Emotionales Tauziehen

Startseite Foren Stiefmütter Emotionales Tauziehen

Dieses Thema enthält 11 Antworten und 7 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  auchHier vor 1 Monat.

  • Autor
    Beiträge
  • #8694

    Joe2
    Teilnehmer

    Hallo Leute,
    ich bin neu hier im Forum und lese erst seit ein paar Tagen mit. Nun habe ich aber auch schon ein Anliegen, das ich mit euch teilen möchte.

    Ich bin seit 2 einhalb Jahren mit meinem Freund zusammen, seinen Sohn (4) kenne ich seit 2 Jahren. Er kommt jedes zweite Wochenende, die Hälfte der Ferien und auch so ab und an mal zu uns.

    Einerseits würde ich sagen, dass unser Verhältnis gut ist. Wir spielen viel miteinander, er kommt auch ab und zu zu mir kuscheln oder gibt mir einem Kuss. Er hat keine Scham vor mir und hält sich an meine Regeln. Wenn er etwas möchte, kommt er zu mir und fragt mich und nicht seinen Papa. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich mittlerweile die Regeln bei uns mache. Wenn es nach meinem Freund gehen würde, würde sein Sohn run um die Uhr machen dürfen, was er möchte. Rund um die Uhr Fernsehen, Süßigkeiten, lange auf bleiben und sich Unmengen an Essen auf den Teller tun und dann nur 2 Happen davon essen. Nachdem es am Anfang auch tatsächlich so lief, platzte mir meinen Freund gegenüber der Kragen und wir führten Regeln ein. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich immer diejenige, die dafür sorgt, dass die Regeln auch eingehalten werden. Mein Freund nimmt es dabei oft nicht so genau und erlaubt ihm dann auch mal die Hälfte des Essens liegen zu lassen und danach trotzdem noch 3 Schokoriegel zu essen. Oder bis 9 Uhr aufzubleiben und Fernsehen zu gucken, obwohl er sich schlecht benommen hat.

    Die Folge ist, dass sein Sohn zwar super gut auf mich hört ( sehr viel besser als auf ihn) und meine Regeln auch sehr gut anerkennt. Ich bin allerdings auch immer die Strenge von uns Beiden. Papa ist immer der Spaßpapa, bei dem er auch mal nicht Regeln befolgen muss. Ich bin die Gemeine, bei der es auch Strafen gibt, wenn er die Regeln nicht befolgt. Das hat zur Folge, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass der Sohn mich loswerden will.

    Er fragt mich sehr oft, wann Papa und er mal wieder einen Männerabend haben. Am Bis vor Kurzem hat er sogar gefragt, wann ich denn wieder nach Hause gehe, dabei wohnen wir seit 1 1/2 Jahren zusammen. Vor Kurzem haben wir zusammen gemalt und er hat mich, sich und seinen Papa gemalt. Ich war zuerst etwas gerührt, dass er mich endlich auch als Teil der Familie anerkennt. Vorher hat er immer nur sich und Papa gemalt. Auf einmal malte er irgendwas um mich herum. ‚Guck mal, du bist in einem Käfig. Ich hab dich in einem Käfig gemalt und der Papa und ich stehen daneben und lachen. Das hat mich verdutzt und ich wusste nicht, ob ich es jetzt lustig oder frech finden sollte.
    Er konnte ja sonst nie über mich bestimmen, wenn er mich malte aber schon. Daraufhin sagte ich ihm, dass ich ihn dann eben auch in einem Käfig male, wenn er mich in einem malt und, dass das nicht nett ist, jemanden auszuschließen. Er sah mich mit grossen Augen an und meinte: Nein, mach das bitte nicht! Wenn du mich in einem Käfig malst, male ich dich dick!
    Dann male ich dich eben auch dick, sagte ich und malte ihn eben so. Das Ende vom Lied war, dass wir uns darauf einigen, dass er mich aus meinem und ich ihn aus seinem Käfig befreite.

    Aber genau das ist es: in einem Moment fühle ich mich total von ihm angenommen, wenn wir kuscheln und spielen und malen. Im anderen Moment habe ich das Gefühl er stößt mich weg. Letztens hat er aufgezählt wen er alles zu seinem Geburtstag einlädt. Mama, Papa, Oma, Opa, Oma,…. Mein Name kam nicht. Da fragte mein Freund, was denn mit mir sei. Nein, ich sei nicht eingeladen, meinte er.
    Ich komme mir total kindisch vor, aber es hat mich schon verletzt, genau wie die Sache mit dem Käfig. Ich tue wirklich viel für das Kind und überlege mir immer, wie wir die Zeit hier schöner für ihn gestalten können. Und ich empfinde das Kind manchmal als undankbar, wenn es dann so ist. Dabei ist er ja auch erst 4.

