Mein Partner – die Marionette seiner Ex

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Dieses Thema enthält 11 Antworten und 7 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  julie79 vor 9 Monate, 1 Woche.

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  • #8038

    julietta
    Teilnehmer

    Zu allererst möchte ich kundtun wie wohltuend es ist, dass es so etwas wie dieses Forum gibt. Es ist gut zu wissen dass es einen Ort gibt an dem auch Stiefmütter eine Stimme haben.
    Doch nun zu meinem Problem: Mein Partner und ich sind seit gut 1 Jahr zusammen. Ich wusste von Anfang an dass er einen 4-jährigen Sohn hat. Was das jedoch bedeutete, davon hatte ich keinerlei Ahnung, wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte. Da er sich das Sorgerecht mit seiner Ex teilt ist der Kleine die halbe Woche bei ihr, die andere Hälfte der Woche bei ihm, also deutlich mehr als der Durchschnitts-Vater. Auch wenn ich mich nicht gerade als begeisterte Verehrerin der Gattung Kind bezeichnen würde versteh ich mich doch sehr gut mit dem Kleinen, wir spielen, ich lese ihm Gute-Nacht-Geschichten vor, wir gehen gemeinsam ins Museum, er spielt mit meinem Hund. Zweimal waren wir schon bei meinen Eltern (die 700km entfernt wohnen) auf Besuch, die ihn wie einen Enkel behandelt haben. Immer wieder sagt er mir, dass ich seine beste Freundin bin. Ich liebe ihn gewiss nicht so sehr wie ich ein eigenes Kind lieben würde aber ich respektiere ihn als Teil meines Partners und versuche ihm eine gute Stiefmutter/Freundin zu sein. Nun ist es aber so dass ich von allen Familien-Feiern ausgeschlossen werde, wo auch die Ex dabei ist. Weder durfte ich zum Sommerfest im Kindergarten mitkommen noch bin ich zum Geburtstag des Kleinen eingeladen, der in ein paar Tagen stattfinden wird. Auch war es ein großes Drama als sie erfahren hat, dass wir zu Dritt zur Familie meines Partners ins Ausland fliegen würden. Dazu muss man erwähnen, dass die Kindesmutter selbst ebenfalls einen neuen Partner hat mit dem sie sogar Nachwuchs plant. Und abgesehen davon war die Zeugung des Kleinen nichts weiter als ein Unfall, mein Partner und die Kindsmutter kannten sich erst ein paar Tage als es passierte, versuchten es dann miteinander und trennten sich kurz nach der Geburt weil es einfach nicht funktionierte. Als ich meinen Partner kennenlernte waren sie bereits seit 4 Jahren getrennt. In diesen 4 Jahren ist allerdings einiges vorgefallen: Sie hat ihm das Kind entzogen und seitdem hat sie ihn fest in der Hand weil sie ihm bei jeder Gelegenheit damit droht ihm seinen Sohn wieder wegzunehmen. So ist er zu ihrer Marionette geworden, was ihn offensichtlich nicht weiter gestört hat so lange er single war. Nun, da wir seit 1 Jahr in einer Beziehung sind führt genau diese Kontrolle, die sie über sein (und damit auch mein) Leben hat, immer wieder zu schweren Konflikten, und zwar nicht zwischen den beiden sondern zwischen meinem Partner und mir. Ich kann es nicht akzeptieren dass ich zwar gut genug bin zum Babysitten (wenn er Abends mit seinen Freunden feiern geht) und dem Kleinen den Hintern zu wischen aber etwa vom Geburtstag ausgeschlossen werde weil die Gefühle der Kindsmutter nicht verletzt werden dürfen. Was mich daran bodenlos enttäuscht ist die Tatsache dass mein Partner da mitspielt anstatt klare Grenzen zu setzen. Deshalb wird er nun den gesamten Geburtstag mit seinem Sohn und seiner Ex (deren Partner gerade nicht in der Stadt ist) verbringen während ich zuHause sitze und mich gedemütigt und verstoßen fühle. Und natürlich geht es mir nicht darum ihn von seinem Sohn fernzuhalten, schon gar nicht an dessen Geburtstag. Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, warum es nicht möglich ist, entweder den Geburtstag gemeinsam zu feiern, oder wenn das nicht möglich ist, einfach getrennt: Also mein Partner, sein Sohn und ich gemeinsam einen halben Tag und Mutter und Sohn dann die andere Hälfte. Der Kleine hatte mich sogar schon mehrmals zu seinem Geburtstag eingeladen, es dann allerdings vor seiner Mutter geleugnet. Wie auch immer, was mich am meisten enttäuscht ist die Haltung meines Freundes. Natürlich habe ich ihm auch kommuniziert wie sehr es mich verletzt, dass er es zuläßt, mich vom Geburtstag seines Sohnes zu verstoßen. Er meinte er könnte meine Gefühle verstehen, es aber nicht ändern. Was noch dazu kommt ist dass die Kindesmutter für meinen Geschmack so präsent ist im Leben meines Partners dass ich mich beinah schon als Teil eines Harems fühle. Sie konsultiert ihn in allen Belangen, schickt ihm täglich Nachrichten, alte „Familien“fotos und ständig Selfies, bei Bedarf auch im Bikini. Sie verhält sich als wären die beiden immer noch ein Paar und er läßt es einfach zu anstatt ihr die Grenzen aufzuzeigen. Zwar hat er mir versichert dass er keinerlei Gefühle für sie hegt, im Gegenteil, er meinte sogar er würde sie hassen. Er behauptet das alles nur zu ertragen weil er Angst davor hat, dass sie ihm seinen Sohn vorenthalten könnte. All das hat naturgemäß massive Konsequenzen für mich, zumal ich seit geraumer Zeit schon einen Kinderwunsch hege, allerdings noch nie den richtigen Partner hatte, die Unternehmung Kind zu wagen. Jetzt bin ich 37 (!), habe einen Stiefsohn (von dessen Geburtstagen ich ausgeschlossen werde) und mein Partner möchte kein weiteres Kind, einerseits weil er Angst davor hat wie die Ex darauf reagieren könnte, andererseits weil er nach wie vor traumatisiert ist von den Erfahrungen die er mit ihr durchgemacht hat. Dass er meinen Kinderwunsch nicht teilt verletzt mich enorm aber ich weiß auch dass ich nicht das Recht habe ihn diesbezüglich unter Druck zu setzen. Ich liebe ihn sehr und würde fast alles für ihn tun aber die Tatsache dass er nicht zu mir steht und sich von dieser permanent sabotierenden Person unterdrücken läßt, belastet mich so sehr dass ich unsere Beziehung und Zukunft gerade ernsthaft in Frage stelle. Ich weiß auch gar nicht wie ich ihm noch in die Augen schauen soll. Ich könnte heulen weil ich ihn eigentlich nicht verlieren möchte. Andererseits macht mich dieser permanente Terror immer wieder so unglücklich, dass ich mich frage ob so eine Beziehung funktionieren kann, geschweige denn mir guttut. Oder bin ich einfach zu sensibel oder gar egoistisch? Hat jemand ähnliche Erfahrungen und kann mir einen Tip geben wie ich mit der ganzen Situation am besten umgehen soll? Ich bin für jeden konstruktiven Hinweis dankbar!

