Irgendwann wird alles gut, irgendwann, später, doch noch nicht jetzt…

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Pumpkin vor 6 Tagen, 7 Stunden.

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    Sarah1980
    Teilnehmer

    Hallo,

    ich bin neu hier im Stiefmutterblog und ich bin froh, dass es einen solchen gibt. Es ist ein solches Tabuthema und kaum einer möchte etwas davon hören. Nein, es gibt nur freundliche farbenfrohe gestaltete Patchworkdecken, so wie es nur bunte, glückliche Patchworkfamilien gibt. Alles ist eine Bereicherung und alle sind glücklich. Soviel zur Theorie bzw. den schönen Werbeversprechen…
    Nur so viel: Von außen sieht unsere Patchworkfamilie genauso aus. Wir kommen super miteinander zurecht. Ich glaube uns würde noch nicht einmal ein fremder als Patchworkfamilie erkennen und doch sind wir es.
    Heute möchte auch ich mir einmal meine Steine vom Herzen reden und hoffe, Ihr könnt mir den einen oder anderen Tipp geben. Und wenn es nur eine Aufmunterung oder ein mach’ das mal so etc. ist. Ein „Schimpfen“ etc. allerdings lehne ich jedoch ab. Ich bin kein Unmensch, ich bin nur ein ehrlicher Mensch der sich viel zu viel zu Herzen nimmt, der vieles sieht, viele Stimmungen wahrnimmt und dessen ein oder anderer Traum sich nicht erfüllt hat und auch nicht erfüllen wird. Wir können uns nicht aussuchen wen wir lieben, aber wir müssen das Beste daraus machen. 
    Vielleicht einmal kurz die Daten:
    Mann: selbständig und der beste Papa bzw. der Mann der Welt (Mit ihm kann ich offen über ALLES reden und wir beschließen die Dinge gemeinsam. Ich finde ihn toll und so ehrlich, aber er arbeitet eben viel und das macht unsere Situation nicht leichter. Mit vielem stehe ich allein da…nicht mental, aber zeitlich.)
    Stieftochter: 11 Jahre – sehr papanhänglich; leichter Neid bzw. besitzergreifend; ganz schön ausgebufft, wenn es ums Durchsetzen ihrer Vorteile geht; sehr verschlossen; kaum Freunde und bekommt Wutanfälle (wenn der Wille nicht passt) die ich so nur bei kleinen Kindern gesehen habe. War wohl aber schon immer so und ist nicht durch die Trennung entstanden.
    Stiefsohn: 9 Jahre und am verwöhntesten, da der kleine Niedliche; kann seine Schwester gut ausspielen, ist intelligent und setzt immer mit einem süßen Lächeln seine Wünsche um bzw. kann durch sein Verhalten schon sehr gut die Menschen steuern. Er ist zwar offen, hat aber auch kaum Freunde so wie die Mutter der beiden auch verschlossen ist und auch kaum Freunde hat.
    Kinder kommen alle 2 Wochen übers WE und sind unsere kompletten Urlaubstage bei uns.

