Gefühle, Gefühle, Gefühle

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Dieses Thema enthält 7 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Patchworkflicken vor 5 Monate, 2 Wochen.

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  • #8345

    Yule
    Teilnehmer

    Hallo ihr Lieben,

    ich (Anfang 30) habe seit Beginn der Beziehung mit meinem Partner (Mitte 30) seit etwas mehr als einem Jahr wirklich Schwierigkeiten damit, meine Gefühle unter Kontrolle zu bekommen und möchte nicht, dass das unsere Beziehung gefährdet.

    Kurze Vorgeschichte: Mein Partner und ich waren vor etwa 14 Jahren schon mal einige Zeit zusammen, wir waren beide noch nicht reif füreinander und ich selbst zu freiheitsliebend, um mich auf eine feste Beziehung einzulassen, daher folgte die Trennung. In all den Jahren habe ich ihn nie vergessen und sehr vermisst, ihm ging es genauso und wir haben beide über die ganze Zeit immer wieder den Kontakt zueinander gesucht. Er kam damals kurze Zeit nach unserer Trennung mit seiner aktuellen Noch-Frau und Mutter seines 3jährigen Sohnes zusammen. Letztes Jahr haben sie sich getrennt und pflegen das Wechselmodell mit dem Sohn, also jeder hat das Kind eine Woche, das auch sehr gut funktioniert. Vor 1 1/2 Jahren war es dann soweit: mein Partner und ich kamen wieder zusammen und sind auch mehr als glücklich, wir fühlen uns beide endlich angekommen und möchten eine gemeinsame Zukunft aufbauen.

    Nun zum Problem: Ich empfinde Eifersucht, wirklich starke Eifersucht. Nicht auf das Kind, ich mag es sehr gern und wir verstehen uns gut. Sondern darauf, dass seine Ex noch eine so dermaßen große Rolle spielt (logisch als Mutter des gemeinsamen Kindes) und sich das niemals ändern, sie immer aktuell sein wird. Meine Gefühle sind sehr egoistisch, glaube ich zumindest, aber sie beschäftigen mich und ich würde sie nur zu gerne abschalten. Mein Partner gibt sich viel Mühe, er gibt mir nie das Gefühl, dass ich ihm weniger wichtig bin als sein Kind und bemüht sich auch, viel mit mir über meine Gefühle zu sprechen, sie zu verstehen. Aber ändern kann er es natürlich auch nicht. Ich bin eifersüchtig darauf, dass er dieses Kind mit einer anderen Frau hat, sie mal gemeinsame und ernsthafte Pläne hatten, er mit ihr regelmäßig wegen des Kindes in Kontakt ist und sie gemeinsam die Erziehung und alles Zukünftige das Kind betreffend planen (alles logisch, das weiß ich). Es fühlt sich für mich an, als sei ich nur die Nachfolgerin, die seine Ex ersetzt hat, obwohl er sich sehr viel Mühe gibt.

    Ich möchte diese Gefühle aber nicht haben, sie sind ungerecht. Ich möchte nicht allein bei der Nennung des Namens seiner Ex eifersüchtig und wütend werden oder wenn er mir von seinem Kind erzählt. Ich möchte ihm innerlich keine Vorwürfe für seine „Fehlentscheidungen“ (mit dieser Frau ein Kind zu zeugen und sie zu heiraten, obwohl die Beziehung damals schon nicht mehr gut lief) machen. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern und muss mit dem Ist-Zustand klarkommen. Aber wie? Mir liegt die Beziehung sehr am Herzen und ich möchte mich auf keinen Fall trennen. Ich würde damit so gerne abschließen und mich auf die Zukunft mit ihm freuen, aber diese fiese Eifersucht frisst mich von innen auf, nagt auch an unserer Beziehung und an meinem Partner und ich weiß nicht, wie ich sie in den Griff bekomme. Habt ihr vielleicht Tipps für mich?