  • #8040

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Liebe Julietta!

    Meine Meinung ist, dass du an diesem Kind viel zu nah dran bist.
    Einerseits sagst du, dass du Kinder nicht magst („Gattung Kind“), andererseits bemühst du dich so sehr um dieses Kind. Ist das wirklich nötig, dass du es zu deinen Eltern mit nimmst?
    Babysitterdienst würde ich sowieso nicht anbieten. Wenn das Kind beim Papa ist, dann ist es beim Papa, und nicht bei dir. Das geht doch nach einem Beziehungsjahr alles viel zu schnell.
    Du selber zeigst ja keine Grenzen auf. Warum soll dein Partner es dann tun? Du lässt das alles mit dir machen, dich einteilen und ausnutzen, aber erwartest von deinem Freund Grenzen? Ich denke, du solltest deine eigenen Grenzen zuerst finden, und dafür eintreten. Dann tut es auch nicht so weh, wenn du am Kindergeburtstag nicht dabei sein sollst.
    Du sagst auch, du hast Kinderwunsch…du bist doch schon 37 und dieser Mann hat klar gesagt, dass er keine weiteren Kinder mehr will! Wenn dir das mit dem Kinderwunsch ernst ist, dann such dir dringend einen Partner, der denselben Wunsch hat. Ich befürchte, in deiner Verliebtheit redest du dir hier was schön. Hast du dir schon mal überlegt, wie das für dich wird, wenn du zugunsten dieses Kindes auf deinen Kinderwunsch verzichtest? Irgendwann wirst du das entweder dem Mann oder dem Kind vorwerfen. Überlege dir bitte ganz gut, ob du dieses Opfer für diese Menschen wirklich bringen willst. Noch wäre es nicht zu spät!