    Bin ich kindisch? Wie kann ich damit umgehen, wenn ich wieder weg gestoßen werde?

  • #8711

    Sterntaler
    Teilnehmer

    Liebe Joe,

    ich finde nicht das du kindisch bist. Ich kann sehr gut verstehen, dass es nicht einfach ist mal super angenommen zu werden und im nächsten Moment weggestoßen zu werden. Das ist nie ein schönes Gefühl, egal wie alt die Kinder sind. Und gerade als Stiefmutter ist man manchmal in einer Achterbahn der Gefühle. Mal kann man sehr gut mit solchen Dingen umgehen und ist sehr rational und objektiv und manchmal haut es einen einfach um. Aber das ist vollkommen OK. Es ist ein langer Prozess und wir wollen es so gut wie möglich machen.

    Ich kann dir nur den Tipp geben zu versuchen es nicht zu sehr auf dich als Person zu beziehen. Insbesondere nicht in seinem Alter. So wie du selbst geschrieben hast, ist der kleine erst 4. Kinder probieren sich und ihre Grenzen gerne aus. Außerdem müssen sie verstehen lernen welche Position sie in dem ganzen Gefüge haben. Ihr geht sicherlich ganz anders um mit dem kleinen als die KM und umgekehrt. Ich denke, dass dies manchmal sehr schwierig sein kann für ein Kind. Manchmal schnappen Kinder auch Dinge auf die Erwachsene sagen, die sie nicht richtig verstehen und dann kommt es zu solchen Situationen. Gib dem kleinen etwas Raum. Verändere dein Verhalten nicht. Sei offen zu ihm, so wie du es auch jetzt bist. Wenn er dich mal nicht umarmen möchte, versuche es einfach zu akzeptieren. Das wollen Kinder auch manchmal nicht bei Ihren leiblichen Eltern.

    Bei Dingen wie mit der Einladung zum Geburtstag finde ich hat dein Freund gut reagiert. Versucht spielerisch zu erfragen wieso du nicht eingeladen bist.

    Vielleicht hilft es dir auch, wenn du dich mal mit deinem Freund zusammen setzt und ihm von deinen Gefühlen und Gedanken erzählst. Das es für dich OK ist dem Kleinen auch mal zu sagen, dass gewisse Sachen nicht gehen, er aber für die Haupterziehung zuständig ist. Im Endeffekt ist es seine Verantwortung. Es ist sein Sohn. Er muss Grenzen aufstellen. Regeln aufstellen und ein guter und lieber Papa sein stehen ja nicht im Widerspruch zueinander.

    Gib dir und euch einfach etwas Zeit. Jeder von uns geht durch Höhen und Tiefen. Und es ist auch nicht einfach. Ganz und gar nicht. Ich verstehe, dass du alles richtig machen willst, setze dich selber aber nicht zu sehr unter Druck…

    Liebe Grüße,
    Sterntaler

    • #8720

      Joe2
      Teilnehmer

      Hallo ihr Lieben,
      vielen Dank für die vielen netten Antworten, in einigen Hinsichten habt ihr meine Sicht auf die Dinge erweitert und verändert. 🙂

      Ihr habt natürlich recht: In vieler Hinsicht, nehme ich Dinge zu persönlich, auch wenn ich natürlich weiß, dass es nicht böse gemeint ist. Natürlich möchte er auch mal Zeit alleine mit Papa verbringen, wo er ihn sowieso schon so selten für sich hat. Es war gut zu hören, dass Kinder das bei ihren leiblichen Eltern auch manchmal Dinge nicht möchten. Und wenn ich an mich selbst als Kind denke und an sein Verhalten seinem Papa gegenüber, stimmt das. Ich habe es bisher aber hauptsächlich bei mir wahrgenommen.

      Auch, dass er überhaupt auf mich hört, ist natürlich positiv. Allgemein fokussiere ich vermutlich oft das Negative und nicht die ganzen Fortschritte die wir zusammen schon gemacht haben!