  • #8346

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Yule,

    du schreibst, dass du damals, vor 14 Jahren selbst nicht bereit für diese Beziehung warst und er kurz danach mit seiner jetzigen Ex zusammengekommen ist. Demnach waren sie dann aber auch gut 10 Jahre zusammen, oder? Ich glaube, dein Problem ist nicht die Ex direkt, sondern dass du dich darüber ärgerst, dass du ihn damals hast gehen lassen… Dass du jetzt nicht diejenige bist, die er geheiratet hat und mit der er sein erstes Kind hat, sondern dich nun ein leben lang damit abfinden musst, dass er das alles mit einer anderen gemacht hat. Auch wenn es weh tut, nimm die Tatsache an, denn es lässt sich nicht mehr ändern. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Und letztlich weißt keiner wozu es gut war… wer weiß, wenn ihr damals zusammen geblieben wärt, vielleicht hättet ihr dann irgendwann geheiratet und auch ein Kind bekommen, aber vielleicht wärt ihr jetzt auch schon wieder getrennt, weil ihr vielleicht zu jung gewesen wärt… was ich damit sagen will, alles hat seinen Sinn! Du bist die Frau, die du heute bist, auch weil du damals deine Freiheit gelebt hast. Und er ist der Mann (und Vater) der er ist, weil er eben diese andere Beziehung geführt hat. Jetzt, hier und heute seid ihr beide bereit für diese Beziehung. Ja, seine Ex wird immer Teil seines (und eures) Lebens sein, einfach weil sie die Mutter seines Sohnes ist. Und trotzdem bist DU jetzt der Mittelpunkt seines Lebens…
    Ich kann dir leider nicht sagen, wie du deine Gefühle abstellen kannst… ich hoffe aber, dass meine Sichtweise dir vielleicht hilft selbst einen anderen Blick darauf zu bekommen. Deine Gefühle sind okay, du darfst sie haben, aber sie sollten nicht zu sehr dein Leben und Handeln beeinflussen. Versuche damit zu arbeiten, rede weiterhin mit deinem Partner und wenn du denkst, du hältst es nicht aus, suche dir durchaus auch psychologische Hilfe. Vielleicht werden die Gefühle auch besser, wenn ihr noch ein gemeinsames Kind bekommt…
    Ich wünschte mir auch an vielen Stellen, die Zeit zurückzudrehen und anders zu entscheiden…und das geht nun mal leider nicht… und ob dann wirklich alles besser wäre, werden wir nie erfahren… Es gibt da einen passenden Film: „The Butterfly Effect“ wo es genau darum geht…wie schon kleinste Änderungen in der Vergangenheit einen riesigen Einfluss auf die Zukunft haben…und der kann vielleicht, muss aber nicht positiv sein… ja, der Film ist Fiktion, aber ich bin überzeugt, genauso „ist“ es.

    Du könntest einfach versuchen, seine Ex nicht als Konkurrenz zu sehen, denn das ist sie nicht, schließlich ist er jetzt mit dir und nicht mehr mit ihr zusammen. Versuche sie als das zu sehen, was sie ist…die Mutter deines Bonuskindes…und wenn er immer eine Woche bei euch ist, wäre es vor allem für den kleinen toll, wenn ihr ein gutes oder wenigstens neutrales Verhältnis hättet…

    Alles gute für euch,
    LG Daka.

  • #8347

    Yule
    Teilnehmer

    Liebe Daka,

    danke für deine Worte! Diese Gedanken hatte und habe ich auch, dass ich im Grunde mir die Vorwürfe mache und das nun die „gerechte Strafe“ für meine Trennung ist. Aber ich weiß auch, dass es damals nie gut gegangen wäre, ich war in der Zeit aus meiner Sicht absolut nicht ernst zu nehmen und selbst noch ein halbes Kind. Auch, dass alles seinen Sinn hat und ja nun erst dazu geführt hat, dass wir wieder zusammen und glücklich sind, sage ich mir oft. Das hilft für einige Zeit, dann braucht es einen kleinen Auslöser und dieses heiße Brennen im Bauch ist wieder da, das auch mein Verhalten meinem Partner gegenüber beeinflusst, so ist er oft unsicher, wenn es bei mir zu plötzlichen Stimmungswechseln kommt und ich auf Distanz gehe – was ich ja eigentlich gar nicht möchte! Im Gegenteil, ich möchte im nahe sein, aber dieses Gefühl wird manchmal übermächtig und ich verfluche innerlich seine Vergangenheit. Ich suche nur Wege, mich in solchen Situationen wieder in den Griff zu bekommen. Aber ich werde auch über deinen Rat, mir ggf. psychologische Hilfe zu suchen, definitiv nachdenken.