    Außerdem glaube ich, dass der Mann mit seiner Ex gefühlsmäßig noch nicht fertig ist. Wenn einer erzählt, dass er seine Ex hasst, da würden bei mir sämtliche Alarmglocken läuten. Hass ist ein starkes Gefühl – und nicht das Gegenteil von Liebe. Gleichgültigkeit wäre das angemessene Gefühl der Ex und Mutter seines Kindes gegenüber. Gerne auch noch Wohlwollen und Freundschaft. Aber bei Hass würde ich davon ausgehen, dass die Verletzungen noch nicht verheilt sind.
    Mit so Geschichten, was die böse, böse Ex dem Mann angetan hat (Kind angehängt und so) wäre ich auch vorsichtig. Ich habe gelernt, dass alle Exen böse, kindesentziehende, unfähige Weiber sind, und alle Stiefkinder wurden ihren Vätern angehängt *roll*. Ich will sagen, dass es auch zu dieser Geschichte eine andere Seite gibt, und auch wenn viel Wut und Verletzung dabei ist, war bestimmt nicht alles Schei*e in deren Beziehung…sonst hätten sie keine Familie gegründet. Und das haben sie immerhin, auch wenn es ungeplant war, und sehr schnell ging. Aber im ersten Beziehungsjahr habe ich auch noch alle diese Geschichten geglaubt.
    Vieles davon ist bestimmt wahr – mal wenigstens in der Wahrnehmung deines Freundes und somit in dem was er dir erzählt. Die Männer lassen sich bestimmt mehr gefallen, solange sie alleine sind. Und wenn ein Mann dann aber nichts ändern will, erzählt er so Sachen wie „Ich verstehe dich ja, aber ich kann doch auch nicht anders weil sonst…“ Es braucht zu solchen Spielchen immer 2. Einer der das Stöckchen hinhält, und einer der springt. Wenn ein Mann sich mit sowas ständig erpressen lässt, wird er auch immer erpresst. Bei uns war das auch so. Ständig hat sie die Abholorte verschoben und wollte mehr Geld. Seit sich mein Mann nicht mehr erpressen lässt, gibt es auch keine Erpressungsversuche mehr. Aber ich verstehe schon, dass die Angst, es darauf ankommen zu lassen groß ist. Da muss der Mann halt für sich abwägen, was ihm wichtiger ist. Ein normales Leben in Zukunft, mit der Chance auf eine neue Partnerschaft oder doch weiter auf Kommando springen. Sobald sie verstehen, dass die meisten „sonst siehst du das Kind nicht mehr“-Drohungen leere Drohungen sind, geht ihnen der Knopf auf. Und selbst wenn eine Ex das durchzieht, kann man immer noch Unterstützung von Jugendämtern und Gerichten holen. Dazu muss man aber einfach mal Zähne zeigen – und genau das wollen viele Männer nicht.

    Aber so ganz stimmig ist die Geschichte von eurer kindesentziehenden, bösen Ex ehrlich gesagt nicht. Wenn sie so böse ist, warum hat der Mann dann ein Wechselmodell und ist besser als die „Durchschnittsväter“?

    Ich finde es von dir nicht richtig, hier von „Durchschnittsvätern“ zu reden, die sich zu wenig kümmern. Viele unserer Männer hier würden sich wirklich gerne mehr um ihre Kinder kümmern. Aber offenbar sind die Exen bei uns einfach geschicktere Manipulatorinnen, Kindesentzieherinnen und Erpresserinnen…

    Meine ganz ehrliche Einschätzung ist, dass du diesem Mann einfach bequem bist. Er hat einen gratis Babysitter, und was für Herz und Bett. Aber ansonsten nimmt er dich nicht für voll. Es reicht vollkommen, wenn er deine Gefühle versteht. Etwas dafür tun, dass du dich besser fühlst, will er nicht. („er kann sie nicht ändern“)
    Er tut nichts für dich, und Anerkennung für das was du seinem Kind bist, bekommst du auch nicht.
    Aber am schwersten würde für mich die Sache mit dem Kinderwunsch wiegen. Ich denke, du hast insgesamt Zweifel an der Beziehung, darum schreibst du hier. Nach einem Jahr kommt die rosa Brille weg, und man kann erstmal ohne Hormonnebel auf die Rahmenbedinungen schauen, und die sind alles andere als rosa und ich denke, dir ist auch irgendwo schon klar, dass das nicht die Zukunft ist, die du dir für dich vorstellst!

    • #8041

      Donnaserpente
      Teilnehmer

      Super formuliert. Du triffst den Nagel echt auf dem Kopf.