      Das mit dem Männerabend sehe ich nun auch anders als vorher. Ich habe immer andere Schichten, daher hat er manchmal nur Zeit mit Papa, andererseits gibt es auch Wochenenden wo ich immer da bin. Nachdem ich eine Zeit lang jeden Samstag Abend arbeiten ging, schien er es wohl als Ritual von sich und Papa gesehen zu haben. Als ich dann auf einmal jeden Samstag wieder da war, fing auch die Fragerei an, wann ich wieder gehen würde. Das habe ich natürlich wieder nur auf mich und seine eventuelle Abneigung gegen mich bezogen. Wahrscheinlich wollte er aber einfach sein Ritual mit Papa wieder zurück haben. Das ist ein super Punkt, weil wir dann ja absprechen können, dass es einen Tag gemeinsame Zeit und einen Abend nur Papa-Sohn-Zeit gibt. Es tut gut, das ganze nun objektiver betrachten zu können.

      Die Strafen sind, wie ich finde, meistens situationsbezogen. Ich möchte nicht ständig Essen wegschmeißen möchte, insbesondere Fleisch. Andererseits möchte ich ihm auch nicht seine Selbstständigkeit wegnehmen und für ihn drauf tun. Daher haben wir eingeführt, dass er sich selbst drauf tun kann, aber nur so viel wie er schafft. Und das sagen wir ihm auch jedes Mal, bevor er sich drauf tut, dass er sich lieber weniger drauf tun kann und dann noch einmal nachnehmen kann. Insgesamt hat sich das Ganze auch super verbessert. Wenn er sich dann aber zu viel drauf getan hat, ist die Strafe, dass es kein Süß nach dem Essen gibt und er das Essen später oder Abends aufessen kann. Ich würde ihn nie dazu zwingen, das Essen trotzdem in sich reinzustopfen. Aber ich sehe auch nicht ein, das Essen wegzuschmeißen. Und wenn kein Platz mehr im Bauch für das Essen ist, kann ja auch kein Platz mehr für Süß sein. Das habe ich ihm auch so erklärt und das ist dann die Strafe. Isst er das Essen später oder Abends auf, darf er dann danach Süß essen. Natürlich gibt es auch mal Filmabende mit Chips und Süß, das gibt es nicht nur, wenn es aufgegessen hat. Das mit dem Kostenhaps haben wir auch. Wenn es etwas nicht mag, kann er es probieren. Wenn er dann immer noch sagt, dass er es nicht mag, dann mag er es eben nicht.

      Zum Fernsehen muss man sagen, dass er in letzter Zeit des Öfteren Wutanfälle hat. Nachdem er das erste Mal seinen Bagger gegen die Tür geschmissen hat, das Holz abgesplittert ist von der Tür, er seinen Papa „beleidigt“ und mich gehauen hat, haben wir eine „Wutbox“ angeschafft. Dort ist ein sehr Großes Kissen drin, auf welches er einhauen kann, wenn er wütend ist. Ein Buch „Wohin mit meiner Wut“ und „Das kleine Wutmonster“, Papiere und Stifte, womit er Figuren auf die Blätter malen kann, das Blatt dann zerknüllen und auf den Boden schmeißen kann und eine Wutpuppe, die er durch den Raum schleudern kann. Wir haben ihm erklärt, dass er gerne wütend sein kann, wir sind ja auch manchmal wütend. Man darf seine Wut aber nicht an anderen auslassen und es werden auch nur Stofftiere durch das Zimmer geschmissen, keine Bagger, Legoteile oder sonst irgendwas, das etwas kaputt machen kann. Das Ganze half schon ganz gut, es gibt aber immer noch Momente, wo er große Spielzeuge durch das Zimmer schleudert oder uns haut. Das ist dann ein Fall, wo wir sagen, Abends gibt es kein Fernsehen. Denn Fernsehen ist ein Privileg und das darf man nicht, wenn man sich so blöd benimmt. Ansonsten hat er feste Fernsehzeiten. Er darf morgens, wenn wir noch schlafen Fernsehen gucken und Abends schauen wir einen gemeinsamen Film.

      Bei der festen Schlafenszeit habt ihr Recht. Momentan haben wir keine festen Zu-Bett-geh-Zeiten, hauptsächlich weil mein Freund immer andere Arbeitszeiten hat und der Kleine natürlich darauf besteht, von Papa ins Bett gebracht zu werden. Aber vielleicht sollte er mal bei seiner Arbeitsstelle nachfragen, die Zeiten an die Wochenenden anzupassen, wenn möglich. Dann kommt auch etwas Struktur rein und nicht der Gedanke: Wenn ich mit Papa einen Männerabend habe, darf ich länger aufbleiben.

      Vielen Dank für den Verweis zu dem Artikel – den habe ich auch schon gelesen, aber ich werde mal weiter stöbern :).