    Dem Kind gegenüber zeige ich das Alles nicht, da gelingt es mir – warum auch immer – hervorragend, die Gefühle unter Kontrolle zu halten und sie nicht an ihm auszulassen, er ist die wirklich verletzliche Person und sein Schutz ist das Wichtigste. Er kann dafür nichts und wir verstehen uns auch sehr gut, zumindest er leidet also nicht unter meiner Stimmung.

  • #8348

    Lini
    Teilnehmer

    Hallo Yule,

    wie ist denn Dein Verhältnis zur KM?
    Aber egal wie Dein Verhältnis zur Zeit zu ihr ist, möchte ich etwas zu einem Zitat von Daka
    schreiben. Sie schrieb:“ Ja, seine Ex wird immer Teil seines (und eures) Lebens sein, einfach weil sie die Mutter seines Sohnes ist.“

    Das sehe ich sehr anders. Sie wird maximal bis zum sechzehnten Geburtstages deines Stiefkindes Teil Eures Lebens sein. Bei uns wird sie in zwei Jahren aus unserem Leben gekickt werden, weil wir ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihr haben. Dann wird mein jüngster Stiefsohn 12 Jahre sein.
    Dann wird er Verabredungen selber mit uns treffen können. Dann darf er über Umgangszeiten, wie, wann und wo selber entscheiden. Natürlich kann sie dann noch anrufen wenn etwas passiert ist, Krankenhaus oder ähnliches, aber auch wirklich nur dann. Der Dauerauftrag des Kindesunterhaltes läuft automatisch und Dinge zum unterschreiben bringen die Jungs immer selber mit.
    Bei Dir ist das noch lange hin ich weiß, aber es ist dennoch ein Ziel.

    Der Groll auf seine Vergangenheit kann ich sehr gut verstehen. Ich habe meinen Partner schon häufiger gefragt wie er nur so doof sein konnte. Er sagte dann:“ Ich weiß es ja selber nicht. Sie ist der größte Fehler meines Lebens.“

    Es hilft also alles nichts. Du wirst besser leben wenn Du seine Fehlentscheidung akzeptierst, Du musst sie niemals gut finden aber eben akzeptieren.

    Du wirst einen langen Atem haben müssen. Aber noch etwas zum Trost.
    Da der Kleine noch recht klein ist, wird er sich später nicht mehr an eine gemeinsame Zeit mit seinen Eltern erinnern. Dann gibt es für ihn „Papa und Yule“ und „Mama und ihr Partner“. Das sind dann die stabilen Paarbeziehungen die ihm Beziehungen vorleben. Und eine Paarbeziehung ist immer wichtiger für das Kind als die Elternbeziehung. Da scheiden sich zwar die Therapeuten Geister aber das kann ich als Scheidungskind bestätigen.

    Die KM wird die Jahre immer mehr und mehr an Wichtigkeit verlieren.

    Liebe Grüße
    Lini

  • #8349

    Donnaserpente
    Teilnehmer

    Liebe Yule,

    Du kannst Dich drehen und wenden wie Du willst — Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Auch ich denke manchmal, verdammt, warum haben WIR nicht zusammen die Kinder?
    Ich bin davon überzeugt, dass unsere Lebenswege vorbestimmt sind und wir uns einen Weg suchen müssen, um daraus etwas brauchbares zu machen. Sei froh, dass Ihr eine zweite Chance habt, die wahrscheinlich höher ist als damals, weil Ihr beide menschlich gereift seid. Ich sehe es wie Daka. Wäret Ihr seit Schulzeiten zusammen, wäre Eure Beziehung möglicherweise schon zerbrochen. Dann wärst Du diejenige, deren Exmann noch einmal glücklich geworden ist.

    Und, Ihr seid beide noch jung. Was spricht denn gegen ein gemeinsames Kind? Dann ist die Familie komplett.