  • #8042

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Julietta,

    also dem was LillyChantilly geschrieben hat kann ich nur voll und ganz zustimmen und habe tatsächlich wenig Ergänzungen.
    Die „Durchschnittsväter“ wie du sie nennst, haben oft nur kein Wechselmodell, weil die Mütter das nicht wollen. Also von daher kann die Mutter nicht sooo schlimm und Kindesentziehend sein wie sie dargestellt wird. Wenn sie das Kind plötzlich entziehen würde, müsste sie ja auch ihr eigenes Leben wieder komplett umstellen von „Teilzeitmutter“ auf „Dauer-Mutter“, was vielleicht aber eh kommen könnte wenn dann ihr neuer Nachwuchs da ist. Bis dahin genießt sie noch die Freiheiten die es mit sich bringt, wenn das Kind die halbe Woche beim Vater ist.

    ABER ausschlaggebend für mich wäre hier auch das Thema eigener Kinderwunsch. Aus eigener, harter Erfahrung kann ich dir sagen, dass es mit steigendem Alter nicht einfacher wird Kinder zu bekommen. Wenn dein Partner dir jetzt also schon konkret sagt, er möchte kein weiteres Kind, dann kann ich nur sagen: Nichts wie weg. Sei froh, dass er es zugibt. Es gibt ja auch Männer die dazu tendieren eine „Hinhaltetaktik“ zu praktizieren. So von wegen „Ja, ich will noch Kinder, aber noch nicht jetzt. Lass uns noch warten bis…“. Dann versteift man sich drauf, dass es schon irgendwann was wird und dann? Wird man immer wieder vertröstet und irgendwann ist man schlicht und einfach zu alt. Und selbst wenn man sich drauf einlässt und nicht mehr verhütet, heißt das LEIDER noch lange nicht, dass man sofort schwanger wird oder wenn man schwanger ist auch schwanger bleibt. Mein Fazit ist und bleibt: Wenn du hier ein Exemplar Mann hast, der bereits jetzt zugibt kein Kind mehr zu wollen und du möchtest eins, dann beende das hier und jetzt. Und da kommt auch wieder mein „Lieblingsspruch“: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Denn wie Lilly es schon sagt „Er hat einen gratis Babysitter, und was für Herz und Bett. Aber ansonsten nimmt er dich nicht für voll.“ trifft den Nagel leider auf den Kopf. Und auf deine Frage „bin ich einfach zu sensibel oder gar egoistisch“ – Nein bist du nicht. Ein Kinderwunsch ist nicht egoistisch und auch nicht, respektvoll als Frau an seiner Seite behandelt zu werden, auch gegenüber der Ex.
    Und auch mich hat dieses „Er hasst seine Ex“ stutzig gemacht. Da stimme ich auch 100% den Ausführungen von Lilly zu. Hass ist ein starkes Gefühl und nicht das Gegenteil von Liebe.

    Liebe Julietta, überlege dir wirklich gut, was dich an diesem Mann hält und ob deine Liebe zu ihm wirklich groß genug ist dafür möglicherweise sogar den Kinderwunsch aufzugeben.

    Liebe Grüße,
    Daka.

