Mut von Next zu Next

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Dieses Thema enthält 8 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Daka vor 6 Tagen, 15 Stunden.

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  • #8924

    MaryLou
    Teilnehmer

    HalliHallo an alle Mitglieder und Leserinnen dieses Blogs!

    Nach langem Suchen im Internet bin ich hierher gestoßen und war bisweilen eine stille Mitleserin und habe nun das Bedürfnis einen Teil meiner Geschichte zu erzählen und gleichzeitig anderen „Next“ Mut zu machen. Mut dafür, sich treu zu bleiben, auf sich selber zu achten und sich selbst nicht komplett zu vergessen.

    Ich bin 25 Jahre alt und habe schon einige Zeit eine Beziehung zu einem 15 Jahre älteren Mann. Ich wusste schon vor Beginn der Beziehung, dass er aus früherer Zeit einen Sohn hat (6 Jahre). Ich habe lange überlegt und mich dann für eine Beziehung entschieden, da ich allem erstmal eine Chance gebe und vor allem „wo die Liebe nun mal hinfällt“.

    Es lief alles super, der Kleine mochte mich von Anfang an total und auch mit der Familie von ihm und sogar mit der Mutter des Kindes kam ich gut klar. Ich habe Glück gehabt, aus meinem Freundeskreis weiß ich auch, es kann absolut anders ablaufen.

    Leider hat schon relativ früh bei mir ein Warnsignal aufgeleuchtet was die Erziehung angeht. Wie viele Trennungskinder (ich bin auch eins – aber mein Vater hat sich nicht gekümmert) wird der Kleine auf ein Podest gehoben, ihm wird alles abgenommen und er wird als „König“ bezeichnet. Er wird nicht gefordert, sondern um ihn wird herumgeschwirrt wie ein Helikopter. Der Kleine will ein Eis? Natürlich direkt! Er will das Spielzeug haben? Sofort wird das Portmonee gezückt. Natürlich verstehe ich die Aussage meines Freundes, er hat ein schlechtes Gewissen, aber er tut somit dem Kind keinem Gefallen.
    Weiterhin sitzt der Kleine, auch wenn ich mit im Auto sitze und ich bin über 1,80m groß, immer vorne! Da, wie eben schon erwähnt, „Könige immer vorne sitzen“. Auch schlafen beide immer zusammen im Bett, ich mittlerweile, wenn der Kleine da ist, in meiner Wohnung. Die Couch war dann auf Dauer doch etwas unbequem und auch wenn mein Freund am Ende auf der Couch schlafen wollte, gut wäre das nicht gegangen.

    Der Kleine ist auf einem Sprachenstand eines 4-5 jährigen und hat Probleme mit der Motorik. Er isst grundsätzlich alles mit Gabel und Löffel (er hatte noch nie ein Messer in der Hand und kriegt alles klein geschnitten) und wenn er etwas nicht versteht, hat er auch keine Lust etwas zu lernen. Und ich meine wirklich keine Lust. Wenn er das nicht möchte, macht er es nicht und ignoriert alles (auch wenn man mit ihm dann redet, wird man ignoriert). Mir schwirrt etwas die Angst vor Augen, wie es in der Schule sein wird. Der Kleine spielt Fußball, mein Freund lässt mich auf der Tribüne sitzen mit seiner Nichte (ebenfalls 5), da wir nicht an den Spielrand dürfen, wie grundsätzlich kein Elternteil, er ignoriert es aber, wird nicht eingewiesen da er sich gut mit den Trainern versteht und der Kleine läuft direkt immer zu Papa. Unter anderem auch, da er in seiner Selbstständigkeit nie gefördert oder gefordert wird.

    Ein weiteres Beispiel: Wir haben gegessen, es soll gemeinsam abgeräumt werden. Er muss grundsätzlich nichts im Haushalt machen, alles wird ihm abgenommen, egal bei wem. Er steht vom Tisch auf, setzt sich auf die Couch und sagt „Aber Papa, ich bin der König und Könige müssen nicht abräumen.“. Zack! Zum Schluss wurde mitgeholfen, da schließlich ein Überraschungs-Ei raussprang.

    Einmal habe ich mich getraut etwas zu sagen (es war im Urlaub). Der Kleine bekommt ein Armband, ihm ist es zu eng und er möchte es 2 Minuten nach dem Kauf in den Mülleimer werfen. Da habe ich dann meine Meinung meinem Partner gesagt und habe direkt einen Rundumschlag erhalten, welcher sich gewaschen hat. Seitdem denke ich mir, in der Erziehung – mach was du willst. Er weiß aber auch, bei unseren eventuellen Kindern wird es eindeutig anders laufen – und keiner, auch sein Sohn aus vorheriger Zeit – wird benachteiligt oder bevorzugt. Aber das hat alles noch Zeit.