    Liebe Grüße, Donna

  • #8353

    Yule
    Teilnehmer

    Danke Euch für die Antworten und Blickwinkel! Es tut sehr gut, das Alles zu lesen und muntert mich auf. Ich werde mir Eure Worte definitiv zu Herzen nehmen und hoffe, dass ich so mit viel Geduld und Arbeit an mir alles schaffe.

    @lini Ich habe kein gutes Verhältnis zur KM. Sie mag und mochte mich noch nie, ist und war immer sehr eifersüchtig auf mich, da mein Partner in deren Beziehung wohl sehr viel von mir erzählt hat. Ihre Befürchtung, dass er nach wie vor Gefühle für mich hat, hat sich also bestätigt und ist damit (verständlicherweise) Grund genug für sie, mich nicht zu mögen. Ich verhalte mich ihr gegenüber neutral, bin höflich und freundlich. Ich möchte Alles nicht noch durch offenen Streit zwischen ihr und mir belasten.

    Und während ich das gerade alles schreibe, frage ich mich wirklich, weshalb ich mich nicht eher freue. Sie hat im Grunde das schlechte Los gezogen, nicht ich. Ich habe wirklich, wie Du sagst Donna, eine zweite Chance bekommen, nun einen wundervollen Partner, den ich sehr liebe und ein tolles BK. Ich hoffe, dass es mir gelingt, dieses Gefühl zu verinnerlichen und daran festzuhalten.

    Ein eigenes Kind ist erst mal nicht in Planung, das lässt die aktuelle berufliche Situation nicht zu. Ich hoffe einfach auf „irgendwann“.

    Liebe Grüße
    Yule

  • #8355

    Pumpkin
    Teilnehmer

    Liebe Yule,

    ich denke, ich kann dich gut verstehen. Ich habe vor ca. einenhalb Jahren einmal ein Thema zu einem ganz ähnlichen Thema eröffnet. Auch ich habe stark unter ähnlichen Gefühlen gelitten, obwohl ich rational wusste, dass die ganzen 11 Jahre mit seiner Ex ein sehr dummer und auch vorhersehbarer Fehler war, und ich die einzige Person bin, der er je gesagt hat, dass er sie liebt. Die einzige, mit der er jemals eine Zukunft wollte. Was ich nach zweijähriger Beziehung sagen kann, ist: Es wird besser. Zeit heilt.

    Neben eigener Erfahrung möchte ich dir auch ein paar andere Sichtweisen mitbringen:
    *) Ich habe einmal in einer psychologischen Beratung darüber gesprochen. Die Psychologin meinte dazu, dass wir Menschen Erfolg nicht gut vertragen. Du hast in der Liebe einen wahnsinnig großen Erfolg gefeiert, nämlich einen tollen Mann bekommen, den du schon immer wolltest. Jetzt musst du es dir schlecht machen, da du mit Erfolg nicht umgehen kannst.
    *) Unsere Wahrnehmung besteht hauptsächlich aus Geschichten, die wir aus den Tatsachen konstruieren. Das klingt jetzt ein bisschen abstrakt. Gemeint ist folgendes: Du kennst doch sicher Dornröschen. Die gängige Deutung spricht von einer romantischen Liebesgeschichte mit stolzem Helden. Man könnte die Geschichte aber genauso so interpretieren, dass der Prinz ein Macho ist, der einer wehrlosen 15-jährigen einen Kuss aufzwingt. So klingt dieselbe Geschichte plötzlich ganz anders. So ist das auch bei deinem Partner und seiner Ex: Du kennst vermutlich viele Fakten. Vielleicht schaffst du es, dir daraus eine Geschichte zu bilden, die gut für dich ist.