  • #8044

    julietta
    Teilnehmer

    Liebe LillyChantilly, liebe Daka – Vielen Dank für eure ausführlichen Gedanken! Ich weiß es sehr zu schätzen dass ihr euch die Zeit genommen habt, auf meinen Hilfe-Post zu antworten.
    Dass ich zu nah an dem Kind dran bin stimmt gewiss, das fällt mir erst jetzt so richtig auf. Da mein Partner an den Tagen, an denen sein Sohn nicht bei ihm ist immer bis spät in die Nacht hinein arbeitet bleibt mir jedoch nichts anderes übrig als Zeit zu Dritt zu verbringen wenn ich meinen Partner überhaupt zu Gesicht bekommen will. Dass ich das Kind zu meinen Eltern mitnahm war bestimmt nicht meine Idee, das hat mein Partner vorgeschlagen, da auch hier gilt: Wenn er ein paar Tage Urlaub hat dann nur inklusive Sohn. Aber du hast schon recht LillyChantilly, ich sollte versuchen mich zu distanzieren, vor allem emotional. Ist halt nicht so einfach für mich, bin eher so der Typ: Ganz oder gar nicht.
    Und ja LillyChantilly, genau um das Zähne zeigen geht es mir. Mein Partner ist ja grundsätzlich nicht mal der Typ der sich alles gefallen läßt, im Gegenteil. Mir, auch seinen Freunden und seiner Familie gegenüber weiß er sehr wohl Grenzen zu setzen und zuzubeißen. Nur wenn es um seinen Sohn geht kuscht er und wird zur Marionette. Die Liebe zu seinem Kind geht ihm über alles. Ich weiß natürlich nicht die ganze Wahrheit, was da in der Vergangenheit alles vorgefallen ist, er spricht auch sehr ungern darüber, ich muss ihm alles aus der Nase ziehen. Auch deshalb wird meine Verunsicherung immer größer.
    Was die Durchschnittsväter angeht hab ich das eigentlich gar nicht abwertend gemeint. Ich hab mich wohl mißverständlich ausgedrückt. Ich meinte nur, dass er mehr Zeit mit seinem Kind verbringt, ohne Wertung. Mir ist schon klar dass viele Väter gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden. Ich denke aber schon auch, dass Frauen grundsätzlich davon profitieren wenn Väter die volle Verantwortung für ihre Kinder übernehmen und es oft (nicht immer) nur ein Machtspiel ist wenn eine Frau dem Vater sein Kind entzieht. Dass mein Partner seinen Sohn so viel sehen „darf“ hat ja auch seinen Preis: Das geht nur so lange er komplett nach ihrer Pfeife tanzt. Was man aber schon anmerken muss, und ich glaube das hat mein Partner noch nicht verinnerlicht: Im Falle dieser Ex ist es so dass es sonst gar nie so einfach möglich gewesen wäre nebenbei eine Ausbildung zu machen und arbeiten zu gehen. Deswegen verstehe ich auch die große Panik vor dem Verlust des Kindes nicht, zumal sie ja auch sehr abhängig von meinem Partner ist. Sowohl finanziell (er zahlt Alimente obwohl er sein Kind 50% der Zeit hat – wie er sagt erkauft er sich seinen Frieden) als auch zeitlich.
    Und ja, die Sache mit dem nicht geteilten Kinderwunsch ist tatsächlich mein größtes Dilemma und wie ich glaube auch die Wurzel meiner Verunsicherung und Verletztheit. Meine Liebe ist sehr groß aber ich denke nicht dass ich dafür auf ein eigenes Kind verzichten sollte. Ich finde es, wenn ich ehrlich bin, auch sehr egoistisch von ihm, mir gegenüber. Er ist ein toller Vater, auch das liebe ich an ihm. Aber mir das immer nur von aussen ansehen zu müssen und gleichzeitig all die Nachtteile zu ernten die aus dem Stiefmutter-Dasein resultieren, das ist mir zu wenig.
    Es schmerzt natürlich zu hören dass ich wohl nur bequem für ihn bin. Aber vermutlich stimmt das und daraus muss ich meine Konsequenzen ziehen. Es wird sich zeigen wo er mich genau einordnet in seiner Prioritätenskala.
    Vielen Dank nochmal für euere Gedanken! Es tut sehr gut, die Dinge von außen betrachtet zu hören, ich weiß das sehr zu schätzen! Alles Liebe euch!

  • #8046

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Liebe Julietta!

    Niemand von uns wollte dich verletzen, ich hoffe, das kam nicht so an!
    Ich habe einfach das Gefühl, wenn ich dich lese, dass du an einen Punkt in der Beziehung kommst, wo es um „alles oder nichts“ geht. Du weißt selber schon, dass deine Wünsche mit diesem Mann auf der Strecke bleiben werden.
    Ich weiß nicht, ob ich seinen nicht vorhandenen Kinderwunsch als egoistisch bezeichnen würde. Auf mich macht es den Eindruck, als sei das auch nur ein geschlagener, vielleicht auch verbitterter Mann. Sie alle kommen mit größeren oder kleineren Narben aus ihren Ehen oder Ex-Beziehungen. Und sie alle sagen sich, dass sie diese Fehler nie wieder machen wollen. Aus Selbstschutz legen sie sich dann so Haltungen zu wie „Nie wieder heirate ich“ oder eben „Nie wieder Kinder“. Es sind eben die Verletzungen dieser Männer, die da aus ihnen sprechen.
    Es ist aber auf jeden Fall unfair dir gegenüber. Wenn du mit ihm zusammen bleiben willst, musst du deine Wünsche und Lebensziele anpassen und aufgeben. Nicht etwa, weil ihr zusammen einen anderen Wunsch habt, oder vielleicht sogar, weil es euch biologisch verwehrt ist. Nein, sondern weil er sich damit schon mal die Finger verbrannt hat. Du musst seine Fehler in der Vergangenheit mit deiner Zukunft bezahlen – mach das nicht!
    Und dann noch das schon vorhandene Kind, das immer da sein wird, und zu dem das Verhältnis gut ist. Du bekämst das dann ständig unter die Nase gerieben, während es dir verwehrt bleibt. Ich denke, du wirst es dein Leben lang bereuen, wenn du nicht jetzt alles tust, um deinen Kinderwunsch umzusetzen.

    Alles Gute und vielleicht magst du uns ja auf dem Laufenden halten?

  • #8049

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Juliana
    Ich wollte eigentlich nur deinen Einganspost lesen, weil es so viel ist, aber bin jetzt froh, hab ich noch die anderen Beiträge gelesen. Somit erübrigt sich meine Antwort.