    Seit diesem Zeitpunkt ist für mich klar:
    – Es ist nicht mein Kind. Natürlich ist mir der Kleine wichtig, aber mein Universum dreht sich nicht ausschließlich um ihn. Somit ist auch die grundsätzliche Erziehung nicht meine Sache, jedoch gibt es in meiner Wohnung Regeln, an die er sich auch halten muss.
    – Mein Freund fährt 400 Kilometer jede Woche an seinen zwei freien Tagen um bei dem Kleinen zu sein, finde ich sehr schön. Auch wenn es für mich schwer ist, da wir noch nie 24h gemeinsam verbringen konnten, aber ich genieße die restliche Zeit. Aber dann soll er es tun, für mich ist damit Schluss. Wenn ich mitfahren möchte oder gefragt werde wenn etwas ansteht, natürlich. Aber ich hole mir keinen Urlaub mehr nur für ihn. Diesen Fehler habe ich begangen und mich selber dabei außer Acht gelassen. Es gab nur noch Kinderwochenenden. Nach einem halben Jahr war dann bei mir die Luft raus.
    – Ich habe mich selber nicht mehr wiedererkannt und meine engsten Vertrauten auch nicht. Und nachdem ich einmal etwas gesagt habe, fiel der Groschen. Mein Partner ist beratungsresistent, für ihn ist das das Richtige. Wirklich, dann soll er das so tun, wie oben beschrieben, nicht mein Kind.

    Damit möchte ich letztendlich nur zeigen, wenn ihr eine Next seid, passt auf euch und eure Bedürfnisse auf. Benachteiligt euch nicht selber und gebt auf euch ziemlich Acht. Natürlich hat mein Partner die Veränderung gemerkt, aber so wie ich bei ihm akzeptieren muss, muss er es bei mir auch. Ihm schmeckt das nicht immer, aber er merkt schon so langsam, wie Recht ich habe.

    • Dieses Thema wurde geändert vor 2 Wochen von  MaryLou.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 2 Wochen von  MaryLou.
  • #8928

    Donnaserpente
    Teilnehmer

    Hallo Mary Lou,

    ich habe gerade Deinen Text gelesen und ich kann Dir sagen: Ich bin platt.
    Weshalb nimmst Du das alles hin? Ein 6jähriger darf im Auto vorne sitzen und Du quetschst Dich auf die Rückbank? Er schläft mit seinem Sohn zusammen und Du wirst auf die Couch abgeschoben? Er ist an den Wochenenden ausschließlich für seinen König unterwegs? Ich kann Dir echt nur raten, sei vorsichtig, was Deine Zukunft mit diesem Mann angeht. Du bist noch richtig jung und Dir stehen alle Türen offen. Vielleicht lohnt es sich, auf den richtigen Mann zu warten, der Dich auf Händen trägt und bei dem Du nicht ständig buchstäblich in der 2. Reihe sitzen musst.

    Alles Liebe,
    Donna

  • #8930

    Blackpearl
    Teilnehmer

    Hallo Mary Lou,

    ich muss mich da Donna anschließen. Warum lässt du das mit dir machen?

    Die Tochter meines Freundes hat bis zu Beginn unserer Beziehung auch in seinem Bett geschlafen. Ich habe Klipp und Klar gesagt, dass das nicht geht. Vor allem baut das Kind so nur eine ungesunde Beziehung zum Papa auf – ein Kind braucht ein eigenes Bett.
    Hat meine Freund aber auch von Anfang an dann so gemacht.

    Mit dem „Könige sitzen vorne“ habe ich nicht verstanden. Die wichtigsten Personen sitzen hinten rechts im Auto – ohne Ausnahme. Vielleicht könntest du ihm auch mal sagen, dass statistisch vorne rechts der gefährlichste Platz im Auto ist – das sollte ihm doch wenigstens die Augen öffnen!

    Der Junge wird total verzogen und irgendwann lernt er es nicht mehr. Und ganz ehrlich? Wenn ihr eigene Kinder bekommt, wird er immer noch einen Unterschied machen – zumindest so, wie er sich gerade benimmt.