    Bei mir ist es so, dass die schlechten Gefühle hauptsächlich dann auftreten, wenn er nicht bei mir ist – dann fange ich an zu grübeln, messe seinem früheren Leben und was daraus entstanden ist viel zu viel Bedeutung zu, und es schmerzt. Wenn er bei mir ist, sind wir einfach ein Paar. Wenn die Kleinen dabei sind, sind sie einfach Kinder ohne besondere Verbindung zu ihm. Ich höre es nicht gern, wenn sie ihn „Papa“ nennen, zum Glück sollen sie das aber auch nicht (komplizierte Geschichte, eine Mischung zwischen anderer Muttersprache und fehlender Vatergefühle). Mittlerweile führen wir eine Fernbeziehung, aber trotzdem geht es mir erstaunlich gut. Was immer geholfen hat, war, dass er ganz ähnliche Probleme ihnen gegenüber hatte. Er sagt oft, sie sind für ihn einfach „Kinder, die er mag und um die er sich kümmert“. Es kamen auch schon Aussagen wie „es fühlt sich nicht so an, als wären sie seine“, manchmal auch extremer „es fühlt sich so an, als wären sie ihm aufgezwungen worden“. Er spricht auch selten von ihnen, teilweise sicher als Konsequenz meiner Gefühlsprobleme (wir haben im ersten Beziehungsjahr nicht einmal ihre Namen genannt, die Ex ist immer noch wahlweise „die Ex“ oder „das Co-Elternteil“).

    Zum Schluss vielleicht noch ein paar praktische Tipps:
    *) Verurteile weder dich noch deine Gefühle. Sie sind legitim.
    *) Lenk dich ab, wenn die Gefühle kommen. Ignorier sie nicht, unterdrücke sie nicht, rede weiterhin darüber und nimm sie weiterhin wahr, aber manchmal ist es doch einfach das beste, seine Aufmerksamkeit z.B. auf einen guten Film zu lenken.
    *) Beobachte die Gefühle im Zusammenhang mit deinem Monatszyklus. Wenn du sie teilweise auf die PMS schieben kannst, kannst du sie vielleicht auch leichter akzeptieren.
    *) Schone deinen Partner nicht. Wenn du mit ihm darüber reden willst, mach es.

    Was mir irgendwie auch geholfen hat, war folgendes Lied von Tim Minchin:

    Frei nach ihm: „This is my life, and it’s fine. It’s where I spend the vast majority of my time. It’s not perfect, but it’s mine.“

    Alles Gute,
    Pumpkin

  • #8356

    Patchworkflicken
    Teilnehmer

    Hallo Yule,

    deine Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen, denn ich hatte sie am Anfang auch. Aber es stimmt, was Pumpkin sagt: die Zeit macht alles besser. Inzwischen ist meine Wut auf die Ex weitestgehend verraucht und ich habe auch erkannt, dass meistens nicht diese Frau das eigentlich Problem war, sondern der Umstand, dass ich aufgrund der Entscheidungen meines Freundes in der Vergangenheit nun eine Haufen Kompromisse einegehen muss, mit denen ich so im Leben nie gerechnet hatte und die sich wohl auch keine Frau der Welt wünscht.

    Vielleicht helfen dir folgende Ratschläge:

    1.) Du wirst nicht bestraft! Kein Mensch und auch das Leben selbst nicht haben sich überlegt, „Wie könne wir der Yule jetzt mal so richtig einen mitgeben? Ach, am Besten machen wir die zur Stiefmutter, dann hat die erstmal ordentlich Stress. Verdient hat sie es ja.“
    So ist es nicht. Die Umstände unter denen du in Zukunft Leben wirst sind keine Strafe und ohne dich zu kennen behaupte ich jetzt auch einfach mal, dass du auch gar keine Strafe verdient hast.Tausend und eine Kleinigkeit haben dazu geführt, dass du nu bist, wo du bist. Hinter all denen steckte aber nie eine Böse Absicht. Es ist einfach das Leben.

    2.) Dein Freund hat zu genauso vielen Teilen dazu beigetragen, dass er nun ein Vater ist, wie die Kindsmutter. Wenn du wütend auf sie bist, müsstest du also eigentlich genauso wütend auf deinen Freund sein.
    Mach dir bewusst, dass deine Wut im Moment eigentlich beide trifft. Sie und ihn.
    Natürlich möchte man nicht wütend auf seinen Freund sein, deshalb ist es so viel leichter, der Kindsmutter die volle Verantwortung in die Schuhe zu schieben, aber so ist es nunmal nicht.