    Bezüglich Kinderwunsch: ich würde den Mann auch nicht „unter Druck“ setzen. Du kannst ihn aber fragen, ob es ihm tatsächlich ernst ist, dass er mit dir kein Kind will und ihm dann erklären, dass es für dich ein sehr grosser Wunsch ist und du traurig bist, dass er diesen Weg der Familiengründung nicht mit dir gehen will und du ihn nur deswegen verlässt und nicht, weil keine Liebe mehr vorhanden wäre, sondern weil EURE BEIDEN ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN nicht kongruent sind, was in einer Beziehung sehr wichtig ist. Damit sie längerfristig hält. (Studien zufolge!)

    Zum Geburtstag: da würde ich ihm sagen: es ist der Wunsch deines Sohnes, dass ich dabei bin.“ Das sollte ihm zu denken geben, dass das was er seiner Ex zuliebe tun glaubt, teilweise gegen seinen Sohn geht!!! Ansonsten geht es ihm um sie, nicht um den Sohn und dann ist die ganze Geschichte für dieses Kind sehr sehr traurig, denn dann ist es Spielball der Eltern.

    Auch wenn du sicher bist, dich zu trennen, so sag ihm das noch. Für sein Kind.

    • #8062

      Pinocchio
      Teilnehmer

      Liebe Julietta,
      ich wollte noch anfügen, dass es wichtig ist, erst die Antwort, ob er tatsächlich keine Kinder will, abwarten und nicht bereits während der Fragestellung damit kommen, dass du ‚ihn sonst verlässt‘ o.ä. das tönt dann wie eine Drohung.
      Aber für dich selber sollte die Frage klar beantwortet sein. Du musst dir sicher sein, was du willst (Kinder oder nicht?) und was die Konsequenz sein wird. Vielleicht liebst du ihn zu sehr, als dass du ihn von heute auf morgen verlassen könntest. Ich würde mir diese Fragen zuerst für mich selbst beantworten. Dann hast du ihm gegenüber eine klare Haltung und er muss auf diese reagieren.
      Hast du ihm nun schon gesagt, dass das Kind dich am Geburtstag dabei haben will? Mir tut dabei das Kind leid. Es will, dass du dabei bist und dann darf es dich nicht einladen. Entschuldige, dass ich da so drauf rumreite. Ist vermutlich Sache der Eltern oder doch nicht?! Sonst ist doch jeweils das Kindeswohl so wichtig für getrennt lebende Elternpaare?

  • #8060

    sternchen
    Teilnehmer

    Liebe Julietta,

    ich komme leider erst jetzt dazu, dir zu antworten und schließe mich im Großen und Ganzen den dir inzwischen gegebenen Ratschlägen an.

    Den Fokus möchte ich auf das Thema Kinderwunsch legen. Wäge gut ab und komme zu einer Entscheidung, ob du Mutter werden möchtest oder nicht. Falls ja – dann mach dich ganz schnell auf die Socken und wähle den richtigen Mann als Vater aus. Noch schaffst du es, deinen (eventuellen) Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Je länger du wartest, desto geringer deine Erfolgschancen.

    Ich möchte für dich nicht, dass du in ein paar Jahren zurückschaust und auf dich selbst wütend bist, weil es zu spät ist und du nicht mehr nachvollziehen kannst, warum du eigentlich nicht bei Zeiten wusstest, was du wolltest. Beantworte für dich die Frage: Wie soll mein Leben aussehen und was möchte ich erreichen? Wie will ich leben? Und mit wem? Mit wie vielen?

    Aus Erfahrung möchte ich dir auch raten: Engagiere dich nicht so sehr wie bisher. Ziehe Grenzen. Lass dich nicht als Babysitter benutzen. Geh aus. Triff Freunde. Lass bewusst Kind und Vater allein. Sei nicht verfügbar. Der Vater muss lernen, was es heißt, für das Kind da zu sein. Auch und gerade zu einer Zeit, in der er lieber mit Freuden feiern würde. Ohne dich als ständigen Springer und selbstverständlichen Lückenbüßer.

    Würde er hinter dir stehen, wärst du nicht außen vor, nicht am Geburtstag und nicht auf Familienfeiern. Nie.

    Auf dass du die richtige Entscheidung triffst!
    Alles Liebe von sternchen

  • #8077

    julie79
    Teilnehmer

    Liebe Julietta,

    ich möchte mich hier auch mal zu Wort melden, weil mir das alles sehr bekannt vor kommt. Allerdings ist meine Beziehung zum Sohn eher schlecht, was aber vor allem daran liegt, dass ich ihn 1,5 Jahre überhaupt gar nicht kennen lernen durfte. Ich saß auch an Weihnachten allein daheim, während mein Freund mit Family zum Sohn gefahren ist, um mit der Ex zusammen zu feiern. Mittlerweile hat sich das zwar etwas gelegt, aber es hat die Beziehung von Sohn und mir eben nicht besser gemacht, weil dieser stark von der Mutter manipuliert ist, und mein Ex manchmal dazu.

