Trotz Stiefkind noch ein eigenes Kind?

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Dieses Thema enthält 4 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Magdillana vor 3 Monate.

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  • #9364

    Magdillana
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,
    Ich bin gerade auf dieses Forum gestoßen und mir fällt direkt ein riesengroßer Stein vom Herzen, da ich sehe, dass ich nicht alleine bin. Die Beiträge hier sprechen mir aus der Seele und ich finde es unfassbar schön, wieviel Unterstützung hier alle Frauen erfahren.
    Ich bin 34, war Zeit meines Lebens single, und habe vor 2 1/2 Jahren dann endlich meinen Traummann kennengelernt. Er ist 10 Jahre älter als ich und hat eine mittlerweile fast 5 Jahre alte Tochter. Sie hat keinen Kontakt zur Mutter (diese ist psychisch extrem krank) und lebt daher bei uns. Sie nennt mich Mama und wir kommen gut miteinander zurecht. Anfangs fand ich die ganze Konstellation richtig toll, da ich mein ganzes Leben so einsam war und mir eine Familie gewünscht habe. Zack, mit einem Fingerschnips war sie dann da. Ich war (und bin auch heute noch) so dankbar. Allerdings merke ich mittlerweile, dass ich total überfordert bin. Ich arbeite Vollzeit, mein Freund auch. Wir teilen uns zwar alles auf (ich bringe sie in den Kiga, er holt sie, er hilft auch sehr viel im Haushalt und lässt mir alle Freiheiten, sei es Freunde treffen, Sport, oder einfach mal alleine sein) aber irgendwie fehlt mir oft das Verständnis für das Kind. Ständig hat sie was, weint, zickt, raubt mir den Schlaf und nervt mich einfach. Im Moment wächst sie viel und verarbeitet auch glaube ich wieder ein bisschen was von der Mutter-Thematik (sie vermisst sie, obwohl sie die Mutter wenn überhaupt 1x im Jahr für 2 std sieht) und ist dauernd erkältet. Sie weint nachts daher oft und schläft schlecht… und ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich gebe alles, was ich kann, trotzdem ist dieses Kind immer irgendwie unausgeglichen. Dass sie mir so viele Nächte den Schlaf raubt macht mich fertig.
    Ja, und dazu kommt jetzt: Mein Freund und ich wollen ein gemeinsames Kind. Da ich 34 bin auch lieber jetzt als irgendwann. jetzt weiß ich aber manchmal nicht ob ich mir das zutraue. Ich weiß aber auch wenn ich mich gegen ein weiteres Kind entscheide, dann nur weil sie es mir „verdorben“ hat und das würde ich ihr übel nehmen. Ich hasse mich für diesen Gedanken aber so fühle ich nunmal. Ich bin außerdem am Überlegen, ob ich meinen Job kündigen soll (bin eh sehr unglücklich dort) oder zumindest reduzieren. Aber auch hier denke ich mir, ich gebe das alles nur für sie auf…. und sie ist halt einfach nicht mein Kind. kennt jemand dieses Gefühl? Ich bin gerne ihre Mama und gebe ihr so gerne das, was sie von einer Mama braucht, aber ich weiß halt auch, dass ich GAR keine Rechte habe und wenn ihre leibliche Mutter mal wieder einen Schub hat und sich aufführt oder sie sehen will, dann muss ich da mitziehen. Irgendetwas sträubt sich in mir, so viel aufzugeben und zu investieren, für ein Kind, das einfach nicht meins ist. Und ich habe keine Kraft, das alles nochmal mit einem Kind durchzumachen. Nur, vielleicht ist es mit einem eigenen Kind ja anders?! Ich habe gelesen, dass bei einem leiblichen Kind die Muttergefühle schon nochmal anders und intensiver sind. Ist das bei euch so? Danke, wenn ihr euch diese Zeilen bis zum Ende durchgelesen habt. Ich freue mich über Tipps und Einschätzungen von Euch <3

