ich zwinge mich, den Wahrheiten ins Auge zu sehen, auch wenn es sehr schmerzhaft ist.

    Stelle dir die Zukunft vor, was siehst du?

    Liebe Grüße Helene

  • #8861

    Kara
    Teilnehmer

    Liebe Sunflower,
    es klingt so als würdest du derzeit sehr an deiner Beziehung zweifeln und das verstehe ich. Denn abgesehen von der ohnehin schon schwierigen Situation als Stiefmutter (das bist du natürlich, denn dein Partner hat Kinder und noch dazu wie es scheint schwierige) scheint dein Partner nicht auf dich und deine Bedürfnisse einzugehen: Dein Partner möchte nicht mit dir zusammenleben wegen der Kinder sagt er. Aber diese kommen doch nur jedes 2. Wochenende (abgesehen von der Ferien) und was ist mit der ganzen Zeit dazwischen? Und an der Ferienregelung ist nicht zu rütteln, warum?
    Auch müsste er klarstellen, dass du sehr wohl etwas zu sagen hast.
    Wenn man deine Schilderungen liest, macht es den Eindruck, dass du aus seiner Sicht gerne etwas beitragen darfst, er aber nichts an seinem Leben ändern möchte. Das wäre aber alleine schon der Kinder willen mehr als ratsam. Denn diese scheinen völlig unglücklich und verunsichert zu sein, sonst würden sie doch nicht so verbissen um alles kämpfen wie beispielsweise die Sitzplätze. Das zeigt doch, dass sie sich ihrer Stellung und Bedeutung kein bißchen sicher sind. Deine Beschreibung des kranken Kindes klingt auch weniger nach Asperger als nach einem verstörten und frustriertem Kind. Ist es denn in Behandlung?
    Du machst dir Gedanken, hörst in dich hinein und das ist gut so. Denke darüber nach was sich für dich ändern müsste, damit diese Beziehung für dich passt und besprich das dann mit deinem Partner (hier ist natürlich die Art der Formulierung wichtig). Dann kommt es meiner Meinung nach auf seine Reaktion an, wie es weitergeht. Wenn es von seiner Seite kein Verständnis und dann keine Bemühungen gibt entsprechende Änderungen durchzuziehen (am besten wohl mit Hilfe von außen) wird es wohl schwierig gemeinsam glücklich zu werden.

    Ich wünsche dir alles Gute, achte auf dich
    Kara

    • #8869

      Sunflower
      Teilnehmer

      Hallo Kara und Hallo Helene,

      vielen Dank für Eure Nachrichten – es tut wirklich gut, mal von jemanden verstanden zu werden.

      Ich muss aber nun erst mal meine Gedanken odnen, versuchen, einiges zu klären und nach vorne schauen, mich dabei nicht vergessen.

      Aber auch Eure Fragen möchte ich beantworten:
      An den Ferienzeiten wird nicht gerüttelt, da die KM auch Teilzeit arbeitet und sagt, sie kann nicht die kompletten Ferien frei machen – wer soll dann die Kids betreuen. So teilt man sich eben die Ferien – wobei sie sicherlich durch die Großeltern mehr Freiraum hätte mit einer Betreuung durch diese. Meinem Freund bleibt nichts anderes, als Urlaub zu nehmen. Ansonsten ist er gern und viel bei mir und meinen Kindern, diese nehmen jedoch lieber eine Papa-Auszeit, wenn er mit seinen Kindern bei uns ist, weil es ihnen zu anstrengend ist.

      Und ja, das Asperger-Kind ist in Behandlung, bekommt Medikamente, hat eine Schulbegleitung, besondere Schulform und eine Familienhilfe kommt auch ins Haus der KM.

      Vielen Dank für Eure Zeit, ich lese hier weiter mit und melde mich –

  • #8883

    Soulcolored
    Teilnehmer

    Hallo Sunflower,

    eigentlich hatte ich dir gestern einen recht langen Text geschrieben aber dann stürzte das Forum ab :D. Nun halte ich mich kürzer. Ich rate dir,gehe in dich. Was bist du bereit aufzugeben,was nicht?Wieviel Kraft hast du und in wieweit bist du bereit sie einzusetzen oder sogar zu Opfern?

    Aus eigener Erfahrung sage ich dir,ist Asperger wirklich schwierig,nervenzermürbend und,es ist nicht nach 18 Jahren rum. MAn kann dann nicht sagen,du bist 18 geh deinen Weg. Endlich durch.

    Asperger erfordert viel konsequenz und struktur.Alles muss geregelt sein und zwar klar. Das Verhalten welches die Kinder im urlaub zeigt auch,das es tatsächlich fehlt und sie gar nicht wissen,wo sie bei ihrem Vater stehen. Denn ihm scheinen sie sogesehen „egal“ zu sein,ihre gefühle und ihre bedürfnisse sieht er gar nicht.Vor allem bei dem Kind mit Asperger.Es kann tatsächlich jahre dauern,bis man sich dann mal auf kompromisse oder diskussionen einlassen kann,dazwischen stehen aber jede Menge Therapien und Ärzte und co. an.Bis man das richtige gefunden hat,ist es ein langer Weg.

    Hier wäre dein Partner an der reihe,inwieweit kann und will er das?Und kann dich wahrnehmen?Könnt ihr gemeinsam ein Team bilden?Den vor allem er muss ihnen den Halt geben und die Struktur. Es muss klare Pläne geben,wer wo sitzt. Wer wann und wieviel darf,und das auch am Alter. Und man kann nicht jeden gleich behandeln,das geht nicht und das müssen auch Kinder lernen,das der Ältere zum Beispiel mehr darf als der jüngere dann villeicht.Oder dem jüngeren muss erklärt werden,warum sein Bruder den Spaß nicht versteht,wieso er das anders sieht.

    Gehe in dich,ich denke dein Partner ist dazu nicht bereit aus wessen Gründen auch immer und verneint deshalb auch den Zusammenzug,weil er weiß das es in Chaos und Stress für dich und dein Kind enden würde.

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