    Ich kann das alles so nachempfinden. Und es nervt. Ich kenn auch Aussagen wie: ich möchte nie mehr heiraten, weil ich mit IHR so in die Sch… gelangt habe.

    Mach deinem Freund klar, dass du keine Lust hast, ein Leben lang darunter zu leiden. Er muss mit dem Thema endgültig abschließen, sonst hat das keinen Wert.

    Was den Kinderwunsch angeht, haben die Männer halt auch noch die Angst vor finanziellen Problemen. Soll seine Haltung nicht unterstützen, aber wenn die zweite Beziehung schief geht, müssen sie für noch ein Kind zahlen. Bei vielen reicht das Gehalt schlichtweg auch gar nicht aus. Meiner muss sogar noch Unterhalt an seine Exfrau zahlen, hat sich des Friedens Willen vor Gericht darauf mit ihr geeinigt…

    Ich hab gerade etwas Erfolg damit, meine Wünsche vehement einzufordern, und ich bin auch der Meinung, wenn er dich wirklich liebt, lässt er sich drauf ein. Er muss nur endlich diese Verbitterung überwinden. Nach ihm klar, wie sehr dich das verletzt!!!

    Was das Kind betrifft… tja, nimm dich wirklich ein bisschen raus. Sei froh drum, dass ihr euch gut versteht, aber übernimm nicht seine Aufgaben. Ich neige auch dazu, mich immer zu kümmern. Aber wir müssen klar machen, dass wir nicht immer alles mitmachen, schon gar nicht, wenn wir damit auf der Strecke bleiben sollen.

    Ob es wirklich hilft, weiß ich nicht… Ich muss mal wieder abwarten, ob meiner seine Versprechen einhält, was unsere Zukunft betrifft, aber es ist irgendwie unsere einzige Chance, wenn sich von allein gar nix tut. Und wenn sich dennoch nix tut, wissen wir, es ist Zeit zu gehen.

    Der Stiefvater meines Freundes ist übrigens auch so ein verbitterter Mann.. Weil seine Ex ihn damals betrogen hat, sind alle Frauen scheiße (dennoch lebt er mit der Mutter meines Freundes nun über 30 Jahre zusammen). Er kommuniziert das oft und deutlich und wäre ich die Mutter, wäre ich längst gegangen. Aktuell steht eine familiäre Hochzeit an und der Stiefvater will nicht hin, weil heiraten per se Schwachsinn ist. Wollen die Frauen doch nur, wegen des Kleides etc. Sowas darf ich mir oft anhören.
    Ich habe meinem Freund sein Problem anhand seines Stiefvaters erklärt und gesagt, dass mir der Stiefvater echt leid tut. Er hat nie losgelassen und verziehen. Er ärgert sich heute noch über das Verhalten der Ex. Er hat nie mehr geheiratet, keine Kinder mit der Mutter meines Freundes mehr bekommen. Und? Glücklich ist er auch nicht geworden! Manchmal versteht es mein Freund sogar 😉

    Mach deine Wünsche deutlich und lass dich nicht mit der Vergangenheit abspeißen.