      Ansonsten habe ich mich schon öfter versucht zurückzunehmen, obwohl ich am liebsten eingeschritten wäre. Es ist auch schon besser geworden mit meinem Freund, im Vergleich zum Anfang, greift er auch öfters von sich aus mal ein. Vielleicht sollte ich mich mehr auf die Fortschritte konzentrieren, die wir schon gemacht haben.

      Ob ich mit meinem Kind genauso umgehen würde wie mit meinem Stiefkind habe ich mich auch schon öfter gefragt. Und vielleicht sollte ich mich das auch mal öfter waren, bevor ich anfange mit dem Kleinen zu meckern..

      Vielen Dank noch einmal, für die ganzen hilfreichen Anregungen :)!

      Liebe Grüße
      Joe

  • #8714

    Blackpearl
    Teilnehmer

    Hallo Joe,

    erstmal Herzlich Willkommen! 😉

    Ich finde, du hast das mit dem Bild super gelöst! Das ist manchmal auch nicht ganz einfach, wenn man so überrumpelt wird.

    Außerdem finde ich es wirklich gut und das sollest du dir vor Augen führen, dass dein Stiefsohn auf dich hört! Das ist hier wirklich eher die Ausnahme. Mein Stiefkind hört nie, nie, nie auf mich.

    Zwei Dinge, die ich dir raten möchte:
    1) Würde ich nochmal mit deinem Partner reden, dass ihr immer an einem Strang ziehen müsst und auch er dafür verantwortlich ist, dass die Regeln eingehalten werden.

    2) Ich finde den Punkt mit dem „Männerabend“ einen sehr wichtigen Punkt. Ich finde (wie viele andere hier), dass ein Kind sozusagen ein Recht auf Exklusivzeit mit jedem Elternteil hat. Bist du rund um die Uhr an den Besuchswochenenden dabei oder machen die beiden auch mal was alleine?

  • #8715

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Joe2,

    dem ersten Absatz von Sternentaler kann ich so zustimmen, du fühlst dich zurückgewiesen und das tut dir wahnsinnig weh.

    Du schreibst, du machst die Regeln und du gibst auch Strafen wenn er sich nicht an diese hält. Bezieht sich das nur auf die Dinge die du beschrieben hast, oder noch weiteres? Und wie sehen die „Strafen“ aus? Kurz vorneweg. Bei uns ins mein Mann der Strengere und wird daher auch öfter von unserer gemeinsamen Tochter abgelehnt. Gerade heute morgen war wieder so eine Situation wo sie was sagte „wenn Papa gemein zu mir ist“ und er dann nachfragte und sie sagte „Weil Papa immer schimpft“. Bei mir gibt es auch Regeln und daran muss sie sich auch halten, aber ich habe einen anderen Weg gewählt diese auch durchzusetzen.

