Gemeinsames Sorgerecht trotz Misshandlung

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Dieses Thema enthält 5 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Louisa vor 2 Wochen, 5 Tagen.

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  • #7919

    Louisa
    Teilnehmer

    Hallo,

    Erst einmal möchte ich euch allen danken für eure Erfahrungen die ihr teilt und vielen Dank Susanne Petermann, dass Sie dieses Forum ins Leben gerufen haben. Es hat mir in schweren Zeiten unglaublich viel geholfen und ich habe mich nicht mehr so alleine gefühlt.
    Ich möchte gerne meine Geschichte mit euch teilen, weil es zum einen ein „Erfolg“ ist und ich diesen gerne teilen möchte und zum anderen aber auch frustrierend und ich nicht verstehe, wie es so ablaufen kann ich Deutschland.
    Ich lebe mit meinem Mann und meinem Stiefsohn zusammen. Bis vor kurzem lebte der Kleine bei seiner Mutter. Mein Mann trennte sich schon kurz nach der Geburt von der Mutter. Es gab aber immer nur Streit und sie verweigerte meinem Mann sein Kind zu sehen. Das Jugendamt war wenig hilfreich, sodass mein Mann dann sein Umgangsrecht einklagte. Insgesamt gab es 3 Verfahren bis das Kind endlich zum Vater nach Hause durfte. Zu diesem Zeitpunkt lebten wir auch schon zusammen und es war das erste Mal, dass ich seinen Sohn sehen durfte. Bei den vorherigen Umgangskontakten, die nicht zu Hause stattfanden, habe ich mich immer zurückgehalten. Die Mutter bedrohte mich und beleidigte uns permanent. Nachdem sie dann merkte wie schön es ist, sich nicht mehr um ihr Kind kümmern zu müssen, schob sie das Kind permanent bei uns ab. Da wir wussten, dass es dem Kind nicht gut geht bei ihr, haben wir ihn in jeder freien Minute von der Mutter abgeholt und das ganze 2 Jahre lang. Es gab genügend Anzeichen, dass er bei seiner Mutter psychisch sowie körperlich misshandelt worden ist. Das Jugendamt schenkte uns keinen Glauben, sie könnten dies nicht beurteilen. Wir waren am Ende unsere Kräfte, konnten nachts kaum noch schlafen, weil wir wussten, dass es ihm bei seiner Mutter schlecht ergeht und wir nichts unternehmen können. Letztes Jahre teilte sie uns plötzlich mit, dass sie jemanden aus dem Ausland heiraten werde und hier herholen werde und zum Islam konvertiert sei. Endlich sah auch unsere Anwältin die Chance jetzt das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Sorgerecht einzuklagen. Als erstes kam das Jugendamt zu dem schluss, dass alles bestens sei und die Mutter jetzt die Hilfe zur Erziehung wahrnehme. Beim Gerichtstermin wurde dann ein Familiengutachten angeordnet. Der ganze Prozess zog sich über Monate hin und mein Stiefsohn wurde massivst von seiner Mutter unter Druck gesetzt, niemandem zu sagen, dass er geschlagen werde, dass alles toll ist und er bei seiner Mutter leben bleiben wolle. Genau diese erzählte er jedem, mit dem er im Gespräch war. Er sagte nur dass er bei seiner Mutter leben wolle, weil diese die beste sei und ging dann in eine Verweigerungshaltung. Anstatt zu sehen wie sehr das Kind leidet, wurde immer nur gesagt, das Kind sagt nichts, also können wir nichts tun. Dann packte mein Stiefsohn eines Tages im Kindergarten aus, wurde wütend und schrie nur noch rum, dass seine Mutter ihn schlage. So kam es, dass das Jugendamt beschloss, das Kind dem Vater zu übergeben. Das Gutachten wurde noch fertiggestellt und mein Stiefsohn konnte endlich frei reden und beantwortete die Fragen des Gutachters ganz frei. Die Mutter leugnet bis heute alle Geschehnisse und sagt nicht davon entspräche der Wahrheit. Jetzt bleibt der kleine bei uns aber es besteht weiterhin das gemeinsame Sorgerecht. Mein Stiefsohn ist traumatisiert, er wurde nicht gefördert bei seiner Mutter, war unterernährt und vorallem die psychische Misshandlung, die er erlebt hat ist spürbar (Er wurde immer beschimpft, dass er scheiße, ein miststück sei, im Zimmer eingesperrt, durfte nie spielen, sich nicht frei bewegen). Wir können nicht verstehen, wieso sie immer noch das Sorgerecht für ihn behalten darf, nach allem was passiert ist. Sie möchte ihr Kind weiterhin sehen, aber mein Stiefsohn ist total traumatisiert und hat Angst sie zu treffen. Er wünscht sich keinen Kontakt, hatte oft Schreianfälle, weil er plötzlich Angst vor ihr bekommen hat. Das Jugendamt ist der Auffassung dass die Kontakte wichtig seien für das Kind, weil es ja die Mutter sei. Mir ist wirklich nicht klar, warum der Kontakt zur Mutter so extrem wichtig sein soll, wenn das Kind davon nur traumatisiert ist. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie löst ihr das? Und wie soll man dem Kind erklären, dass es zu diesen Kontakten gehen muss und wir nichts daran ändern können?