    LG Julie

  • #8078

    julietta
    Teilnehmer

    Wow, soviel Feedback hätte ich nicht erwartet! Ich danke euch allen für eure Inputs und Gedanken zu diesem Thema! Dass ihr eigentlich durchgehend meinen Kinderwunsch so stark thematisiert habt deckt sich mit meiner Ahnung, das könnte die Wurzel allen Unbehagens in meiner Beziehung sein. Ich denke er hat Angst nochmal ein Kind zu bekommen weil er mit seinem Sohn schon so viel mitgemacht hat. Aber auch finanzielle Gründe spielen gewiss eine Rolle, da hast du recht, Julie. Vielleicht hat er auch Panik davor, wie die Ex reagieren könnte wenn er erneut Vater wird. Dass er mich in dieselbe Schublade wie seine Ex wirft kränkt mich natürlich zumal sich die beiden erst 1 Woche lang kannten als sie schwanger wurde. Von einer Person auf alle anderen zu schließen ist schon sehr eindimensional. Aber wie schreibst du so schön, LillyChantilly: Es kann nicht sein, dass ich die Fehler seiner Vergangenheit mit meiner Zukunft bezahlen muss. Genauso so ist es. Entweder er versteht das oder seine Zukunft wird ohne mich stattfinden.
    Im Moment ist es halt sehr schwierig mit ihm über das Thema Kinderwunsch zu sprechen weil morgen (also eigentlich schon heute) der Geburtstag seines Sohnes ist, zu dem ich ja bekanntermaßen von der Kindsmutter ausgeladen wurde. Und darauf richtet sich sein gesamter Fokus: Seinem Sohn den perfekten Geburtstag zu inszenieren, inklusive der „Mama + Papa + Kind = Familie“ – Illusion. Ich muss gestehen dass mich das nach wie vor sehr verletzt und auch wütend macht, ich finds auch völlig übertrieben. Nachdem ich ihm gesagt habe wie sehr mich das verletzt, scheut er seit Tagen jegliches Gespräch mit mir, aus Angst ich könnte weiterhin Probleme machen. Wenn ich ehrlich bin versteh ich die Welt nicht mehr. Und gleichzeitig zeigt er mir nun sehr deutlich wo mein Platz in seiner Prioritäten-Liste ist. Dabei versichert er mir immer genau das Gegenteil. Seine Taten jedoch zeichnen eine völlig andere Realität!
    Julie, du schreibst dass dein Freund zu Weihnachten mit Family zur Ex gefahren ist um mit ihr gemeinsam zu feiern während du alleine zu Hause warst … das ist ja noch grausamer – schrecklich. Ich denke so etwas kann man nie ganz vergessen, es hinterläßt Wunden, auch wenn man es vielleicht irgendwann verzeiht. So selbstlos kann man gar nicht sein, all das ohne Weiteres zu ertragen. Und wie du sagst, es macht das Verhältnis zum Kind nur schlechter.
    Pinocchio, du wolltest wissen ob ich meinem Partner schon gesagt habe dass sein Sohn mich dabeihaben will an seinem Geburtstag … ja, das hab ich. Darauf hat er geantwortet dass es der Kleine dann vor seiner Mutter geleugnet haben soll, vor ihr hat er gesagt, er hätte mich nicht eingeladen. Ich weiß natürlich man darf von einem 5-Jährigen nichts erwarten in Sachen Loyalität, vor allem wenn seine Mutter involviert ist. Er weiß schließlich ganz genau, dass sie mich nirgends dabeihaben möchte. Da steht er zwischen den Stühlen und ist ja klar für wen er sich da entscheidet, das ist auch völlig nachvollziehbar.
    Ich bin momentan etwas im Zweispalt, ob ich meinem Partner noch etwas Zeit geben soll, seine Versprechungen in Taten umzusetzen oder ob es besser ist, „einfach“ zu gehen. Sternchen, du schreibst, ich soll mich von den Socken machen, wenn ich Mutter werden möchte. Genau das fällt mir jedoch so schwer, weil ich sehe was für ein liebevoller und engagierter Vater er ist. Was umso mehr schmerzt, weil ich vermutlich niemals davon „profitieren“ werde. Es ist nicht einfach loszulassen, wenn man jemanden liebt.
    Alles Liebe Euch!
    Julietta

  • #8132

    julie79
    Teilnehmer

    Hallo Julietta,

    wie geht es dir denn jetzt ne Woche später?
    Hattet ihr vielleicht GElegenheit, nochmal drüber zu sprechen? Da du noch kein Kind hast, sollte er schon verstehen, dass das Thema Kinder noch ein Thema für dich ist. Er kann nicht erwarten, dass du für ihn auf alles verzichten wirst.

    Du hast Recht, es hat bei mir schon Spuren hinterlassen, dass ich ausgegrenzt wurde. Ich durfte zu dem Zeitpunkt damals das Kind aber noch überhaupt gar nicht kennenlernen. Wir waren ca 1 Jahr zusammen und ich durfte nicht nur an Weihnachten nicht mitkommen. Ich durfte überhaupt NIE mitkommen.
    …. weil man nicht wusste, wie sie reagiert
    …. weil man nicht wusste, wie der Sohn reagiert, er ist ja auch sooo sensibel.

    Dem Sohn wurde auch hier bei uns ganz lange heile Familien vorgespielt. Er hat gefragt, ob der Papa nicht einfach wieder bei der Mama wohnen könne. Dass der Papa bereits mit mir zusammen wohnte wurde geflissentlich verschwiegen. Auch vor der Ex.
    Das alles schürt den Unmut bei mir sowie auch bei dir… Die Männer wissen gar nicht, wieviel sie in dem Stadium kaputt machen. Viel reden ist das einzige was hilft. Oder rechtzeitig gehen (manchmal lässt das ja auch die Männer aufwachen)….

    LG

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