    Natürlich sind die Kinder im Großen und Ganzen nett, lieb etc. Ich habe jetzt nur einmal die „negativen Sachen“ aufgeschrieben, da diese meine Situation dann natürlich maßgeblich beeinflussen.
    Eigentlich und wenn ich ehrlich bin, wollte ich nie einen Mann mit Kindern haben. Wäre ich nicht in die Situation gekommen meine große Liebe (früher und heute) mit Kindern vorzufinden, hätte ich strikt einen Riegel vor eine solche Situation geschoben, denn ich bin einfach der totale Herzmensch, der sich mit allem sehr viel Mühe gibt, immer hinterher ist, dem nicht alles egal ist (wahrscheinlich mein größtes Manko), der organisiert und macht und für alle anderen Stiefmütter der „perfekte Ratgeber“ wäre. Denn das kann ich gut, wenn ich rational auf eine Sache schaue. Aber wenn man im eigenen Gefühlsboot sitzt, dann fällt es einem doch sehr schwer. -> Mir fällt es schwer zu ertragen, dass die anderen Kinder von einer anderen Frau sind und ich nie Teil dieser Familie im engen Sinn sein werde und bin (Ich bin nicht die Mutter – will ich auch nicht.), sie immer in seinem und meinem Leben sein werden, er immer seine Exfrau sieht (Obwohl ich hier keine Angst habe, nur die Situation ist einfach „nervig“.). Man selbst darf seinen Ex natürlich nicht sehen, denn bei meinem Mann geht es nur um die Kinder. Quasi auf den „kinderlosen“ Partner darf man dann natürlich eifersüchtig sein.
    Ich habe mich anfangs sehr schwer getan und meinem jetzigen Mann nach vielem Weinen gesagt, dass ich probieren werde, mit der Situation klar zu kommen, ich aber unbedingt noch eigene Kinder will. Eines ist schon da und es hat sich super in die komplette Familie eingefügt und auch die Situation für mich etwas gelockert. Ich liebe es über alles und die Geschwister lieben es auch. Es ist auch ein bisschen mein innerlicher Anker zusammen mit meinem Mann und ich werde es auch nach bestem Maße erziehen, ihm Werte beibringen, es fordern und fördern und immer für es da sein.
    Nun ja, ich bin nun schon seit 3 Jahren in der Rolle und ich dachte. Irgendwann bekommst Du das hin. Irgendwann wird es leichter. Irgendwann hört das Herzdrücken auf, irgendwann fällst Du in keine Löcher mehr, irgendwann ist Dir egal wie seine Familie drauf ist, irgendwann hast Du Deine eigenen Kinder, irgendwann wird alles gut.
    Aber so ist es nicht. Ich fühle mich nach wie vor total fremdbestimmt, ich nutze die wenige Freizeit für das Bespaßen seiner Kinder, ich habe keinen eigenen Urlaub mit meinem Mann, ich mache mit ihnen HAs obwohl ich das nicht machen wollte, ich denke zu wenig an mich, ich bin nicht mehr richtig glücklich wenn ich die Situation nicht für mich verdränge und die wenige Abendzeit mit meinem Mann genieße… Die Kinder kommen, ich springe, ich gebe mir Mühe, ich habe Herzstechen, ich falle in Löcher… und dabei sehen wir sehr alle glücklich aus und nichts kann uns etwas anhaben.
    Wir kommen insgesamt alle gut miteinander aus. Die Kinder hängen seit dem ersten Tag unheimlich an mir, denn ich bin kinderlieb und kann mit ihnen sehr gut. Mein Mann sagt immer: Du machst das so toll. Die Kinder mögen Dich. Sie reden mehr mit Dir als mit mir…
    Wir unternehmen viel, ich organisiere Plätzchen backen, etc. Die Kinder mögen mich, kuscheln, erzählen etc., aber mir ist das manchmal einfach alles zu viel. Ich möchte diese Anhänglichkeit nicht immer. Also das ewige Bettritual mit Vorlesen und Kuscheln oder das früh in unser Bett kommen. Es ist für mich befremdlich mit fremden Kindern, aber ich denke immer. Sie brauchen es. Sie sind so anhänglich, weil es Ihnen ihre Mutter nicht gibt. Ich kann es ja nicht erst zulassen und dann ablehnen. Ich bin da mit mir, dem was sich gehört, mit doch weichem Herz und meinen eigenen Bedürfnissen immer extrem im Zwiespalt und lasse dann alles über mich ergehen und lächle.
    Kurzum: Ich weiß schon was falsch und richtig ist und das es den Kinder gut gehen soll und sie nichts dafür können. Trotzdem habe ich oft Herzschmerzen, fühle mich erdrückt, bin traurig oder habe totale Angst vor den Feiertagen oder den Wochenenden. Am liebsten würde ich mir manchmal ein Loch buddeln und mich darin verstecken und mein Mann kann das Wochenende allein mit seinen Kinder meistern, aber das geht ja nun mal nicht. Ich bin selbst ein Scheidungskind und habe super Kontakt zu beiden Eltern und ich bin auch in kein Loch gefallen etc. Manchmal empfinde ich es ehrlich auch so, dass wir die Kinder heute in Watte packen und vor lauter Nettigkeit und geforderter Nettigkeit uns selbst vergessen und als Erwachsene zu Grunde gehen. Diesen Kindern geht es gut. Sie erleben mehr als andere, sie haben alles was sie brauchen, sie werden zusätzlich von den Omas mit Geschenken, Liebe und Zeit überhäuft und es wird immer gefordert, da die Kinder ja in dieser Situation sind. Wie es den Erwachsenen geht fragt niemand, dafür ist man ja erwachsen und leidensfähig.