    Ich denke die Beispiele die du benennst sind elementar… dass es für ein Kind nicht gut ist, unbegrenzt fernsehen und Süßigkeiten essen zu können und dass sich auch keine Unmengen an Essen auf den Teller geschöpft werden und dann nur 2 Löffel gegessen werden versteht sich doch eigentlich von selbst und sollten eigentlich Selbstverständlichkeiten sein. Ich denke, hier solltest du vor allem mit deinem Partner die Notwendigkeit dieser Regeln besprechen. Erkläre ihm, warum du es wichtig findest. Wenig Fernsehen und feste Schlafenszeiten: Braucht ein 4-jähriger. Durch Fernsehen werden Kinder schnell überreizt und wenn er zu wenig schläft hat er am nächsten Tag schlechte Laune. Das wirkt sich auch auf dich aus. Und dazu kommt, wenn er bis neun fernsehen guckt, habt ihr ja auch keine Zeit mehr zu zweit… Thema Süßigkeiten… tja, wer zu viel Süßes ist hat zu den Essenszeiten dann keinen Hunger auf „vernünftiges“ Essen… bei uns gibt es z.B. die Regel (die jetzt zur Weihnachtszeit etwas abgeschwächt ist) es gibt vormittags überhaupt nichts Süßes…wenn der kleine Hunger kommt gibt es Apfel oder Möhre oder so. Ansonsten gibt es im Prinzip eine Süßigkeit pro Tag, manchmal sind es aber auch zwei oder drei, wenn es sich anbietet. Was das Essen betrifft. Tut er sich mit 4 Jahren denn immer schon selber auf? Man kann sich daruaf einigen, dass erstmal ein „Kostehaps“ (so nennen sie das bei meiner Tochter im Kindergarten) aufgetan wird und dann wenn es schmeckt wird mehr aufgetan. Wir hatten diese ewigen Diskussionen auch mit unserer Tochter, die immer wieder mal Angst hatte zu wenig zu bekommen. Wir haben ihr dann gezeigt, dass noch was im Topf drin ist und sie noch mehr bekommen kann, wenn ihr Teller leer ist. Mittlerweile lässt sie sich auch wirklich erst was nachgeben, wenn ihr Teller leer ist. Wenn ich zum Beispiel mir noch was nehme und sie frage ob sie auch gleich noch was will (weil ich ja eh den Löffel in der Hand habe) dann sagt sie, nein ich habe doch noch was…Aber das war auch ein harter Kampf…teilweise hat sie dann echt lange geweint, wir, na ja eher ich (meinem Mann fehlt da die Geduld) haben sie in ihrer Angst/Schmerz begleitet… Ich finde es generell nicht richtig „Aufessen“ mit „Nachtisch“ zu verknüpfen. Unsere Tochter muss nicht zwangsweise alles aufessen um Nachtisch zu bekommen. Aber wir würden es nicht zulassen, dass sie das Hauptessen stehen lässt und sich dann am Nachtisch satt isst.
    Vielleicht schafft ihr es einen Zwischenweg zu finden…aus deiner Strenge und der Nachlässigkeit deines Mannes… ich meine Ausnahmen darf und muss es immer mal geben und ein Abend wo die beiden zu zweit sind, fernsehen und Süßigkeiten naschen wird nicht nachhaltig schaden, wenn es sonst immer anders läuft.

    Was du beschreibst mit dem Bild und auch der Frage wann du wieder gehst… ich finde, das könnte ein Hinweis sein, dass du evtl. zu streng bist (daher meine Eingangsfrage welche Situationen das noch betrifft und welche Strafen) bzw. ihn zu wenig annimmst so wie er ist.
    Interessant finde ich in dem Zusammenhang die Aussage: „Oder bis 9 Uhr aufzubleiben und Fernsehen zu gucken, obwohl er sich schlecht benommen hat.“ Was heißt denn „schlecht benommen“? Erlaubst du, wenn er sich „gut benimmt“ denn dann auch lange fernsehen? Ich finde, das ist etwas was nicht verknüpft werden sollte. Denn dann hat er ganz schnell den Eindruck, er muss so oder so sein um das und das zu bekommen. Er fühlt sich als Mensch aber nicht mehr wahrgenommen, weil er ja „lieb“ sein muss um angenommen zu werden. versuche doch einmal, mehr Freundin als „Ersatz-Mutter“ und/oder Erzieherin zu sein. Kläre mit deinem Mann die für dich ESSENTIELLEN Dinge – also alles was aus deiner Sicht gar nicht geht – und findet dafür feste Lösungen. Eine feste Schlafenszeit finde ich da ebenso wichtig wie Regeln zum Essen.
    Bei uns ist es übrigens so, dass wenn mein Bonuskind (10) mich was fragt ob er was darf zum Beispiel, dann verweise ich ihn auch gerne an Papa, mit dem Hinweis, dass soll er entscheiden. Sonst ist man tatsächlich ganz schnell in der Buhmann-Rolle. Ich finde diesen Artikel hier vom Blog ganz passend:

    Anfängerfehler der Stiefmütter – und wie man es besser macht

    Oh man, jetzt habe ich echt ganz schön viel und vielleicht auch etwas wirr geschrieben, aber ich hoffe du kannst trotzdem etwas rausnehmen für dich.

    Kurz zusammengefasst vielleicht nochmal:
    Ich finde dich nicht kindisch und deine Gefühle sind absolut berechtigt. Ich würde mich an deiner Stelle aber ein wenig aus der „Erzieher“Rolle zurücknehmen und nur noch die wirklich wichtigen Dinge festlegen und durchsetzen. Das muss aber in einem miteinander mit deinem Mann und am besten mit dem Sohn geschehen. Ansonsten kuschel einfach wieder mal mehr mit dem kleinen, auch von dir aus (wenn er es dann zulässt). Tobt zusammen, baut eine Bude oder ähnliches… denn wenn ihr auch viele schöne Situationen zusammen habt, dann ist es auch weniger schlimm wenn man mal schimpft. Das sehe ich auch bei meinem Mann. In Zeiten wo er wenig zu Hause ist und quasi keine Zeit mit unserer Tochter verbringt, und in den wenigen Momenten dann noch schimpft, reagiert sie darauf wesentlich „aggressiver“ als sonst. Ich schimpfe hin und wieder auch mit ihr, aber wir haben so viele schöne Momente gemeinsam, dass das für sie nicht ins Gewicht fällt und „Mama, du bist die beste“ zu ihren Standardsätzen gehört.