  • #9365

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Magdillana

    Ein eigenes Kind ist was ganz anderes! Es entsteht in dir. Es wächst in deinem Bauch, wird durch dich in diese Welt gebracht, von dir genährt, hat ähnliche Gesichtszüge wie du oder einer deiner Vorfahren. Natürlich hast du dann auch schlaflose Nächte, wirst dir Sorgen machen, wenn es unglücklich ist, wirst seine Krankheiten aushalten müssen und es ist vielleicht dauernd erkältet und das alles bringt dich genauso an die Grenzen, wie beim Stiefkind. Aber es wird deinem Kind immer -ohne Frage- klar sein, wer die Mama ist, während deine Stieftochter mit dieser Frage hadert, was zu weiteren Unsicherheiten, Forderungen und Auseinandersetzungen führen wird. Es wird noch einiges auf euch zukommen. Holt Euch genug früh Hilfe und baut Eure Beziehung auf ein gutes Fundament.
    Das Kind ist jetzt fünf, du musst ab Beginn Kinderwunsch mind. zwei Jahre Hormonkarussell berechnen! Also lieber jetzt, bevor sie in die Pubertät kommt. Ich hoffe, dein Freund kann dich genug gegen Aktionen der Ex und/oder anderen Familienangehörigen schützen, die Bedenken haben könnten, dass ihr Kind/Enkel dann zuwenig im Mittelpunkt stehen könnte, wenn ihr ein Baby habt. Na, dann sollen doch die sich mal kümmern;-) Am Besten, ihr gebt sie jetzt schon ab und zu den Großeltern, ohne denen zu viel Macht einzuräumen.

    Alles Gute!

  • #9366

    Magdillana
    Teilnehmer

    Liebe Pinocchio, viiiielen Dank für deine Antwort. Es beruhigt mich, zu hören, dass ein eigenes Kind eine andere Bindung bedeutet… bei allem anderen hast du natürlich absolut recht. Wir hatten bereits am Anfang der Beziehung Hilfe von einer Therapeutin und holen uns jetzt nochmal Unterstützung, um die Kleine besser unterstützen zu können, da gerade wirklich viel in ihr arbeitet. Die Ex hält sich im Moment zum Glück zurück, aber sie ist eine tickende Zeitbombe, da kann man leider nie sicher sein, wie lange es friedlich bleibt. Vielen Dank für deine Worte und auch dir alles Gute!!

  • #9371

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Magdillana,

    ich kann Pinocchio nur zustimmen, dein eigenes Kind ist nochmal eine ganz andere Größenordnung… und da Gefühl nochmal ein komplett anderes. Du erlebst es halt auch von Anfang an und hast auch mehr Einfluss. Von dem was du schreibst, hat die Tochter vermutlich schon ein gestörtes Urvertrauen, weil fehlende Mama bzw. konnte sie sich wahrscheinlich von Anfang an nicht „richtig“ kümmern… somit ist die Kleine möglicherweise bereits „traumatisiert“ ohne das natürlich selbst benennen zu können… wie du schon schreibst, sie wirkt immer unausgeglichen…die Therapien und Hilfe von außen sind da sicher hilfreich. Auch dir möchte ich gerne das neue Buch vom Gewünschtesten Wunschkind für die Jahre 5 bis 10 ans Herz legen, das könnte dir vielleicht ein wenig mehr „Verstehen“ ihres Verhaltens vermitteln.