    Ich habe mich nie in der gesamten Familie angekommen gefühlt. Nur bei meinem Mann. Die Ex meines Mannes geht nur halbtags arbeiten seit die Kinder da sind und lebt daher früher wie heute vom Geld meines Mannes. Aber darum geht es nicht. Uns beiden geht es trotzdem gut, da er selbständig ist und ich in leitender Position arbeite. Sie ist im Kosmetikgewerbe beschäftigt und kümmert sich vorrangig um ihre Schönheit und ist extrem Bio bzw. esoterisch, kirchlich unterwegs. Ich weiß auch gar nicht, ob sie jemals Kinder haben wollte. Mein Mann weiß es auch nicht, er wollte Kinder. Sie ist eher gefühlsarm (Bonus: Sie wiegelt die Kinder nicht auf. Sie gibt die Kinder sehr sehr gern ab. Sie zeigt auch bei anderen Sachen keine Gefühlsregung. Ich habe versucht diese Frau zu verstehen, aber sie ist wie ein Fisch, der Dir in den Fingern wegrutscht. Niemand kommt an sie ran und daher versuchen alle meinem Mann zuzureden, in die Pflicht zu nehmen und zu fordern, denn bei ihr beißt man auf Granit. Ich will sie auch nicht schlecht machen. Sie ist eben nur ganz anders, hatte bisher nur einen einzigen Mann und sieht die Welt aus einer anderen Perspektive.) und braucht ihre Kinder eher um sich und ihre Freizeitinteressen bzw. schlichtweg ihre Freizeit zu finanzieren. Man mag meinen, dass sie die Kinder viel betreut, aber nein. In der Woche sind die Kinder mindestens 3 Tage bei Oma und Opa, denn die wohnen sowohl väterlicher als auch mütterlicherseits nebenan und Frau geht grundsätzlich Samstag (bei 20 h) arbeiten, so dass auch ihr dort die Kinder von der Mutter meines Mann abgenommen werden und dort schlafen. Versorgt werden die Kinder gut, wobei seine Ex den Unterhalt (welchen sich viele wünschen würden) für ihr Leben benötigt und den Kinder nur preiswerte bzw. getragene Sachen zukommen lässt, aber es ist alles noch im Rahmen. Die Kinder lieben ihre Mutti und wollen sie mir immer vorstellen bzw. ihre Zimmer zeigen, aber ich kann das für mich nicht. Ich möchte mit dieser Person nichts zu tun haben, denn ihr Charakter ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich bei der Familie meines Mannes keinen Halt finde. Seine Mutter hat insgeheim die zweite Mutterrolle angenommen und fühlt sich dabei wohl und gebraucht, versorgt die Kinder sachentechnisch, weil sie weiß, dass von der Ex hier nicht so viel kommt und das macht es noch schwieriger. (Wir würden die Kinder übrigens auch jedes WE bekommen, wenn nicht gerade ein „Vorzeigetermin“ (Familienfeier etc.) ansteht.
    Mein innerer Konflikt besteht also nicht nur aus meinen Gefühlen, sondern auch aus dem Kampf mit der anderen Familie. Mein Mann hat 2 Geschwister, wobei ihm ein Bruder stets und ständig vorhält. Er würde sich zu wenig um die Kinder kümmern. Er wüsste, dass seine Ex es nicht kann. (Niemand sagt, sie will nicht. Nein sie kann nicht… Sie ist eben so… Man würde sie nicht ändern…) Er soll mit den Kindern in der Woche Schulaufgaben machen, weil sie es nicht kann. Er soll dies…er soll das. Ich kenne mit seinem Bruder nur diese hasserfüllten Vorwurfsgespäche und mein Mann steht drüber und sagt nichts, aber mich bedrückt es sehr und ich fühle mich so unwohl dabei. Mein Mann erfährt auch nichts von seiner Ex. Sie mauert, wenn er fragt. Sie sagt ihm nicht, wann bei den Kindern etwas Wichtiges ansteht, sie trifft schulische