Negative Gefühle gegenüber dem Stiefkind

Startseite Foren Stiefmütter Negative Gefühle gegenüber dem Stiefkind

Schlagwörter: 

Dieses Thema enthält 25 Antworten und 10 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Sommerflieder vor 1 Monat.

  • Autor
    Beiträge
  • #8580

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Hallo zusammen,

    ich habe schon vor einigen Monaten diesem Blog entdeckt. Leider traue ich mich erst jetzt zu schreiben.

    Immer wieder zweifle ich an mir selber und stelle mich selber in Frage. Ich habe das Gefühl eine böse Stiefmutter zu sein, weil ich immer wieder negative Gefühle meinem Stiefsohn (12) gegenüber habe. So böse es auch klingt: Ich hasse diesen Rotzlöffel. 🙁

    Er benimmt sich unmöglich, klebt wie eine Klette an seinem Vater und von Selbständigkeit keine Spur. Die Schule ist piepegal und Noten sind vollkommen überbewertet. Schon in ganz jungen Jahren wurde in der Schule der Fehler begangen ihn in die nächste Klasse mitzuschleifen, obwohl er in Mathe so schlecht war / ist, dass er nicht benotet wurde. Damit hat er gelernt, dass er mit null Bock und Faulheit weiter kommt. Alles bekommt den Zusatz „Scheiß“ oder „Dreck“. Sind wir z.B. bei meinen Eltern eingeladen, kommt nach einer halben Stunde die Frage wann wir endlich wieder gehen. Und dann wird so lange Theater gemacht bis wir gehen. Alles muss sich um dieses unerzogene Kind drehen. Er weiß genau wie er seinen Vater auch weich kocht. Das Kind hat so viele Schlechtigkeiten, dass ich hier Romane schreiben könnte.

    Der Junge wohnt jetzt seit fast einem Jahr bei uns, weil die KM es rausgeschmissen hat. Entweder mein Lebensgefährte nimmt ihn oder er kommt ins Heim. Seit dem steht mein Leben auf dem Kopf. Ständig ärgere ich mich über das Kind. Und spreche ich das bei meinem Lebensgefährten an, wird immer abgewiegelt. Ich solle doch Verständnis für den Jungen haben. Sorry, ich habe kein Verständnis für 11 Jahre ungezogen sein. Ständig kommen respektlose Sprüche, seiner Oma gegenüber kommen in einer Tour unverschämte Anzüglichkeiten und jeder muss sich von dem Gör auf der Nase rumtanzen lassen. Trotz einer total behämmerten Mutter, die in meinen Augen nicht alle Tassen im Schrank hat, hätten mein Lebensgefährte und seine Eltern versuchen können ihn zu erziehen. Aber leider war immer: „Lass doch den Jungen, der hat es so schwer mit seiner Mutter.“ an der Tagesordnung. Und ich putze fröhlich hinter dem Rotzlöffel her und nach ner halben Stunde sieht z.B. das Bad wieder aus wie Sau und der Spiegel ist spätestens am nächsten Tag mit Zahnpasta verschmiert.
    So langsam bin ich echt mit meinem Latein am Ende und meine Kraft schwindet auch immer mehr. Ich weiß nicht wie ich dem Kind Herr werden soll. Manchmal würde ich gerne den Kerl einfach anbrüllen und schütteln.

    Oft wünsche ich mir, dass der Junge bei seiner Mutter geblieben wäre. Mir fällt es sehr schwer seine Gegenwart zu ertragen.

    Ich fühle mich total schlecht mit der Wut auf dieses Kind, aber ich kann oft nicht aus meiner Haut. Meistens bemühe ich mich eine gute Stiefmutter zu sein. Es gelingt nicht immer. Neulich habe ich meinem Partner auch gesagt, dass ich das Kind einfach nicht lieben kann. Da wurde ich mit großen Augen angeschaut.

    Hat jemand eine Idee, wie ich ich diese ständige Wut auf das Kind los werden kann?

    Ich freue mich auf eure Antworten.

  • #8590

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe PracticalMagic,

    als erstes mal möchte ich dir sagen, es ist okay, dass du diese Gefühle hast. Niemand kann dich zwingen dieses Kind zu lieben und bei allem was vorgefallen ist, ist es vermutlich auch schwer dies zu tun… ich meine offensichtlich ist er ja „so unmöglich“ dass selbst seine eigene Mutter ihn rausgeschmissen hat. Oder mit welchem Grund hat die Mutter ihn rausgeschmissen und vor allem wie wurde dem Jungen das kommuniziert?