    3.) Du darfst wütend sein. Du darfst wütend auf die Kindsmutter sein, du darfst wütend auf deinen Freund sein. Du darfst wütend auf dich sein. Du darfst wütend auf das Leben sein. Lass das zu.
    Und wenn du das zugelassen hast, lass es wieder los.
    Ich weiß, das ist leichter geschrieben als getan, aber das ist etwas, dass man lernen kann. Verdräng deine Wut nicht, denn verdrängte Gefühle kommen immer wieder hoch und meistens schlimmer als sie vorher waren. Versuch deine Gefühle zu akzeptieren. Sie sind halt da und sie sind ein Teil von dir und das ist voll okay.
    Aber sie machen dich auch kaputt und machen aus dir einen Menschen, der du gar nicht sein willst. Wahrscheinlich erkennst du dich selbst in den emotionalen Momenten nicht wieder. Durch deine neuen Lebensumstände lernst du nun Seiten an dir kennen, die du vorher nicht kanntest. Und auch das ist voll okay.
    Du bist gerade an deinen emotionalen Grenzen angekommen. Aber weißt du was? Man kann sich in Teilen auch für Gefühle entscheiden. Wenn du zwei Stunden lang auf dem Bett gesessen hast und vor Wut, Enttäuschung und Verzweiflung vor dich hingeköchelt hast, dann sage dir „STOP! Das reicht jetzt. Das war genug Wut für heute.“ und mache etwas Schönes für dich. Und zwar nur für dich. Setz den Fokus wieder auf dich. Du bist zwar jetzt Stiefmutter, aber du bist ja nicht NUR Stiefmutter. Du hast Hobbies, Freunde, ein individuelles Leben ganz außerhalb des Stiefmutterdaseins. Pflege das. Dann auch wieder positivere Gedanken auf.

    4.) Du schriebst „Ihre Befürchtung, dass er nach wie vor Gefühle für mich hat, hat sich also bestätigt und ist damit (verständlicherweise) Grund genug für sie, mich nicht zu mögen.“
    DU MUSST ÜBERHAUPT GAR KEIN VERSTÄNDNIS FÜR DIE KINDSMUTTER HABEN! Auf der einen Seite ist sie in deinen Augen der Feind, auf der anderen verstehst du ja auch so gut, wie sie sich fühlt? Das geht nicht zusammen.
    Und wenn du versuchst Verständnis für die Kindsmuter zu haben, dann machst du nur eins: Du rationalisierst deine eigenen Gefühle weg. Du sagst dir selbst ständig, dass du diese Gefühle nicht haben dürftest. Ja, warum denn bitte nicht? Klar darfst du die haben. Der einzige, der dir das verbietet bist du selbst. Hör auf Verständnis für die Kindsmutter zu haben und konzentrier dich wieder mehr auf dich. Hab Verständnis für dich. (Ich habe zumindest sehr sehr viel Verständnis für dich.)

    5.) Die Kindsmutter ist egal. Wie und warum dein Freund in der Vergangenheit gehandelt haben, ist egal.
    Beide haben damals so gehandelt, wie sie es in dem Moment für richtig erachtet haben aus den Gründen, die sie zum damaligen Zeitpunkt nunmal hatten. Manchmal bereut man diese Entscheidungen im Nachhinein. Aber keiner von beiden hat damals geplant, dass es so kommen sollte, wie es nun ist.
    Die Fehler, die die beiden in ihrer Beziehung gemacht haben, spielen für dich keine Rolle.
    Hör auf darüber nachzudenken, warum die Kindsmutter so ein unfassbar schlechter Mensch ist. Vielleicht ist sie das. Vielleicht auch nicht. Aber das sollte für dich keine Rolle spielen, schließlich hast nicht DU eine Beziehung mit ihr geführt.
    Letzendlich hat dein Freund sich für dich entschieden. Das ist das einzige worauf es ankommt. Halte dir immer wieder vor Augen, dass du nun mit diesem tollen Menschen zusammen sein darfst. Ganz egal was vorher passiert ist. Ihr zwei gehört jetzt zusammen. Das ist was zählt. Den Rest werdet ihr irgendwie schaffen.

