Fühle mich einfach schlecht

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  AnnaLuise vor 3 Monate, 1 Woche.

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  • #7133

    AnnaLuise
    Teilnehmer

    Hallo Ihr Lieben, ich bin froh dieses Forum gefunden zu haben!
    Ich stelle mich mal kurz vor:

    Ich bin 43 Jahre alt und habe aus erster Ehe vier Kinder (Trennung 2011), die heute 18, 15, 13 und 12 Jahre alt sind. Mein Exmann und ich haben gemeinsames Sorgerecht.
    Anfangs war das nicht so einfach, aber wir haben uns inzwischen gut arrangiert und einen guten Austausch bzw. gute Zusammenarbeit in Bezug auf die Kinder und auch andere Dinge wie Hauseigentum usw. Die Trennung und Scheidung hat die Kiddies schon hart getroffen und sie gehen unterschiedlich damit um. Letztlich wissen die Kinder, dass wir beide für sie da sind. Umgangskontakte finden immer zuverlässig statt.

    Seit Sommer 2012 lebe ich mit meinem jetzigen Mann zusammen, seine zwei Kinder, heute 8 und 10 Jahre leben bei uns, er hat alleiniges Sorgerecht.
    Die Kinder haben seit Aug. 2012 leider gar keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Es gibt da psychische Probleme, das hat die Kinder von Anfang an geprägt.

    Mit der 10-jährigen Tochter verstehe ich mich gut zurecht. Sie ist ein „liebes“ Mädchen, ich habe einen guten Zugang zu ihr und sie spricht mich auch mal bei Problemen an. Sie leidet aber auch -eher still- n dem „Verlust“ der Mutter und unter dem Verhalten ihres Bruders.

    Der Sohn ist nun 8 Jahre alt und sein Verhalten ist „mein Problem“ bzw. schränkt es unser Familienleben schon ein.
    Von Anfang an in der Patchworkfamilie (und auch schon vorher) ist er das auffälligste Kind gewesen, konnte mit drei Jahren kaum sprechen, wollte selbst bestimmen (Fernehen, Schlafen usw. und war auch sehr aggressiv, vor allem seiner Schwester gegenüber. Er wollte bzw. will immer die Aufmerksamkeit.

    Ende 2012 bis Sommer 2013 haben wir dann die Beratung einer Erziehungsberatungsstelle in Anspruch genommen. Hier war die Vermutung, dass der Kontaktabbruch und auch die vorherige schwierige Beziehung zur Mutter die Ursache des Verhaltens ist, nicht nur im Zusammenhang mit der neuen Beziehung seines Vaters. Er riet uns damals schon, den damals vierjährigen in einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutischen Klinik KJP) vorzustellen, in der eine Diagnostik stattfindet und auch verschiedene therapeutische Angebote, wie z.B. Tagesklinik. Außerdem riet er uns dazu Frühförderung zu beantragen.
    Dies bekam er bis zur Einschulung.

    Die Hemmschwelle ihn in der Klinik vorzustellen, war irgendwie groß. Also nahmen wir zu einer anderen Arztpraxis Kontakt auf. Dieser Arzt ging gar nicht auf das Mutterthema ein und verordnete Ergotherapie. Was ihm auch sehr gut tut.

    Letztlich riet die Frühförderung uns doch zur Vorstellung in der KJP. Das machten wir dann auch. Eine sehr nette Ärztin machte das Anamnesegespräch, dann wurde sie krank und bekamen eine andere Ärztin. Der wir dann wieder Vieles erzählen mussten.
    Sie stellte dann vor gut einem Jahr fest, dass der Sohn eine Bindungsstörung hat, was aufgrund seiner frühkindlichen Erfahrungen nur logisch ist. Dass ein anderer Kinderpsychotherapeut sowas gar nicht anspricht, fand ich echt merkwürdig damals.

    Lange Rede, kurzer Sinn, dieses Verhalten aufgrund seiner Bindungsstörung macht mich echt krank. Klar, dass sich Patchworkkinder immer mehr gegen die Trennung der Eltern und die neuen Beziehungen wehren, klar dass die Stiefgeschwister sich untereinander streiten. Das gehört alles mit dazu, ist aber nicht einfach.
    Aber er „testet“ seine Bindungen stets und ständig aus und das äußert sich so, dass er versucht mich böse zu machen oder auch zu verletzten um zu schauen, ob ich trotzdem bei ihm bleibe, meint die Ärztin. Ich denke auch ein Versuch mich loszuwerden ist auch dabei.

    Einige Jahre wussten wir gar nicht, woran dieses auffällige Verhalten liegt, gerade hier kam es zu sehr vielen Verletzungen durch den Kleinen. Ich nehme mir vieles auch sehr zu Herzen, aber ich bin ja nur ein Mensch.

    Ich merke es immer mehr bei mir, dass es mir immer schwerer fällt, auf ihn zuzugehen oder ihn so anzunehmen wie er ist. Auch wenn sein Verhalten durch seine Störung geprägt ist, nervt mich dieses ständige auf sich aufmerksam machen (ADHS wurde übrigens abgeschlossen), immer alles besser zu wissen, ständig andere Kinder zu ärgern usw.