    Um diese Wut loszuwerden oder besser damit klar zu kommen, solltest du dir bewusst machen, dass der Junge in erster Linie nichts dafür kann, sondern das Ergebnis der Erziehung durch seine Eltern ist… und offensichtlich ist da sehr vieles schief gelaufen. Dem Jungen wurde bisher folgendes vermittelt, „er ist nicht gut so wie er ist und weil er so schlecht ist muss er zum Vater oder ins Heim“. Und bei Papa und Großeltern ist er „der arme Junge“ dem man das Leben doch nicht noch schwerer machen muss… Das hat ein bisschen was mit selbsterfüllender Prophezeiung zu tun…immer wieder wird dem Jungen direkt oder indirekt vermittelt, dass er schlecht ist, dass er gar nicht mehr versucht gut zu sein, weil ja sowieso alle denken er sei schlecht. Im Prinzip müsst ihr versuchen aus diesem Muster irgendwie rauszukommen.

    Ich lese raus, dass du zwar einerseits schreibst, den Jungen zu „hassen“, aber gleichzeitig doch eigentlich einen Weg suchst um ihm zu helfen und damit natürlich auch dir selbst bzw. euch als Familie zu helfen. Wäre es eine Möglichkeit, dass ihr euch externe Hilfe wie z.B. eine Familienberatung sucht? Die Caritas bietet sowas z.B. an. Ich meine, es ist ja auch schon ein ganz schöner Einschnitt, wenn die Mutter einen mit 11 Jahren zu Hause raus schmeißt, das muss auch erstmal verarbeitet werden. Ich denke der Junge hat jede Menge Probleme über die er gerne sprechen möchte, aber keiner hört ihm zu. Hier wäre das aktive Zuhören nach Gordon eine theoretische Möglichkeit Zugang zu ihm zu bekommen. Ich denke nämlich, wenn er sich gehört und angenommen fühlt, kann und wir er auch lernen sein Verhalten zu ändern. Wenn du Interesse daran hast, kann ich dir das Buch „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon empfehlen. Ich habe dazu sogar einen Kurs gemacht, den gibt es aber nicht überall. Fand ich jedenfalls sehr hilfreich und hilft mir auch in der Kommunikation mit meiner Tochter und auch meinem BK.

    Mich interessiert noch, wie denn dein Mann mit ihm umgeht. Unterstützt er die Unselbständigkeit und nimmt ihm alles ab? Vielleicht könnt ihr gemeinsam einen Plan aufstellen, was er an Aufgaben übernimmt damit sich alle beteiligen? Und wenn der Spiegel schmutzig gemacht wird, dann wird er mit einem Lappen eben wieder sauber geputzt… Das muss man dann entsprechend kommunizieren…ala „Ich sehe, dass am Spiegel Zahnpasta klebt…ich habe den Spiegel gestern erst geputzt. Ich ärgere mich (es macht mich wütend), dass er schon wieder dreckig ist. Ich möchte dir zeigen, wie man den Spiegel putzt, dann kannst du ihn, wenn er versehentlich dreckig wird, alleine wieder sauber putzen“. Wichtig ist, Verallgemeinerungen wie „Immer machst du den Spiegel dreckig“ zu vermeiden und bei den sogenannten „Ich-Botschaften“ zu bleiben…

    Ich drücke die Daumen, dass ihr einen Weg findet, ich denke externe Hilfe könnte jedenfalls in eurem Fall gut helfen…

    Ich hoffe das hilft dir ein bisschen,
    Liebe Grüße,
    Daka.

  • #8594

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe PracticalMagic,

    in dieser Situation interessiert mich, wie eigentlich die Aufgabenverteilung im Haushalt zwischen dir und deinem Partner geregelt ist. Du beschwerst dich, dass dein Partner sehr nachsichtig ist, z.B. beim Dreck auf dem Spiegel. Es ist sehr leicht, nachsichtig zu sein, wenn man nicht selbst putzt. Ich würde versuchen, gerne mit viel Nachdruck, folgende Grundregel zu etablieren: Was der Kleine verbockt (verschüttet, beschmiert, oder Probleme macht mit anderen Kindern etc.), muss sein Vater berichtigen. Solange nämlich du das Hinterherputzen erledigst, spürt er nicht am eigenen Leib, wie mühsam die Auswirkungen der „oh das arme Kind“-Mentalität sind. Dir hingegen können sie eher egal sein. Was hältst du davon?