Entscheidungen allein und die Schule lässt das trotz geteiltem Sorgerecht auch zu etc. pp. Und seine Mutter und der Bruder (welcher immer schön mit Infos der Oma gespeist wird und das ihr das ja EIGENTLICH zu viel mit den Kindern ist) halten ihm dann vor, was er denn für ein Vater wäre. Und er ist so ein toller Mensch und kümmert sich so liebevoll um die Kinder. Aber da er alles macht und kann, wird immer mehr aus seine Familie gefordert, weil seine arme Frau (der anscheinend alles egal und die sich nie zu einem Gefühlsausbruch etc. hinreißen lässt) dazu nicht imstande ist und oft die Kinder bei Oma ablädt, wir es nicht erfahren und der eigenen Bruder dann vorhält, dass die arme Oma immer die Kinder nehmen muss. Wir halten uns absolut an die Vereinbarungen und kümmern uns, aber wenn die Ex die Kinder hinschafft, haben wir keinen Einfluss.
    Ich wüsste auch nicht wie wir das alles machen sollen. Mein Mann ist und war viel arbeiten (oft bis nach 19:00 Uhr, teilweise auch in der Woche bis 22:00 Uhr). Ich bin viel arbeiten und ich möchte mich auch nicht um die „fremden“ Kinder kümmern müssen, weil mein Mann früher wie heute nur wenig Zeit hat und dann kommen würde, wenn die Kinder zu Bett gehen. Wir haben unser eigenes Kind und für dieses gebe ich alles, aber ich möchte die anderen Kinder nicht mit meinen Ansprüchen groß ziehen und mich und meine Energie in dieser Aufgabe verlieren, denn das ist alles gar nicht schaff- und vereinbar. Das klingt egoistisch, aber ehrlich. Es sind die Kinder meines Mannes, meine „Freunde“ und wenn es ihnen anders als jetzt gehen soll, dann muss er sich auch darum kümmern. Aber was ich jetzt so hart sage, kann mein weiches Herz nicht umsetzen. Sprich. Ich versuche alles perfekt zu machen. Die Kinder mögen mich – ich kann doch nicht so sein…(der ewige Zwiespalt).
    Belastend sind dabei auch seine Mutter sowie der besagte Bruder welche ihm dann Sachen vorhalten. (Achso: Er holt die Kinder freitags immer bei Oma ab, da Frau ja arbeiten ist.) Er soll mit seiner Tochter mehr Mathe üben, der Sohn soll aufs Gymnasium. Er soll sich darum kümmern, weil es seiner Ex egal ist und die Kinder auch gern nur Hauptschule machen brauchen….etc. pp. Das habe die Ex nicht gemacht und soll er tun. Wir können mit den Kinder doch mal in den Zirkus, die Eisbahn, … (und das vor den Kindern) obwohl wir noch ein Kleinkind haben für welches diese Freizeitbeschäftigung vielleicht gerade nicht so passt. Wären alles meine Kinder, würde ich auch nur Sachen in der Freizeit machen, wo alle teilnehmen können. So kommt man sich wie im geforderten Bespaßungsmobil vor. Das ist doch auch kein normales Familienleben und eben dieses wollen wir den Kindern vermitteln. Sie sind eh schon so durch die Omas verwöhnt, verzogen, so dass wir dann Tisch abräumen und richtig essen etc. üben bzw. sie sich auch mal etwas zu trinken allein holen müssen und nicht nur sagen: Ich habe Durst. Ich komme mir also vor, wie nicht gewollt. Sein Bruder (der Zeigefingermensch) war unser gemeinsames Kind seit der Geburt noch nicht besuchen, wir haben kein Geschenk bekommen etc. Er schimpft, dass sich mein Mann mehr um die anderen beiden kümmern soll. Aber mein Mann (gutherzig wie immer) war gerade zur Geburt der Tochter bei seinem Bruder und hat sogar ein Geschenk (welches ich noch gebastelt habe – Asche auf mein Haupt) mitgebracht.