    Auch im Sportverein oder in der Schule eckt er überall an. Es will sich niemand mit ihm verabreden oder er wird ganz selten zum Geburtstag eingeladen.

    Letztes Wochenende hat er dann sogar meine Tochter übelst beschimpft und auch geschlagen, weil seine Schwester das spielen wollte, was meine Tochter vorgeschlagen hat.
    Für ihn bedeutet das dann, dass seine Schwester ihm in den Rücken fällt und er hat meine Tochter so hasserfüllt angebrüllt und dann eben auch geschlagen. Mein Mann hat sie zwar getrennt, jedoch hat er das runtergespielt und meinte, die beiden Mädchen hätten mit ihm Streit angefangen. Sagte, sie wäre ja nur seine Stiefschwester und ein Monster, eine Mistgeburt. Bei mir kamen so Gefühle hoch, dass ich ihn am liebsten gepackt hätte und gesagt hätte, dass er hier auch nur mein Stiefsohn ist. Ich habe mich aber beherrscht.Ich will es nicht noch schlimmer machen….

    Gestern Abend war ich verabredet und verabschiedete mich von den Kindern, er rief mir freudestrahlend hinterher: „Tschüß und auf Nimmerwiedersehen“.
    Da ist meinem Mann der Kragen geplatzt und er hat mit ihm geschimpft. Das hat mich schon verletzt diese Äußerung, nur dass mein Mann ihn dann ins Zimmer schickte (beim Essen), fand ich dann auch nicht ok.

    Sonst nimmt mein Mann ihn eher in Schutz und bagatellisiert sein Verhalten.

    Momentan fühle ich mich einfach nur schlecht deswegen. Wir leben hier in einem Haushalt mit dieser Stimmung und Atmosphäre. Manchmal habe ich so Gedanken wie: Ohne ihn wäre alles prima. So möchte ich gar nicht denken und habe dann wieder ein schlechtes Gewissen.
    Wenn es dann ein paar Wochen gut läuft, kommt dann doch immer wieder eine schlechte Phase, wo alle Register gezogen werden. Dieses Auf und Ab macht mich fertig.

    Sorry, es ist lang geworden, musste es einfach loswerden.

  • #7134

    Kate
    Teilnehmer

    Liebe AnnaLuise,
    ich verstehe, dass das alles sehr anstrengend und emotional belastend ist. Viel Kraft dafür!
    Um ehrlich zu sein, hört es sich so an als wäre nur dann Besserung in Sicht, wenn der Vater eingreift. Es ist sein Kind und oft hören die Kinder sowieso nur auf den leiblichen Elternteil. (Vielleicht wünscht du dir das anders und würdest ihn gern wie dein eigenes Kind behandeln)
    Nimm dich ein bisschen zurück, lass den Vater handeln, sofern er da ist und das auch mitbekommt.
    Es war schon gut, dass der Vater eingreift und Grenzen aufzeigt, dafür musst du dich keinesfalls schlechtfühlen! Ja man sollte Krankheiten ernst nehmen, aber nicht als Ausrede für alles gelten lassen.
    Klare Regeln sollten eingehalten werden, wie das Beschimpfen von dir oder deiner Tochter. Ihr als Erwachsene müsst an einem Strang ziehen und wenn der Vater die Regel aufgestellt und der Junge sich langsam dran hält, kannst auch du eine Chance haben ihn zurecht zu weisen.

    Ich hoffe ich hab deinen Beitrag richtig verstanden 🙂

  • #7136

    AnnaLuise
    Teilnehmer

    Liebe Kate,
    Danke für deine lieben Worte.

    Es stimmt schon, der Vater muss an mancher Stelle mehr eingreifen bzw. nicht verharmlosen. Er weiß um die Probleme seines Jungen und trotzdem spielt er das oft runter. Ich kann das auch von seiner Seite aus verstehen.
    Jedoch tut er ihm keinen Gefallen damit.

    An dem Tag, als mein Stiefsohn diese Äußerung machte, hatten er und ich eine Stunde vorher eine schöne Situation mit einer Umarmung und wir haben gemeinsam gelacht… Das ist dann immer so schmerzlich, weil es so unberechenbar ist.
    Und ja die Krankheit oder Störung ist eben nicht ständig die Entschuldigung für alles.

    Mein Mann sagte gestern, er wollte dass sein Sohn sich bei mir entschuldigt, ich sagte ihm dass würde ich schon schön finden, aber nicht wenn er so eine vom Vater verlangte „Zwangsentschuldigung“ raus quetscht.

    Ich habe mich schon sehr rausgezogen,habe das Thema lang und breit bei meiner Reha letztes Jahr bearbeitet. Die Psychologin hat mir da viele Tipps gegeben, letztlich meinte sie aber zu mir, dass das „nach Hause kommen“ in diese Stimmung eben auch sehr belastend ist, denn zu Hause sollte man sich wohl fühlen, was für mich nicht immer der Fall ist.

    Es soll ja nun bald mit der Therapie in der Tagesklinik los gehen, parallel möchte die Tagesklinik dass wir eine Betreuung vom Jugendamt bekommen sollen.
    Dies haben wir alles angeleiert, nur weiß ich im Moment nicht ob ich das alles so kann. Also wieder auf ihn zu gehen usw.
    Es drückt so auf meine Stimmung, immer dieses ungute Gefühl…

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