    Und ich möchte auch noch einmal betonen, was Daka schon gesagt hat: Deine Gefühle sind in Ordnung. Sie mögen weder angenehm noch hilfreich sein, aber sie haben durchaus ihre Berechtigung. Sie sich wegzuwünschen hat wahrscheinlich eher einen negativen Effekt. Natürlich freut sich dein Partner nicht darüber, aber da muss er durch. Du must den Kleinen nicht mögen, nicht bemitleiden, nicht einmal leiden können – nur respektvoll und fair behandeln.

    Alles Gute,
    Pumpkin

  • #8597

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Hallo Daka, hallo Pumpkin,

    vielen lieben Dank für Eure Antworten und Eure lieben Worte. Sie geben mir sehr viel Auftrieb. Auch die Buchempfehlung werde ich im Hinterkopf behalten.

    Momentan fällt es mir echt schwer nicht auszuflippen. Manchmal habe ich echt das Gefühl die einzig Normale in diesem Irrenhaus zu sein. Mein Lebensgefährte fördert oft unbewusst / ungewollt das schlechte Benehmen seines Sohnes. Spiegel wieder einsauen ist nicht schlimm, Faulheit in der Schule hat keine Konsequenzen, dumme Sprüche am laufenden Band. Von meinem Freund kriege ich recht wenig Unterstützung (ist aber zwischenzeitlich besser geworden) und der Junior wird verhätschelt, aber ich werde versuchen meinem Freund mehr darauf aufmerksam zu machen, dass er für die Erziehung jetzt zuständig ist. Er ist kein Kumpel sondern der Vater.

    Daka, du wolltest wissen wie es kam, dass der Junior bei uns eingezogen ist. Es lag sicher auch seinem Verhalten, aber im Wesentlichen lag es an der Mutter. Die Frau hat echt einen Schuss. Sie kauft sich alles, auch die Liebe ihrer Kinder. Aber sie lieben sie nicht. Sie werden nur materialistisch. Zuhause bei denen herrscht Ton wie auf dem Kasernenhof. Da hat der Junge so lange Theater gemacht bis sie ihn rausgeschmissen hat.

    Ich hoffe, dass ich mich mit dem Kind irgendwie wieder vertrage und dass meine bösen Gefühle dem Kind gegenüber besser werden. Nur irgendwie nervt er mich aktuell immer mehr. Die beginnende Pubertät ist da sicher auch nicht ganz unschuldig. Im Grunde weiß ich, dass das Kind nichts dafür kann, aber immer den klaren Blick dafür zu behalten, ist echt schwer.

    Magische Grüße
    S.

  • #8600

    Daka
    Teilnehmer

    Mir ist noch eingefallen, manchmal sind gewisse Dinge einfach Ansichtssache…vielleicht ist es tatsächlich so, dass auch deinen Mann ein dreckiger Spiegel nicht stört und er deshalb zu seinem Sohn sagt „ist nicht so schlimm“. Dich stört das aber sehr wohl und daher solltest du das auch so kommunizieren. Dir ist Sauberkeit im Bad wichtig und auch wenn die anderen das nicht so sehen, sollten sie da entsprechen Rücksicht nehmen… auch dein Mann, indem er z.B. sagt, XY hat gestern den Spiegel geputzt und ihr ist es wichtig, dass dies auch so bleibt… anstatt ist doch nicht so schlimm. Er könnte auch sagen, „Ich finde es nicht so schlimm wenn der Spiegel dreckig ist, aber XY mag es lieber sauber im Bad. Ich finde wir sollten sie darin unterstützen und machen daher jetzt den Spiegel wieder sauber“.

    Ja, die nahende Pubertät macht es bestimmt nicht einfacher… vielleicht kannst du ja mal was schönes mit ihm unternehmen, nur zu zweit? Damit ihr euch ein wenig annähern könnt? Gibt es etwas dass ihm wirklich Spaß macht was du mit ihm machen könntest? Vielleicht redet er dann ja auch mal ein bisschen… und vielleicht fällt es dir leichter in einer „Nicht-Alltag“-Situation ihn als das Kind zu sehen was er noch ist und nicht als den „Störenfried“ der immer nur Ärger macht…

    LG Daka.