    Das alles setzt mir zu, denn ich bin so ein Familienmensch. Aber ich bin praktisch nur so leicht existent. Wie es mir geht, fragt keiner. Wie es unserem Kind geht, fragt außer der genannten Oma niemand. Es dreht sich alles nur um die anderen beiden Kinder und die werden ohne Ende durch Dritte verwöhnt. Das ist schwierig für mich. Bin ich überhaupt da? Freut es jemanden, dass ich mich auch um die anderen zwei kümmere, mit Ihnen HAs mache, die kompletten Geschenke für die immer besorge? Werde ich und mein Kind für Sachen bestraft für die wir nichts können? Muss ich die Mutterrolle – i.S.v. von aus den Kindern meines Mannes etwas machen – übernehmen, nur weil die Ex eher mit sich beschäftigt und ihr alles egal ist? Die Kinder lieben ihre Mutter und diese tut es auf ihre Weise auch.
    Bis dato wohnen wir noch von dem Dorf entfernt, aber wir ziehen bald in ein Haus in das besagte Dorf. Es ist wirklich schön da und wir wohnen Gott sei Dank auch nicht in direkter Nähe zum Grundstück des Geschehens, aber dann haben wir auch die ganze andere Familie dort. Werden die Kinder dann bei uns abgeladen? Was mache ich, wenn diese vor der Tür stehen, weil Ihre Mutter wieder mal zum Chor, zum Nordic Walken etc. ist und die Oma sie dann endlich zu uns schicken kann? Wie kann ich den Kindern in meinem Gewissenskonflikt sagen, dass ich keine Zeit habe, Zeit für mich brauche? Ich habe ehrlich schon Angst davor. Mein Mann wird nicht da sein, wenn die Kids 17:30 vor der Tür stehen. Wie sage ich allen, dass ich nicht will, dass sie einen Schlüssel zu unserem Haus bekommen? Sie können immer kommen, wenn wir da sind, aber ich will sie nicht allein im Haus.
    Es ist wirklich nicht leicht. Die vielen Gefühle die in einem Toben sind nicht leicht. Man muss ganz schön viel ertragen und schlucken können und Stiefmutter sein ist wirklich nichts für Feiglinge. Wie kommt Ihr damit klar? Wie ertragt ihr Eure inneren Gefühle? Fallt ihr auch in Löcher? Wie vereinbart ihr den Gewissenkonflikt für Euch? Insgeheim hoffe ich, dass ich die nächsten neun Jahre noch irgendwie für mich durchstehe und die Kinder dann ihre eigenen Wege gehen, die Vorwürfe aufhören.
    Mein Mann kann das alles viel besser für sich ausblenden. Er sagt, ich mache das so toll. Ich sage immer. Es ist leichter für ihn. Er hat die Kinder gemacht und er liebt sie. Ich opfere mich aus Liebe für meinen Mann auf, ich habe keinen unerfahrenen Mann der das erste Mal im Kreissaal war, ich kann keinen Urlaub mit meinem Mann und meinem Kind allein machen -> meine „Mädchen“-Träume erfüllen sich nicht. Ja, ich mag die Kinder, aber jemand den man mag, kann man normalerweise auch mal ausblenden, man muss nicht für ihn waschen, kochen, HAs machen… Die Kinder jedoch bestimmen mein Leben, sie bringen Freude, sie tun mir weh (wenn ich sie seh) und sie gehen mir auch ab und an auf die Nerven. Nur fehlt mir das was jeder Stiefmutter fehlt. Der sanfte Blick für seine eigenen Kinder die man liebt. Es ist einfach so viel schwerer für einen die ganze Familiensituation zu ertragen, seine eigenen Träume zu begraben, sich wohl zu fühlen. Ich liebe meinen Mann über alles, aber die Situation ist die härteste in meinem bisherigen Leben. Ich kämpfe jeden Tag mit mir, mit meinem Gefühlen, dem was sich gehört etc.