    Wenn du gerne liest, hätte ich noch drei Buchempfehlungen für dich:
    „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“
    „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon und „Hirnzellen lieben Blinde Kuh: Was die Hirnforschung über starke Kinder weiß“ von Annette Prehn.

    Vielleicht gibt dir das ein paar neue Sichtweisen…

    Ach so, mein Mann und sein Sohn hatten sehr lange noch eine feste gemeinsame Aktivität am Wochenende wo ich nicht dabei war: Sie sind immer gemeinsam schwimmen gegangen. Mittlerweile machen sie das zu dritt mit unserer Tochter und wenn er nicht da ist nur mit unserer Tochter… Ich nutze die Zeit dann für mich… Vielleicht finden die zwei ja auch so etwas?

    Liebe Grüße,
    Daka.

  • #8719

    Lacalma
    Teilnehmer

    Hallo Joe2,

    ich finde, es hört sich insgesamt so an, als würdest du das ganz toll machen mit dem Kleinen.

    Ja- man darf nie vergessen – er ist 4 – das darf man alles nicht persönlich nehmen. Mein Sohn hat bis vor kurzem geweint ( er ist jetzt 6), wenn ihn sein Papa ins Bett gebracht hat – jedes Mal 🙂 Und wir leben zusammen und sind beide seine Eltern. Trotzdem hat er Phasen, in denen er auch mal einen von uns ablehnt bzw. für bestimmte Aktivitäten einen von uns bevorzugt.

    Zudem würde ich mir den Schuh nicht unbedingt anziehen, alle Regeln machen zu müssen – im Prinzip müsste der Vater mehr in die Pflicht genommen werden bzw. ihr solltet euch auf eine gemeinsame Vorgehensweise einigen – das müssen Eltern auch. Allerdings wird man einfach auch mal weich beim eigenen Kind, vielleicht eher als beim Stiefkind (ich kenne das…) – da kann man aber auch mal drei gerade sein lassen… Ausnahmen bestätigen ja die Regel 😉 Daka hat das toll geschrieben – du musst ihn nicht erziehen oder komplett die Erziehungsaufgaben in eurem Haushalt übernehmen, einschließlich Strafen. . Auch, dass 4-jährige ihren Teller nicht aufessen und später trotzdem noch 3 Schokoriegel schaffen 🙂 – ich finde das nicht schlimm, in dem Alter können Portionen noch nicht gut eingeschätzt werden und ein Nachtisch geht ja bekanntlich immer.

    Ich würde dir raten, aufzupassen, die „Erzieherrolle“ nicht zu übertreiben und die Spaßseite (die der Papa ja hat) nicht zu vernachlässigen – das ganze nicht zu ernst nehmen und eine Lockerheit aneignen. Ich habe auch 2 Stiefkinder – für sie gelten die selben Regeln wie für unsere aber ich versuche auch zu genießen, dass ich da nicht für ALLES zuständig bin, nicht im selben Maße wie für unsere Kinder. 5 geschrieben? Blöd – aber nicht meine Baustelle…wenn sie beim Lernen nach Hilfe fragem, bin ich da, ansonsten… kann ich mich da auch gut anders beschäftigen… jetzt Mal als Beispiel. Sollen ruhig die Eltern schimpfen 🙂 . Umgangsregeln bzw. Regeln des Respekts werden natürlich von mir wie meinem Partner eingefordert – das ist ja selbstverständlich. Ein wenig Entkrampfung kann aber nicht schaden.

    VG Lacalma

  • #8721

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Joe
    Ich habe deinen Eingangs Beitrag gelesen und den Rest so ziemlich überflogen, damit ich nicht etwas doppelt schreibe.