  • #8612

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Mit der Ansichtssache hast du aber Recht. Das habe ich schon mal angesprochen. Muss ich wohl nochmal tun.

    Gemeinsame Unternehmungen machen Junior und ich schon. Auch ohne Papa. Das kriegen wir auch erstaunlich gut hin. Im Sommer waren wir gemeinsam essen und er war total brav und redselig. Aber vor ein paar Wochen waren wir im Kino (ein Film den er unbedingt sehen wollte, aber sein Papa nicht). Da war er schon sehr distanziert. Und seit dem baut sich bei uns wieder so eine schlechte Stimmung auf. Das Pubertier quengelt und dann ist Schule auch noch so doof. Durch den Ton, den er drauf hat, habe ich aktuell keine Lust was mit ihm zu machen oder ihn mitzunehmen. Gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt wäre ja eigentlich nett.

    Liebe Grüße
    S.

  • #8616

    Daka
    Teilnehmer

    Ich finde die Idee mit dem Weihnachtsmarkt super schön. Versuche doch in diesem Moment mal die Probleme zu vergessen die ihr sonst habt. Macht euch einen schönen Nachmittag und vielleicht öffnet er sich wieder ein bisschen (da würde dann das „Aktive Zuhören“ helfen). Euer Leben wir gerade dominiert von den Problemen, da ist so eine Auszeit doch für alle gut um mal wieder durchzuatmen. Und auch für ihn als Pubertier ist diese Phase ja schwierig…er muss ja auch erstmal mit diesen ganzen körperlichen Umstellungen umgehen lernen… aus deinen Texten lese ich mittlerweile raus, dass du den Jungen doch ziemlich gerne hast, momentan aber einfach überfordert bist mit dem ganzen drum herum…
    Ich bin aber auch gespannt, wie das bei uns noch wird… mein BK ist gerade 10 und da wird es ja doch auch früher oder später losgehen…

  • #8623

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Hej Daka,

    am Wochenende werden mein Lebensgefährte, Junior und ich auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ich bin gespannt. Hab nicht gerade Lust, aber vielleicht hat Junior sich ausnahmsweise doch mal im Griff.

    Früher hatte ich ihn mal ganz gerne. Nur seit einiger Zeit verändert er sich immer mehr ins Negative. Er war schon als Kleiner total respektlos. Mit jedem Monat wird es schlimmer. Das macht es nicht leichter ihn zu mögen. Naja, ich bemühe mich.

    Wie lange kennst du dein Bonuskind? Wohnt es dauerhaft bei euch?

  • #8625

    Daka
    Teilnehmer

    Hey, nein mein BK wohnt nicht bei uns, kommt 14 tägig Do-So und in der Woche dazwischen am Do Nachmittag. An den Donnerstagen nehme ich mich dann oft raus und mache meins.
    Wenn du Zeit hast, lies mal das Buch, das könnte dir echt helfen. Und was den Weihnachtsmarkt betrifft: Denke einfach positiv und denke nicht von vornherein, dass es sowieso blöd wird…denn dann wird es das auch. Denke: Wir werden zu dritt einen schönen Nachmittag haben… Frei nach dem Motto: Lächle und man lächelt zurück… 🙂

    In dem Sinne, einen schönen zweiten Advent und liebe Grüße, Daka.

  • #8684

    Sterntaler
    Teilnehmer

    Hallo PracticalMagic,

    ich kann verstehen, dass du dich über das Verhalten deines BK ärgerst und das die angespannte Situation es eher schwieriger als einfacher macht. Es ist schwierig in so einer Situation zu versuchen einen neutralen Blick zu bewahren und das für alle Beteiligten.

    Ich will dein BK keinesfalls in Schutz nehmen, ich denke jedoch, dass es für ein Kind auch nicht einfach ist herumgereicht zu werden. Von der eigenen Mutter abgeschoben zu werden und plötzlich beim Vater zu leben wo er zuerst nur über Wochenende Zuhause war und dann noch eine Stiefmutter dazubekommt. Ich denke, dass gerade in solchen Situationen die Verlustangst hoch ist. Darum denke ich, dass er sich auch so verhält wie er sich verhält.