    UND NEIN: Man weiß nicht auf was man sich einlässt. Man weiß nie wie die Kinder ticken und vor allem wie sie sich entwickeln. Wie das ganze Familiengefüge agieren wird. Ob sie einen das Leben schwer oder leicht machen. Und ja: Manche nehmen es nicht so schwer und tragen nicht so viele Gefühle in sich bzw. ist ihnen alles egaler. Ich zähle leider nicht dazu und mein Mann auch nicht.

    Ich hoffe, ich schaffe diese Aufgabe weiter für mich, denn von außen sieht bei uns alles perfekt aus.
    Vielen Dank schon einmal und es tut gut sich etwas von der Seele schreiben zu können, auch wenn es nur ein Bruchteil der ganzen Geschichte ist.
    DANKE! Eure Sarah…

  • #8585

    Blackpearl
    Teilnehmer

    Hallo Sarah,

    ersteinmal herzlich willkommen!

    Ich hoffe, das ist nicht unangebracht, aber ehrlich gesagt musste ich bei dieser Passage „Man selbst darf seinen Ex natürlich nicht sehen, denn bei meinem Mann geht es nur um die Kinder. Quasi auf den „kinderlosen“ Partner darf man dann natürlich eifersüchtig sein.“ herzlich lachen.
    Ich kenne das SO gut. Ich habe auch keine Angst, dass mein Partner wieder zur Ex gehen könnte, aber es nervt. Und ich kriege schon Ärger, wenn ich meinem Ex nur zum Geburtstag gratuliere!

    Auch mit deinen anderen Gefühlen bist du wirklich nicht alleine. Ich wollte auch immer die erste Frau sein, mit der mein Freund Kinder haben wird. Damit muss ich mich auch irgendwie arrangieren.

    Hast du mal mit deinem Partner über deine Gefühle gesprochen? Dass ihr immer mit den Kindern in den Urlaub fahrt, vestehe ich nicht. Das muss ja nun nicht sein. Wenigstens 1-2 Wochen im Jahr sollten schon nur für euch beide alleine drin sein. Oder wenigstens mal ein langes Wochenende!

    Wenn ich deinen Text so lese, habe ich auch das Gefühl, dass du zu wenig für dich selbst machst. Bist du jedes Kinder-Wochenende dabei? Hier kannst du doch auch mal was nur für dich machen, muss ja nicht gleich das ganze Wochenende sein, aber mal ein paar Stunden.
    Ich glaube, du opferst dich ein bisschen viel für die Kinder auf. Wie du schon geschrieben hast, du bist nicht ihre Mutter. Du musst das nicht! Du darfst die Kinder auch mal doof finden und nicht kuscheln wollen. In erster Linie ist dein Mann für seine Kinder verantworlich, d.h. auch die Betreuung hat von ihm zu erfolgen! Du darfst sagen, dass du die Kinder nicht alleine um 17.30 Uhr entgegen nehmen möchtest! Ich würde das auch nicht machen.
    Bei mir hat es auch eine Weile zu dieser Einsicht gebraucht.

    Bei uns ist es auch so, dass wir nicht wissen, ob die Mutter überhaupt jemals ein Kind wollte. Es war zwar geplant, aber trotzdem. Sie hat sich von Anfang an nicht ums Kind gekümmert und tut es heute auch nicht. Den Unterhalt nimmt sie auch vorrangig für ihren eigenen Luxus.

    Irgendwie denkt man vorher immer, dass es so schwer nicht sein kann, aber man wird immer eines besseren belehrt. Am meisten nerven mich die Sprüche: „Du hast es ja gewusst“ Nein, niemand kann das wissen, bevor er das nicht selbst durchgemacht hat.

    Fühl dich gedrückt!

  • #8595

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Sarah,

    puh, da hast du dir ganz schön was von der Seele geschrieben. Was ich daraus herausfiltre, ist eventuell einfach ein Abgrenzungsproblem. Gibt es denn eine klare Aufgabenverteilung, für was du zuständig bist, für was dein Partner? Das erscheint mir ein wichtiger Schritt. So kannst auch du dir mal sagen „nein, für Hausaufgaben bin ich nicht zuständig, das ist so abgemacht, das mache ich jetzt nicht, und wenn das bedeutet, dass sie heute nicht gemacht werden und das Kind morgen eine Strafarbeit bekommt“.

    Den grundsätzlichen Schmerz darüber, dass eine Familie schon mit einer anderen gegründet wurde, kann ich sehr gut verstehen. Das geht anscheinend vielen hier so. Und viele haben die Erfahrung gemacht: Es wird besser. Zeit heilt. Ich würde mir übrigens von meinem Partner niemals Kontakt zu irgendjemandem verbieten lassen, auch keinem Expartner (bin mit einigen von ihnen sehr gut befreundet). Seine Eifersucht wäre sein Problem.

    Was den Zeigefingerbruder angeht… der hat doch keine Ahnung. Der hat sich wahrscheinlich irgendein Bild von deiner/eurer Familie zusammengereimt, das nicht der Realität entspricht, und verurteilt euch jetzt danach, weil er entweder nicht genug eigene Probleme hat oder sich von ebendiesen ablenken will.

    Herzliche Grüße,
    Pumpkin

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