  • #7921

    BerlinGirl
    Teilnehmer

    Liebe Louisa,

    ich stimme Dir zu, auch ich finde es vollständig unverständlich, wie widersprüchlich manche Gerichtsentscheide sind. Einerseits besteht eine Kindeswohlgefährdung, weshalb das Gericht einen Wohnortwechsel bzw. eine Änderung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes anordnet, andererseits soll der Kontakt zu dem kindeswohlgefährdenden Elternteil auf alle Fälle beibehalten und gefördert werden und angeblich für das seelische Wohl des Kindes unabdingbar sein… finde den Widerspruch!

    Bei uns war es ähnlich, allerdings waren/sind 3 Kinder (meine Stiefkinder) involviert. Diese wurden von ihrer Mutter und deren neuen Lebensgefährten unterschiedlich intensiv aber allesamt körperlich und seelisch misshandelt. Nach einem Zwischenstopp im Kindernotdienst, ewig vielen Gutachten, Gerichtsprozessen, Revisionen und bangen Wochen des Wartens und Hoffens durften dann nach und nach alle Kinder zu uns, also ihrem Vater und mir als Stiefmutter, umziehen.

    Seit der Älteste der drei zu uns wechselte war klar, dass er im Haushalt der Mutter nicht mehr erwünscht war, sprich, er wurde anders als seine beiden Geschwister nicht jedes zweite Wochenende zum Umgang abgeholt. Der Umgang fand nur 14-tägig, maximal eine Stunde dauernd, in einem Café statt (immer wenn die anderen beiden abgeholt wurden). In dieser Stunde redete die Mutter alles schlecht, was er ihr erzählte und interessierte sich mehr für ihr Handy als für alles, was er ihr zeigte (Zeugnis zum Beispiel). Auch Absagen dieses Umgangs waren üblich. Alles in allem brachte dem Jungen dieser Umgang nur Frust und Traurigkeit, so dass er sie irgendwann nicht mehr wollte. Mit 14 hat er seinen Vater gebeten, dass er das alleinige Sorgerecht beantragt, damit seine Mutter (die sich zu dem Zeitpunkt schon 2 Jahre lang nicht mehr für ihn interessierte – keine Besuche, keine Anrufe, teilweise nicht mal Geschenke zu Weihnachten und Geburtstag), nicht mehr in sein Leben einmischen kann (zum Beispiel Schulwahl, Ausbildungsstätte etc.). Das hat mein Mann dann auch beantragt und war erfolgreich.

    Das Umgangsrecht hat die Mutter theoretisch noch, so weit ich weiß, aber da beide Seiten keinen Umgang wünschen, erfolgt auch keiner.