  • #8931

    MaryLou
    Teilnehmer

    Hallo ihr Zwei,
    vielen Dank für Eure Meinungen.
    Grundsätzlich habe ich mir selber oft die Frage gestellt, ob ich mir das antun möchte oder nicht. Natürlich kam ich dann auf verschiedene Ergebnisse.
    Ich weiß auch, ich bin sehr jung, aber ich möchte mir eine Zukunft mit diesem Mann aufbauen, er trägt mich wirklich sehr auf Händen sonst und ich sehe schließlich, was die Zukunft bringt. Wenn ich mich selber verlieren würde, würde ich die Reißleine ziehen, soweit steht es für mich fest.
    Da mache ich mir auch nichts mehr vor, gehen kann ich immer.

    Das Problem ist, bezüglich im Bett schlafen, mein Freund hat eine Zweizimmerwohnung. Ein Bett. An den Wochenenden, die er unten ist, schläft er mit seinem Sohn bei seiner Mutter (also, der Mutter meines Freundes) in einem Bett, da sie sonst keinen Platz haben, wo sie hinkönnen. So hat er es gar nicht anders kennengelernt. Auch möchte der Kleine, dass ich mit im Bett schlafe, aber das ist mir too much. Nun schläft, wie gesagt, mein Freund sonst auf der Couch.

    Das mit dem Auto weiß ich auch, habe ich ihm schon gesagt, aber wie gesagt „König bleibt König“. Sogar die Mutter des Kindes hatte den Kleinen und meinen Freund schon einmal darauf hingewiesen, eigentlich gehöre ich nach vorne.

    Ich verstehe euch natürlich und bin echt offen und dankbar für eure Meinungen, aber zurzeit lebe ich so echt gut. Ich sehe, was die Zukunft bringt. Nur habe ich aufgehört, mich über alles verrückt zu machen und zu stressen, auch wenn ich weiß, es ist nicht der beste Weg.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen von  MaryLou.
  • #8936

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe MaryLou,

    das Autothema gab es bei uns auch hin und wieder… er weiß aber mittlerweile, dass er mich fragen muss, ob er vorne sitzen darf, dass für gewöhnlich aber er hinten zu sitzen hat. So Sprüche wie „Ich bin der König und er König sitzt vorne“ gab es allerdings nie und finde ich auch echt schockierend. Das kann dem Kind nicht gut tun immer als König behandelt zu werden… wie du schon selbst sagst, da wird er sich in der Schule noch umgucken.

    Du siehst deinen Mann im Moment noch als Traummann an, der dich auf Händen trägt. Die Sache mit seinem Sohn blendest du so gut es geht aus. Bedenke bitte, sein Sohn wird immer da sein und die Probleme werden nicht kleiner. Solltest du also in der Zwischenzeit zufällig einen anderen Mann treffen, der dich auch auf Händen trägt und bestenfalls kein Kind hat…zögere nicht…

    Alles gute für dich und viel Kraft,
    LG Daka.

  • #8939

    Lacalma
    Teilnehmer

    Hallo MaryLou,

    wow, das ist ja schon harter Tobak. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass eine Beziehung zu so einem Mann (der sein Kind zu einem kleinen „Monster“ erzieht und ihm damit enorm schadet, wirklich funktionieren kann. Natürlich, gehen kann man immer, aber gerade VOR man eigene Kinder hat, kann man ja doch genauer anschauen. Für mich war der positive Umgang meines Mannes mit seinen Kindern ausschlaggebend dafür, dass ich eine Beziehung langfristig mit ihm eingegangen bin.

    Von deiner Beschreibung her ist der Umgang deines Mannes mit seinem Sohn und auch die Rolle die er dir darin zuweist – zumindest von außen betrachtet – nicht gerade erfolgsversprechend für ein zukünftiges harmonisches Familienleben.

    VG Lacalma

  • #8942

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Mary Lou

    Wenn es für dich so stimmt, wie es ist, dann warum nicht?
    Ich selber bin eher der Typ, der sich manchmal ungerechtfertigt behandelt fühlt und dagegen aufmurkst. Mein Mann ist mehr so wie dein Freund, lässt alles stehen und liegen für seine Kinder. Diese unterschiedlichen Einstellungen führen natürlich zu Konflikten zwischen meinem Mann und mir. Das strengt an und ist für einer Beziehung auch nicht so hilfreich. Von daher ist es ja gut, dass es für dich so passt.

    Ich habe wie meine Vorrednerinnen das Gefühl, dass es für das Kind nicht gut ist. Es bekommt dadurch ein falsches Selbstbild vermittelt. Wir haben in der Nachbarschaft so eines und ich mag das Kind nicht besonders.