    Natürlich ist es nicht gut alles durchgehen zu lassen und dem Jungen Narrenfreiheit zu gewähren. Das geht natürlich nicht. In einer Patchworkfamilie ist jeder gefragt sich anzupassen, nach Regeln die durch alle gemeinsam aufgestellt werden. Vielleicht hilft es dir, wenn du noch einmal das Gespräch mit deinem Partner suchst und ihm erklärst was dir auf dem Herzen liegt. Wie du Dinge wahrnimmst und was du gerne verändern möchtest. Dann könnt ihr gemeinsam daran arbeiten Dinge zu ändern. Langsam und immer ein Schritt nach dem anderen. Regeln und Verhalten lassen sich nicht von einem auf den anderen Tag verändern. Vielleicht könnt ihr mit kleinen Dingen beginnen. Falls sich dann einer von euch nicht an die Vereinbarung hält gibt es dann Konsequenzen. Z.B. ist der Spiegel wieder eingesaut, dem BK zeigen wie man den Spiegel sauber macht und dann muss er das beim nächsten Mal selber machen.

    Dein Partner muss natürlich auch seine Aufgaben als Vater wahrnehmen. Er muss dem Kind verständlich machen, dass er manche Sachen so nicht mehr machen kann. Das ist seine Aufgabe, nicht deine. Ich finde es immer wieder schade, wenn Väter nicht durchgreifen können wenn es sein muss. Dadurch passiert es ganz schnell, dass man als Stiefmutter viel strenger wahrgenommen wird und es schwieriger hat als eigenlich notwendig. In erster Linie sind die KM und der KV für die Erziehung verantwortlich. Ich finde es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn man als Stiefmutter auch Aufgaben übernimmt, diese sollten einen aber nicht vollkommen auslaugen oder in Schwierigkeiten bringen.

    Liebe Grüße,
    Sterntaler

  • #8802

    Gini2404
    Teilnehmer

    Hallo PracticalMagic

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich bin in einer ähnlichen Situation. Ich wohne mit meinem Freund zusammen und seine 11 jährige Tochter wohnt auch bei uns.
    Ich hatte schon befürchtet, dass ich mit meinen negativen Gedanken alleine bin. Ich kann dir leider keinen Tipp geben. Den suche ich selbst noch. Ich kann dir aber sagen wie ich die Dinge in meiner Beziehung so sehe. Ich denke man ist oft so verärgert, weil man die Erziehung einfach anders gemacht hätte und man bekommt da einfach schon so ein fertiges Paket. Man kann gar nicht mehr so viel eingreifen und ich denke oft ich rede ständig und immer gegen eine Wand. Letztlich denke ich helfen tut wahrscheinlich nur eine Therapie. Also Unterstützung von Außen. Das wollen wir im neuen Jahr in Angriff nehmen. Vielleicht solltet ihr das auch in Erwägung ziehen. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Und du bist nicht alleine. Liebe Grüße.

  • #8986

    emma1985
    Teilnehmer

    Mir gehts leider auch so 🙁 ich lebe mit meinem Mann und seinen zwei Kindern (6+8) zusammen und halte es kaum aus. Ich frage mich manchmal wie ich mir das nur antun konnte nur irgendwie denkt man immer man schafft das aber wenn man nicht in der Situation lebt haben alle immer gut reden. Und was ich auch immer zu hören bekomme ist – die armen Kinder. Ich bin selber als Stiefkind groß geworden. Wenn ich jetzt beide Rollen nachträglich sehe finde ich die der Stiefmutter schlimmer (wenn es denn eine ist die sich Mühe gibt). Ich gebe mir wirklich Mühe nicht so zu sein wie meine Stiefmutter zu sein die bis heute den Kontakt von meinem Vater zu mit zu unterbinden sucht.
    Nur komme ich als Stiefmutter die sich Mühe gibt auch nicht klar außer das ich selber zugrunde gehe. Ich hab das Gefühl ich kann nicht mehr. Die Mutter hat den Vater und die Kinder vor zwei Jahren verlassen wegen eines neuen Mannes. Jetzt nimmt sie ihre eigenen Kinder nur jedes zweite Wochenende. Es gibt wie immer in dieses Konstellation nur Streit. Ich hab das Gefühl und auch andere das die Kinder mich mögen aber größtenteils mag ich sie nicht. Sie sind nicht meine Kinder, ich kümmer mich Tag für Tag und sie sind so undankbar Wie Kinder halt von Natur aus sind. Nur Eltern die ihre Kinder lieben ertragen sowas relativ gut nur wenn man die Kinder nicht liebt? Wenn man kaum seinen Mann für sich hat? Wenn man Wohnort, Arbeit alles verlasssn hat 😞 manchmal ertrage ich nicht mal das Bad mit ihnen zu teilen. Ich fühl mich furchtbar aber komm nicht gegen diese Gefühle an bin nett und freundlich zu ihnen sterbe aber gefühlt innerlich.