    Ab einem Alter von 14 Jahren müssen die Richter vom Familiengericht die Meinung des Kindes berücksichtigen, vorher steht ihnen das wohl frei. Wenn aber belegt werden kann, dass der Umgang vom Jugendlichen (nachdrücklich über einen längeren Zeitraum) nicht gewünscht wird und der Umgang ihm körperlich wie seelisch schadet, dann sollten der Verfahrensbeistand, die Psychologen und das Jugendamt hinter dem Antrag stehen. So war es jedenfalls in unserem Fall.

    Wie alt ist denn dein Stiefsohn? Habt Ihr ein ärztliches oder psychologisches Gutachten, das bestätigt, dass der Umgang dem Jungen schadet bzw. er unter den vergangenen Erlebnissen im mütterlichen Haushalt leidet und entsprechende Abwehrreaktionen zeigt? Vielleicht würde so etwas einen Antrag auf alleiniges Sorgerecht begünstigen. Allerdings bleibt das Umgangsrecht wie gesagt trotzdem bestehen. Ich bin aber nicht sicher, in wie weit die Mutter Erfolg hätte, die Durchsetzung des Umgangsrechts unter Euren Umständen einzuklagen. Würde sie das überhaupt tun?

    Viele Grüße,
    BerlinGirl

  • #7922

    Louisa
    Teilnehmer

    Liebes Berlin Girl,

    Wow, da habt ihr aber auch einiges durchgemacht! Wie funktioniert der Umgang jetzt zu den anderen Kindern? Da momentan der Beschluss noch nicht lange her ist, wollen wir erstmal abwarten und hoffen, dass sich die Mutter sowieso nicht kümmert. Es sollen bald die unbegleiteten Kontakte anfangen, einmal im Monat für ein paar Stunden. Mein Stiefsohn ist 6 und er kann es so nicht ausdrücken, dass er sie nicht sehen will. Das Jugendamt hatte anfangs den Vorschlag, dass er selbst seiner Mutter sagen solle, dass er nicht will. Aber das kann er einfach nicht, weil er so große Angst hat. Ich finde schlimm, wie viel von so einem kleinen Kind verlangt wird. Das Gutachten ist zu der Meinung gekommen, dass der Kleine seine Mutter nur momentan nicht vermisse, er aber bald (wenn der erste Schock verarbeitet ist sozusagen) wieder mehr Kontakt zu seiner Mutter wünschen würde und das ganz wichtig für ihn sei. Bis jetzt, also einige Monate später ist es aber so, dass er sie absolut nicht sehen will. Er spricht nicht über Sie und der Kindergarten erzählte uns auch, dass er nach den Kontakten immer sehr aufgewühlt sei. Damals fanden sie aber wenigstens noch begleitet statt, sodass wir uns sicher sein konnten, dass sie die Gelegenheit nicht nutzen kann um ihn erneut zu manipulieren und ihm nur schlechtes zu erzählen. Jetzt hoffen wir einfach, dass es sich so löst, ansonsten müssen wir schauen, wie wir es gerichtlich regeln könnten. Unsere Erfahrung ist bis jetzt einfach so, dass alles was wir dem Jugendamt sagen, sowieso negativ ausgelegt wird, da wir ja nur „eigene“ Interessen verfolgen.
    Auf jedenfall toll, was ihr und du geschafft habt!
    LG,

    Louisa

  • #7923

    BerlinGirl
    Teilnehmer

    Liebe Louisa,

    vielleicht ist das das beste, was ihr momentan tun könnt: dem Ganzen Zeit geben und schauen, wie es sich entwickelt. Wenn es ohne Umgangsbegleitung nicht funktioniert, kann man die doch sicher auch neu beantragen bzw. verlängern, oder?

    Die beiden jüngeren Kinder verbringen regelmäßig jedes zweite Wochenende und die Hälfte der Ferien bei der Mutter.