    Für mich ist die Beschreibung „emotionale Tauziehen“ seht treffend gewählt zu den Situationen die du beschreibst, besonders die Situation mit dem Bild veranschaulicht das sehr deutlich, dass du in eine typische Falle getreten bist, nämlich die Machtspiel- Falle! In die treten viele Eltern und meist werden sie genau über diese Dinge ausgelebt, die körperlicher Natur sind (beim Bild jetzt nicht). Das ist typischerweise das Essen, Schlafen, „hör auf zu Weinen“, etc. Alles Dinge, die ein Kind noch nicht steuern kann und auch nicht sollte- gut, hier gehen die Meinungen auseinander. Wieviele Eltern sitzen beim Essen und treiben sich selbst in den Wahnsinn weil das Kind angeblich nicht isst? Es isst nur nicht das, was die Eltern wollen. Wie sollten Eltern oder Ärzte wissen, was und wieviel Kinder essen sollen? (Wir selbst, auch als Kind, kennen unseren Körper am besten!) und dann Jahre später haben die Eltern eine magersüchtige Tochter zu Hause oder es hat sich alles in Luft aufgelöst und die Machtspiele waren vergebens.
    Beispiel: mein Sohn darf mitbestimmen, welche Gemüse und Hülsenfrüchte auf dem Menueplan stehen. (Er mag kein Fleisch, weil er Tiere nicht essen will. Deshalb die Hülsenfrüchte) Von Tag zu Tag teilt er mir es vor dem Einkauf mit. Mittlerweile stellen wir den Wochenplan gemeinsam auf. Er isst es dann auch! Aber auch hier gibts Tage, an denen er “ nur probiert“. Nachtisch gibts bei uns so oder so keinen. Das mag manchen brutal erscheinen..

    Das mit dem Bild war schon kindisch, aber das hast du ja selbst bemerkt und kannst es ändern. Ich hatte das auch gemacht! Aber auf dieses Niveau musst du dich nicht einlassen! Kann auch sein, dass er dadurch nur ausdrücken wollte, dass er mit Papa alleine sein will. Kann auch sein, dass er dich provozieren wollte, dann ist ein Machtspiel genau das was er wollte. Ich musste das auch merken: am Besten nimmt man den Wind aus den Segeln indem man nicht drauf eingeht oder so tut, als gäbe es keine „böse Absicht“. Bsp: oh, nun bin ich im Käfig, wie ein Vogel oder eher ein Löwe?“ dann hätte das vier Jahre alte Kind einen komplett anderen Imput erhalten! Wow, meine Stiefmutti ist stark wie ein Löwe? Oder möchte ich dich lieber ein Kuschelkätzchen in ihr sehen?

    • #8723

      Joe2
      Teilnehmer

      Hallo Pinocchio,
      vielen Dank für deine Rückmeldung! 🙂
      Bei uns darf mein Stiefsohn auch mitbestimmen, was es gibt. Mittlerweile kenne ich ja auch ungefähr seinen Geschmack und das was er mag, und nicht mag. Gibt es für uns Rotkohl, kriegt er dann eben Rote Beete, weil ich weiß, dass er keinen Rotkohl mag. Es geht mir auch garnicht so sehr darum, wie viel er isst. Manchmal tut er sich nur 1,2 Löffel drauf und das finde ich vollkommen in Ordnung. Dafür isst er beim Abendessen vielleicht etwas mehr. Ich möchte nur, dass er lernt sich selbst etwas besser einzuschätzen und den Wert von Essen erkennt. Und, dass er das meistens auch kann, hat sich ja in seiner Entwicklung gezeigt.

      Mit dem Machtspiel hast du wohl Recht, gerade bei dem Bild. Das habe ich mir auch gedacht, denn in seinen Bildern kann er ja jede Macht über mein gemalte Ich ausführen die es möchte. Er könnte mich von einer Klippe fallen lassen, mich klein und sich groß malen oder eben in einem Käfig und sich frei malen. In allen Fällen hat ER mal die Macht über MICH im Gegensatz zu sonst.

      An sich ging es mir mit meinem eigenen Bild aber nicht um ein Machtspiel. Es sollte nicht heißen, ätsch, wenn du mich in einem Käfig malst, kann ich das auch. Auch wenn man es auf jeden Fall so interpretieren könnte, daß war aber nicht meine Absicht. Ich wollte ihm eher vor Augen halten, wie es ist, wenn man ausgegrenzt wird und mit anderen so blöde Sachen macht. Hat ja auch gut geklappt, ihm wurde klar, wie blöd es ist, wenn man eingeschlossen gemalt wird und somit ausgegrenzt wird.
      Eine ähnliche Situation gab es mal beim Essen. Der Kleine sitzt beim Essen immer neben Papa. An sich garkein Problem. Eines Abends fragte er mich aber: sitzt du ganz alleine? Ja, meinte ich. ‚keiner sitzt neben dir? Nein. Da meinte er nur : haha und fing an zu lachen. Daraufhin meinte ich zu ihm, wenn es so lustig ist alleine zu sitzen, dann kann ich mich ja auch neben Papa setzen und er kann alleine sitzen. Da ihm das ja so viel spass machen würde. Das Ende vom Lied war, dass er einsah, dass man sich nicht über Leute lustig macht, nur weil sie vielleicht keinen Sitznachbarn haben. Wie so das sonst in der Schule losgehen, wenn ein Kind mal alleine sitzt? Er weiss jetzt selbst, wie blöd das ist. Wenn ich solche ‚Strafen‘ verhänge, haben sie eigentlich nie den Grund ihm zu zeigen, wie viel Macht ich habe und wie wenig er. Auch wenn man es auf jedem Fall so deuten könnte.