    • #8990

      Donnaserpente
      Teilnehmer

      Liebe Emma,

      ich kann Deine Gefühle absolut nachvollziehen. Mir ist immer der Hals wie zugeschnürt, wenn die Kinder in den Sommerferien mal eine Woche bei uns sind. Nach ein paar Tagen kann ich irgendwie nicht mehr. Und Du musst das täglich aushalten. Können die Kinder nicht evtl. bei der Mutter wohnen? Wenn das nicht möglich sein sollte, dann würde ich zumindest auf dem Wechselmodell bestehen.
      Wie weit wohnt Ihr denn voneinander entfernt?

      VG, Donna

  • #8991

    FrauS
    Teilnehmer

    Hallo Emma.
    Das ist echt schwierig. Ich hab eine fast 13jährige bei uns zuhause und sie ist schon echt anstrengend. Wenn ihr Vater nein sagt total zickig und wenn ich nein sage noch viel schlimmer. Ich weiß auch manchmal nicht mehr weiter weil sie so extrem reagiert.
    Sie findet mich anscheinend praktisch wenn es darum geht einzukaufen oder die Haare zu Flechten, aber wenn ein nein von mir kommt geht gar nichts mehr.
    Beispiel zu Freunden gehen. Regel vom Papa aufgestellt: alles fertig wie Zimmer aufgeräumt und Spülmaschine fertig gemacht.
    Fragt sie mich ob sie raus darf. Sage ich: wenn du alles erledigt hast dann ja. Kommt sofort eine schnippische Antwort wie klar das ich erst alles fertig machen muss… und in was für einem Tonfall…
    ich hab mir dann angewöhnt auf Papa zu verweisen und versuche es nicht persönlich zu nehmen… gelingt mir auch nicht immer und ich frage mich ob ich mir sowas wirklich antun möchte….
    aber wie ich hier gelesen hab geht es jeder next ähnlich. Mal schlimmer mal weniger schlimm.
    Seine Tochter kommt heute Mittag aus den Ferien wieder nach Hause und ich hab ehrlich gesagt keine Lust auf Neues rumgezicke.
    Ich hoffe nur sie gute Laune hat und ein wenig Ruhe zuhause herrscht.
    Ich hab wie mir hier empfohlen wurde mit ihr in einer ruhigen Minute gesprochen. Es wäre gar nicht so das sie so zu mir ist. Sie hat halt manchmal einfach schlechte Laune. Und sie weiß auch nicht warum.
    Ich verstehe ja das Pupertät sehr schwierig ist, aber mit sowas hätte ich nicht gerechnet.
    Ich kann dich voll verstehen wenn du keine Lust mehr hast und am liebsten alles hinwerfen willst, aber du musst dich fragen ob du so weiter machen willst.
    Ich hab mich vorerst entschieden es weiter zu tun. Wenn es mir wieder schlechter geht fahre ich alleine weg oder mit einer Freundin. Ich habe ein eigenes Leben getrennt von den beiden. Auch wenn es meinem Freund nicht gefällt, er akzeptiert es. Wenn er das nicht tun würde, dann wären wir nicht mehr zusammen.
    Diese Entscheidung wird von mir immer wieder hinterfragt.
    Mal sehen wie lange das gut geht.
    Auf alle Fälle bin ich froh hier zu sein und gute Ratschläge zu bekommen und vor allem fühle ich mich nicht total allein in der Situation 🙂
    Denk an dich und was dir gut tut.
    Liebe Grüße S.

  • #8998

    Gini2404
    Teilnehmer

    Danke, dass es euch gibt und ich weiß, dass auch ich mit meinen Gefühlen und Gedanke nicht alleine bin. Das tut gut zu lesen, wie es euch geht und ich nicht immer denken muss, ich sei irgendwie schlecht oder böse. Sondern, dass es auch ganz normal ist so zu denken.

  • #9001

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Hallo ihr Lieben, es tut mir so gut zu lesen, dass ich tatsächlich nicht alleine mit meinen Gefühlen bin. Es gibt gute Tage und es gibt Tage an denen ich so wütend bin. Was macht ihr, wenn ihr nicht wisst wohin mit euren Gefühlen und der Wut?