    Wenn das Jugendamt euch nicht zuhören will bzw. euch nicht glaubt, kann dann der Kindergarten da nicht mal dem Jugendamt die Beobachtungen schildern? Das ist meist was ganz anderes und wird viel ernster genommen, wenn von Dritter, am besten offizieller Stelle, jemand entsprechende Besorgnis ausdrückt.

    Alles liebe für Euch!
    BerlinGirl

  • #7925

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Louisa, liebe BerlinGirl,

    da habt ihr beide ja ganz schön was durch. Es ist schon traurig, wie schwer es ist nachzuweisen, dass einem Kind unrecht getan oder es gar seelisch und psychisch misshandelt wird. Dass das Sorgerecht da nicht entzogen wird, verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber Müttern das Sorgerecht zu entziehen, da tun sich die Gerichte offensichtlich noch immer schwer…

    Auf jeden Fall ist es doch schon mal gut, und ein absolut wichtiger Schritt, dass der Sohn jetzt bei euch ist. Was den Umgang betrifft… ich denke tatsächlich auch, es ist wichtig, dass weiterhin Kontakt zur Mutter besteht, aber nur in sehr eingeschränkter Art und Weise und auch NUR begleitet. Ist es nicht möglich, dass ihr beantragt, dass der begleitete Umgang noch weiter fortgeführt wird und nicht schon unbegleitet wird, wenn ihr eure Bedenken ehrlich äußert? Ich finde auch die Idee von BerlinGirl gut, dass vielleicht der Kindergarten dazu nochmal was sagt. Ich finde es jedenfalls auch zuviel verlangt von einem 6-jährigen seiner Mutter direkt zu sagen, er will sie nicht mehr sehen… wirklich unglaublich!!!
    Auch wenn es euch momentan vielleicht schwer fällt, den Kontakt zur Mutter zu unterstützen, sie ist und bleibt seine Mutter und – genau wie Väter das ja auch nicht wollen – kann man sie nicht einfach aus seinem Leben streichen. Vielleicht entscheidet er selbst irgendwann, dass er das nicht mehr möchte und hat auch den Mut ihr das dann zu sagen, dann ist es okay. Aber solange das noch nicht der Fall ist, könnt ihr nicht viel mehr tun, als dafür zu sorgen, dass der Umgang wenn möglich begleitet stattfindet und auch möglichst kurz. Gibt es denn derzeit eine feste Umgangsregelung? Wie oft und lange sieht sie ihn denn?

    Es tut mir leid, dass ich keinen besseren Rat habe…es ist immer schlimm die Kinder so leiden zu sehen. Aber sieh das positive, die meiste Zeit ist er bei euch, wo er Ruhe finden kann und nicht mehr misshandelt wird. Gebt ihm die Kraft mit, die er braucht um sich von den schlechten Erfahrungen zu lösen, das wird sicher dauern und erfordert Geduld, aber ich bin mir sicher, ihr schafft das.

    LG Daka.

  • #7927

    Louisa
    Teilnehmer

    Hallo ihr beiden,

    Ja der Kindergarten hat sogar bereits mit dem Jugendamt gesprochen, bevor der endgültige Gerichtstermin war aber das Jugendamt hat dies vor Gericht nicht erwähnt und ist trotzdem zu der Aussage gekommen, dass die Mutter das Kind alleine sehen könne. Sogar mein Stiefsohn hat während den begleiteten Kontakten auf Nachfrage der Jugendamtsmitarbeitern gesagt, dass er seine Mutter nicht ohne Begleitung sehen möchte. Trotzdem ist es jetzt zu dieser Entscheidung gekommen und wir hoffen, dass es sich irgendwie so regelt. Er wird sie erstmal nur ein paar Stunden im Monat treffen und dann wird man sehen, wie es sich weiterentwickelt und welche Schritte man unternehmen kann.
    vielen vielen dank für eure lieben worte und eure tipps!

    LG,
    Louisa

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