    Was das eigene Kind angeht: Wenn du gerne eines möchtest und dein Partner auch, dann kann ich nur sagen: Ran an den Mann und nicht lange zögern. Alle andere wird sich finden. Auch nimmt das den Fokus von der Tochter udn gibt ihr die Aufgabe der „großen Schwester“ was ihr vielleicht auch Selbstbewusstsein vermittelt.
    „Ich bin außerdem am Überlegen, ob ich meinen Job kündigen soll (bin eh sehr unglücklich dort) oder zumindest reduzieren. Aber auch hier denke ich mir, ich gebe das alles nur für sie auf…. und sie ist halt einfach nicht mein Kind.“ – Das würde ich in Hinblick auf deine eigene Kinderplanung vermeiden, weniger arbeiten oder gar kein Job, bedeutet nämlich auch: Weniger Elterngeld. Dieses wird auf die letzten 12 Monate vor Geburt des Kindes berechnet. Du solltest also wenn irgendwie möglich noch durchhalten bis du Schwanger bist… und dann kannst du dich, solltest du es dort gar nicht mehr aushalten immer noch krankschreiben lassen oder ins Berufsverbot schicken lassen (da gehen auch psychische Gründe, zumindest wenn du einen guten Gyn hast). Wenn du seiner Tochter zuliebe Stunden reduzierst, schlägt sich das auch in deiner Rente wieder…auch wenn es noch Jahre hin sind, hat das möglicherweise mal einen Einfluss….

    Ich hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben… und schäme dich nicht für deine Gefühle. Es sind deine Gefühle und die kann dir keiner nehmen oder keiner beeinflussen. Du scheinst sehr viel für dieses Kind zu tun und momentan einfach an deine Grenzen zu kommen, möglicherweise auch bedingt durch deinen eigenen Kinderwunsch… das ist das wichtigste, was ich dir raten kann: Schieb diesen nicht auf. Die weibliche Fruchtbarkeit ist endlich und die Risiken werden mit jedem Lebensjahr größer… hatte ich mit 34 noch eine problemlose Erst-SS hat es nun mit 38/39 drei FG lang gedauert, bis ich wieder schwanger wurde und mehr als die ersten 12 Wochen überstanden habe…

    Viel Glück und alles gute für dich,
    LG Daka.

  • #9374

    Magdillana
    Teilnehmer

    Liebe Daka! Vielen lieben Dank für deine lieben Worte und deine tollen Tipps! Das Buch werde ich mir sofort bestellen.
    Mit dem Job hadere ich schon lange, abgesondert von der Situation mit unserer Kleinen. Ich habe jetzt eine Runterstufung auf Teilzeit beantragt. Auch wenn das im Falle einer baldigen Schwangerschaft und in Hinblick auf die Rente finanziell nicht so optimal sein wird wie aus einer Vollzeitstelle. Aber mein eigenes Seelenheil, und das der Kleinen bzw unserer ganzen Familie ist mir wichtiger als ein paar hundert Euro. Außerdem arbeite ich noch mit Nebentätigkeit, in der ich wesentlich lukrativer arbeite und mit weniger Aufwand als im hauptjob mehr Geld verdienen kann. Mein Ziel ist es eh, evtl. Wieder komplett selbstständig zu arbeiten. In meinem Beruf geht das alles auch sehr gut. Ich habe ihr gestern gesagt, dass ich weniger arbeiten werde weil ich mehr Zeit mit ihr verbringen will… sie ist mir vor Freude um den Hals gefallen 🙂 das hat sehr gut getan und ich weiss es ist der richtige Schritt.
    Das mit dem eigenen Kind versuchen wir ja schon seit Anfang des Jahres (ich habe allerdings das ganze 2017 schon zur “Vorbereitung “ genutzt, also die Pille Ende 2016 abgesetzt, mit Mönchspfeffer und Folsäure angefangen, Zyklusanalyse gemacht usw), ich glaube jetzt, wo dieser dicke Stein von meinem Herzen gefallen ist, bin ich bereit für ein eigenes Kind, dem ich meine ganze Liebe und Zeit schenken kann, und das auch für die Kleine eine Bereicherung wird, so wie du es auch geschrieben hast. Vielen Dank für deine Nachricht !! Toll, wie unterstützend ihr hier in diesem Forum seid. ❤️

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