    • #9002

      Donnaserpente
      Teilnehmer

      Joggen gehen, Yoga, tief durchatmen…..

  • #9003

    Gini2404
    Teilnehmer

    Ich habe mir Rescue Tropfen aus Bachblüten in der Apotheke gekauft. Ob es wirklich hilft oder es ein Placebo ist, ich weiß es nicht. Jedenfalls bilde ich mir ein, dass ich ruhiger bin. Und wenn ich wütend bin, oder mich was stört, ich ziehe mich ins Schlafzimmer zurück. Wir haben abgemacht, dass wenn ich da drinnen bin, ich meine Ruhe haben möchte und nicht gestört werden will. Ich höre Musik, lese, gucke fern und wenn ich denke es geht, dann komme ich wieder raus. Oft rede ich kurz mit meinem Freund und mache meinem Unmut Luft. Dann geht’s erst mal wieder.

  • #9004

    FrauS
    Teilnehmer

    Ich gehe in Sport oder in mein Zimmer und setze meine Kopfhörer auf und höre meine Lieblingsmusik extra laut.
    Früher hätte ich einen Boxsack, aber leider kann ich ihn in dieser Wohnung nicht aufhängen.

  • #9031

    Barokko
    Teilnehmer

    Auch ich kenne diese Wut, dieses Gefühl des ausgeliefert seins gut…auch ich habe dann Schuldgfühle. Lebe mit meinen kids und seinen zusammen. Ibsgesamt 4 kinder. Seine kleine tochter provoziert mich oft. Sie ist geistig behindert und auf dem Stand einer 3 jährigen. Seine 21 jährige Tochter ist lieb und nett, aber oft have ich das Gefühl der Eindringling zu sein Ihre Mutter ist jetzt seit mittlerweile 5,5 jahren verstorben. Die behinderte Tochter macht zns das leben zeitweise richtig schwer. Sie war gewohnt, dass sich alles um sie dreht. Besonders ihr gegenüber habe ich das Gwfühl der Machtlosigkeit, Wut ,des ausgeluefert seins. Dabei aber auch Schuodgefühle, lasse diese Gwfühle in mir nicht zu.
    Es tut gut, diesen Raum gfunden zu haben. Tut gut zu kesen, das es euch genauso geht wie mir. Ich habe oft den Eindruck hier der Bumann zu sein.
    Seit kurzem habe ich wieder einen Hund. Oh ist das schön. Jetzt bin ich wiede sehr oft im Wald. Alleine und auch mit meiner Tochter…. Ohne Schuldgefühle und genieße einfach…
    Der Wind kann uns biegen,aber brechn wird er uns nicht….

  • #9034

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Barokko,

    die Mutter gestorben und das eine Kind auch noch geistig behindert – Hut ab! Das stelle ich mir wirklich, wirklich sehr schwer vor. Hast du denn die Unterstützung deines Partners?
    Ich finde es gut, dass du mit deinem Hund einen persönlichen Rückzugsort für dich gefunden hast, das halte ich in so einer Situation für besonders wichtig.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft,

    LG Daka.

  • #9049

    Barokko
    Teilnehmer

    Danke,
    ja es ist schwer mit einem geistig behinderten Kind, was nicht dein eigenes ist.Ich habe sehr viel Kraft, sehr viel Arbeit in dieses Kind investiert.Ich habe es gefordert und gefördert, es fällt aber immer wieder in die alten Strukturen zurück. In der ersten Familie wurde sie mit Mitleid erzogen..bei mir hat sie Pflichten und muß das,was sie kann auch selber machen.. Puh, 4 Jahre Kampf…seit 3 Jahren leben wir zusammen.. Und das Kind versucht weiterhin sein Ding zu machen…Mein Mann unterstüzt mich. Sieht auch ein ,was Falsch gelaufen ist.. Zum Bespiel dominierte sie mit ihrem Essverhalten die ganze Familie. Sie ist sehr dünn, aß wenig und verweigerte MEIN mittagessen. Aß einfach nichts,saß mit Tränen am Tisch!!! Am nachmittag wollte sie wie selbstverständlich Kuchen…früher bekam sie ihn dann auch. Zu meinem Mann sagte ich am Anfang,dass ich solch ein Verhalten nicht tolerieren werde…mein mann sah das ein. Das Essen ist zumindest nun kein Problem mehr. Aber alles andere. Anziehen, haben wir geübt, kann sie auch. Aber sie verweigert es. Macht sich nicht fertig.. Das macht einem Wut, man fühlt sich Machtlos.So ausgeliefert. In einen Jahr wird sie 18. Wir suchen nach einem Platz in einem Wohnheim fur sie. Jahrelange Pflege, immer gegen einen Widerstand an machen müde. Aber auch das Kind muß selbstständig werden.Ich habe mich schon oft gefragt, lehnst du das Kind ab. ? Weiß nicht.. Habe eigentlich mein bestes gegeben. Habe mich bemüht es selbststandig zu machen. Bin immer gegen Widerstände angegangen. Fazit für mich,wenn auch bitter.. Ist so, erkenne diese Grenze an. Gelernt habe ich aber auch. Nehme dich selber wahr. Erkenne deine Grenzen. Genieße dein Leben, es ist schön. Wir sollten niemandem die Macht geben, unser Leben nicht mehr genießen zu können.
    Liebe Grüße