  • #9036

    MaryLou
    Teilnehmer

    Hallöchen noch einmal und eine Rückmeldung meinerseits,

    vielen Dank für Eure Antworten und Meinungen. Es freut mich wirklich sehr, dass Ihr euch damit befasst habt und mir Eure Sicht mitgeteilt habt. Geholfen hat es mir auf jeden Fall.

    Ich wollte euch kurz mitteilen, wie es nun in der letzten Woche weiterging. Der Kleine war jetzt nicht mehr bei uns, hatte aber nun verschiedene Termine.
    Er hatte Termine bei einer Kinderklinik, bei seiner Logopädin, bei seiner Ergotherapeutin, bei einer Sprachförderungsschule und er hatte gleichzeitig an einer Grundschule den Einschulungstest.

    Bei der Kinderklinik kam raus, der Kleine hätte ADHS – also das glaube ich nun wirklich nicht – kaum ist ein Kind etwas aufgeweckter, wird es direkt mit ADHS eingestuft. Und aggressiv? Niemals!
    Seine Logopädin und seine Ergotherapeutin haben gemeint, er solle besser auf die Förderungsschule gehen. Die Ergotherapeutin ist jedoch zuversichtlicher als die Logopädin, dass er auf einer „normalen“ Grundschule „überleben“ würde. Es wurde jedoch nochmal von der Logopädin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er auf einem Sprachstand eines 4-5 jährigen ist und nach wie vor, laut Ergotherapeutin, schwerere Probleme mit der Motorik hat.

    Die Sprachförderungsschule würde ihn aufnehmen, aber da möchte mein Freund nicht, dass sein Sohn die Schule besucht und der Kleine wollte es auch nicht. Natürlich möchte der Kleine das nicht – da sind schließlich nicht seine Freunde. Fazit ist, trotz Gespräch mit der Logopädin und Ergotherapeutin, wenn der Kleine nicht möchte, muss er nicht.
    Es kam das Thema Pinguine auf, was mein Freund einmal von Dr. Eckart von Hirschhausen aufgefasst hat, daran müsste er immer denken.
    „Pinguine haben große Füße, keine Knie etc. etc. etc. Aber wenn Sie in Ihrem Element Wasser sind, sind sie gut und mein Sohn hat auch das Element Wasser. Er spielt damit ja auch immer und konnte bei der Grundschule dazu eine Geschichte erzählen.“
    Meine Antwort: „Ja, tut er, er spielt. Er kann aber weder schwimmen noch tauchen, von daher würde ich nicht auf „Sein Element ist Wasser“ plädieren.“

    An der Grundschule hat die Ärztin nun eine Lernbehinderung festgestellt. Unter anderem wurde dort auch gesagt, wenn Kinder nicht gefördert und gefordert werden, ist die Gefahr einer solchen Behinderung groß.

    Ich halte mich grundsätzlich raus, aber es tat gut, von „erfahrenen“ Personen meine Sicht und Meinung der Dinge bestätigt zu kriegen. Ob das nun fruchtet, ich glaube nicht.

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.
    Aber es war einfach beruhigend, zu wissen, ich bin keine „schlechte Person“.

    Liebe Grüße an Euch.

  • #9037

    Daka
    Teilnehmer

    Danke für das Update. Vielleicht hilft es, wenn er noch ein Jahr länger in der Kita bleibt und dort gezielt Frühförderung bekommt und dann ein Jahr später auf die normale Grundschule geht?
    Unser BK hatte aufgrund eines Sehfehlers eine verminderte Hand-Auge Koordination und war in der Motorik auch nicht so gut. Er hat dann in der Kita 2 Jahre gezielt Frühförderung bekommen und ein Jahr später eingeschult. Die Mutter wollte eine Förderschule mit Schwerpunkt Sehen, aber er ist dann auf die normal Grundschule gekommen (durch Intervention des Papas, weil das wirklich nicht notwendig war). Er kommt auf der normalen GS jedenfalls super klar und es gab zum Glück nie irgendwelche Probleme (an denen dann natürlich wir Schuld gewesen wären)…
    Ansonsten hilft es sicherlich schon, ihn mehr in den Alltag zu integrieren, aber das brauche ich dir wohl kaum zu erklären, du hast da ja leider keinen Einfluss und die Eltern mögen es halt lieber bequem… vielleicht helfen die „Diagnosen“ ja etwas…
    Viel Glück weiterhin…
    LG Daka.

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