      Das mit der Frage, was für ein Tier ich im Käfig sein solle, ist aber ein super Ansatz. Es hätte das Thema woanders hingelegt und die Situation neu gestaltet! Sowas merke ich mir auf jeden Fall für das nächste Mal 🙂

      • #8726

        Pinocchio
        Teilnehmer

        Genauso! Das war bei uns ebenso: ich wäre nie von selbst zu irgendeiner Art Machtspiel „fähig“ gewesen, aber ich fiel auf die Machtspiele des Kindes völlig herein! Eben deshalb sind so kleine Tricks wie „oh, ein Löwe“ oder so ganz hilfreich. Übrigens wollten bei uns auch beide Kinder neben dem Papa sitzen und ich sass an einer ungünstigen Stelle. Meine Stiefkinder waren damals zwar älter als deines (8+10), aber sie hatten auch ihre Tricks, mich in so kindische Machtspielchen einzuwickeln. Und ich fiel drauf ein! Dies ärgerte mich mehr, als dass sie es taten, denn ich dachte immer, ich sei doch die Erwachsene! Sind wir zwar in vielerlei Hinsicht, ABER wir dürfen uns genau so nach Zweidamkeit, etc sehnen wie die Kinder und vor allem: wir dürfen anständig behandelt werden. Das musste ich erst lernen und das dauerte Jahre!..

        Was ich noch schreiben wollte: die Kinder machen das alles nicht böswillig! Nimm es also nicht persönlich. Sie probieren aus, weil sie Kinder sind und durch meine eigenen Kinder habe ich gemerkt, dass sie das bei allen, auch biologischer Mama, machen.

        Sieh es so, dass er das bei dir wagt (lachen, dass du alleine sitzt, Bild) weil er Vertrauen in dich hat! Und das spricht doch sehr für dich 🙂

  • #8728

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Joe und Pinocchio,

    das mit dem Machtspielchen dachte ich auch, habe aber keine passenden Worte gefunden. Pinocchio, das hast du mal wieder ganz wunderbar geschrieben und bringt auch meine Gedanken dazu auf den Punkt.
    @Joe, ich denke du hast jetzt ganz viel Input bekommen und wirst so hoffentlich die Weihnachtstage ruhiger und entspannter verbringen können.

    Euch und auch allen anderen, wünsche ich wunderschöne Weihnachtstage und verabschiede mich jetzt bis zum neuen Jahr :-).

    LG Daka.

    • #8732

      Pinocchio
      Teilnehmer

      Liebe Daka,
      danke für die Blumen:-)
      Ich geb s Kompliment gerne an Joe selber weiter. Sie beschreibt ihre Situation so wunderbar reflektiert, objektiv und anschaulich, dass es einfach ist, eine Antwort zu finden.

      Ich wünsche Euch auch allen schöne Weihnachten und versuche, zwischendurch online zu sein, aber bin dann auch noch weg.

      Alles Gute! Seid lieb zu Euch selbst!

  • #8747

    auchHier
    Teilnehmer

    Erstaunlich, wie unterschiedlich die Interpretation eines Kinderbildes sein kann! Ich persönlich würde mich darüber freuen, dass ein Kind relativ gerade Strich malen kann. Ein Gitternetz über eine Person sehen eigentlich alle Menschen als Muster für Käfig/Gefängnis. Und schon hat das Kind wieder etwas gelernt.

    Und selbst wenn man seine Aussage ernst nehmen kann „Ich hab dich in einem Käfig gemalt und der Papa und ich stehen daneben und lachen.“, würde ich zur Kenntnis nehmen, dass er sich meiner noch sehr unsicher ist. Vielleicht bin ich morgen schon wieder weg und aus seinem Leben verschwunden, „in einem Käfig“ bleibe ich erst einmal in seinem Leben.

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.