    6.) Hör auf den Knopf zu suchen, der deine Gefühle mit einem Druck ausschaltet und dich wieder zu dem Menschen macht, der du sein willst. Diesen Knopf gibt es nicht!
    Um wieder runter zu kommen braucht es nun ehrlich gesagt echt viel Zeit und Arbeit an dir selbst. Schraub mal deine Erwartungen an dich selbst runter, die sind viel zu hoch, Wirklich! Du willst unbedingt perfekt sein und nur positive Gefühle für deine neuen Lebensumstände haben? Und das obwohl du von jetzt auf gleich Stiefmutter geworden bist?
    Andere Menschen planen monatelang machmal jahrelang ihr erstes Kind, haben 9 Monate Zeit sich auf alles einszustellen und sind dann trotzdem überfordert. Und du möchtest einfach in so eine Situation springen und perfekt funktionieren, wo andere mit viel Planung und Vorbereitung und vorallem der Erfüllung ihrer Wunschvorstellung schon überfordert sind?
    Da erwartest du zu viel von dir selbst.
    Hier wird öfters mal gesagt, dass es bis zu 7 Jahre dauert, bis eine Patchworkfamilie mit sich im Reinen ist. Gib dir Zeit!

    7.) Du bist freiwillig in deiner jetzigen Situation. Ich weiß, dieser Gedanke macht es im ersten Moment noch schlimmer, weil man sich fragt, warum man sich selbst sowas antut und dann ist man ganz schnell wieder beim Gedanken der Strafe.
    Aber: Es hilft manchmal sich vor Augen zu halten, dass man jederzeit gehen kann, wenn man denn möchte.
    Das muss gar nicht groß durchdacht oder geplant sein, aber sich hin und wieder zu sagen, dass man ja immer noch eine Tür hat, durch die man gehen könnte, beruhigt einfach. Du hast theoretisch eine Wahl. Niemand zwingt dir etwas auf. Wenn du es nicht willst, musst du nicht in dieser Situation bleiben.

    Ein kleines Gedankenexperiment am Ende:
    Versuch doch mal das ganze so zu betrachten, als hätte dein Freund einen echt stressigen Job und einen cholerischen Chef. Der Job ist dabei die Zeit, die er mit dem Kind verbringt und die Kindsmutter ist der cholerische Chef.
    Wenn dem so wäre, hätte dein Freund also am Wochenende oder alle zwei Wochen weniger Zeit für dich, weil er arbeiten müsste (also das Kind versorgen). Und hin und wieder hätte er schlechte Laune, weil sich sein blöder Chef (die Kindsmutter) schon wieder sonstwie aufgeführt hat. Aber trotzallem liebt dein Freund diesen Job und möchte ihn nicht aufgeben.
    In dem Fall würdest du doch bestimmt deinen Freund loben, dass er auch am Wochenende so fleißig arbeitet und mit ihm zusammen ein bisschen über den blöden Chef stänkern, aber danach wäre auch wieder gut, weil du wüsstest, dein Freund macht genau das, was er möchte und was er liebt. Vermutlich wärst du sogar stolz auf ihn, dass er so viel Pflichtgefühl zeigt und dass er sich von seinem Chef nicht unterkriegen lässt.

    Falls du merkst, dass du gar nicht klar kommst, such dir psychologische Hilfe. Eventuell kannst du deinen Freund dahin mitnehmen. In manchen Städten werden auch von der Diakonie kostenlos Beratungstsunden zu Familienthemen angeboten. Da muss man dann auch nicht ewig lange auf einen Termin warten.
    Ihr seid in einer emotional sehr extremen Situation. Da darf man andere jederzeit um Hilfe bitten. Das ist keine Schande!

    Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft und dass du deinen eigenen Weg findest, um mit dir selbst wieder ins Reine zu kommen!
    Du hast mit der Stiefmutterrolle eine große Herausforderung angenommen. Sei stolz auf dich, dass du das tust! Soweit ich das lese, machst du mit dem Kind doch alles richtig. Das ist wirklich großartig von dir! Der Part klappt also schonmal 😉

    Viele Grüße
    Patchworkflicken

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