  • #9050

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    Liebe Barokko, ich bewundere Dich für Deinen Mut und auch für Deine Einstellung. Da sollte ich mir wirklich mal eine Scheibe abschneiden.
    Liebe Grüße, PM

  • #9051

    Barokko
    Teilnehmer

    Liebe Practical Magic,
    es fühlt sich nicht immer gut an. Ich bin manchmal so verunsichert, stelle mich selber so in Frage.
    Gut, dass wir uns hier austauschen können. Ich will auch für meine BK wirklich alles erdenklich gute, setze mich für sie ein, möchte mir aber meine Lebenfreude nicht rauben lassen. Heute war ich mit meinener Noch tee und unserer Fellnase unterwegs,auftanken….ich wünsche dir Kraft für deine anstrengende Aufgabe
    Liebe Grüße

  • #9052

    PracticalMagic
    Teilnehmer

    An Euch alle,

    ich bin so froh, dass ich diesen Blog entdeckt und dadurch Kontakt zu Euch gefunden habe. Ihr seid so eine Inspiration und Bereicherung für mein Leben geworden. Danke!

    Liebe Grüße,
    PM

  • #9065

    Sommerflieder
    Teilnehmer

    Liebe PM, du hast ja schon viele hilfreiche Antworten bekommen und ich versuche mich kurz zu fassen. Auch mein BK ist manipulativ, verwöhnt, unselbständig, darf die Schule wechseln, weil die Lehrer für schlechte Noten verantwortlich sind … und auch so kurz vor der Pubertät.
    Ich sehe es jetzt nicht so oft und du bist um diese Dauerbelastung nicht zu beneiden. Auch unterscheidet uns, dass ich selber tolle Kinder habe, die Ihren Kram auf der Reihe und Manieren haben. Mein Partner nimmt diese Unterschiede inzwischen wahr und verhält sich anders, hinterfragt auch mal die Erziehung der Ex – und das, obwohl ich nie auch nur ein Wort darüber verloren habe. Solche buchstäblichen Musterkinder hast du nun leider nicht…

    Jedesmal, wenn diese ‚Wut‘ in mir aufsteigt, weil das ‚Plag‘ halt so ist, wie sie ist, denke ich mir: Ist ja zum Glück nicht meins und nehme mich komplett aus der Verantwortung. Seit ich das tu, hat sich sein Verhalten geändert. Ich lasse mich nicht mehr davon beeindrucken. Die Väter, Großeltern und ihr Verhalten im Umgang mit dem Kind, können wir nicht beeinflussen, aber wir können eine klare Haltung haben, klare sachliche Ansagen machen und damit Grenzen setzen.
    Wenn du erstmal Spiegel putzen musst, gibt es halt auch mal was Schnelles Unattraktives zum Essen – hast ja keine Zeit zum lecker kochen, weil du putzen musst! Oder: Entweder dein Partner kocht dann, der junge Mann putzt selber oder beide gehn halt hungrig ins Bett…
    …und da höhlt steter Tropfen den Stein! Wichtig ist sachlich und cool zu bleiben ohne den Vater aus der Verantwortung zu entlassen!

    Und wenn dir alles zuviel wird, schnapp dir eine Freundin und macht euch ein schönes Wellnesswochenende – dann hat deine Patchworkfamilie auch mal die Chance, dich zu vermissen. Auch das setzt Grenzen!
    Drücke dir die Daumen!

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.